
Natürlich ist es unfair sich über Wahrsager zu amüsieren. Die armen Leute starren im Schweiße ihres Angesichtes in Kristallkugeln, müssen aus Kaffeesatz, Teeblättern und den Innereien von irgendwelchen Tieren die Zukunft herauslesen. Gut, wenn sie aus Tieren lesen, haben sie wenigstens deren Fleisch zum Essen. Aber ansonsten ist das Wahrsagen an sich eine ziemlich brotlose Kunst. Intelligente Leute glauben nicht an Wahrsagerei und die Leute die so dumm sind daran zu glauben, haben häufig nicht genug Geld um ihre Wahrsager am Leben zu erhalten.
In der Willmersdorfer Straße in Berlin, einer typischen Einkaufsstraße sitzt häufig eine etwas heruntergekommene Dame die den Einkaufenden ihre Zukunft vorhersagen will. Wer sich einmal daneben stellt, hat eine wunderbare Show. Die Dame gibt sich wirklich alle Mühe. Von der rauchigen Stimme bis zum festen Blick ins Gesicht ihres Opfers in dem sie jede Zuckung interpretiert. Herrliche Kleinkunst. Aber so gewinnt man natürlich keine Dauerkunden. Dauerkunden gibt es nur dann, wenn man denen auf Dauer das voraussagt, was sie hören wollen und das auch noch wenigstens ansatzweise eintrifft. Das ist jedoch schwierig. Die meisten Kunden von Wahrsagern wollen, dass man ihnen ihr persönliches Glück und die Erfüllung all ihrer Wünsche voraussagt. Dabei ist die Voraussage einfach, aber die Erfüllung findet normalerweise nie statt. Denn wer das große Glück sucht und erwartet, der übersieht das kleine Glück und wird noch trauriger.
Demoskopen haben es als Wahrsager da einfacher. Sie müssen nicht das Glück des Einzelnen vorhersagen, sondern beschäftigen sich mit der Frage, was die Mehrheit der Menschen wünscht und erwartet und mit der Voraussage darüber, wie sich diese Mehrheiten bei Produkten und politischen Aussagen verhalten werden. Offiziell benutzen sie dafür mathematische Formeln und sogar Computer, die dem ganzen einen Anstrich von Seriösität verleihen sollen. Tatsächlich aber werden die Umfrageergebnisse, die aus zweifelhaften Gruppen von Befragten kommen, welche angeblich einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung darstellen, nochmals durch die Kristallkugel betrachtet. Das Ganze nennt man dann gewichten. Frau Prof. Noelle-Neumann von Allensbach hat mit ihrer Gewichtung immer gerechtfertigt, dass die Ergebnisse so ausfielen, wie sie ihre Auftraggeber wünschten oder sie in ihre eigenen politischen Wünsche passten. Es war die Hochzeit der FDP in Umfragen.
Selbst die Frage ob es sich bei den Befragten um eine repräsentative Menge handelt, ist auch zwischen Statistikern höchst umstritten. Denn bei 2.500 Befragten, die zudem noch aus einem von Forsa ausgewählten Pool stammen, ist wohl eher davon auszugehen, dass die Befragten auch für die richtigen, die gewünschten Antworten stehen. Zusammen mit der Gewichtung ist das Ergebnis solcher Befragungen genauso Humbug, wie das Lesen in Katzendärmen, nur das bei Forsa keine Katzen getötet werden müssen. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Es geht um die sich selbst erfüllende Prophezeiung.
Die Medizin kennt den Placeboeffekt als wirksames Heilmittel. Obwohl in den Pillen keine Medikamente enthalten sind, wirken sie dennoch. Wer fest daran glaubt, dass ihm etwas hilft, der kann sogar Krankheiten selbst bekämpfen. Das machen sich auch gewisse christliche Sekten zu nutze, die Heilung durch Handauflegung versprechen, wenn der Betroffene die Heilung nur wirklich will. Wird der Betroffene nicht geheilt, hat er ein Annahmeproblem, er hat die Heilung nicht angenommen und ist also selbst schuld. Unternehmen wie Forsa versprechen aber nicht Heilung, sondern Beeinflussung.
Politische Umfragen dienen dazu einen anderen Teil des menschlichen Geistes zu manipulieren. Alle Menschen wollen Gewinner sein. Wenn sie schon nicht persönlich gewinnen können, dann wollen sie doch zumindest auf der Seite der Gewinner stehen. Andere wollen unbedingt in der Masse verschwinden, sich in der Mehrheit verstecken. Wenn Demoskopen also Mehrheiten verkünden, dann beeinflussen sie damit sehr bewusst, damit einen Teil der Wähler. Normalerweise die schwachen, die sich am leichtesten mit der Herde in die gewünschte Richtung treiben lassen.
