... und die Mehrheit schweigt.
Was sagt die Mutter des Gedankens?
Freilich ist’s nicht ihre Diktion, wohl aber ihr Diktat!
Unentwegt wiehert’s der fügsame Esel dem störrischen Volke zu:
Iah!
Iahh!
Iahhh!
Alle lauschen sie stumm in Ehrfurcht,
wissen seiner von Mammons Gnaden verlogenen Wahrheit,
suhlen ihre Münder in Unschuld.
O Schattenmensch, laß dein Antlitz vom Licht des gelben Neides erhellen.
Schlage dein habseliges Schweigen in Stücke!
Verhelfe seinen Lügen endlich zur Sonne.
Einträge von Mike
Eine Art von Hure

Ein Herz für Geld
Werbung zielt auf Eroberung ab. Das weiß man spätestens seit den letzten Tagen von Troja. Doch ab und zu kommt es vor, dass einer dieses klebrige Gespinst aus Lügen, Manipulation, Halbwahrheiten und falschen Versprechungen durchbricht und eine leicht bekömmliche Dosis Wahrheit verbreitet. Sascha Hanke, seit Beginn dieses Jahres Geschäftsführer der Kreation von Jung von Matt, ist einer davon. In einem Interview mit dem Popkultur-Magazin »Umagazine« (Design EXTRA) bezeichnet er den Werber als »…so eine Art Hure«.
Mich wundert, daß es keinen Aufschrei der Entrüstung von Seiten des Bundesverbandes sexueller Dienstleistungen e. V. gibt, oder zumindest eine Differenzierung derartiger Vergleiche. Ein Werber gehört weder zur Gattung »Hure«, noch darf er sich als solche bezeichnen. Denn Werbung befriedigt keine Bedürfnisse. Sie erzeugt welche. Darum ist sie letztlich in ihrer Funktion als verlängerter Arm der Unternehmen (Freier) wohl eher eine Art Zuhälter. Dagegen sind wir die Huren (Konsumenten).
Sollte ein Zuhälter irgendwelche Gewissensbisse bekommen, wenn er seine Huren den Freiern zum Fraß vorwirft, damit deren Begierden (Profit) gestillt werden? Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Nein. Auch dann nicht, wenn die Angestellten manchmal alles schlucken müssen. Hauptsache, der Kunde bezahlt und ist's zufrieden. Sonst kommt man nicht nach vorne oder muss in eine andere Liga wechseln. Woher also dieser plötzliche Anflug moralischer Bedenken? Buhlt da jemand um Absolution für seinesgleichen?
Ich denke nicht. Die Geilheit nach Geiz hat man doch mit Erfolg aus den oberen Sphären der Gesellschaft heruntergeholt und sie nachhaltig in die Köpfe der Mittel- und Unterschicht gerammt, Verzeihung, gereimt. Ebenso die wiederaufbereitete Anti-Pessimismus-Kampagne zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wer so professionell lügt, braucht weder eine Art von Zensurbrille noch eine Union-Jack-Tarnkleidung. Abgesehen davon finde ich dieses Outfit, wenn man es auf die Fakten runterbricht, viel passender für einen Zuhälter, als für eine Hure. Doch das ist Geschmacksache.
Werbung erzeugt ab und zu auch bei mir ein komisches Gefühl. Besonders, wenn es um Fragen der Moral und der Menschenliebe geht. Kriegswaffen müssen nicht unbedingt direkt sein, wenn man bedenkt, dass einzelne Komponenten durchaus ein Ganzes ergeben. Die Kriegführenden Parteien starten sogleich das volle Programm mit Streubomben und Phosphorgranaten. Das hinten nicht nur ein Euro pro investiertem Euro wieder herauskommt, sondern gleich ein Vielfaches an zivilen Opfern, ist auch klar. Doch da besteht immerhin die Möglichkeit, sein Gewissen zu beruhigen, indem man grüne Techniken bewirbt. Aber vielleicht ist eher das damit gemeint?
Ja, solange der »Spartrend« in den deutschen Haushalten anhält, müssen sich die Werber neue Strategien ausdenken. Allein mit einem hölzernem Hottehü-Pferdchen werden sie die Herzen der Menschen nicht mehr erobern können. Und schon gar nicht das Geld, weil das bereits anderweitig einkassiert wurde.
Was will man machen?
Kalbshaxe Bürgerliche Art
(...)
