„Revolution und Konterrevolution in Deutschland“ (1852), Kapitel XVIII: „Der Kleinbürger“; in: Marx-Engels-Werke (MEW) Band 8, Berlin 1960: 98-102
Ende Februar 2012 ist die deutsch(sprachig)e Ausgabe von Tristram Hunts „The Frock-Coated Communist. The Revolutionary Life of Friedrich Engels“ [Der Kommunist im Gehrock. Das revolutionäre Leben von Friedrich Engels] erschienen: FRIEDRICH ENGELS. Der Mann, der den Marxismus erfand. Aus dem Englischen von Klaus-Dieter Schmidt. Berlin: Propyläen/Ullstein Buchverlage, 2012, gebunden, 576 p. [sowie unpaginiertem Bildteil, schwarz-weiß, 16 p.], € 24,99 [D], € 25,70 [A], Stutz 34,90; ISBN 978-3-549-07378-0
„Zu einem faszinierenden Gegenstand biographischer Erkundungen wird Engels indes durch den persönlichen Hintergrund seiner philosophischen Kraft, durch den tiefen Widerspruch und die grenzenlose Opferbereitschaft, die sein langes Leben kennzeichneten […] Er glaubte an die Praxis und wollte seine Theorie des revolutionären Kommunismus mit Leben erfüllen. Zu seiner grenzenlosen Enttäuschung bekam er jedoch selten Gelegenheit dazu, denn seit er Marx kannte, stand für ihn fest, dass er seine eigenen Ambitionen zugunsten seines genialen Freundes und der größeren kommunistischen Sache opfern musste. Zwanzig lange Jahre führte er in der Blüte seines Lebens in Manchester voller Selbstverleugnung das Leben eines Fabrikanten, damit Marx die nötigen Mittel und die Muße hatte, um das Kapital zu vollenden. Die für das kommunistische Selbstverständnis so zentrale Idee des persönlichen Opfers spielte also schon bei der Entstehung der Bewegung eine Rolle. Diese außergewöhnliche Unterordnung unter Marx‘ Geist machte lange Phasen von Engels‘ erwachsenem Leben zu Zeiten schmerzlicher Zerrissenheit. Bezeichnenderweise bildet genau diese Dynamik des Widerspruchs, das heißt die Wechselwirkung von Gegensätzen und die Negation der Negation, durch welche die Entwicklung von Natur und Gesellschaft voranschreitet, den Kern der marxistischen Theorie des dialektischen Materialismus. Seit seiner Bekehrung zum Kommunismus lebte Engels, der Sohn einer wohlhabenden preußisch-kalvinistischen Kaufmannsfamilie, persönlich ganz offenkundig in diesem Widerspruch. Deshalb erinnert diese Biographie auch an einen Mann, der an Fuchsjagden teilnahm, an einen Frauenhelden und Champagner schlürfenden Kapitalisten, der zum Mitbegründer einer Lehre wurde, die im Gegensatz zu seinen eigenen Klasseninteressen stand und sich im Lauf der Jahrzehnte in einen dumpfen, puritanischen Glauben verwandeln sollte, der ganz und gar nicht zu den Charakteren seiner Gründer passte. Engels gestand niemals ein, dass zwischen seinem Lebensstil, der einem englischen Gentleman entsprach, und seinen egalitären Ideen ein Widerspruch bestand. Doch seine Kritiker hielten es ihm damals vor, und sie tun es heute umso mehr.“ (Aus dem Vorwort)