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    <title>Duckhome - Hoff / Rieger - Kunst, die nicht nur bildet</title>
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    <pubDate>Wed, 18 Jun 2008 17:45:10 GMT</pubDate>

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    <title>45. Bis zum nächsten Mal</title>
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    <author>nospam@example.com (Jochen Hoff / Elsa Rieger)</author>
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                       &lt;br /&gt;
Alles endet! Nur „Wann?“ ist die Frage.&lt;br /&gt;
Unbekannt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28. April 2006 Hamburg  8 Uhr 10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Helga wurde wach, weil viele kleine Hämmer auf ihren Kopf einschlugen. Erst brauchte sie eine Weile, um sich zu orientieren. Sie lag nackt auf ihrem Bett ausgebreitet und Tatijana saß auf ihrem und tippte in ihr Notebook.&lt;br /&gt;
Helga wollte etwas sagen, aber außer einem Krächzen kam nicht viel. Die Russin reichte ihr ein Glas kalten Wodkas: „Runter damit. Hilft am schnellsten.“&lt;br /&gt;
Helga hatte den Befehl wortwörtlich befolgt und war nun nahe daran zu ersticken oder sonst wie zu sterben. Aber Tatijana sprang auf, huschte ins Bad und brachte einen Krug kaltes Wasser und ein Glas, in dem sich bereits zwei Aspirin mit irgendwelchen Vitaminen auflösten und zwei weitere bereitlagen: „Hier trinken und dann gleich nochmal zwei.“&lt;br /&gt;
Helga schluckte, allmählich löste sich die Verklebung ihrer Speiseröhre und des Mundes. Sie trank auch die zweite Ladung. „Wieso hämmerst du eigentlich vor Tau und Tag auf diesem Scheißcomputer im Schlafzimmer rum? Bist du irre? Wozu haben wir eine Suite?“ Nach dem Ausbruch legte Helga sich wieder lang. Dieser Ermittlerwahnsinn war derzeit zu viel für sie. Oder war es der Wodka, den Tati selbst anscheinend wie Wasser vertrug.&lt;br /&gt;
„Nein. Bin ich nicht, aber Russisch-orthodox. Das ist noch viel schlimmer“, scherzte die Russin, „aber im Wohnzimmer nächtigen unsere Gäste. Die habe ich heute Nacht nicht mehr über den Flur gerollt gekriegt. Irgendwie warst du auch keine große Hilfe dabei. Du hast nur geschnarcht.“&lt;br /&gt;
Helga deckte sich zu. „Haben die mich etwa so nackt gesehen?“&lt;br /&gt;
„Ich weiß nicht, was die noch gesehen haben, aber nackt warst du auch schon früher und Hubsi war eh nicht ansprechbar auf Frauen, den hatte der Abend viel zu sehr mitgenommen. Die Störchin hat bestimmt einen Spiegel, weiß also wie Frauen aussehen.“&lt;br /&gt;
Helga entspannte sich wieder, schoss aber nach: „Trotzdem musst du nicht wie eine Irre tippen. Das kannst du doch später machen.“&lt;br /&gt;
„Wenn du kein Geld brauchst, sicher.&quot; Sie reichte Helga einen Stapel Papier: „Lesen und jeweils unten, wo dein Name gedruckt steht, unterschreiben.“&lt;br /&gt;
Helga wollte nicht lesen, aber sie unterschrieb. Tatijana kontrollierte die Unterschriften und scannte den Kram gleich wieder ein. Dann gab sie einen Satz Originale an Helga weiter und einen Scheck mit einer Kopie dieses Schecks, den Helga auch brav als erhalten quittierte. Sie krächzte: „Bist du irre? Soviel Geld verdiene ich in Jahren nicht.“ &lt;br /&gt;
„Nö, waren ja auch nur ein paar Wochen. Du kriegst den gleichen Satz wie wir auch. Dazu noch eine Hinhalteprämie für deinen Hintern. Der Scheck kommt aber direkt von der Versicherung.“&lt;br /&gt;
„Johann bringt dich um“, meinte Helga und betrachtete wehmütig ihre Freundin.&lt;br /&gt;
Tatijana lachte nur. „Johann würde es genauso machen, es ist in Wirklichkeit sogar abgesprochen, auch wenn er die Details nicht kennt. Vielleicht musst du die nächsten zwanzig Fälle für Kleingeld lösen. Dann brauchst du jede Reserve. Also vergiss es.“&lt;br /&gt;
„Danke“, hauchte Helga geschwächt, aber auf dem Weg ins Leben zurück.&lt;br /&gt;
„Nun geh duschen. Du müffelst. Ich mach den sonstigen Kram hier fertig. Mein Morgenurin sagte mir nämlich, dass mein Reichsgraf unsere Zelte hier zügigst abrechen wird. Der will nach Hause. Ist immer so am Ende eines Falles. Dann ist er ungenießbar.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Helga duschte und Tatijana ihre Büroarbeit machte, wachte die Störchin auf. Wie ihr Vater schon immer gesagt hatte, war ihr Kopf viel zu weit von ihren Füßen entfernt, um Kopfschmerzen zu haben. Sie war voll da. Allerdings wusste sie nicht mehr, das Tatijana ihr gestern noch zwei Tabletten Aspirin auf der Bettkante verabreicht hatte.&lt;br /&gt;
Sie ging ins Bad. Grinste Helga an und verschwand wieder. Dann besuchte sie Tatijana im Schlafzimmer, die sie zu sich winkte: „Hier ist kaltes Wasser und Aspirin mit C, zweimal zwei und du bist wieder im Rennen, reicht auch noch für Hubsi und dann geht duschen. Wir müssen noch Protokolle untermalen.“&lt;br /&gt;
Die Störchin betrachte mit stillem Vergnügen die arbeitende Tatijana und gehorchte. Das wäre auch jemand für eine Schwitzhütte, dachte sie bei sich. Sie versorgte Hubsi und anschließend wechselten sie in ihre eigene Suite.&lt;br /&gt;
Als Helga handtuchumwickelt wieder ins Zimmer kam, war Tatijana fertig. Geduscht hatte sie schon früher, aber sie tobte noch einmal kurz durchs Bad und zog sich dann an. Sie nahm den Rechner sogar mit zum Frühstück und hatte ihre Arbeit gerade beendet, als Huber und die Störchin kamen.&lt;br /&gt;
„Wenn ihr wie die Russen sauft, müsst ihr auch wie die Russen frühstücken.“ Tatijana orderte Brot, Butter und Filetsteaks, dazu Orangensaft, Milch und natürlich den unumgänglichen Kaviar. Und es half gegen Katersymptome.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um elf Uhr trudelten Huber, die Störchin, Helga und Tatijana in der zuständigen Polizeidirektion ein und in weniger als drei Stunden hatten sie tatsächlich ihre bürgerlichen Pflichten erledigt und ihre Aussagen zu Protokoll gegeben. Das lag nicht so sehr an den Schreibkünsten der Mitarbeiter, als viel mehr an der vorsintflutlichen Technik. &lt;br /&gt;
Tatijana kochte vor Zorn. Sie hatte ihre Aussage schon fertig geschrieben mitgebracht, aber es gab keine Möglichkeit, diese zu übernehmen. Das Verbrechen war vielleicht global, die Polizei noch auf Steinzeitniveau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann und Mücke hatten den Vormittag über hinter verspiegelten Wänden gestanden und die Vernehmungen beobachtet. Es gab kaum etwas Erwähnenswertes. Erstaunlich war nur, dass Benno von der Lohe so freudig auspackte. Er schien es sogar zu genießen. Nach dem Mittagessen sollte es um seine Motive gehen. Benno lächelte die Polizisten an und leckte über seine Zähne.&lt;br /&gt;
Er wusste, er hatte verloren, aber nicht wie diese Versicherungsheinis das gedreht hatten. Am Ergebnis war jedoch nicht zu rütteln. Die Bullen hatten ihn gründlich durchsucht. Seine Zähne nicht. Er fuhr wieder mit der Zunge längs seine letzte Rückversicherung. Er würde noch ein Weilchen mit ihnen spielen und dann abtreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann schüttelte während des Mittagessens in der Kantine immer wieder den Kopf. Das lag nicht am Essen, das er mehr oder weniger so teilnahmslos zu sich nahm wie es gewürz- und  geschmacklos war. Mücke hatte den halben Salzstreuer über seinem Teller ausgeleert, was ihn aber auch nicht viel glücklicher machten: „Johann, was schüttelst du dein reichsgräfliches Haupt? Lass mich an deinen Gedanken teilhaben. Haben wir irgendwas übersehen?“&lt;br /&gt;
„Nein, aber etwas stört mich am Verhalten von Benno von der Lohe. Ich weiß nur nicht was.“&lt;br /&gt;
„Vielleicht, dass er ein gewissenloses, kriminelles Arschloch ist?“&lt;br /&gt;
„Das auch, aber das ist das Volk, das wir jagen, doch immer. Nein. Der ist mir einfach zu selbstsicher, als ob er noch einen großen Trumpf in der Hinterhand hat. Ich habe nur keine Idee, was das sein könnte.“&lt;br /&gt;
„Dem würde selbst ein Diplomatenpass nicht mehr helfen. Da gibt es nichts, was ihn noch retten könnte. Johann, du machst dich unnötig verrückt. Im Grunde ist der Fall durch. Wir können morgen beruhigt abreisen und unsere Arbeit in Berlin machen.“&lt;br /&gt;
„Aber trotzdem, ich weiß nicht, was mich da stört. Na, schauen wir mal. Den Nachtisch werde ich begnadigen.“&lt;br /&gt;
Als die beiden die Treppe von der Kantine nach oben stiegen, lag auf dem zweiten Absatz ein kleiner, sehr gebrauchter Holzkeil, der sicherlich irgendwo für eine Tür gedacht war. Johann hob ihn auf und steckte ihn ein.&lt;br /&gt;
MM grinste. „Wenn du so knapp mit Holz bist, könnten wir die Bäume rund um mein Haus absägen. Das reicht dann bei dir bestimmt für zwei Winter. Oder wir könnten Holz im Grunewald klauen.“&lt;br /&gt;
Johann schüttelte den Kopf. „Ich hasse Unordnung!“ &lt;br /&gt;
Bevor das Verhör mit Benno wieder aufgenommen wurde, ließ Johann im Büroraum nebenan das Videoband im Schnelldurchlauf laufen. Grinsen, über die Zähne lecken. Einfach nur so grinsen. Da war nichts.&lt;br /&gt;
Das Verhör begann wieder. Benno lief zur Höchstform auf. Er berichtete von der begnadeten Lehrerin, die dem KZ entronnen war, nur, um ihn zur Kunst zu führen. Warum leckte der dauernd über seine Zähne. Hatte er Zahnschmerzen? Nein! &lt;br /&gt;
Johann fiel es wie Schuppen von den Augen, er stürmte in den Verhörraum und zwängte Benno den Keil zwischen die Backenzähne. „Giftzahn!“, brüllte er, „Wenn er drauf beisst, ist er tot. Wir brauchen einen Zahnarzt!“&lt;br /&gt;
Als Bennos Anwalt eingreifen wollte, brach Mücke ihm versehentlich den Arm. Dann half er Johann, Benno zu bändigen. &lt;br /&gt;
Mittlerweile hatten auch die anderen realisiert, worum es ging. Die Blamage, dass sich einer mit einem Giftzahn aus seiner Vernehmung und Verurteilung schleichen wollte, konnten sie nicht zulassen. &lt;br /&gt;
Schnell kam ein Polizeiarzt, der zunächst einmal Johanns Beißsperre durch ein dafür gedachtes Gerät ersetzte und dann zusammen mit Johann am Video feststellte, welchen Zahn Benno immerzu beleckt hatte.&lt;br /&gt;
Den Zahn vorsichtig rauszuschrauben und zu röntgen war kein Problem mehr. Es war ein Giftzahn. Zur Sicherheit wurden alle Zähne von Benno geröntgt. An weitere Vernehmungen war nicht mehr zu denken. Benno von der Lohe hatte völlig seine Fassung verloren. Er bekam Beruhigungsmittel und wurde in eine kameraüberwachte Zelle für Suizidgefährdete verlegt. Sein Anwalt verzichtete auf Vorwürfe gegen Johann und Mücke und ließ sich lieber den glatten Bruch schienen. &lt;br /&gt;
Als Johann und Mücke das Gebäude verließen, wussten sie, dass ihre Mission hier beendet war. Johann hatte den Keil mitgenommen. Das war etwas für jene Kiste, in der er die abenteuerlichsten Trophäen sammelte.&lt;br /&gt;
MM sagte: „Weil du Unordnung hasst.“ Er lachte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend gab es zum letzten Mal ein großes Essen in Johanns Suite. Die Ermittler hatten allen Grund, stolz auf sich zu sein. Aber keiner war so richtig in der Stimmung, ein großes Fest daraus zu machen. Die Sache war erledigt und sie waren alle müde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen bekam Johann einen Anruf von Herrn Marks, der bei der Versicherung Johanns Spesen und Honorarabrechnungen abzeichnen musste und bei jedem Euro förmlich in  Tränen ausbrach. „Sind Sie jetzt völlig wahnsinnig geworden?“, schrie er los, „Wissen Sie, wieviel Geld Sie nun schon wieder von uns haben wollen und dann die Spesen! Das geht doch nicht.“ Während des Lamentos hatte Johann Tatijanas Abrechnung durchgesehen und grinste fröhlich. Er mochte solche Zahlen am frühen Morgen.&lt;br /&gt;
„Hmm. Das scheint doch sogar recht gut gegangen zu sein, oder konnten Sie die Rechnung nicht ausdrucken? Dann wird ihnen meine Mitarbeiterin sofort ...“&lt;br /&gt;
„Ich habe sie ausgedruckt. Ich will sie nur nicht glauben. Soviel Geld für ein wenig Herumgereise und Spesenmacherei. Das kann nicht Ihr Ernst sein!“&lt;br /&gt;
