Einträge von Rebecca Evan
Depleted Uranium - italienischer Soldat erhält 545.000 Euro Schadensersatz
Corriere della Sera
Ein Gericht in Rom hat das italienische Verteidigungsministerium zur Zahlung einer Entschädigung von 545.000 Euro an Gianbattista Marica verurteilt. Der Soldat war nach einem achtmonatigen Einsatz in Somalia am Hodgkin-Lymphom erkrankt. Verantwortlich für die Erkrankung ist laut den behandelnden Ärzten radioaktives Material, das durch den Einsatz von Munition mit abgereichertem Uran herrührt. Depleted-Uranium-Munition wurde während des Aufenthaltes Maricas in Somalia in der Zeit von 1992 bis 1993 verwendet.
In Italien ist die Angst vor dem Balkan-Syndrom groß: Etwa 20 italienische Soldaten, die in den vergangenen Jahren an Balkan-Missionen teilnahmen, sind an unterschiedlichen Tumorformen erkrankt, meldete der Corriere della Sera.
Nach Angaben des Verbands der Familienangehörigen der am Balkan-Syndrom erkrankten Soldaten sei die Rate an Hodgkin-Krankheitsfällen unter den Militärs doppelt so hoch wie in der italienischen Bevölkerung. Insgesamt seien bis zu 200 Soldaten an dem Syndrom erkrankt.
Wie das Gericht in Rom feststellte, war das italienische Verteidigungsministerium über die Gefährlichkeit des Urans informiert und hätte die Soldaten besser schützen sollen. Das Urteil des römischen Gerichts ist ein Erfolg für alle Familien, die wegen des Balkan-Syndroms Verwandte verloren haben, sagte Maricas Rechtsanwalt <Stock-world>.
Es ist der erste Fall, in dem das italienische Verteidigungsministerium zur Zahlung einer Entschädigung im Zusammenhang mit der radioaktiven und toxischen Uranmunition verurteilt wurde. Der Corriere della Sera und auch die österreichische Presse weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es die USA waren, die diese Munition in Somalia, im Balkan und im Irak eingesetzt haben.
Die deutsche Presse hat den Fall nicht aufgegriffen, obwohl auch deutsche Soldaten nach den Balkan-Einsätzen erkrankt sein sollen. Das Thema Uranmunition ist sowohl im Verteidigungsministerium als auch in der gesamten Regierungskoalition ein Tabu. Verharmlosend reagieren "Experten" beider Regierungsparteien auf kritische parlamentarische Anfragen - zum Beispiel von Abgeordneten der Linken. So gab die Bundesregierung noch im Frühjahr 2008 eine quasi völlige Entwarnung für Gefahren durch Uranwaffen aus - mit "wissenschaftlichen Belegen".
Quelle: corriere.it - Uranio impoverito, governo condannato a pagare risarcimento di mezzo milione
Pestizideinsatz: mutierte Fische mit zwei Köpfen
Gemeinsame Pressemitteilung
Rettet den Regenwald e.V.
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.
Pestizideinsatz: mutierte Fische mit zwei Köpfen
Bayer-Pestizide für Vergiftungen verantwortlich / Kritiker fordern Verkaufs-Stopp von Endosulfan
Berlin und Düsseldorf, 22. Januar 2009 - Im australischen Fluss Noosa werden Millionen deformierter Fische mit zwei Köpfen beobachtet. Nach dem Schlüpfen sterben die Fischlarven innerhalb von 48 Stunden, berichtet der auf Fische spezialisierte Veterinärmediziner Dr. Matt Landos. Eine Zuchtfarm allein verlor mehrere Millionen Larven.
Als Auslöser der Mutationen stehen Pestizide in Verdacht, die auf einer angrenzenden Macadamianuss-Plantage versprüht werden. Namentlich nennt Landos das Insektizid Endosulfan und das Fungizid Carbendazim, beide im Sortiment des Leverkusener Bayer-Konzerns. Bereits geringste Konzentrationen der Pestizide rufen Schäden des Hormonsystems sowie Entwicklungsstörungen bei Embryonen hervor, wie in Studien nachgewiesen wurde.