Deshalb muss man bei Umfragen immer die Frage stellen, wer ist der Auftraggeber. Forsa veranstaltet wöchentliche Umfragen für die Mohn / Bertelsmanngruppe zu der auch Stern und Spiegel sowie RTL gehören. Neben Springer, ist dies die größte Medienmacht in Deutschland und die wird gnadenlos missbraucht. Sieht man einmal von Gerhard Schröder ab, der ja offen erklärte hat, dass er der Kanzler der Bosse und der Genosse der Bosse sein wollte und damit auch klar machte, dass ihm die arbeitenden Menschen völlig egal waren, vertritt normalerweise die CDU / CSU die Linie des Großkapitals und die FDP liefert dazu die Melodie der totalen Abzocker. Deshalb hat das Großkapital natürlich auch ein Interesse daran, das die CDU / CSU an der Macht bleibt, damit sich seine Interessen leichter durchsetzen lassen.
Normalerweise würde auch die FDP mit tollen Umfragewerten gestützt, wenn nicht selbst dem Blödesten mittlerweile klar wäre, dass man solch einen Schwachsinn niemandem mehr verkaufen kann. Aber trotzdem wird die FDP benutzt um ein
völlig falsches Bild zu erzeugen:
Mit zusammen 40 Prozent liegt die schwarz-gelbe Koalition damit weiter knapp vor Rot-Grün (gemeinsam 39 Prozent).
Das ist natürlich grober Unfug. Denn wenn die FDP nur zwei Prozent der Stimmen erhalten würde, dann scheitert sie an der Fünf Prozent Hürde und ihr Stimmenanteil wäre wirkungslos. Schwarz-Gelb läge dann bei 48 Prozent, und damit ein Prozent hinter Rot-Grün und 10 Prozent hinter rot-rot-grün. Aber das würde ja nicht helfen um die CDU in den kommenden Landtagswahlen vorne zu halten. Deshalb wird getrickst und getäuscht.
Damit aber die CDU nicht größenwahnsinnig wird, erklärt Göllner natürlich auch, woher die gute Lage für die CDU kommt und offenbart einmal mehr, das er dessen Lied singt, dessen Brot er isst:
Die 38 Prozent hat die Union Merkel zu verdanken, der die Menschen vertrauen."
Damit ist die Botschaft von Liz Mohn der Herrscherin über Bertelsmann, RTL, Stern und Spiegel an die CDU klar: "Was Merkel tut ist gut getan, weil es in meinem Sinne ist. Wehe ihr wagt den Aufstand, dann fallen eure Umfrageergebnisse ins Bodenlose." Das ganze ist so leicht durchschaubar und deshalb macht es schon fast wieder Spaß darüber zu berichten. Besonders erwähnenswert ist eine Aussage die der Forsa Geschäftsführer Joachim Koschnicke gegenüber der
Taz machte und die einfach nur niedlich ist:
Forsa ist außerdem unabhängig und unbestechlich. Wir sind eher der Notar der Bürger. Wir weisen aus, was uns die Bürger sagen, und stehen dafür gerade, dass die Ergebnisse wissenschaftlich sauber aufbereitet und analysiert werden.
Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen und ein Prost und ein lautes Gelächter würden allemal reichen, wäre da nicht noch eine weitere Aussage die aufhorchen lässt:
In unserer wöchentlich veröffentlichten Wahlabsicht für den Stern und RTL weisen wir natürlich die FDP aus. Sie kommt allerdings, wie wir alle wissen, seit vielen Monaten nur noch auf geringe Werte. Genau dies bereitet uns Probleme, wenn es darum geht, jenseits der Wahlabsicht auch politische Einstellungen nach Parteianhängerschaften auszuweisen.
Die Aussage "50 Prozent der FDP-Anhänger sind für den Verbleib von Christian Wulff im Amt" würde eine Genauigkeit suggerieren, die es bei einer Stichprobe von 1.000 Befragten, worunter vielleicht gerade mal 20 FDP-Anhänger sind, nicht gibt. Es gebietet also der wissenschaftliche Anspruch, in solchen Fällen die FDP-Anhänger nicht mehr auszuweisen.
Bei 2.500 angeblich Repräsentativen die befragt wurden ergeben sich dann mathematisch 50 die sich als FDP-Wähler geoutet hätten. Die reichen dann für den wissenschaftlichen Anspruch. Auch wenn Abweichungen unter drei Prozent im allgemeinen als statistisches Rauschen bezeichnet werden und als nicht messbar gelten.
Zum Glück werden die Wähler immer schlauer und die Demoskopen schaffen es kaum noch sie vor Wahlen zu verwirren und in die falsche Richtung zu lotsen. Es muss nur immer wieder auf die Machenschaften der Demoskopie hingewiesen werden. Das geht auch an Stammtischen. Beim Benzinverbrauch eines Autos würde eine Abweichung von 2 Prozent auch immer als bedeutungslos angesehen. Genauso bedeutungslos sind die Angaben der Demoskopen.