„Marks, Sie sind ein undankbarer Knopf. Schicken Sie mir die Rechnung zurück. Ich kläre das mit Präsident Horzinger. Sie sind für uns erledigt. Ich bin mal gespannt, wie Sie ihrem Präsidenten erklären wollen, dass soviel Publicity weltweit für Sie bedeutungslos ist. Wieviel Medienerwähnungen hatten Sie doch gleich?“&lt;br /&gt;
„Sechsundsiebzigtausend. Aber ...“&lt;br /&gt;
„Meine Quellen sagen, ungefähr das Doppelte. Aber egal. Präsident Horzinger wird sich von seiner Public Relationabteilung vorrechnen lassen können, was das wert ist. Rechnen wir noch dazu, was der Wert der Bilder ist, dann ist mein Honorar lächerlich. Klar, Herr Murks?“&lt;br /&gt;
„Marks, Reichsgraf, Marks.“&lt;br /&gt;
„Ich habe einen vollständigen Titel, Murks.“&lt;br /&gt;
„Entschuldigung, Herr Reichsgraf zu Wernicke-Biesendorf. Ich fertige die Anweisung gerade aus. Müsste in ein paar Sekunden auf Ihrem Konto sein.“ Sein Zähneknirschen war nicht zu überhören.&lt;br /&gt;
„Sehen Sie, Marks, warum nicht gleich so. Ersparen Sie sich den Ärger einfach. Sie haben doch noch nie gewonnen und so viel Spaß macht verlieren doch auch nicht.“&lt;br /&gt;
Johann legte auf und ging zu den anderen frühstücken.&lt;br /&gt;
Homer und Cecil hatten Ultraschallbilder von dem Baby geschickt. Huber und Mücke erkannten  sofort, dass es ein Jungen war und zeigten, wo sie das edle Teil vermuteten. &lt;br /&gt;
Johann spielte den anderen die Posse mit Marks von der Versicherung vor und es herrschte heute morgen eine ausgelassene Stimmung. Nachdem die Teller leer gegessen waren, wandte Johann sich an Tatijana: „Hast du schon gepackt? Wir wollen sehen, dass wir mit dem Intercity gegen Eins loskommen.“&lt;br /&gt;
„Selbstverständlich habe ich gepackt, Euer Gräflichkeit. Aber ich reise noch nicht ganz aus Hamburg ab. Ich habe noch eine nette Einladung von zwei großen schwarzen Jungs und ihren Frauen in einem Blumenladen. Ich mache Urlaub. Da wird Berlin wohl noch ein Weilchen warten müssen.“&lt;br /&gt;
Damit warf sie allen eine Kusshand zu, winkte einem Pagen und verschwand aus dem Hotel. &lt;br /&gt;
„Aber die sind doch viel zu groß für sie“, murmelte Johann grübelnd. &lt;br /&gt;
Helga legte ihm die Hand auf den Arm: „Vielleicht spielt sie gerne mit großen Jungs.“&lt;br /&gt;
Nun brach auch die Wiener Ermittlergruppe auf. &lt;br /&gt;
Unter Mückes Gelächter ging Johann nachdenklich seine Koffer holen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/1663-Es-werden-gar-schaurige-und-erschroeckliche-Dinge-passieren.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Worum es geht&quot;&gt;Worum es geht&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2818-44.-Jetzt-aber!.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Vorheriges Kapitel&quot;&gt;Vorheriges Kapitel&lt;/a&gt;         &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 24 Jun 2008 09:00:00 +0200</pubDate>
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    <title>44. Jetzt aber!</title>
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    <author>nospam@example.com (Jochen Hoff / Elsa Rieger)</author>
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                         &lt;br /&gt;
Eine Gemeinschaft ist wie ein Schiff: &lt;br /&gt;
Jeder sollte bereit sein, das Ruder zu übernehmen.&lt;br /&gt;
Henrik Ibsen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte Helga den Notruf an die Polizei wegen versuchter Vergewaltigung getätigt, stürmten die Pinkerton Leute zusammen mit Huber, Homer und Cecil Whiteness das Gebäude. Gleichzeitig rollten von allen Seiten Polizeifahrzeuge ohne Einsatzsignal heran und sperrten das Grundstück der Neidmühle wie auch die Zufahrtsstraßen weiträumig ab. &lt;br /&gt;
Dann begann für die Polizei das große Warten. Erst mussten sie ein Fahrzeug der Polizeiführung mit zwei Fremden durchlassen. Dann zwei LKWs der amerikanischen Armee. Dann wieder warten. &lt;br /&gt;
An einigen Punkten der Abriegelung trafen die Polizisten auf dunkelgekleidete, sehr schweigsame Leute, die nur dafür sorgten, dass niemand vorrückte. Einige der Beamten verdienten normalerweise etwas nebenbei damit, dass sie der Presse ein paar Tipps über Einsätze gaben. Aber was hätten sie hier schon sagen können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Neidmühle war Benno an einen Stuhl gefesselt worden. Beide Hände befanden sich in Spurensicherungstüten und es wurde peinlichst darauf geachtet, dass er sie nicht abstreifte. Zu allem Übel hatte er auch noch eine schwarze Maske auf dem Kopf. Er tobte innerlich. Damit würden die Schweine nie durchkommen. Seine Anwälte würden diese Klage wegen Vergewaltigung in der Luft zerreißen. &lt;br /&gt;
Fragen nach seinem Anwalt wurden abgewiesen. Kein Bedarf. Noch sind Sie nicht festgenommen, war die anonyme Antwort.&lt;br /&gt;
Während Benno in einem Raum verwahrt wurde, begannen Fachleute des amerikanischen Militärs damit, alle Böden und Wände des Hauses zu untersuchen. Dabei wurden sie von den Radaraufnahmen der Luftüberwachung und den Ergebnissen, die die städtischen Bediensteten, ohne es zu wissen, erzielt hatten, unterstützt. &lt;br /&gt;
Die gleiche Technik der Amerikaner war auch schon in Afghanistan und dem Irak zum Aufspüren unterirdischer Anlagen und deren Sicherungen benutzt worden. Bennos kleine Geheimnisse waren dieser Technik nicht gewachsen. &lt;br /&gt;
Nachdem die Techniker einfach den Strom für das ganze Haus komplett abgeschaltet hatten, war das Notstromaggregat schnell entdeckt und die radarschluckenden Schichten in den Wänden wirkten ohne Strom eher wie Markierungen. &lt;br /&gt;
Bennos System verfügte über eine der dümmsten Sicherheitseinrichtungen, die man sich vorstellen konnte. Um nicht in seinem Verließ eingeschlossen zu werden, öffneten sich bei totalem Stromausfall alle Türen, weil ihre  elektromagnetische Schließung nicht mehr funktionierte. Trotzdem dauerte es über zwei Stunden, bis die Militärs sicher waren, dass nichts mehr passieren konnte und den Strom wieder einschalteten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neidmühle verfügte im wesentlichen über zwei, in Teilbereichen sogar über drei Kellergeschosse. Es gab insgesamt drei Zugänge, wobei das Büro von Benno wohl der Hauptzugang gewesen war. Über eine Treppe ging es auf einen schmalen Gang, an dessen einen Ende ein Museum nun in hellem Glanz erstrahlte. &lt;br /&gt;
Das andere Ende des Ganges führte über eine weitere Treppe direkt ins Elend. Dort fanden sich fünf junge Frauen in verschiedenen Stufen der Verelendung. Sie konnten es nicht fassen, dass ihre Qual zu Ende sein sollte. Huber war der richtige Tröster. &lt;br /&gt;
Also rückten zuerst die Militärs ab. Dann kam die Hamburger Kripo, während Homer und Cecil verschwanden. Nachdem die Hamburger Kollegen eingeweiht waren, verschwanden auch Mücke und Johann mit den meisten der Pinkertons und endlich durfte die Polizei nachrücken. &lt;br /&gt;
Helga und Tatijana übergaben den nun wieder Maskenlosen Benno von der Lohe. Tom und Dick von Pinkerton erklärten, dass sie den Auftrag gehabt hatten, Benno zu überwachen und auf Tatijanas Geschrei zur Hilfe geeilt wären und den Angreifer überwältigt hatten. &lt;br /&gt;
Während Benno eine kostenlose Maniküre seiner Fingernägel durch die Spurensicherung bekam und Tatijana eine DNA-Probe abgab, begann Helga mit den Erklärungen. „Wir hatten den Auftrag schon fast abgeschlossen. Es sah lange Zeit nicht so aus, als ob er uns auf dem Leim gehen würde.“&lt;br /&gt;
„Kann es sein, dass er über ihre Motivation im Unklaren war, Frau Brenner?“, wollte eine strenge, junge Beamtin wissen.&lt;br /&gt;
„Nein“, antwortete Helga, „er wusste, dass wir hinter ihm her waren und keine Beweise hatten. Wir haben den Verdacht, dass er sehr genau über unseren aktuellen Ermittlungsstand informiert war. Sie sollten vielleicht mal seine Mails untersuchen.“&lt;br /&gt;
„Ich weiß, dass Sie in Österreich mal Kollegin waren. Aber wir können hier ganz gut unsere Ermittlungen selbst leiten“, knurrte die Strenge.&lt;br /&gt;
„Nun gut. Es kam zu einem Stromausfall, weil irgendjemand die Außenbeleuchtung anschalten wollte. In dem Wirrwarr sprangen einige Türen auf.“&lt;br /&gt;
„Wieso wollten Sie ...“&lt;br /&gt;
„Wir wollten Licht, um eventuell weitere Angreifer oder Flüchtende sehen zu können. Ich war nämlich nicht nur mal Polizistin, sondern ich hänge auch an meinem Arsch. Deshalb sehe ich gerne, was los ist. Stattdessen wurde es dunkel. Dann flackerte eine Notbeleuchtung auf und erlosch auch gleich wieder. Ich schätze, das Notstromaggregat war kaputt. Entschuldigen Sie, wenn ich damit Ihren Ermittlungen vorgreife.“&lt;br /&gt;
„Schon gut“, sagte die Polizistin. „Wir stehen ja auf der gleichen Seite, aber das ist alles irgendwie mysteriös.“ Sie war verwirrt. &lt;br /&gt;
„Na, dann kommen Sie mal mit. Wo bleiben eigentlich die Rettungswagen?“, sagte Helga.&lt;br /&gt;
„Sind angefordert. Aber wir haben doch noch gar keine Verletzten gesehen.“&lt;br /&gt;
„Sie nicht, aber wir. Der Mann bei den gefolterten Frauen ist Kommissar Franz Huber aus Wien. Er versteht zumindest ein wenig von ihrer Sprache.“ Helga marschierte energisch vor der Beamtin in den Keller. Was sie dort sah, ließ sie die Hände vor das Gesicht schlagen: „Oh Gott, welches Schwein war das?“&lt;br /&gt;
„Benno von der Lohe. Aber auf die  Sache mit der Peitsche ist er erst sein ein paar Wochen gekommen. Vorher hat er sie nur komisch angezogen und dann vergewaltigt. Sagen die Mädchen zumindest“, antwortete ein sehr bleicher Franz Huber, der mit etwas Wasser und einem sauberen Taschentuch die schlimmsten Stellen zu reinigen versuchte.&lt;br /&gt;
Die Rettungskräfte trafen ein. Das Bild, das sich ihnen bot, nahm sie sichtlich auch mit. Auf jeden Fall brauchten sie erst einmal Zeit, um ihre Patientinnen überhaupt transportbereit zu machen. &lt;br /&gt;
Helga führte die junge Beamtin inzwischen in Bennos Museum. Dort trafen sie auf Tatijana und einen leitenden Beamten.&lt;br /&gt;
„Hier hängen ungefähr vier Milliarden Euro an echter Kunst. Überall auf der Welt zusammen gestohlen. Das dürfte die teuerste Sammlung der Welt sein.“ Tatijana war sichtlich beeindruckt, „Aber auch er ist damit nicht durchgekommen. Werden wir hier noch gebraucht? Ich nehme an, mein Chef wird die entsprechenden Verfügungen zu den Bildern bereits haben.“&lt;br /&gt;
„Sie müssten nur noch das Protokoll ...“&lt;br /&gt;
„Kein Problem, aber erst morgen früh. Jetzt brauchen wir erst mal einen Schnaps.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatijana und Helga hatten ausführlich geduscht, der Zimmerservice hatte Wodka, Gläser und Eis gebracht. Helga cremte Tatijanas geschundenes Hinterteil: „Sieht schon ganz schön bunt aus. Ist allerdings genau wie mein Hinterndurchschuss nichts für eine Verdienstmedaille.“&lt;br /&gt;
„Ich brauche keine Verdienstmedaille. Wir haben die wichtigsten Arschlöcher gekriegt. Das reicht. Mich wurmen nur die, die wir nicht kriegen werden.“&lt;br /&gt;
„Naja, für die letzte Aktion gibt es auch keinen Fairnesspokal. Dazu haben wir den lieben Benno doch zu arg geleimt.“&lt;br /&gt;
„Wenn es nicht immer darum ginge, solch einem Mistkerl bis in das kleinste I-Tüpfelchen absolut Recht angedeihen zu lassen, dann wären wir gar nicht in der Situation. Wir hatten genug, um ihn über die Klinge springen zu lassen.  Wenigstens da bin ich mir mit meinem Grafen einig. Im Zweifelsfall wie auf Saipan durch andere erledigen lassen. Soll sich der Dreck doch gegenseitig auslöschen.“&lt;br /&gt;
„Da bist du richtig rachsüchtig, Tati.“&lt;br /&gt;
„Ja. bin ich. Die Arschlöcher, die mein Kind und meinen Mann umgebracht haben, hat die Polizei ja auch nie gekriegt, weil sie ja nur höflich anfragten, ob der Herr Verbrecher denn eventuell bereit und so nett wäre, mal eben ein Geständnis abzulegen. Ich wäre bei diesem Benno mit ner Pumpgun reinmaschiert und hätte ihn mal in den Lauf schauen lassen. Dann wären die Mädchen schon ne Woche frei.“&lt;br /&gt;