Endosulfan gehört zu den giftigsten Insektiziden, die sich weltweit auf dem Markt befinden. Immer wieder kommt es zu Vergiftungen, in mehr als fünfzig Ländern ist der Wirkstoff daher verboten. In Deutschland besitzt Endosulfan seit 1991 keine Zulassung mehr. Der Bayer-Konzern produziert Endosulfan jedoch weiterhin und exportiert es weltweit. Häufig wird das Pestizid (Bayer-Handelsnamen: MALIX, PHASER, THIODAN) gegen Insekten im Baumwollanbau eingesetzt. Allein im kleinen westafrikanischen Land Benin führte der Endosulfan-Einsatz innerhalb von zwei Jahren zu 348 Vergiftungen und 50 Todesfällen. In Indien starben im vergangenen November fünf Schüler, nachdem sie Endosulfan-vergiftete Milch getrunken hatten.
Nach Angaben lokaler Fischer sollen die Bestände im australischen Noosa-Fluss dramatisch zurückgegangen sein, seitdem sich in den neunziger Jahren Macadamia-Plantagen in der Gegend angesiedelt haben. Das staatliche Industrie- und Fischereiamt (DPI & F) untersucht den Fall.
„Bei Fischen und Amphibien ist seit Jahren ein weltweiter dramatischen Rückgang der Bestände bis hin zum Artensterben zu beobachten, die nach verschiedenen wissenschaftlichen Studien auf Pestizide zurückgeführt werden,“ erklärt Klaus Schenck vom Verein Rettet den Regenwald. Den VerbrauchernInnen in Deutschland wird empfohlen, mit Endosulfan behandelte Produkte wie die australischen Macadamia-Nüsse NICHT zu kaufen.
Rettet den Regenwald und die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordern Bayer auf, Produktion und Verkauf von Endosulfan endlich einzustellen. „Eine gefahrlose Anwendung von hochgefährlichen Pestiziden ist prinzipiell nicht möglich, besonders unter Armutsbedingungen“, so Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren.
Rund 10 Tonnen Endosulfan waren auch an Bord der am 22. Juni 2008 gesunkenen Fähre Princess of the Stars, die vor der philippinischen Insel Sibuyan in einen Taifun geriet und sank.
Studien zeigen, dass Endosulfan extrem toxisch ist und direkt auf das zentrale Nervensystem wirkt. In Tierexperimenten wurden Störungen der Bewegungskoordination und epilepsieartige Krämpfe hervorgerufen. Auch Leber- und Nierenschäden sowie Erblindungen sowie Schädigungen der Haut und Schleimhäute wurden festgestellt. Die chronischen Auswirkungen auf Menschen, die lange Zeit geringen Endosulfandosen ausgesetzt waren, umfassen einen Einfluss auf die Fortpflanzungsorgane, Fehlfunktionen der männlichen Geschlechtsorgane, sowie ein stärkeres Wachstum von Brust- und Prostatakrebszellen.
Weitere Informationen:
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Artikel
Sky News (Australien): Two-Headed Fish Found In Australia Sparks Fears Of Chemical
Contamination
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Kampagne
Stop Endosulfan: www.cbgnetwork.org/2574.html
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PAN-Informationen
zu Endosulfan: www.pan-germany.org/download/fs_bw_endosulfan.pdf
Kontakt:
Klaus
Schenck, Rettet den Regenwald e.V., Büro Berlin; Tel.: 030-51 73 68 79; berlin@regenwald.org
Philipp
Mimkes, Coordination gegen BAYER-Gefahren; 0211 – 333 911, CBGnetwork@aol.com
Attac steht zu Elsässer-Einladung
Stellungnahme der Vorbereitungs-AG des Attac-Kongresses „Kapitalismus am Ende?" zu Jürgen Elsässer
Von einigen Attac-Mitgliedern wurde gefordert, den Journalisten Jürgen Elsässer, der von uns als Teilnehmer einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Kongresses eingeladen ist, wieder auszuladen.