Nikolas Tomski (Klaus Kinski): »Indessen konstituiert sich die Internationale der Proleten. Dagegen etablieren wir die Internationale der Moneten. Sie verdient mehr Vertrauen, glauben Sie mir. Worte wie: ›Kriegführende Alliierte‹ gehören der Vergangenheit an. Wir haben keine ›Freunde‹ mehr, wir haben ›Partner‹. Wir haben keine ›Feinde‹ mehr, wir haben ›Kunden‹. Das Kapital kennt keine Grenzen mehr.«
Xavier Maréchal (Alain Delon): »Die Korruption natürlich auch nicht.«
Nikolas Tomski: »Deshalb wird auch die Veröffentlichung der Akte Serrano nicht das Geringste ändern. Ich werde demissionieren, zwei oder drei Politiker müssen ihren Hut nehmen, Sie landen im Gefängnis. Im Grunde wird sich überhaupt nichts ändern.«
Xavier Maréchal: »Sie vergessen dabei aber völlig die öffentliche Meinung.«
Nikolas Tomski: »In der Lockheed-Affäre hat sie geschlafen.«
Xavier Maréchal: »Und der Fall Nixon?«
Nikolas Tomski: »Da ging’s nicht um Geld, es war eine Frage der Moral.«
Xavier Maréchal: »Ah! Es gibt sie also, die Moral!?«
Nikolas Tomski: »Keine Aufregung, dieser Skandal wird sich nicht wiederholen. Monsieur Maréchal, sie haben eine vorsintflutliche Ehrauffassung. Sie hat keine Beziehung zur Wirklichkeit mehr. War es nicht Ihr letzter großer Staatschef, der einmal gesagt hat, daß sie alle Kälber wären? Und was stört es denn schon, das ›Kalb‹ (Deutungsvolle Geste zu Xav), wenn ein Kabinettschef oder ein Staatssekretär sich schnell mal ein bißchen bereichert? Sind Sie der Meinung, daß dadurch die wirtschaftliche Situation auch nur im Geringsten tangiert wird? Wichtig ist doch nur das Produzieren, das Verteilen. Die Bedürfnisse der ›Kälber‹ zu decken. Ihnen zu fressen, zu saufen und was zum lieben zu geben, mehr brauchen sie nicht. Und vielleicht noch einen kleinen Tapetenwechsel im Jahr...«
(...)
Dieser vortreffliche Dialog zwischen den Schauspielern Alain Delon und Klaus Kinski stammt aus dem Politthriller »Der Fall Serrano« (1977). Er ist nach wie vor aktuell. Oder lassen sich die »Kälber« nach 32 Jahren nicht mehr freiwillig zur Schlachtbank führen?
Nikolas Tomski (Klaus Kinski): »Indessen konstituiert sich die Internationale der Proleten. Dagegen etablieren wir die Internationale der Moneten. Sie verdient mehr Vertrauen, glauben Sie mir. Worte wie: ›Kriegführende Alliierte‹ gehören der Vergangenheit an. Wir haben keine ›Freunde‹ mehr, wir haben ›Partner‹. Wir haben keine ›Feinde‹ mehr, wir haben ›Kunden‹. Das Kapital kennt keine Grenzen mehr.«
Xavier Maréchal (Alain Delon): »Die Korruption natürlich auch nicht.«
Nikolas Tomski: »Deshalb wird auch die Veröffentlichung der Akte Serrano nicht das Geringste ändern. Ich werde demissionieren, zwei oder drei Politiker müssen ihren Hut nehmen, Sie landen im Gefängnis. Im Grunde wird sich überhaupt nichts ändern.«
Xavier Maréchal: »Sie vergessen dabei aber völlig die öffentliche Meinung.«
Nikolas Tomski: »In der Lockheed-Affäre hat sie geschlafen.«
Xavier Maréchal: »Und der Fall Nixon?«
Nikolas Tomski: »Da ging’s nicht um Geld, es war eine Frage der Moral.«
Xavier Maréchal: »Ah! Es gibt sie also, die Moral!?«
Nikolas Tomski: »Keine Aufregung, dieser Skandal wird sich nicht wiederholen. Monsieur Maréchal, sie haben eine vorsintflutliche Ehrauffassung. Sie hat keine Beziehung zur Wirklichkeit mehr. War es nicht Ihr letzter großer Staatschef, der einmal gesagt hat, daß sie alle Kälber wären? Und was stört es denn schon, das ›Kalb‹ (Deutungsvolle Geste zu Xav), wenn ein Kabinettschef oder ein Staatssekretär sich schnell mal ein bißchen bereichert? Sind Sie der Meinung, daß dadurch die wirtschaftliche Situation auch nur im Geringsten tangiert wird? Wichtig ist doch nur das Produzieren, das Verteilen. Die Bedürfnisse der ›Kälber‹ zu decken. Ihnen zu fressen, zu saufen und was zum lieben zu geben, mehr brauchen sie nicht. Und vielleicht noch einen kleinen Tapetenwechsel im Jahr...«
(...)
Dieser vortreffliche Dialog zwischen den Schauspielern Alain Delon und Klaus Kinski stammt aus dem Politthriller »Der Fall Serrano« (1977). Er ist nach wie vor aktuell. Oder lassen sich die »Kälber« nach 32 Jahren nicht mehr freiwillig zur Schlachtbank führen?
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