„Ja. Aber es gibt auch Unschuldige. Um die geht es doch. Die Gauner profitieren halt nur davon.“&lt;br /&gt;
„Helgalein. Die Polizei tritt mit einem müden Lächeln um fünf Uhr morgens bei irgendeinem Habenichts die Tür ein und entschuldigt sich nicht einmal, wenn sie sich in der Nummer geirrt hat. Die gleiche Polizei leckt an Benno von der Lohes Hintern und lässt Leute wie Oreste Crispi fröhlich mit Menschen und was weiß ich noch handeln.“&lt;br /&gt;
„Ja, wenn du es so siehst“, sagte Helga.&lt;br /&gt;
„Man kann es nur so sehen. Recht sollte die Schwachen stützen und nicht die Starken unangreifbar machen. Wenn ich nur an die Abschiebungen in Berlin denke, wird mir ganz anders. Das ist nicht mein Recht. Aber diesmal haben wir wenigstens großflächig aufräumen können. Oreste Crispi kriegen wir auch irgendwann noch. Ich kenne meinen Reichsgrafen. Da ist der wie ein Terrier. Der lässt nie los. Und ich auch nicht. Gibst du mir noch einen Schnaps?“&lt;br /&gt;
Als Helga ihr das volle Glas reichte, klopfte es an Tür. Es war Homer mit Cecil. Händchenhaltend mit Wodka und Eis. Nur gut, dass Homer so tief schwarz war. Das heißt, eigentlich war er eher grau. &lt;br /&gt;
„Kommt ruhig rein“, brüllte Tatijana, während Helga schnell in einem Bademantel sprang. Sie blieb ruhig und nackt auf ihrem Bett sitzen.&lt;br /&gt;
Cecil zerrte ihren Homer in den Raum, platzierte ihn auf Tatijanas Bett und schenkte Wodka aus. Homer versuchte sich in Position zu setzten, um eine Rede zu schwingen, aber die Russin winkte ab: „Cecil, erzähl, bei Männern dauert das Jahre.“&lt;br /&gt;
Cecil nahm einen großen Schluck aus ihrem Glas: „Ich bin schwanger, von diesem schwarzen Jungen da.“ Dann kippte sie erschrocken den Rest ihres Glases hinterher. Tatijana sprang auf und knuddelte sie: „Hab ich es doch geahnt. Mensch, ist das schön. Homer, du darfst ruhig lächeln.“&lt;br /&gt;
„Ich hab Cecil erzählt, dass wir ...“&lt;br /&gt;
„Ja, Homer, ist mir klar. Aber ich wünsche euch wirklich Glück. Ich hatte gerne meinen Spaß mit dir, aber ein Baby konnte und wollte ich dir nicht bieten. Versaut es nur nicht. Ihr habt jetzt die besten Karten, um in euren Vereinen den großen Sprung nach oben zu machen.“&lt;br /&gt;
„Na, eigentlich haben doch Johann und in Wirklichkeit du ...“&lt;br /&gt;
„Paperlapapp, Homer. Wir sammeln keine Pokale und Medaillen. Wir sammeln Geld. Die Ehre kann uns mal. Die Versicherung kriegt ein wenig Ehre, Hubsi und die Störchin bekommen den Wiener Anteil an Ehre und der Rest bleibt dem FBI in Form von Homer Milhouse Nixon und seiner netten Geliebten vom CIA. So wird der Bericht aussehen, den ich morgen oder übermorgen rausgebe.  Was in unserer Rechnung stehen wird, sage ich dir allerdings nicht.“&lt;br /&gt;
Homer wollte noch irgendwelchen Dank loswerden, aber Helga nötigte ihm neuen Wodka auf. &lt;br /&gt;
Als jedoch Cecil ein weiteres Glas für sich eingießen wollte, nahm Tatijana es aus ihrer Hand. „Damit ist jetzt Schluss, liebe Mami.“&lt;br /&gt;
Cecil nahm es hin. Sie beschäftigte etwas anderes: „Was sollen wir uns nicht versauen, Tatijana?“&lt;br /&gt;
„Versucht nicht, die normale amerikanische weiße Vorortfamilie aus Suburbia zu spielen. Das klappt nicht. Du bist nämlich nicht nur verrückt nach deinem Homer, sondern auch auf deinen Job. Und wenn Homer jeden Abend nach Hause kommen soll, um sich anzuhören, was der oder die Kleine gerade gemacht und dass die Nachbarin einen neuen Dildo hat, dann seit ihr in zwei Jahren am Ende. Macht normal in euerem Beruf weiter, versucht nur ein wenig mehr Schreibtisch in USA zu kriegen“, sagte Tatijana schwungvoll.&lt;br /&gt;
„Ich wollte eigentlich meinen ...“&lt;br /&gt;
„Dachte ich mir. Ist aber Quatsch. Nimm dir ein Jahr und dann ein Kindermädchen oder den Hort beim CIA in Langley, der soll richtig gut sein. Aber gib dich nicht auf. Homer hat sich keine Hausangestellte ausgesucht.“&lt;br /&gt;
„Na, ob er sich überhaupt was ausgesucht hat?“ Helga kicherte.&lt;br /&gt;
„Du darfst Männern da nicht allzuviel Spielraum lassen“, fiel Tatijana wieder ein: „Die wissen nicht was, gut für sie ist. Da müssen wir Frauen schon entscheiden. Das geht schneller und ist auch besser.“&lt;br /&gt;
„Ja, dann.“ Homer zuckte hilflos mit den Achseln, was allgemeines Gelächter hervorrief. Er schüttelte den Kopf über die Frauen, sagte: „Wir wollten uns auch gleichzeitig verabschieden, wir verschwinden morgen vor dem Frühstück. Wäre schön, wenn du uns die Berichte und den Rest noch zukommen lässt, aber wir wollen natürlich keine Presse.“&lt;br /&gt;
„Schon klar. Ich informiere den Reichsgrafen. Die Berichte kriegt ihr und wir sehen uns bestimmt demnächst mal wieder. Ich komme sogar zu Hochzeiten, fange aber keine Sträuße.“&lt;br /&gt;
Die beiden verabschiedeten sich, ließen den Wodka aber da. Kaum hatte Helga noch einmal ausgeschenkt, klopfte es schon wieder. Diesmal waren es Huber und die Störchin.&lt;br /&gt;
Die beiden waren schon im Zimmer, aber Huber wollte gleich wieder abdrehen, als er die nackte Tatijana auf dem Bett sitzen sah. &lt;br /&gt;
Die Störchin hielt seinen Arm fest und dirigierte ihn sanft auf die Frauen zu: „Keine Sorge, sie beißt dich nicht und will auch nicht mit dir spielen. Mensch, Leute ihr habt ja sogar kalten Schnaps.“ Sie wedelte mit ihrer halbvollen, aber sichtbar warmen Flasche, bis Helga sie ihr aus der Hand nahm. &lt;br /&gt;
„Die armen Mädeln, die armen Mädeln“, sagte Huber immer wieder. „Passt auf,  dafür kriegt er wegen gefährlicher Körperverletzung bestensfalls fünf Jahre und die Opfer leiden ihr ganzes Leben. Ich könnte speiben.“&lt;br /&gt;
„Aber nicht auf mein Bett, Hubsi.“ Tatijana zauste ihm durchs Haar. „Das wagt kein Gericht. Du kannst ganz sicher sein, dass Johann, mein reichlicher Graf die Tatortfotos an die Presse durchsickern lässt. Die werden sie bringen, um ihre Auflagen zu stärken, aber danach müssen sie auch lebenslänglich fordern. Das wird er auch kriegen. Weg für immer.“&lt;br /&gt;
„Glaubst du? Von der Lohe hat doch Beziehungen. Kenn ich doch von uns“, antwortete Huber.&lt;br /&gt;
„Er hatte Beziehungen, diese Freunde sind jetzt schon alle auf dem Rückzug. Morgen Mittag hat ihn schon keiner mehr gekannt. Das Pack hat doch noch nicht einmal Gaunerehre. Das sind keine Schränker, das sind Politbetrüger. Die Beziehungen waren tot, als wir im Haus waren. Ich hab jetzt nur keine Lust, durch die Sender zu schalten, sonst könnte ich es dir zeigen“, sagte Tatijana mit einem siegessicheren Lachen.&lt;br /&gt;
„Wenn du es sagst. Lasst uns einen trinken.“ Die Störchin füllte die Gläser, „Übrigens, Tschikowski ist voll geständig. Aber die Staatsanwaltschaft glaubt ihm seine Dusseligkeit nicht. Er kriegt mindestens zehn Jahre wegen Beihilfe zum Mord an der Lamm und fünf Jahre extra für seinen Verrat im Amt. Wahrscheinlich werden sie ihn dann nach drei Jahren rauslassen, wegen besonders guter Führung. auf jeden Fall hat der hat ausgesorgt.“&lt;br /&gt;
„Wenigstens ist die Sache gut erledigt, Ich konnte ihn nie leiden, aber zurück zur Polizei geh ich trotzdem nicht mehr.“ Helga prostete den anderen zu, „Und jetzt freu ich mich schon wieder auf ein paar ruhige Wochen mit Drago in Wien.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mücke und Johann hatten noch ein wenig der Vernehmung des Benno von der Lohe zugesehen, aber seit dessen Anwalt anwesend war, hatte sich ein Geständnis vorerst erledigt. Es machte keinen Sinn sich, die Nacht um die Ohren zu schlagen. Deshalb gingen sie mit den Hamburger Kollegen und Frau Weißbach einen trinken. &lt;br /&gt;
Ab morgen würden sie Benno und Hank permanent verhören, wobei Hank im Prinzip schon alles zugegeben hatte, nur nicht, wer sein Auftraggeber war. Das würde vielleicht für immer sein Geheimnis bleiben und dazu führen, dass er nur mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen verlegt werden würde. &lt;br /&gt;
Alle waren sich einig, dass der Fall bis auf Kleinigkeiten gelöst sei. Der Rest würde das übliche Geschacher zwischen Staatsanwaltschaft und Anwälten sein und auf Urteile hinauslaufen, die wohl keinen richtig befriedigen würden. Aber daran konnten sie kaum etwas ändern. &lt;br /&gt;
Johann persönlich glaubte, dass sowohl Hank als auch Benno den Hamburger Knast nicht lange überleben würden. Immerhin hatten sie einen Justizangestellten getötet, seine Familie entführt und vergewaltigt. Das Gefängnispersonal  würden Mittel und Wege finden, die anderen Häftlinge wissen zu lassen, auf wen sie wütend waren. Eine solche Entwicklung war Johann recht. Nach einer Verurteilung. Im Grunde genommen glaubte er immer noch an den erzieherischen Wert von Urteilen. Nicht für den Täter, sondern als Abschreckung für andere. Genauso sah er einen Mord im Knast eher als Abschreckung, nicht wie eine Todesstrafe, die viel zu weit weg vom tatsächlichen Leben war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/1663-Es-werden-gar-schaurige-und-erschroeckliche-Dinge-passieren.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Worum es geht&quot;&gt;Worum es geht&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2733-43.-Benno-von-der-Lohe-oder-der-Zofentrick.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Vorheriges Kapitel&quot;&gt;Vorheriges Kapitel &lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
           &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2821-45.-Bis-zum-naechsten-Mal.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Nächstes Kapitel am 24.06.2008&quot;&gt;Nächstes Kapitel am 24.06.2008&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 19 Jun 2008 09:00:00 +0200</pubDate>
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    <title>43. Benno von der Lohe oder der Zofentrick</title>
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            <category>Hoff / Rieger - Kunst, die nicht nur bildet</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Jochen Hoff / Elsa Rieger)</author>
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                         &lt;br /&gt;
Das Böse hat den Vorteil, das es auf den ersten &lt;br /&gt;
Blick aufregender erscheint als das Gute. &lt;br /&gt;
Ernst Ferstl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27. April 2006 Anderten 11 Uhr 10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schiffer und seine Frau machten normalerweise die Arbeit, während Hank sich mit seinen Spielzeugen beschäftigte oder in den Tag hinein träumte. Da mehr als drei Mann Besatzung aufgefallen wäre, wurden alle harten Arbeiten von Leuten im Osten während längerer Liegezeiten gemacht. &lt;br /&gt;
Dem Schiffer war alles recht, denn eigentlich wäre keine Versicherung mehr bereit, ihn zu versichern, weil er betrunken in Holland einen Brückenpfeiler gerammt hatte. So war die Versicherung zwar so windig wie das ganze Schiff. Aber das störte niemanden wirklich. &lt;br /&gt;
Es störte auch nicht die Piloten der Bundeswehr, die mit Infrarotkameras tief in das Schiff hineinsahen. Sie zählten drei Leute und mindestens einen versteckten Hohlraum, in dem die Luft wärmer war als im sonstigen Schiff. &lt;br /&gt;
Zum letzten Mal überprüften sie die Position der Besatzungsmitglieder nach dem Einlaufen in die Schleuse. Hank hatte sich nicht aus seiner Kammer im Bug bewegt. Als der Kapitän die Leinen festgemacht hatte, sah er einen Haufen getarnter Gestalten, die sein Schiff enterten. Einer zeigt ihm, ein anderer seiner Frau die Mündung einer Waffe und legte die Finger auf die Lippen. Beide schwiegen wie erstarrt. &lt;br /&gt;
Hank hatte keine Chance. Die Kopfhörer im Ohr hätten auch die Laute übertönt, die normale Schritte erzeugt hätten; das Sondereinsatzkommando kam auf Socken und völlig lautlos. Er schaffte zwar den Griff in Richtung des Funkauslösers noch, aber die Einsatzkräfte waren wegen des Sprengstoffs gewarnt.&lt;br /&gt;