Begründet wird dies u. a. damit, dass Elsässer über das Projekt „Die Volksinitiative" eine Zusammenarbeit mit Neonazis anstrebe. Wäre dies tatsächlich der Fall, hätte die Vorbereitungs-AG keine Sekunde gezögert, Elsässer auszuladen. Eine Zusammenarbeit mit Neonazis ist eine Grenzüberschreitung, die den Grundkonsens von Attac sprengt.
Elsässer hat dazu erklärt: "Eine Mitarbeit von NPDlern in unserer Initiative oder auch eine Zusammenarbeit lehnen wir strikt ab. Mit Leuten, die den Holocaust verharmlosen oder beschönigen oder den Nazismus verharmlosen oder rechtfertigen, wird es keine Form der Kooperation geben. [...] Zwischen uns von der 'Volksinitiative' und Nazis, und zwar nicht nur der NPD, sondern jedweder Couleur, steht eine Feuerwand der Abgrenzung."
Allerdings wird eine solch explizite und deutliche Klarstellung wieder relativiert, wenn an anderer Stelle Begriffe benutzt werden, die eine gegenteilige Signalwirkung haben. Dadurch entsteht Zweideutigkeit - sei es ungewollt, sei es als bewusste Strategie – denn alle Kommunikation ist kontextabhängig. Die von Elsässer gebrauchte Formulierung „anglo-amerikanisches Finanzkapital" ist ein Beispiel dafür. Sie ist durch die Nazis kontaminiert, und das wird auch heute noch so in den politischen Diskursen dieses Landes wahrgenommen. Gerade bei sensiblen politischen Themen trägt der Sender eine Mitverantwortung dafür, dass seine Botschaft nicht missverstanden werden kann, auch wenn es eine völlige Absicherung in dieser Hinsicht nie geben kann.
Allerdings hat Elsässer inzwischen dazu Stellung genommen.
Er schreibt:
"'Anglo-amerikanisches Finanzkapital' ist eine unzulässige Verkürzung des Sachverhalts, die mir zu spät bewusst geworden ist. Da dadurch falsche Leute (Rechte) angelockt und gute Leute (Linke) abgeschreckt werden können, bin ich künftig gerne bereit, darauf zu verzichten. Ich bin auch gerne bereit, weiter an der Präzisierung von Begriffen zu arbeiten, wenn es der Sache – der Diskussion von Inhalten, der Vorbereitung von Aktionen – dient."
Angesichts dieser Sachlage halten wir eine Ausladung für eine unverhältnismäßige Maßnahme.
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Warnung: Wurm "Downadup/Conficker" breitet sich derzeit massiv aus
Derzeit attackiert der Internetwurm "Downadup/Conficker" weltweit Windows-Rechner. Dieser Schädling verbreitet sich über eine Schwachstelle in Windows, für die bereits seit Ende Oktober ein Sicherheitsupdate von Microsoft bereit steht, sowie vermehrt auch über Wechsel-Laufwerke wie zum Beispiel USB-Sticks über die sogenannte "Autorun"-Funktionalität. Dadurch wird beim Anschließen des Wechsel-Laufwerks automatisch das darauf befindliche Schadprogramm gestartet und installiert.
Stellen Sie sicher, dass Sie das Sicherheitsupdate von Microsoft MS08-067 installiert haben und Ihr PC durch eine aktive Firewall geschützt ist. Achten Sie außerdem auf die regelmäßige Aktualisierung Ihres Virenschutzprogramms.
An diesem Wurm zeigt sich, dass auch alte Maschen - Verbreitung von Schadsoftware durch Wechsel-Medien - heutzutage immer noch erfolgreich sind. Daher gilt es beim Umgang mit Wechsel-Laufwerken Vorsicht walten zu lassen.
