Es dürfte in der „großen“ Weinwelt für wenig Aufsehen gesorgt haben, aber seit 2009 hat Brandenburg den offiziellen Status eines
Landweingebietes. 25 Betriebe haben mittlerweile 30 Hektar in der märkischen Sandbüchse mit Keltertrauben bestockt.
Das klingt absurder als es in Wirklichkeit ist, denn ab dem 12. Jahrhundert wurde in Brandenburg gewerblicher Weinbau betrieben, eine Tradition, die erst 1945 vorläufig beendet wurde. Einzelne Standorte, wie beispielsweise auf der nahe Potsdam gelegenen Insel Töplitz wurden von Zisterziensermönchen angelegt, woran die Macher des
Weinguts Klosterhof jetzt anknüpfen. Auf 2,5 Hektar in reiner Südhanglage gedeihen auf von Löß-Lehm-Schichten durchzogenen Sandböden vor allem Riesling, Grauburgunder, Baccus und Regent. In Zukunft sollen noch St. Laurent und besonders pilz- und frostresistente Sorten wie Cabernet blanc und Cabernet Jura in den Ertrag kommen. Zweifler werden mit dem Hinweis auf die kleinklimatischen Bedingungen des Standortes Töplitz zum Schweigen gebracht. Denn diese unterschieden sich deutlich vom Brandenburger Durchschnitt: Sonnenstundensummen wie in großen Teilen der Pfalz und eine wegen der unmittelbaren Nähe zum Wasser ausgesprochen weinkompatible Feuchtigkeitsbilanz.
Halbe Sachen macht man im Klosterhof nicht. Hier sind erfahrene Profis am Werk, die im Weinberg konsequent auf biologische Bewirtschaftung, Ertragsreduzierung und Handarbeit setzen. Durchgängig trocken ausgebaut wird im eigenen Keller in feinstem Edelstahl, in Fuderfässern und in Barriques pro Jahrgang rund 20.000 Flaschen abgefüllt. Die meisten Weine würden mühelos die Kriterien für die Einstufung als Qualitätswein erfüllen, doch darauf verzichtet der Betrieb ganz bewusst. Denn dann würden die Erzeugnisse weinbaurechtlich dem Anbaugebiet Saale-Unstrut zugeordnet werden, und auf die Vermarktung mit dem Label „Brandenburger Landwein“ will man keineswegs verzichten. Schließlich sorgt auch der Exotenbonus dafür, dass man trotz recht offensiver Preispolitik keine Absatzsorgen hat.
Mit sechs Jahren ist die Rebanlage noch relativ jung. Ihr Potenzial kann natürlich noch nicht endgültig beurteilt werden. Doch eine Verkostung lohnt sich durchaus – allerdings mit Abstrichen. Der Riesling hat keinerlei Biss und ein äußerst diffuses Aromaspektrum. Eine echte Überraschung dagegen der Grauburgunder. Trotz ungewöhnlich kräftiger Säure zeigt er sich mit klarer ausgewogener Struktur, feinem Mandelduft, deutlicher Zitrusnote und einer Spur Ananas am Gaumen. Endlich kann man den Highlights der brandenburgischen Küche, wie z.B. Spargel oder Zander, einen angemessenen heimischen Begleiter zur Seite stellen.
Zum idyllisch gelegenen Weingut gehört auch eine nur am Wochenende geöffnete „Besenwirtschaft“, die perspektivisch eine Art Leuchtturm der ambitionierten brandenburgischen Regionalküche werden will und bereits in dieser Saison allerlei Events rund Wein anbietet. An der Wiedereröffnung eines in unmittelbarer Nähe gelegenen alten Hotels wird ebenfalls gearbeitet. Man zielt vor allem auf Berliner Weinfreunde, für die ein Besuch in Töplitz wenig mehr als ein Katzensprung ist.
Wer dem Brandenburger Weinbau jetzt immer noch nicht traut, sei auf eine andere märkische Spezialität verwiesen – Obstwein. Das müssen nicht immer klebrige Kopfschmerzbringer sein. Nicht weit von Töplitz hat sich ein Betrieb der Verarbeitung von Sanddorn in allen erdenklichen Spielarten gewidmet. Dazu gehört auch ein trockener Wein mit 11% Alkohol, der alle Fruchtweinhasser gewaltig ins Grübeln bringen sollte. Zum in diesem Fall äußerst unaufdringlichen Sanddorngeschmack gesellen sich ein wenig Bitterorange, frische Mandel und dezente Säure. Könnte man zu – natürlich brandenburgischen – Flusskrebsen in Dillsauce durchaus mal als Alternative zu Bukettweinen wie Traminer und Muskateller probieren.
Den Grauburgunder trocken 2011 (bio) vom Weingut Klosterhof gibt es für 8,90 Euro bei
amazon, sowie in der
Weinhandlung Suff in Berlin-Kreuzberg und direkt beim Erzeuger (kein Versand).
Den Sanddorn-Wein trocken gibt es für 4,50 bei
sandokan und in einigen großen Edeka-Märkten.
Rainer Balcerowiak lebt und arbeitet als freier Publizist in Berlin und Wandlitz.
Zuletzt erschien von ihm „Das demokratische Weinbuch“ (
Mondo Verlag Heidelberg) 14,95 Euro. Im Herbst 2012 erscheint im selben Verlag sein nächstes Weinbuch.
Ferner schreibt er regelmäßig Beiträge bei
Captain Cork.