Es war ausgerechnet der Sprengstoffhund, der den Beamten die geheime Kabine zeigte, weil diese mit Sprengmitteln versehen war, um schnell vernichtet werden zu können. Die Einrichtung entsprach genau der Beschreibung, die die Frau des Justizangestellten und ihre Kinder der französischen Küstenwache gegeben hatte. Selbst die Stelle, an der sie versucht hatten, sich durch die Wand zu kratzen, war zu sehen. &lt;br /&gt;
Das reichte, um alle zu verhaften und nach Hamburg zu bringen. Damit nicht wieder ein Überfall auf einen Gefangenentransport versucht werden konnte, wurden die Gefangenen mit dem Hubschrauber der Bundespolizei geflogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27.04.2006 Hamburg 11 Uhr 20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Benno von der Lohe lächelte. „Kommen Sie doch ruhig herein. Selbstverständlich können Sie die Gasleitungen im Keller kontrollieren. Allerdings müssten die seit Jahren ohne Druck sein. Damals wurde der Anschluss an der Straße abgeklemmt.“ Er ließ den Mann mit seinem Messgerät alleine durch den Keller wandern. Da könnte er messen, solange er wollte. Er würde keinen Hohlraum finden. Schon gar nicht in der Art, in der der suchte. Das war schon der dritte öffentliche Bedienstete, der ihn heute langweilte. Seine Gegner waren Tölpel. &lt;br /&gt;
Der Mann von den Gaswerken war verärgert. Er verstand nicht, weshalb er in einem Haus ohne Gasanschluss nach Gas suchen sollte. Mürrisch und gelangweilt ging er alle Räume ab und war froh, als er das Haus wieder verlassen konnte. Niemand interessierte sich für sein Ergebnis. Nur das neue Messgerät musste er abgeben. Natürlich konnte er nicht wissen, dass er nur ein Ablenkungsmanöver war. Das Messgerät war eine Kamera, die die Räume aufnahm und elektrische Felder maß. So entstand über den Schornsteinfeger, den Mann von den Wasserwerken, einen Elektriker und zwei Funkmesswagen der Post ein sehr genaues Bild von dem Haus und seiner Elektronik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Helga und Tatijana warteten darauf, dass Benno seinen Bau verließ. Aber er tat ihnen den Gefallen lange nicht. Er sagte sogar Termine ab. Schien dann aber umzuschalten und machte neue mit viel Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
Nach wenigen Minuten wussten sie auch, warum. Das Geistprogramm hatte die letzten Mails und sonstige Änderungen aus Bennos Computer übertragen. &lt;br /&gt;
Darin fand sich auch eine, in der er von einem leitenden Oberstaatsanwalt aufgefordert wurde, sich mutig zu zeigen. Es seien ja schließlich nur ein paar Privatermittler, die versuchten an seinem guten Ruf zu sägen. Ohne etwas in den Händen zu haben. &lt;br /&gt;
Zwar war der Staatsanwalt nicht in die Ermittlungen involviert, aber Frau Weißbach machte sich fleißig Notizen. Das würde wohl sehr bald das Ende einer Karriere sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Benno hatte für den Nachmittag den Besuch einer Vernissage zugesagt. Tatijana wollte vor seinem Eintreffen schon dort sein, aber Helga bremste: „Er soll doch wissen, dass wir die Köder sind, also folgen wir ihm deutlich. Sonst müsste er sich doch fragen, woher wir seine Plänen kennen.“&lt;br /&gt;
Da Helga recht hatte, fügte sich Tatijana. &lt;br /&gt;
Diesmal fand die Jahrestagung der Blues Brothers in Hamburg statt. Vier schwarze Fahrzeuge, mit jeweils vier schwarzgekleideten Herren, die mit Knopf im Ohr und Sonnenbrille sogar die Aufmerksamkeit eines Betrunkenen erregten, der vor dem Ausstellungsgebäude unbedingt wissen wollte, ob da ein Film gedreht würde. &lt;br /&gt;
Benno verstand zwar die Idee hinter dem Auftrieb, sah es aber als Verzweifelungstat. Im Haus hatten sie nichts gefunden, jetzt wollten sie ihn aus der Reserve locken. Er würde ihnen etwas husten. &lt;br /&gt;
Als die beiden Frauen hinter ihm auftauchten, war die Sache klar für ihn. Er hatte Bilder des gesamten Ermittlerteams von seinem Staatsanwalt bekommen. Mein Gott, waren die dämlich. Typisch für Versicherungen, sich solche Schwachköpfe andrehen zu lassen. &lt;br /&gt;
Tatijana mimte die naive Blondine und Helga die abgeklärte Grande Dame. Dabei amüsierten die beiden sich wirklich königlich, zumal die Ausstellung sich im wesentlichen mit dem besten Stück des Mannes beschäftigte, das die Künstlerin aus unterschiedlichen Materialen in unterschiedlichen Darstellungsformen zum Mittelpunkt ihrer Ausstellung und wohl auch ihres Lebens gemacht hatte.&lt;br /&gt;
Tatijana hatte ihre Freude an einem grellbunten Exponat, das eher in die siebziger Jahre gepasst hätte und sich durch ein zusätzliches Bällchen auszeichnete, ansonsten, abgesehen von der Größe, der Natur sehr entsprach. &lt;br /&gt;
Helga hatte auch eine Erklärung für das dritte Bällchen: „Das braucht er, damit er nicht umfällt, wenn du ihn auf den Stuhl stellst.“ Daraufhin brachen beide in Gelächter aus. &lt;br /&gt;
Beim nächsten Exponat bemängelte Helga, dass das dargestellte Pferd eben kein Springpferd sein könne, weil der fünfte Fuß jedes Hindernis erledigen würde.  So alberten sie sich durch die Ausstellung und hatten damit das Interesse einiger Herren  und vor allem Bennos erweckt. Er hatte seinen Spaß an dieser recht freien Form der Kunstbegutachtung und Kunstkritik, wollte aber nicht auf den erstbesten Haken beißen, sondern das Spiel ein Weilchen laufen lassen. Der Gegner sollte ja nicht misstrauisch werden. Nach der Vernissage ging es in ein Restaurant, von da in eine Bar. &lt;br /&gt;
Helga und Tatijana tauchten überall da auf, wo Benno war. Ebenso die Blues Brothers in Black. Die Situation bekam kafkaeske Züge und machte allen Beteiligten sichtlichen Spaß.&lt;br /&gt;
Irgendwann war es dann soweit. Tatijana pirschte sich an Benno von der Lohe heran, der an der Theke stand und auf seinen Daiquiri wartet. Sie schlenderte mit einem dieser ekelig süßen Cocktails in Pink an ihm vorüber, stolperte und übergoss seinen blütenweißen Anzug damit. &lt;br /&gt;
„Oh mein Gott, das ist ja grässlich! So eine Schweinerei. Sie sehen mich zutiefst bestürzt“, rief sie verzweifelt und fiel auf die Knie, rieb mit einem Taschentuch an den rosa Flecken herum, rang dazwischen die Hände.&lt;br /&gt;
Benno ärgerte sich insgeheim über diese Tussi von Detektivin oder was sie war, aber er sagte: „Ich bitte Sie, so schlimm ist das auch nicht. Obwohl die Farbe Ihres Getränkes tatsächlich schauerlich ist. Schmeckt das denn?“ Er bot ihr seine Hände, aber Tatijana blieb auf den Knien und schüttelte den Kopf. „Ich bin ja so dumm“, sagte sie mit ihrem schönsten Augenaufschlag und beugte den Oberkörper in seine Richtung, damit er in ihr Dekollete glotzen könne.&lt;br /&gt;
Helga fand, es wäre an der Zeit einzuschreiten und startete los. Schon von Ferne rief sie durch den Raum: „Tati, wie kannst du nur! Der arme Mann! Das geht doch nie wieder aus dem Anzug raus!“ Dann war sie schon neben ihr und riss Tatijana an ihrem Zopf. „Schäm dich“, schimpfte sie, „dafür gibt es eine Strafe!“&lt;br /&gt;
Benno von Lohe staunte nicht schlecht, als Helga der kleinen Blonden eine knallte. &lt;br /&gt;
„Vergib, Herrin“, flüsterte Tatijana.&lt;br /&gt;
Also spielten die zwei Weiber Zofinnenspiele, dachte Benno. Ob das die anderen Ermittler wussten? &lt;br /&gt;
Herrin und Dienerin, das konnte er sich nicht entgehen lassen. „Halb so schlimm, meine Dame“, sprach er Helga an, die immer noch außer sich war. Wieder streckte er die Hand aus, um Tatijana hoch zu helfen, und diesmal nahm sie an. Mit gesenktem Kopf stand sie neben Helga, die sich überschwänglich bei Benno entschuldigte.&lt;br /&gt;
Er winkte ab: „Es ist ohne Bedeutung. Ich würde mich allerdings gern umziehen fahren. Wollen Sie mich nicht begleiten?“&lt;br /&gt;
Die Aussicht, die zwei Agentinnen in seine Höhle zu locken, ließ seine Augen fiebrig glänzen. Er musste nur darauf achten, dass Zeugen sie das Haus auch wieder verlassen sahen. &lt;br /&gt;
Er hatte da ein paar nette Drogen, die die Sache spaßig machen würden. Während Tatijana die Pose der Zofe beibehielt, antwortete Helga: „Aber sehr gern! Wir fühlen uns geehrt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bluesbrothers folgten diskret und die anderen Ermittler hatten sich längst um die Neidmühle postiert, um der Dinge zu harren, die da folgen sollten. Erleichtert konstatierte das Team, dass die Mädels es geschafft hatten, als sie mit Benno das Gebäude betraten.    &lt;br /&gt;
       &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27. April 2006 Hamburg 21 Uhr 30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile liefen die ersten Verhöre der Besatzung des Binnenschiffes. Natürlich hatte niemand irgendetwas gewusst. Der geheime Raum war genauso unbekannt wie die beiden abwerfbaren Schmuggelbehälter am Schiffsboden, und niemand wusste etwas über Sprengstoff. &lt;br /&gt;
Es würde noch dauern, bis die DNA-Spuren aus dem Raum ausgewertet waren, aber Hank war von den Zeugen im Beisein eines deutschen Konsularbeamten nach einem Foto erkannt und eindeutig identifiziert worden. Eine Gegenüberstellung würde erst in einigen Wochen erfolgen können, um wenigsten etwas Genesungszeit für die Opfer zu bekommen. &lt;br /&gt;
Noch waren sich Staatsanwaltschaft und Ermittler nicht einig, ob diese Vorwürfe schon jetzt in die Verhöre einfließen sollten, oder erst nach einer Gegenüberstellung. Vorläufig reichten der Sprengstoff und die Schmuggelvorrichtung als Haftgrund aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann und Mücke drängten darauf, einen Gang hochzuschalten, aber hier hatten sie nur beratende Funktion. Dann schlug plötzlich die Stimmung um. Die Gutachten der französischen Militärärzte waren endlich übersetzt worden. Gerade Hanks Vorgehen, bei dem die Ware nicht allzu sehr zu beschädigt wurde, kam ihnen sofort bekannt vor. &lt;br /&gt;
Sie hatten einige Berichte gefunden, in denen ein ähnlich grausames Vorgehen beschrieben worden war und sie hatten auch einen Namen. Hank war Gustav oder Gustavo ten Djeipen. Südafrikaner, Bure, gesucht in halb Afrika. Sprengstoff- und Vernehmungsexperte. &lt;br /&gt;
Cecil Whiteness rief ungefähr zur gleichen Zeit an: „Homer und ich haben gerade das System weitergefüttert. Hanks Handy und das von Benno von der Lohe haben sich am Abend des Brandes und zur Zeit der Explosion im Brandhaus oder zumindest doch in der Nähe befunden. Es sieht aus, als ob Hank Benno von einem Parkplatz abgeholt hat und auch wieder dort abgesetzte.“&lt;br /&gt;
„Stammt das aus verwertbaren Ergebnissen oder ist das geheim?“, fragte Johann, „Ich brauche etwas, um hier Druck zu machen.“&lt;br /&gt;
„Leider nicht, Johann, CIA Quelle. Aber wenn du bei einem Richter die Abfrage der Mobilfunknetze beantragst, wirst du das Ergebnis auch gerichtsfest bekommen. Kann dauern.“&lt;br /&gt;
Johann wandte sich an den Staatsanwalt und teilte ihm die Erkenntnisse mit.&lt;br /&gt;
„So schön solche Quellen sind. Aber erzählen Sie mir mal, wie beantrage ich etwas, von dem ich nicht wissen darf, das es passiert ist, ja, wo ich das nicht einmal vermuten kann?“&lt;br /&gt;
„Nichts einfacher als das“, antwortete Mücke, „Die Bilder bei Schillke sind  nachträglich aufgehängt worden. Der Besitzer muss sie Hank übergeben haben. Hank kann überprüft werden, weil ein Teil des Sprengstoffes der gleiche war, wie auf dem Schiff. Bei mir in Berlin fressen die Richter diese Kette immer. Allerdings sage ich ihnen auch, wenn ich schon vorher Bescheid weiß. Es macht keinen Sinn, sie zu belügen.“&lt;br /&gt;