Aufruf an die Bevölkerung: Gaza geht uns alle an
Von Maria Zeiser am Sonntag, 18. Januar 2009 - 13:27
Am Sonntag, dem 28.12.2008, telefonierte Frau Bundeskanzlerin Merkel mit dem Ministerpräsidenten Israels Ehud Olmert und ließ am Montag von ihrem Pressesprecher bekanntgeben, dass "sie und Olmert sich einig gewesen seien, dass die Verantwortung für die jüngste Entwicklung 'eindeutig und ausschließlich' bei der Hamas liege".
Merkel sah "die islamistische Hamas als alleinige Schuldige für den Beginn der Kampfhandlungen."
Dies heißt nun aber, dass demzufolge die Israelis nicht schuld an dem sind, was in Gaza passiert, also auch nicht schuld, wenn sie eine UN-Schule beschießen ("diente als Versteck für Hamas-Kämpfer") oder wenn sie Krankenwagen nicht zu den Verletzen lassen ("Krankenwagen könnten als Transportmittel für Hamas-Kämpfer benützt werden").
Werden also internationale Konventionen in Gaza gebrochen, wird gegen Menschen- und Völkerrecht verstoßen, so sind die Israelis im Vorfeld schon "entschuldet" worden, unter anderem von unserer Kanzlerin.
Ob nun also ein israelischer Soldat ein Baby zertritt, ob ein israelischer Soldat einem Mädchen in den Kopf schießt, ob Kleinkinder tagelang neben den Leichen ihrer Eltern ausharren ... keiner dieser Soldaten macht sich schuldig.
Wäre nun wenigstens Israel der Staat der Juden, wäre es nun wenigstens so, dass die Juden in Israel einen Staat gefunden hätten, in dem sie glücklich und zufrieden, sicher und in Ruhe und Frieden leben würden.
Aber es ist doch nicht so. Die schärfsten und stärksten Stimmen, die die israelische Politik/die israelische Regierung/das Vorgehen des israelischen Militärs ablehnen, kommen von Israelis und von nichtisraelischen Juden selbst.
Zur Diskussion um die "Volksinitiative"
Antwort auf konstruktive Kritiken (I)
Bei den im Internet und z.T. auch in Printmedien kursierenden Reaktionen auf unsere Initiative gibt es neben viel böser Polemik und unsachlichen Verdrehungen auch bedenkenswerte Kritiken von Leuten, die es gut mit uns meinen. Darauf möchte ich gerne eingehen.
So wird mir bzw. der Volksinitiative bisweilen vorgeworfen, wir hätten mit Kalkül oder aus Naivität nach rechts geblinkt. Bernhard Schmid und Peter Nowak schreiben auf infopartisan : "Lieber Jürgen, Du bist nicht naiv und musst aus Deiner jahrzehntelangen politisch-publizistischen Tätigkeit heraus wissen, dass aus einer solchen Volksinitiative nur eine Querfront werden kann." Und das, obwohl ein anderer Kritiker, der bei der Veranstaltung der Volksinitiative persönlich dabei war, auf 911video.de bestätigte: "Elsässer ging gleich zu Anfang seines Vortrags auf die schriftlich erfolgten Annäherungsversuche der NPD ein und verwehrte sich massiv dagegen." Tatsächlich verwendete ich die ersten 20 Minuten meiner Rede nur darauf, mich nach rechts zu distanzieren. Die deutliche Abgrenzung – die "Feuerwand der Abgrenzung nach rechts" – wurde auch sofort nach der Veranstaltung in einer Presseerklärung erneuert.
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Europäisches Parlament: Sprecherinnen und Sprecher der Fraktionen zum Thema Gaza
Die folgend entnommenen Auszüge verschiedener EU-Parlamentarier wurden aus einer Pressemeldung des Europaparlaments, vom 15.01.2009, bereitgestellt. Die komplette Pressemeldung kann unter www.europarl.europa.eu abgerufen werden.
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Gaza - Offener Brief an Steinmeier vom Grundrechtekomitee
Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V.
Pressemitteilung vom 15. Januar 2009
Offener Brief an Minister Steinmeier
An den
Außenminister der
Bundesrepublik Deutschland
Herrn Frank-Walter Steinmeier
Sehr geehrter Herr Steinmeier,
das Massaker in Gaza muss sofort beendet werden. Sie sind in den Nahen Osten gereist, um zu vermitteln. Sie führen Gespräche mit den Regierungen Israels und Ägyptens sowie mit der Fatah im Westjordanland.
Aber: Wer vermitteln will, muss mit beiden Konfliktparteien sprechen. Wenn Israel sich weiterhin weigert, mit der Hamas zu verhandeln, der unbestreitbaren politischen Repräsentanz der Palästinenser in Gaza, dann muss es ein Vermittler tun.
Mit der von Ihnen angekündigten Unterstützung für das israelische Militär bei der Abriegelung des Gaza-Streifens können Sie sich als Vermittler unmöglich und unser Land mitschuldig am Massensterben machen.
Frieden in Nahost wird ohne Verhandlungen und Vereinbarungen mit der Hamas nicht zustande kommen - wie auch immer man diese beurteilt.
Vordringlich ist die Aufhebung der Hungerblockade, für die es völkerrechtlich, politisch und humanitär keinerlei Rechtfertigung gibt - zumal die Hamas sich unter dieser Bedingung zum Waffenstillstand verpflichtet hat. Wir fordern Sie auf, dies Ihren Gesprächspartnern in Israel zu vermitteln.
Wir wünschen, dass Sie vermitteln. Das setzt aber voraus, dass Sie auf beide Seiten hören. So können Sie dazu beitragen, die Angst und den Hass zu überwinden und das Existenzrecht Israels und Palästinas zu sichern.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Buro, Daniela Dahn, Hans-Peter Dürr, Peter Grottian, Heinrich Hannover, Heiko Kauffmann, Ekkehart Krippendorff, Mohssen Massarrat, Wolf-Dieter Narr, Norman Paech, Horst-Eberhard Richter, Eckart Spoo, Elke Steven, Ingrid und Gerhard Zwerenz
Quelle:
Pressemitteilung vom 15. Januar 2009
Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V.
Aquinostr. 7-11, 50670 Köln
Telefon: 0221/972 69-20
Telefax: 0221/972 69-31
E-Mail: info@grundrechtekomitee.de
Internet: www.grundrechtekomitee.de
Pressemitteilung: Israel - Zwei Kriegsdienstverweigerinnen inhaftiert
Vor zwei Tagen wurden die Kriegsdienstverweigerinnen Raz Bar-David Varon und Maya Yekhieli-Wind zu jeweils 14 Tagen Militärarrest verurteilt. Beide weigern sich, den Militärdienst abzuleisten. Für Raz Bar-David Varon ist dies bereits die vierte Haftstrafe. Das teilte die Gruppe der Shministim gestern gegenüber Connection e.V. mit.
"Die gegenwärtige Gewalt ist ein Ergebnis jahrzehntelanger Besatzung sowie einer Abriegelung des Gaza seit dem Rückzug aus diesen Gebieten", erklärte Maya Yekhieli-Wind vor ihrer Inhaftierung angesichts des aktuellen Krieges in Gaza. "Die sinnlose Besatzung von Millionen führt nur zu einer Radikalisierung ihrer Positionen, zu Hass und der Eskalation der Gewalt. Gewalt ist ein Kreislauf, der sich selbst nährt. Dieser Kreislauf wird nicht enden, bis jemand aufsteht und sich ohne Kompromisse weigert, daran teilzunehmen. Das ist es, was ich heute tue."