Der Staatsanwalt antwortete: „Ich werde auch nicht lügen, aber doch wohl lieber auslassen. Wie kommt so ein armer kleiner Staatsanwalt an CIA-Erkenntnisse, der Richter wird jedes Mal argwöhnisch sein, wenn ich in Zukunft einen Antrag stelle. Gut, wenn ich weg bin, können Sie ja eine Weile die Vernehmung fortsetzen. Sofern die Hamburger Kollegen nichts dagegen haben. Steter Tropfen höhlt den Stein.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Hank immer noch nicht nach einem Anwalt gefragt hatte, überließen sie Mücke und Johann das Feld. Mücke griff sich eine typische Verhörmappe, die nur dazu diente, den Verdächtigen unruhig zu machen. Während der überlegt, was um Himmels willen alles in der Mappe über ihn stehen mag, passt er an anderen Punkten meist nicht auf. Natürlich sortierte Johann auch ein paar aktuelle Bilder und Schriftstücke ein.&lt;br /&gt;
MM stellte sich vor: „Mein Name ist Michael Mücke, ich bin von der Kripo. Das ist Johann Laurenzio Reichsgraf zu Wernicke-Biesendorf. Er interessiert sich für die psychologische Komponente Ihres Falles.“&lt;br /&gt;
Johann zog eine runde Drahtbrille mit purem Fensterglas aus dem Jackett und setzte sie auf: „Wollen Sie nicht lieber zuerst Ihren Anwalt verständigen? Das macht einiges einfacher, wir können Ihnen auch einen besorgen.“&lt;br /&gt;
Hank grinste in sich hinein, also hatten sie schon einen Gehirnklempner geholt. Alles lief nach Plan. Der Sprengstoff würde kaum ins Gewicht fallen und die Geheimkammer war eben schon immer da gewesen. „Ich habe nichts getan, ich brauche keinen Anwalt. Fragen Sie nur, was immer sie wissen wollen. Ich helfe Ihnen gerne“, gab Hank zur Antwort.&lt;br /&gt;
„Gestatten Sie, dass ich auf meinem eigenen Gerät einen Mitschnitt  unserer Unterhaltung fertige, falls das für eine spätere Begutachtung gebraucht wird?“, fragte Johann und stellte sein Handy auf den Tisch. In dem großen Display lief ein buntes Lichtsignal nach zufälligen Regeln. &lt;br /&gt;
„Selbstverständlich!“, antwortete Hank, der sich ein leises Grinsen nicht verkneifen konnte.&lt;br /&gt;
MM legte ihm die Fotos der drei Vergewaltigungsopfer vor, die sie von den französischen Kollegen hatten. Es waren zwei Serien von Nacktaufnahmen in der Totalen mit Vor- und Rückansicht. &lt;br /&gt;
„Hank, was empfinden Sie, wenn sie diese Bilder sehen?“ Johann sah ihn interessiert an.&lt;br /&gt;
Hank wusste nicht, wie sie an die Bilder gekommen waren, aber die Leute lebten und würden aussagen. In dem Punkt war er im Arsch. Er verfluchte sich selbst. Warum hatte er die nur nicht alle gemacht. Nun musste er umdenken. Zum Glück hatte er den Psychoonkel. Dem würde er schon das Blaue vom Himmel herunterlügen. Deswegen sagte er: „Ich ... ich empfinde Abscheu. Ich mag so etwas eigentlich nicht. Aber sie haben mich immer wieder gereizt. Vor allem die Tochter. die konnte gar nicht mehr aufhören.“&lt;br /&gt;
„Also war das nur am Anfang eine Vergewaltigung und am Ende einvernehmlich? Wissen Sie, wie oft Sie es mit jedem getan haben?“ &lt;br /&gt;
Der Psychodoktor war echt doof.&lt;br /&gt;
„Eigentlich wollten sie es von Anfang an. Sie konnten es nur nicht so richtig zugeben, weil sie doch alle in dem einem Raum bleiben mussten. Sie wissen doch, wie sich das dann entwickelt. Sie senden dauernd Signale aus und ich bin schwach geworden.“&lt;br /&gt;
„Gut, lassen wir das.“ MM legte das Tatortfoto von dem getöteten Justizbeamten vor Hank auf den Tisch. „Was können Sie uns dazu sagen?“&lt;br /&gt;
„Das ist der Mann von denen. Ich wusste gar nicht, dass er tot ist. Dem sollte ich mit meiner Stimme Angst einjagen, damit er meinem Auftraggeber etwas verrät über Gefangenentransporte. Ich weiß aber nicht, worum es dabei genau ging.“&lt;br /&gt;
„Wer war Ihr Auftraggeber?“&lt;br /&gt;
Hank triumphierte innerlich. Mensch, was waren die naiv! „Ach, so ein polnischer Söldner, den habe ich mal in Serbien kennen gelernt. Der hatte den Job für mich. Ich weiß aber nur, dass er Sammy heißt. Er rief mich an, am Display wurde keine Nummer angezeigt.“&lt;br /&gt;
MM machte in seiner dicken Akte einen imaginären Haken: „Schön, vielleicht kommen wir ja da mit unseren polnischen Kollegen weiter. Kennen Sie diese Person?“ Er zeigte Hank ein großes Foto von Benno von der Lohe.&lt;br /&gt;
Hank erschrak, zum Glück war Benno vermummt gewesen. Niemand konnte sie zusammen erkannt haben. Ob es doch eine Kamera irgendwo gegeben hatte? Er zögerte: „Nein... nein, ich glaube nicht, dass ich den schon mal gesehen habe. Zumindest nicht bewusst.“&lt;br /&gt;
Das Aufzeichnungsgerät von dem Idiotendoktor gab immer wildere Lichtimpulse von sich. Sah fast aus wie ein Ufo.&lt;br /&gt;
„Seltsam, seltsam.“ Mücke blätterte in der Akte, „Sie kennen den Mann nicht, haben ihn, vier Bilder aus seinem Auto und sein Telefon aber am Parkplatz an der Schröderstifterstraße aufgenommen und sind mit ihm zum Nicolaifleet gefahren. Kennen Sie diesen Mann denn wenigstens? Er war in dem Haus, das Sie in die Luft gejagt haben, inklusive ein paar Jungen.“ Er blätterte Hank weitere Fotos vor. „Ach ja und nachdem Sie die Sprengung ausgelöst haben, sind Sie gemeinsam mit von der Lohe zum Parkplatz zurückgefahren. Dort haben Sie sich voneinander getrennt.“&lt;br /&gt;
Hank griff sich an Kopf, als würde ihm nun eine vage Erinnerung anfliegen, dann sagte er: „Ach, den meinen Sie! Ja. Stimmt. Ich hab ihn gefahren. Ich konnte ihn wirklich nicht aufhalten. Er war bewaffnet. Eigentlich sollte ich ihm nur helfen, da rein zu kommen. Dann hat er die Knaben und den Mann erschossen. Ich musste die Bilder aufhängen und andere mitnehmen. Ich konnte doch nicht wissen ...“&lt;br /&gt;
„Nein, natürlich konnten Sie nicht wissen. Aber können Sie bestätigen, dass es dieser Mann war?“ Johann spielte die Stimme Bennos von seinem Handy ab. &lt;br /&gt;
„Ja, ja, das war der Irre, ich erkenne ihn genau. Der hat auch das Haus gesprengt. Seien Sie nur vorsichtig.“ Hank rieb sich die Augen. „Herr Doktor, ich fühle mich so müde, könnten Sie mir etwas verschreiben?“&lt;br /&gt;
„Wir werden jetzt noch einiges überprüfen müssen, aber wenn Sie uns die Wahrheit gesagt haben und jetzt Ihre Aussagen noch einmal präzise bei den Kollegen hier machen, dann werden wir sehen, was wir für Sie tun können.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie verließen den Raum und Mücke meinte grinsend: „Lebenslänglich und anschließende Sicherungsverwahrung dürfte das Mindeste sein. Mit etwas Glück traut der keinem Seelenklempner mehr und versucht gar nicht, auf unzurechnungsfähig rauszukommen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27. April 2006 23 Uhr 50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Benno hatte schon während der ganzen Fahrt eine seltsame Erregung in sich gespürt. Wie die Herrin ihrer Zofe eine geknallt hatte. Das mit anzusehen war ja fast noch schöner als selbst mit der Peitsche zuzuschlagen. Natürlich wollten die in erster Linie seine Höhle überprüfen, aber vielleicht konnte ja trotzdem noch reichlich Spaß für ihn dabei rausschauen.&lt;br /&gt;
Im Eingang schaltete er vorsichtshalber die Kameraüberwachung für das gesamte Gebäude ab. Er wollte sich ja nicht selbst dabei filmen, wie er dieses blonde Miststück nahm. Auf dem Weg an der Zofe vorbei presste er die Hand auf ihren Hintern und quetschte richtig zu. &lt;br /&gt;
„Ohh“, stöhnte Tatijana und streckte ihre Brüste raus. Der Schmerz war ihr egal. Er sollte sie ruhig ein wenig kratzen. &lt;br /&gt;
Helga lachte glockenhell und sagte: „Wollen Sie sie wirklich schon hier bestrafen? Ziehen Sie sich doch erst einmal den Anzug aus.“&lt;br /&gt;
Bennos Erregung stieg. Die wollte sogar, dass er die kleine Nutte bestrafte. Das hatte er ja noch nie erlebt. Schade, dass sie für die Versicherung arbeiteten. Davon hätte mancher Mann träumen können, dachte er und antwortete: „Ich hab es nicht eilig. Aber ich mag es, wenn die Regeln immer wieder mal wiederholt werden. Schmerz ist ein Instrument, das auch zur Übung dauernd gespielt werden muss.“ Diesmal griff er unter Tatijanas Kleid und krallte sich in ihrer Pobacke fest.&lt;br /&gt;
Die Russin war sich nicht sicher, ob er wirklich ihre DNA unter seinen Fingernägeln hatte. Lieber noch etwas abwarten. Er wollte seine Marken an ihr setzen. Das war klar. Also noch ein wenig Schmerz, und die Sache war sicher. Sie stöhnte ihre Qual heraus und presste sich gleichzeitig an Benno.&lt;br /&gt;
Er bugsierte die beiden in sein Schlafzimmer. Dort schob er einen Hocker in die Mitte des Raumes und befahl Tatijana, sich auf den Hocker zu knien. Dann riss er ihr die Brüste aus dem Kleid, drückte ihren Leib nach vorne und legte ihren Hintern frei. Den Slip fetzte er einfach aus dem Weg. &lt;br /&gt;
Die ‚Herrin’ Helga tat so, als ob sie die Sache nichts anging und lächelte Benno aufmunternd an. Er war inzwischen aus dem pinkgefleckten Anzug gestiegen und hatte sich einen Bademantel gegriffen. &lt;br /&gt;
Er wusste, dass er ihr nicht ernsthaft weh tun durfte, aber er würde sein Zeichen setzen, sozusagen seine Markierung, bevor er den Damen im Wohnzimmer Champagner anböte. Vielleicht der blonden Zofe auch seinen eigenen. &lt;br /&gt;
Benno griff noch einmal voll in Tatijanas Pobacke, krallte seine Nägel tief in ihr Fleisch und drehte dabei die Hand. Nun brauchte sie keinen Schmerz zu spielen, sie jaulte auf, fuhr herum und schlug Benno sehr schnell und sehr systematisch zusammen.  Dann grinste  sie Helga an. „Herrin, Sie können jetzt telefonieren. Herr von der Lohe ist angerichtet.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/1663-Es-werden-gar-schaurige-und-erschroeckliche-Dinge-passieren.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Worum es geht&quot;&gt;Worum es geht&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2731-42.-Schiff-Ahoi.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Vorheriges Kapitel&quot;&gt;Vorheriges Kapitel&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
           &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2818-44.-Jetzt-aber!.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Nächstes Kapitel am 19.06.2008&quot;&gt;Nächstes Kapitel am 19.06.2008&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 17 Jun 2008 09:00:00 +0200</pubDate>
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    <title>42. Schiff Ahoi</title>
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            <category>Hoff / Rieger - Kunst, die nicht nur bildet</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Jochen Hoff / Elsa Rieger)</author>
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                            &lt;br /&gt;
Für jedes Schwein kommt sein Schlachttag.&lt;br /&gt;
Aus Spanien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27. April 2006 Hamburg 8 Uhr 20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pünktlich zum Frühstück lagen die vorläufigen Berichte der Brandermittler vor. Um sie zu erläutern und für Rückfragen, war extra ein Beamter erschienen, der sich nun das Frühstück schmecken ließ und dabei vortrug: „Brandursache ist die Sprengung eines Rapsöltanks. Allerdings wurde der Tank mit zwei völlig  unterschiedlichen Sprengsystemen bestückt, von denen nur die Funkvariante ausgelöst wurde. Sie zündete alle vier Sprengsätze, während die Handyvariante nur zwei gezündet hätte. Wir gehen deshalb davon aus, dass jemand zwei Ladungen zusätzlich angebracht hat und diese mit den vorhandenen verbunden hat.“&lt;br /&gt;
„Wie können Sie sicher sein, dass nur der Funkzünder benutzt wurde?“, wollte Homer wissen. &lt;br /&gt;
„Der Handyzünder wurde praktisch weggesprengt, also muss die Zündung an einer anderen Stelle in diesem Sprengpaket erfolgt sein. Es waren übrigens auch unterschiedliche Sprengstoffe. Die zweite und wie wir meinen, spätere Ladung war eindeutig militärisch. NVA oder auch französische Marine.“&lt;br /&gt;
„Warum ist eigentlich nicht das ganze Haus abgebrannt?“, war Homers nächste Frage.&lt;br /&gt;
„Weil der Tank auseinander geblasen und das Rapsöl zunächst im Inneren verdichtet wurde und dann schlagartig nach unten entweichen konnte. Es gab nur wenig Verteilung von dem Öl und noch dazu ist es kein Brandbeschleuniger.“&lt;br /&gt;