In Israel sind alle jüdischen Frauen und Männer wehrpflichtig und werden mit 18 Jahren einberufen. Die Dauer des Militärdienstes beträgt für Männer drei Jahre, für Frauen 20 Monate. Nach Ablauf des regulären Militärdienstes leisten Männer bis zu ihrem 50. Lebensjahr mindestens einmal jährlich für etwa 30 Tage einen Reservedienst ab. Ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung wird praktisch nicht gewährt. Anfang der Woche wurde der erste Reservist zu 14 Tagen Arreststrafe verurteilt, nachdem er sich dem Kriegseinsatz im Gazastreifen verweigert hatte.
Raz Bar-David Varon und Maya Yekhieli-Wind gehören einer Gruppe von 60 Abiturientinnen und Abiturienten an, die sich im Sommer 2008 als Shministim zusammengeschlossen haben. Gemeinsam hatten sie, Frauen und Männer, gegenüber dem israelischen Verteidigungsminister erklärt, dass sie sich gegen die "Besatzungs- und Unterdrückungspolitik der israelischen Regierung" wenden. "Wir werden uns deshalb weigern, an den Aktionen teilzunehmen, die vom israelischen Militär in unserem Namen durchgeführt werden." Bislang wurden acht von ihnen zumeist mehrfach inhaftiert.
Connection e.V. ruft zur Unterstützung der israelischen Verweigerer auf. Über die Website www.december18th.org der Shministim können Protestschreiben an den israelischen Verteidigungsminister gesandt werden.
gez. Rudi Friedrich
Connection e.V.: Pressemitteilung vom 16. Januar 2009
Jürgen Elsässer: Offener Brief an Kolleginnen und Kollegen im "Neuen Deutschland"
Betreffend Beendigung meiner Mitarbeit durch die Chefredaktion
siehe ND vom 15. Januar 2009, Seite 5
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
als vor einigen Tagen bereits absehbar war, daß meine Mitarbeit im ND
beendet werden könnte, erinnerte mich eine freundliche Kollegin an das
Beispiel Tuchatschewski. "Dir geht es eben wie Tuchatschewski ...",
meinte sie. "Wie, Tuchatschewski, wer ist das?", fragte ich, Schande
über mich Unwissenden bringend. Sie klärte mich auf: Der sowjetische
General hatte sich Mitte der dreißiger Jahre mit einer dringenden
Eingabe an die oberste Armeeführung gewandt und zu einer schnellen
Motorisierung der Truppe geraten, sonst werde man keine Chancen gegen
den faschistischen Feind haben. Doch die anderen Generäle verlachten
oder verdammten ihn und höhnten: "Wie sollen wir einen Krieg führen
oder sogar gewinnen können - ohne Pferde?" Tuchatschewski fiel ob
seiner unkonventionellen Vorschläge in Ungnade. Ein paar Jahre später
besann sich Stalin eines besseren und modernisierte die Rote Armee
trotzdem – eine Verzögerung, die viele Menschenleben kostete.
Tuchatschewski konnte sich seiner Rehabilitierung nicht sehr erfreuen,
er fiel trotzdem den Großen Säuberungen des Jahres 1937 zum Opfer.
["Jürgen Elsässer: Offener Brief an Kolleginnen und Kollegen im ... »]
Schlägerüberfall nach linker Veranstaltung
Am Samstag, 10. Januar, fand in Berlin die erste Veranstaltung der neugegründeten "Volksinitiative" unter dem Motto "Weltwirtschaftskrise: Versagen die Linken? Was ist zu tun?" statt.
Mit 120 Besuchern war der Andrang Interessierter beträchtlich.
Hauptreferent Jürgen Elsässer, Buchautor und Mitarbeiter der sozialistischen Tageszeitung "Neues Deutschland", stellte gleich zu Anfang klar, wo die erwünschte Breite der Initiative ihre klare Grenze hat. "Eine Mitarbeit von NPDlern in unserer Initiative oder auch eine Zusammenarbeit lehnen wir strikt ab. Mit Leuten, die den Holocaust verharmlosen oder beschönigen oder den Nazismus verharmlosen oder rechtfertigen, wird es keine Form der Kooperation geben. Wer, wie die NPD, immer noch im blutigen Sumpf der Vergangenheit steckt, ist für eine zukunftsorientierte Politik nicht zu gebrauchen." Am Vortag der Veranstaltung hatte sich die NPD mit einer Erklärung der "Volksinitiative" angebiedert und auf deren "unverkrampftes" Herangehen an Bündnisse spekuliert. Elsässer dazu: "Die NPD kann sich das abschminken. Das wird nicht passieren. Zwischen uns von der 'Volksinitiative' und Nazis, und zwar nicht nur der NPD, sondern jedweder Couleur, steht eine Feuerwand der Abgrenzung." Intendiert, so Elsässer, sei eine „Volksfront" in der Tradition des Bündnisses von Kommunisten, Sozialdemokraten und Bürgerlichen in den dreißiger Jahren, die sich „gegen Faschismus und Krieg" richtete. „Ein Spektrum von Lafontaine bis Gauweiler ist das, was wir wollen."
Die Veranstaltung dauerte etwa zweieinhalb Stunden und war von einer sachorientierten Diskussion geprägt, unter anderem um die Vorbereitung eines großen "Volkskongresses" zur Kritik des Finanzkapitals, der spätestens im Mai stattfinden soll. Gegen 23 Uhr löste sich die Zusammenkunft auf.
Eine knappe halbe Stunde später, als nur noch etwa 40 Leute im Saal waren, stürmten sechs bis acht Vermummte herein und begannen mit Prügeleien. Offensichtlich hatten sie es auf einen Mann abgesehen, den Sie als Nazi bezeichneten. Woher dieses Wissen rührte, war unklar, denn weder diese Person noch irgend sonst jemand hatte sich während der Veranstaltung durch Diskussionsbeiträge, Zwischenrufe oder
Ähnliches als Rechtsradikaler zu erkennen gegeben. Wären wir als Veranstalter darauf hingewiesen worden, dass sich Nazis in der Versammlung befinden, hätten wir selbstverständlich Platzverweise
ausgesprochen.
Der angebliche Nazi wurde mit einer Flasche niedergeschlagen und brach blutüberströmt zusammen. Ein zufällig am Nebentisch sitzendender junger Mann wurde ähnlich brutal zu Boden geprügelt. Beide mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Weiterhin wurde ein Mitglied der "Volksinitiative", das sich den Vermummten in den Weg gestellt hatte, ins Gesicht geschlagen.
Wir werten diese Attacke als schweren Angriff auf die grundgesetzlich garantierte Meinungs- und Organisationsfreiheit. Offensichtlich maßt sich eine "antifaschistisch" kostümierte Schlägertruppe an, unliebsame linke Organisationsansätze wie die "Volksinitiative" durch physische Gewalt an der Verbreitung und Diskussion ihrer Ideen zu hindern. Dass sich angeblich ein Nazi unter den über hundert Anwesenden befunden haben soll, war nur ein Vorwand für das Rollkommando: Tatsächlich war schon am 07.01. auf der Website indymedia dazu aufgerufen worden, die Veranstaltung zu stürmen: "Lassen wir Elsässer nicht alleine, besuchen wir ihn im Wirtshaus Max & Moritz und bereiten ihm und uns einen schönen Abend. Wirksame Gegen-Argumente sollten treffsicher vorgebracht werden." (Indymedia hatte den Post nach kurzer Zeit gelöscht.)
Die "Volksinitiative" wird sich nicht einschüchtern lassen, sondern ganz im Gegenteil ihre Arbeit verstärken. Wir werden eng mit Polizei und Staatsschutz kooperieren, um die kriminelle Vereinigung, die für den Angriff verantwortlich ist, zu überführen - und um unsere künftigen Veranstaltungen zu sichern.
Die Volksinitiative, 12. Januar 2009
Für Rückfragen: Jürgen Elsässer 0151/16016044


