Johann sah ihn fragend an: „Ich hab schon ganze Rapsfelder brennen sehen, weil nur ein Häcksler ein wenig heiß gelaufen ist. Da hätte doch brennen müssen wie die Hölle?“&lt;br /&gt;
„Das hat der Besitzer auch gehofft. Aber sie kennen doch Schmiede, die glühendes Eisen in Dieselöl abkühlen. Öl ist schwer entflammbar. Auf dem Acker führte die Sonneneinstrahlung bei wenig Wind zu einem Öl-Luftgemisch das leicht entzündlich ist. Aber dazu war es im Haus zu kalt.“&lt;br /&gt;
„Wie meinen Sie? Der Besitzer hat den Tank nur für eine Sprengung einbauen lassen. Um warm abzubrechen?“, fragte Mücke, „Ist dass nicht ein bisschen viel Aufwand, um Spuren zu verwischen?“&lt;br /&gt;
„Die Heizung, für die der Tank angeblich gedacht war, wurde nie gebaut, bestellt oder auch nur angefragt. Der Besitzer wollte den Tank wahrscheinlich wirklich nur, um das Gebäude im Notfall schnell abfackeln zu können. Wir haben sechs Zellen gefunden, die Gefangenen wären alle mit verbrannt, hätte es sich um Benzin gehandelt anstatt um Öl.“&lt;br /&gt;
Der Kollege von der Mordkommission fuhr fort: „Die Zellen waren leer, aber wir haben drei tote Jungen gefunden. Sie müssen vor ihm gekniet haben, bevor er sie in den Kopf schoss. Zwei müssen noch gelebt haben, die haben jeweils einen weiteren Einschuss. Die Fingerabdrücke Schillkes sind auf der Waffe, Schmauchspuren an seiner rechten Hand. Kein direktes Anzeichen für Fremdverschulden.“&lt;br /&gt;
„Moment mal.“ Mücke war plötzlich hellwach: „Kein direktes Anzeichen für Fremdverschulden, heißt doch, dass ihr einen ganzen Arsch voll indirekter Anzeichen habt oder einfach das meiste nicht zusammenreimen könnt. Die Sprache kenne ich von meinen Leuten in Berlin. Was also ist los?“&lt;br /&gt;
Der Brandermittler grinste. „Wir sagen Fremdverschulden. Es gab nichts, was die Zündung hätte auslösen können in der Wohnung. Die Fenster waren geschlossen, also kann er auch nichts rausgeworfen haben. Wie bitte schön, hat er dann die Ladung gezündet und sich erschossen? Außerdem sind Bilder umgehängt worden. Das sieht man an den Spuren an der Wand. Das muss kurzfristig passiert sein.“&lt;br /&gt;
Irgendetwas daran störte Tatijana. Sie stand auf und ging im Raum umher. &lt;br /&gt;
Der Kripomann redete weiter: „Wir haben den Obduktionsbericht noch nicht, aber da wird klar Selbstmord rauskommen. Vielleicht hat ein anderer die Sprengladung gezündet oder irgendeine Automatik, die wir nicht erkannt haben. Vielleicht musste man alle sechs Stunden anrufen, damit es nicht bumms macht.“&lt;br /&gt;
Tatijana wanderte immer noch auf und ab, was Johann ein Stirnrunzeln entlockte, aber der Brandermittler ließ sich so leicht nicht irritieren: „Es war ein reiner Funkzünder, ohne jede weitere Elektronik und ohne jeden Krimskrams. Reichweite vielleicht zwei Kilometer, digital im militärischen Frequenzbereich. Wir haben bei der Marine angefragt, aber noch keine Antwort. Die müssten das Signal archiviert haben.“&lt;br /&gt;
Cecil beobachtete Tatijana, sah aber jetzt ihre Chance den Dingen eine Wendung zu geben: „Können Sie mir die Frequenz nennen? Vielleicht kann ich helfen.“ Sie notierte die Angabe und griff zum Handy. &lt;br /&gt;
Plötzlich brüllte die Russin: „Der Arsch war Linkshänder, der trug die Uhr rechts und bei der Aufnahme mit dem Tontaubenschießen schoss er auch links. Wieso sollte der sich in die rechte Schläfe schießen?“&lt;br /&gt;
Der Mann von der Mordkommission rief sofort die Kollegen an, die sich im Haus des Toten befanden. Die Ehefrau bestätigte, dass ihr Mann Linkshänder gewesen sei. Dass er auch sonst alles falsch gemacht habe, gab der Mann nicht weiter. Die Liebe und Wärme, die hier herrschte, hatte er bei sich zu Hause noch nicht einmal in der Tiefkühltruhe. Frau, Tochter und Sohn berührte der Tod des Ehemannes und Vaters überhaupt nicht. Hier gab es Motive für mehrere Morde, aber er würde das lediglich in seinen Bericht schreiben. Häuser an der Elbchausee gehörten normalerweise nicht zu seinem Tätigkeitsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast gleichzeitig mit diesen Meldungen gingen auch die Berichte aus der Gerichtsmedizin ein. Der Einschusswinkel stimmte nicht für einen selbst durchgeführten Schuss. Die Haltung wäre viel zu verdreht gewesen. Die Schmauchspuren an der rechten Hand hatten zudem fehlende Bereiche, wie sie entstehen, wenn eine Hand von einer anderen umfasst wird.  Außerdem hatte der Tote seit längerer Zeit nicht mehr gebadet und dadurch Entzündungen an diversen kritischen Stellen zwischen den Beinen und unter den Armen, die nicht versorgt worden waren.  Es handelte sich um Mord. Wahrscheinlich Mord an einem schlecht gehaltenen Gefangenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann übernahm jetzt wieder die Führung: „Wir können davon ausgehen, dass Schillke von demjenigen erledigt wurde, in dessen Auftrag er arbeitete, oder vielmehr, ein Killer ist gebucht worden. Bisher haben wir da nur einen möglichen Namen. Benno von der Lohe. Wie gestern schon abgesprochen, werden sich Tatijana und Helga heute an alle die Orte begeben, an denen er auch auftaucht. Ich habe dafür bereits einen Wagen organisiert. Übertreibt es nicht, aber wir müssen an den Kameraden ran.“&lt;br /&gt;
Tatijana verabschiedete sich mit einer militärischen Ehrenbezeugung und einem tiefen Diener vor der Versammlung, während Helga nur einen Knicks machte. &lt;br /&gt;
Johann lächelte gequält: „Frau Weißbach, wenn die Hamburger Behörden einverstanden sind, würde ich Herrn Nixon bitten, die Bilder in die USA in das Laboratorium bringen zu lassen, das wir schon einmal eingesetzt haben, um festzustellen, ob es die Originale sind oder auch nur Kopien. Das sollten wir mit allen Bildern aus der Wohnung machen, die in Frage kommen.“&lt;br /&gt;
Frau Weißbach nickte: „Wir haben dafür keine Laborkompetenz, das Angebot nehmen wir gerne an, Sie müssten allerdings für den Transport und die Versicherung sorgen, da wir auch dafür keine Mittel haben.“&lt;br /&gt;
„Wenn die Bilder nicht zu groß sind, könnten die Piloten die mich gebracht haben, sie mit der Super Hornet rüberfliegen“, bot Cecil an. &lt;br /&gt;
Johann überlegte kurz: „Nein, die passen da schon rein, wenn nicht das neue Radar eingebaut wurde. Aber die Maschinen damit sind ja noch nicht in Europa. Der Versicherungsschutz ist auch gegeben. Also weg mit den Dingern. Frau Weißbach, ich wäre dafür, das wir der Presse sagen, Schillke wurde ermordet und wir haben bereits einen Täter im Visier.“&lt;br /&gt;
„Ich werde den Namen von der Lohe nicht nennen, ohne klare Beweise zu haben.“&lt;br /&gt;
„Sie sollen den Namen gar nicht erwähnen. Es reicht, wenn von der Lohe weiß, dass wir hinter ihm her sind. Ich will ihm ein Spielchen anbieten und hoffe, dass er arrogant genug ist, darauf einzugehen.“&lt;br /&gt;
Was Frau Weißbach nicht wissen konnte, war, dass MM bereits über ein E-Mail-Konto, das ins Nichts führte, Kopien des Vernehmungsprotokolls von Olav Geiger an die Presse geschickt hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dummerweise wollte Frau Weißbach allein die Lorbeeren ernten und führte die Pressekonferenz selber. Als sie den Mord bekanntgab und davon sprach, es gäbe bereits einen Tatverdächtigen, prasselte der Name Benno von der Lohe von allen Seiten auf sie ein. Sie versuchte, einen eleganten Eiertanz hinzulegen, scheiterte aber komplett. Selbst dem Dümmsten war nun klar, dass Benno verdächtigt wurde, es aber anscheinend nicht für einen Haftbefehl oder ähnliches reichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27. April 2006 Hamburg 10 Uhr 30 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Benno hatte aus seinen Pressekontakten schon früh von der Berliner Vernehmung gehört. Da er nun wirklich keinen Olav Geiger kannte oder jemals getroffen hatte, ließ ihn dessen Aussage kalt. Er war sich sicher, das war ein Schuss ins Blaue, um der Polizei die Möglichkeit zu Ermittlungen zu geben. Aber es wurde Zeit, eine weitere Versicherung abzuschließen. &lt;br /&gt;
Er fuhr zu einem Zahnarzt, der eigentlich nur ein Problem hatte, das darin bestand, dass er viel Geld für Koks brauchte und er eigentlich keinen Doktortitel hatte und auch sein Name nicht stimmte. Aber er tauschte kommentarlos einen von Bennos Stiftzähnen gegen einen anderen aus. Das machte er sehr vorsichtig. Ein toter Benno von der Lohe auf seinem Zahnarztstuhl hätte ihn endgültig erledigt. &lt;br /&gt;
Benno prüfte den neuen Zahn im Spiegel. Da war kein Unterschied zu erkennen. Aber das Gefühl im Mund und im Kopf war ungewohnt. Immer wieder prüfte er mit der Zunge seine letzte Versicherung. &lt;br /&gt;
Er dachte auch kurz darüber nach, die Zigeunerinnen zu entsorgen. Aber er entschied sich dagegen. Die Neidmühle war seine Burg. Die würden sie so schnell nicht stürmen können. Wahrscheinlich würden sie versuchen, mit einem Trick hereinzukommen. Darauf war er gut vorbereitet. &lt;br /&gt;
Selbst jemand, der wusste, wonach er suchte, würde kaum etwas finden können. Dazu waren seine Vorkehrungen zu gut und zu sicher. Es würde ein nettes Spiel werden. Hoffentlich gab sich die Gegenseite Mühe, obwohl er als Sieger schon jetzt feststand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 27 April 2006 Hamburg 10 Uhr 45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;Anna Maria Kornmann&#039; war ein älterer und für die heutigen Zeiten viel zu kleiner Containerfrachter. So war sie in der Schiffshierarchie immer weiter nach unten gerutscht und lief nun mit zwei anderen Schiffen für eine kleine Reederei, die mehr tot als lebendig war. &lt;br /&gt;
Nur die deutsche Flagge hatte sie immer beibehalten, weil das in vielen Häfen weniger Kontrollen bedeutete, da die Deutschen selber für ihre Kontrollwut bekannt waren. &lt;br /&gt;
Mit den guten Geschäften waren auch die guten Manieren und die Moral verloren gegangen. Es gab keine Fracht mehr, die sie nicht genommen hätte und keinen Hafen, den sie nicht anlief. Aber selbst der Waffen- und Menschenhandel brachte nicht genug, um das Schiff in Ordnung halten zu können, vielleicht wollte das auch niemand mehr. Vielleicht wartete man nur noch auf die richtige Fracht, um als Versicherungsschaden zu den Fischen gehen zu können. Die Mannschaft war auf alles gefasst. &lt;br /&gt;
Nachdem der Hafenlotse in Teufelsbrück vom Elblotsen abgelöst worden war, kam das Schiff am Schulauer Fährhaus vorbei, wo an der Willkomm Höft die Schiffe, die nach Hamburg kommen begrüßt und die ausfahrenden Schiffe auch wieder verabschiedet werden. &lt;br /&gt;
Vor der Höft lagen zwei Schnellboote der Bundesmarine und was den Lotsen noch mehr verwunderte war, dass es von der Höft keinen Gruß für die ausfahrende &#039;Anna Maria Kornmann&#039; gab. Das war in seinen fünfzehn Dienstjahren noch nie vorgekommen. Noch verwirrter war er, als bei Pagensand zwei weitere Schnellboote, die wohl von Glücksstadt gekommen waren und zwei Kutter der Küstenwache, sowie diverse Zollboote den Weg versperrten. Ein Blick auf den Radarschirm zeigte ihm, dass beim Bieshorster Sand die Tür nach hinten von den zwei Schnellbooten dicht gemacht wurde, die sie vorhin noch beim Schulauer Fährhaus gesehen hatten. &lt;br /&gt;
Der Kapitän wurde bleich. Die Küstenwache fragte zwar höflich per Funk, ob sie längsseits kommen dürfte. Die Frage war allerdings rhetorisch, da die mit hoher Geschwindigkeit heranbrausenden Schiffe schon längsseits anlegten. &lt;br /&gt;
Die vier Zentimeter Schnellfeuerkanonen der Schnellboote waren bemannt und sichtbar auf die &#039;Anna Maria Kornmann&#039; ausgerichtet. Drei Mannschaftsmitglieder sprangen über Bord und versuchten schwimmend nach Bützfleht zu flüchten.&lt;br /&gt;
Sie wurden von Booten des Zolls eingesammelt. Dann ging es Schlag auf Schlag. Die Küstenwache und der Zoll nahmen die komplette Mannschaft zunächst einmal fest und brachten sie von Bord. &lt;br /&gt;
Dann wurde das Schiff an den Südkai des Hafens Glücksstadt gelegt weil, der Tiefgang durch die geringe Beladung des kleinen Containerschiffes gerade ausreichte.  Vor allem aber, weil im dortigen Hafen die kommenden Aktionen kaum Aufsehen erregen dürften. &lt;br /&gt;
Schon während der Fahrt nach Glückstadt hatten Mitarbeiter der Küstenwache und des Zolls in mehreren Sprachen auf dem Schiff laut ihre Hilfe angeboten. Aber die Antworten kamen aus Containern, die so leicht nicht zu erreichen waren. &lt;br /&gt;
In Glückstadt wurde das komplette Schiff entladen. Insgesamt konnten über dreißig Frauen und sechzehn Kinder befreit werden. In zwei Containern, die angeblich Düngemittel enthielten, befanden sich Maschinen zum Export nach Nordkorea, die dort zum Bau von Raketensteuerungen benutzt werden sollten. In anderen befanden sich Waffen mit dem Ziel Niger. Der Zoll, die Küstenwache und die Polizei würden Monate brauchen, um den Fang auszuwerten. Die Gefangenen wurden in ein Bundeswehrlazarett verlegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27. April 2006 Hamburg 10 Uhr 50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm, das in der Nacht von außen auf Bennos Computern installiert worden war, nur als illegal zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung gewesen. Im Grunde waren es drei Programme. &lt;br /&gt;
Zuerst kam ein Trojaner mit der normalen Email. In diesem Fall war es eine Einladung zu einem Empfang nach einem Tennisturnier. Der Absender war bekannt und natürlich wurde die Mail geöffnet.  Kein Virenprogramm schlug an, weil die wenigen Virenprogramme, die diesen Trojaner gesehen hatten, ihn auch nicht bemerkt hatten und es deshalb keine Erkennungssoftware dafür gab. &lt;br /&gt;
Der Trojaner hatte nur die Aufgabe, einen Geist zu laden. Der kam von irgendeinem Rechner, auf dem eigentlich Fotos gespeichert werden konnten, um sie anderen zu zeigen. Meist waren es Fotos, die man nicht auf dem eigenen Rechner haben wollte. Aber er hatte auch schon von einer normalen Photoseite den Geist geladen. &lt;br /&gt;
Der Geist überprüfte sich selbst, fand sich in Ordnung und löschte den Trojaner. Dann begann er im Systembereich des Windows ein paar winzige Änderungen vorzunehmen und parkte sich zum Schluss selbst dort. &lt;br /&gt;
Von da aus versandte er in kleinen Portionen den gesamten Inhalt aller Festplatten dieses Rechners und der mit ihm verbundenen Rechner. Das dauert ein Weilchen. Aber der Geist hatte ja Zeit. War erst einmal alles übertragen, beschränkte er sich darauf, nur noch stündlich nachzusehen, was sich verändert hatte und versandte diese Veränderungen. &lt;br /&gt;
Selbst wenn ein aufmerksamer Netzwerksadministrator vorhanden gewesen wäre, die Adressen der einzelnen Datenpakete waren unterschiedlich. Es gab nichts Verdächtiges. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Benno von der Lohe hatte seine Systeme von Fachleuten einrichten lassen. Die hatten an die Methoden der Konkurrenz und an die Polizei gedacht. Wie hätten sie einen ernsthaften Hackereinsatz erwarten können? Die Verschlüsselung alleine hätte im Normalfall erst in Jahren geknackt werden können. Als der Supercomputer anlief, brauchte er genau sechzehn Sekunden, um den Code zu finden, der die Verschlüsselung aufbrach. Davon war der größte Teil Ladezeit. Die Daten eines oder mehrerer anderer Rechner zu stehlen, ist die eine Sache, sie auszuwerten, eine völlig andere. Oft benötigen bestimmte Programme bestimmte Hardware oder haben Hardwareschutzeinrichtungen die Raubkopien verhindern sollen. Häufig ist aber der Datenaufbau schon so chaotisch, das es sehr viele Mühe macht, Relevantes zu finden. &lt;br /&gt;
Der Terminkalender war schnell lokalisiert, genau wie das versteckte Mailprogramm, das wichtige Korrespondenz, Adressen und Telefonnummern enthielt. Die geheime Buchhaltung und das ebenso geheime Archiv wehrten sich kräftig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun lagen zwar Beweise in Mengen vor, die jederzeit einen Haftbefehl gerechtfertigt hätten. Aber sie konnten nicht benutzt werden, da sie illegal erlangt worden waren. Der Abgleich mit den Daten und Abhörprotokollen der CIA bestätigte die Vermutungen, war aber gesetzlich nicht für den Einsatz vor Gericht tauglich. &lt;br /&gt;
Johann und Huber überlegten kurz, ob es nicht sinnvoll sei, den ganzen Kram an die Presse zu lancieren, um dann einfach abzuwarten. Doch dafür war alles zu kompliziert. Ein paar gute Anwälte, ein jahrelanger Prozess und dann ein billiger Vergleich mit ein paar hunderttausend Euro. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Plan lautete, dass Helga und Tatijana von Benno in seine Neidmühle gebracht werden mussten. Sie sollten von dort um Hilfe rufen, damit etwas unternommen werden durfte. Dann und nur dann konnten die Computer zu Beweismitteln werden. Die einzige Chance, die versteckten Bilder zu finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Franz Huber und Homer Nixon waren für ein ruhiges Vorgehen. Die beiden Köder sollten immer wieder an Benno vorbeizuziehen, bis er anbeiße. &lt;br /&gt;
Tatijana  wäre am liebsten auf seiner Türschwelle zusammengebrochen oder hätte sich von ihm anfahren lassen. Helga wollte einfach klingeln und Goldminenanteile in Kanada verkaufen. Johann und Mücke waren dafür, Benno in Form einer Treibjagd mit Pinkerton-Leuten zu umstellen und kräftig Lärm zu machen. &lt;br /&gt;
Die Störchin schlug einen Kompromiss vor: „Machen wir doch die Treibjagd. Tatijana und Helga lassen wir erst einmal als Angelköder laufen und gleichzeitig sollte Frau Weißbach alles an staatlichen Bediensteten in die Neidmühle jagen, was sie lostreten kann. Brandschutz, Stromableser, Schornsteinfeger, Wasserwerke. Dazu noch eine Kanalüberprüfung mit Kamera.“&lt;br /&gt;
„Das kann ich alles auslösen, aber wir haben keine geschulten Leute dafür“, wandte Frau Weißbach ein.&lt;br /&gt;
„Nicht nötig“, antwortete die Störchin, „nehmen Sie ruhig die Originalleute. Benno von der Lohe wird uns dann erst recht für völlig bescheuert halten und glauben, dass er durchkommt. Die ganze Treibjagd soll ihm doch nur unsere Hilflosigkeit demonstrieren.“&lt;br /&gt;
„Ich komme mir auch so ziemlich hilflos vor“, meinte Homer, „Wir haben keinen einzigen legalen Beweis, obwohl wir genau wissen, was gelaufen ist.“&lt;br /&gt;
„Vielleicht doch. Zumindest könnten wir einen solchen Beweis finden.“ Cecil Whiteness sah von ihrem Notebook auf. „Ich habe es gerade als Zusammenfassung an alle geschickt. Die Frau des Justizbeamten hat ausgesagt, dass sie mehrfach mit ihrem Mann telefonieren durfte und er sie angerufen hat. Die Telefonate gingen über Relaisstationen, damit sie nicht verfolgbar sind. Allerdings ist die Technik auch den Geheimdiensten bekannt. Sie funktioniert nämlich nur, wenn ein unhörbares Trägersignal mitgeschliffen wird. Das können wir verfolgen.“&lt;br /&gt;
„Du meinst, ihr wisst, wohin der Anruf ging? Die waren doch wahrscheinlich auf einem Schiff oder so. Aber da werden noch ein paar hundert andere Schiffe gewesen sein.“ Mücke war skeptisch.&lt;br /&gt;
„Kein Problem, MM. Das Schiff hat sich bewegt. Damit ist es einzeln lokalisierbar geworden. Das Handy ist Prepaid und gestohlen oder angeblich gestohlen. Aber es ist noch eingeschaltet und fährt ganz brav auf einem Binnenschiff. Derzeit ist es gerade auf dem Elbe Seitenkanal kurz vor dem weißen Moor und fährt auf die Abzweigung in den Mittellandkanal bei Edelsbüttel zu.“&lt;br /&gt;
Johann fragte: „Irgendwelche Schleusen, an denen wir sie stoppen könnten?“&lt;br /&gt;
Cecil Whiteness  grinste erfreut. „Ja, Graf. Sülfeld, falls sie nach Osten wollen, aber ich tippe auf westliche Richtung und die Doppelschleuse Anderten, sonst hätten sie besser auf der Elbe bleiben können.“&lt;br /&gt;
Da keiner widersprach, griff MM zum Telefon und alarmierte die Bundespolizei und die Polizei von Hannover. Cecil sorgte dafür, dass ihre Leute das Handy im Auge behielten. Anderten bestätigte sich schnell. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/1663-Es-werden-gar-schaurige-und-erschroeckliche-Dinge-passieren.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Worum es geht&quot;&gt;Worum es geht&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2729-41.-Liebessachen-und-ein-Wohltaeter.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Vorheriges Kapitel&quot;&gt;Vorheriges Kapitel&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
           &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2733-43.-Benno-von-der-Lohe-oder-der-Zofentrick.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Nächstes Kapitel am 17.06.2008&quot;&gt;Nächstes Kapitel am 17.06.2008&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 12 Jun 2008 09:00:00 +0200</pubDate>
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</item>
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    <title>41. Liebessachen und ein Wohltäter</title>
    <link>http://duckhome.de/tb/archives/2729-41.-Liebessachen-und-ein-Wohltaeter.html</link>
            <category>Hoff / Rieger - Kunst, die nicht nur bildet</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Jochen Hoff / Elsa Rieger)</author>
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                     &lt;br /&gt;
Sie sagte sich: Mit ihm schlafen, ja –&lt;br /&gt;
aber nur keine Intimität.&lt;br /&gt;
Karl Kraus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
25. April 2006 Wien 16 Uhr 10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Helga hatte ihrem Hintern erklärt, dass er zu schweigen habe und war ebenfalls mitgekommen, sehr zum Missfallen Dragos.&lt;br /&gt;
Sie lachte höhnisch, als er sie bat, zu bleiben. Zu sehr hatte er sie gekränkt dieser Tage, als sie ihm einen Heiratsantrag gemacht hatte. Mit der fadenscheinigen Ausrede, er müsse erst eine richtige Existenz aufbauen mit seinem geplanten Musiklokal, hatte er glatt nein geantwortet.&lt;br /&gt;
Nun sagte sie, während sie den Trolley packte: „Vielleicht finde ich ja da oben einen Kerl, der meinen Heiratsantrag würdigt!“&lt;br /&gt;
„Aber Helga! Ich schwöre dir, du bist die Liebe meines Lebens. Und wir machen Hochzeit.“&lt;br /&gt;
Helga hörte auf herumzukramen und die Sachen in den Koffer zu schleudern. Sie blickte Drago an. „Wann?“&lt;br /&gt;
Er schlug die Augen nieder. „Wenn ich das Lokal zum Laufen gebracht habe.“&lt;br /&gt;
Sofort knüllte sie ihre Reizwäsche in den Trolley. „Dann pfeif ich drauf.“&lt;br /&gt;
Eine zurückgewiesene Frau ist gefährlich. Aufgeladen trat Helga die Reise nach Hamburg an.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatijana hatte die Zimmerreservierungen im Hotel Atlantic gemacht. Selbstverständlich hatte Johann die Atlantic-Suite, sie und Helga waren in der einen Corner-Suite untergebracht, Homer und Mücke hatten jeweils eine Juniorsuite, weil sie nicht mit anderen in einem Zimmer schlafen konnten und Hubsi musste mit der Störchin in der anderen Corner-Suite nächtigen. &lt;br /&gt;
Während Huber über solche Dinge gar nicht nachdachte, würde er eben auf der Couch schlafen, grinste die Störchin innerlich. Helga glaubte, dass Tatijana Homer oder Mücke allein haben wollte, um mit ihnen rummachen zu können, wie ihr der Sinn gerade stand. Homer war wirklich froh, seine Ruhe zu haben. Johann und Mücke war das ganze egal, Hauptsache, der Reichsgraf hatte Platz und einen Konferenzraum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hamburger Innenbehörde stellte ihnen die Kriminalrätin Manuela Weißbach zur Verfügung, die eigentlich für den Informationsfluss zu den Ermittlern sorgen sollte. Aber schon nach wenigen Minuten im Konferenzraum erkannte sie, dass die Angereisten sehr viel mehr an Wissen in ihrem System hatten, als sie selbst.&lt;br /&gt;
Zusammen mit Tatijana sorgte sie dafür, dass die relevanten Daten zur Hamburger Polizei flossen und ein Kanal für die Daten aus der Brandermittlung in Richtung Ermittlerteam offen stand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im lokalen dritten Fernsehprogramm wurde eine Zusammenfassung über das Leben von Roger Harry Schillke gezeigt. Es gab eine erstaunliche Menge von Originalaufnahmen vor Gerichten und bei Veranstaltungen der Hamburger Gesellschaft. Die Vorwürfe bezüglich des Kunstdiebstahles und der Fälschungen wurden erst am Ende des Beitrags gebracht. Vermutlich war das Material eigentlich für einen Nachruf bereitgestellt worden, um im Falle eines Falles schnell sendebereit zu sein. Der Bruch zwischen dem positiven ersten Teil, in dem Schillke als Familienmensch, Wohltäter und erfolgreicher Anwalt gezeigt wurde und dem zweiten Teil war überdeutlich.&lt;br /&gt;
„Leider wird uns in diesem Bericht nicht gesagt, mit wem Schillke zusammengearbeitet hat. Das bringt uns also auch nicht weiter. Was ist mit den Telefondaten?“ Johann ging alles viel zu langsam.&lt;br /&gt;
„Seine Kanzlei blockiert uns vollständig“, teilte Frau Weißbach mit, „Es ist nicht abzusehen, ob wir von einem Richter einen Beschluss dazu bekommen. Schließlich war der Mann Rechtsanwalt und seine Mandanten müssen geschützt werden. Ich glaube, das kriegen wir hier, auch bei dieser Beweislage gegen einen Toten nicht durch.“&lt;br /&gt;
„Dachte ich mir schon. Das ist die eine Krähe, die der anderen kein Auge aushackt. Das war einer der Gründe, weshalb ich den Polizeidienst quittiert habe. Homer, würdest du bitte deine Lieblingsfreundin anrufen? Wir brauchen ihre Hilfe. Du kannst sie ja nach Hamburg einladen. Die Sache mit dem Trampfrachter bringt mich auf die Idee, doch mal an der Stelle tiefer zu bohren. Frau Weißbach, könnten Sie mal anfangen, in Hamburg nach Menschenhandel zu fahnden. Alles, was sie kriegen können und eventuell mit Schillke oder Benno von der Lohe zu tun hat.“&lt;br /&gt;
„Gegen von der Lohe haben wir doch noch nicht einmal einen Anfangsverdacht. Das wird Ärger geben, wenn wir da etwas anfassen“, versuchte sich die Weißbach zu drücken.&lt;br /&gt;
„Quatsch! In einer Stunde haben Sie die Aussage, dass von der Lohe mit drinsteckt. Also fangen Sie schon an.“ Michael Mücke griff, noch während er sprach zum Telefon und rief seinen Mitarbeiter Trinkhaus an. „Hör zu, Trinkhaus, im Computer haben wir Fotos von einem Benno von der Lohe. So ein Hamburger Obermufti. Greif dir den Staatsanwalt und dann fahrt ihr nach Moabit. Ich will, dass Olav Geiger den auch als Auftraggeber benennt. Versprich ihm zur Belohnung, dass ihm keiner mehr ins Essen pinkeln wird,  oder Sonnenschein im Winter. Ich brauch die beeidigte Aussage auf Video so schnell wie möglich.“&lt;br /&gt;
Trinkhaus hatte wortlos aufgelegt. Die Aufgabe war leicht zu lösen. Der Faschoheini hatte die Hosen ja ständig voll. &lt;br /&gt;
Zwischendurch hatte auch Homer mit Cecil telefoniert. Die würde sich schnell von einer Boeing F/A-18F „Super Hornet“ von Ramstein aus rüberfliegen lassen. Homer hätten hundert Pferde und ein ganzes Armeechor nicht in solch ein Kampfflugzeug gekriegt. Die Dame benutzte das Ding einfach mal eben als schnelles Taxi zu ihrem Liebhaber. Homer schwante Böses, denn eines war klar: Cecil würde ihn nicht aufgeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 April 2006 Hamburg 8 Uhr 30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Benno von der Lohe hatte seine eigenen Quellen in die Hamburger Staatsanwaltschaft. Seine Seismographen waren in höchster Alarmbereitschaft, sodass bereits die ersten Ermittlungsschritte gegen ihn sofort gemeldet wurden. &lt;br /&gt;
Er ließ von seiner Sekretärin die, wie er es nannte, „Schmarotzerpost“ der letzten Wochen hereinbringen. All die Briefe, in denen er und andere Hamburger Honoratioren um Spenden angegangen wurden, weil die öffentliche Hand angeblich kein Geld hatte. Private Bittbriefe landeten schon bei Bennos Sekretärin im Müll. &lt;br /&gt;
Schnell wurde er fündig. Der Innensenator wollte Geld für ein Sportprojekt in St. Georg. Als Ausgleich zu den Drogenproblemen, die er und seine Vorgänge gerade in diese Gegend verschoben hatten, weil sich die normalen Bürger dort nicht wehren konnten. &lt;br /&gt;
Natürlich blieb er der Kanzlei Schillke treu. Das wurde einfach von ihm und den anderen Klienten erwartet. Zumindest für eine gewisse Schamfrist. Deshalb rief auch ein Anwalt dieser Kanzlei den Pressesprecher des Innensenators an. Die beiden fanden schnell einen Weg, es so kostengünstig wie möglich für Benno und so prestigeträchtig für beide wie möglich zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem frühen Abendessen im Fischereihafenrestaurant wurde die sorgfältige präparierte Presse, die rein zufällig dort in Hundertschaften angerückt war, vom ebenso zufällig anwesenden Pressesprecher des Senators über das Programm &#039;Zehn mal eine Million&#039; aufgeklärt, nachdem Benno von der Lohe sich verpflichtete, in den Hamburger Jugendsport zur Verbrechensprävention für die Dauer von zehn Jahren jedes Jahr eine Million zu spenden. Dies sollte als Signal auch für andere Honoratioren verstanden werden. Das Geld würde nur für zusätzliche Aufgaben eingesetzt werden und in einem Fond landen, der auch Kapital bilden sollte. &lt;br /&gt;
Den Journalisten war klar, dass dies nichts anderes bedeutete, als dass Benno von der Lohe für zehn Jahre das Geld, mit dem er eigentlich seine Steuern hätte bezahlen müssen, nun in diesen Fond steckte und dafür noch belobigt werden wollte. Sie wussten auch, der Fond würde das Kapital behalten und bestenfalls flossen die Zinsen in den Zweck. &lt;br /&gt;
Mit dem Kapital ließ sich ja locker Sicherheit für neue Kredite darstellen. Aber was nützte es. Niemand, der als Journalist an seinem Job hing, hätte es gewagt, die Dinge kritisch zu hinterfragen oder gar kritisch zu berichten. Sie sahen sich selbst und waren wohl auch Meinungsmacher im Sinne von Public Relations. Egal, wie mies der Zweck auch immer sein mochte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
20. April 2006 Hamburg 20 Uhr 10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ermittler aßen im Konferenzraum von Johann zu Abend, als die Nachricht von der großzügigen Spende durchkam. Breit grinsend fragte Mücke: „Ob da wohl jemandem der Arsch brennt?“&lt;br /&gt;
„Wenn sie freigiebig werden, ist das das Zeichen, dass wir sie haben. Erlebe ich bei mir in Wien dauernd. Passt auf, Morgen küsst er Babys. Hat Trinkhaus eigentlich die Aussage dieses braunen Trottels schon geschickt?“ Huber sah fragend in die Runde.&lt;br /&gt;
„Hubsi. Das war vorhin. Was da so aufgeregt gepiepst hat, als du versuchtest, dich mit der Krawatte zu erwürgen, war dein Handy mit der Nachricht“, sagte die Störchin und lächelte ihn liebevoll an.&lt;br /&gt;
„Ich kann abends keine Krawatten binden, das mach ich morgens und da geht es“, maulte Huber.&lt;br /&gt;
„Kenne ich von meinem Vater. Wenn der anfängt über das Binden von Krawatten nachzudenken, macht der sich nen Knoten in den Arm“, krähte Tatijana albern. Sie war ein wenig verunsichert über Cecil Whiteness, die nicht nur aufgetreten war, als ob ihr Homer gehören würde, sondern auch so, als ob sie ihn sicher habe.&lt;br /&gt;
Tatijana wusste, dass dieses Mäuschen sich nicht grundlos so gebärdete. Egal, wie erfolgreich sie auch immer Job sein mochte, ihr Privatleben ging aus der Art, wie sie sich kleidete und agierte, hervor. Was also hatte sich geändert?&lt;br /&gt;
Sie hätte beinahe laut losgelacht, als sie es begriff. Nun war Tatijana klar, welchen Trumpf die gute Cecil im wahrsten Sinne des Wortes in sich hatte. Ob Homer es wohl auch schon wusste? Eher nicht, der sah ziemlich hilflos und gleichzeitig gebauchpinselt aus. Nachdem ihre Neugierde befriedigt war, wünschte sie den beiden innerlich Glück und vor allem viel Spaß. Sie hatte nie einen Anteilschein an Homer oder anderen gewollt. Selbst den, den sie wollte, wollte sie nur haben, aber nicht besitzen. Sie grinste über so viel innere Philosophie.&lt;br /&gt;
Helga hatte Tatijanas Mienenspiel und Blicke verfolgt. Sie konnte sich ungefähr vorstellen, worüber sie nachdachte. Die graue Maus vom Hotelfahrstuhl in St. Petersburg hatte sich zwar noch nicht zu einem Schwan entwickelt, aber sie war auf dem Wege dorthin. War Tati eifersüchtig? Nein, entschied Helga. Sie wollte mit allen nur ihren Spaß und selbst bei dem einen war sich Helga nicht sicher, ob sie dort wirklich mehr wollte. Was brachte Tati jetzt nur zum Grinsen? Helga würde ihre Neugierde noch ein Weilchen bezähmen müssen. &lt;br /&gt;
Johann hob die Tafel auf. „Leute, es ist Zeit, schlafen zu gehen. Wir sehen uns, falls nicht irgendwas passiert, um acht Uhr wieder hier zum Frühstück. Das ist sinnvoller als im Frühstücksraum. Hier sind wir ungestörter. Ich hab noch eine Frage, Tatijana, hast du ein Zimmer für Cecil Whiteness organisiert oder muss ich das noch erledigen?“&lt;br /&gt;
„Nicht nötig“, flötete Cecil, „es war kein Zimmer mehr frei, da hab ich mein Gepäck in deine Suite bringen lassen, Homer. Wir arbeiten ja schließlich für die gleiche Regierung, da dürfte das kein Problem sein.“&lt;br /&gt;
Während Homer resignierend mit den Achseln zuckte, grinste Cecil die Russin kampflüstern an, die aber nur breit zurückgrinste. „Fein, dann ist das ja auch geklärt, aber bitte singt nicht alle Stunde die Nationalhymne ab. Das ist in Deutschland nachts nicht so üblich und könnte für Irritationen sorgen.“&lt;br /&gt;
Johann wollte zwar erst fragen, worum es eigentlich hing, schüttelte dann aber nur den Kopf. Er würde diese Weiber nie verstehen und wenn er jetzt fragte, würde er nur blöd dastehen und Tatijana ihn mit wissendem Blick wie ein kleines Kind behandeln. Dann lieber dumm sterben. &lt;br /&gt;
Er griff zum Telefon und bat die letzten Gäste des Abends nach oben. „Tatijana, Helga, ich habe die Leute von Pinkerton auf Benno von der Lohe angesetzt, mal eben hören, was die haben.“ Es klopfte an der Tür und zwei hünenhafte Schwarze betraten den Raum. &lt;br /&gt;
Tatijana sprang von ihrem Stuhl auf und lief den beiden entgegen: „Tom, Dick, ihr seid bei Pinkerton! Mensch, ich freue mich dämlich. Das ist aber ein Zufall. Ich hatte mir die Adresse von Saras und Gretchens Blumenladen schon zurechtgelegt, aber bisher noch keine Zeit, mich zu melden. Es war übrigens eine wunderbare Nacht im Suspekt.“ Beide erhielten einen dicken Kuss, dann huschte Tatijana wieder an ihren Platz. &lt;br /&gt;
„Ja, da fahren wir gerne immer wieder hin, ins Suspekt“, antwortete Tom. „Unsere Frauen auch. Es ist ungezwungener als Hamburg und wir mögen Wien. Ich war ja mal eine Zeitlang an unserer Botschaft dort. Aber jetzt zur Sache.“&lt;br /&gt;
Johann überlegte, was die beiden Riesen und ihre Frauen mit Tatijana wohl im Suspekt angestellt haben konnten. Wenn das, was sich in ihren Hosen abzeichnete war, für was er es hielt und kein Ofenrohr, dann konnte die kleine Russin das unmöglich unterbringen. Er hüstelte und zwang sich dazu, auf den Bericht zu achten, den Dick ablieferte. „In der kriminellen Szene gilt Schillke als Handlanger von Benno von der Lohe. Es scheint, dass er ziemlich mies behandelt wurde und sich immer dadurch revanchierte, seinen Boss zu bescheißen. Ein paar Ältere sagen, dass ihn Benno deshalb so kurz gehalten hat, damit er betrügt und er ihn immer in der Hand hat.“&lt;br /&gt;
„Welche Älteren?“, wollte Johann wissen.&lt;br /&gt;
„Nutten, die heute nur noch als Toilettenfrauen arbeiten, alte Einbrecher auf Rente, alte Zuhälter, die jetzt Zeitungen austragen. Die bekommen alles mit und gelten immer noch als vertrauenswürdig. Ein paar haben schon für Bennos Vater gearbeitet. Die haben zwar nicht alle einen Kalender im Kopf, aber was in welcher Reihenfolge passiert ist und wer wann die Macht hatte, wissen die genau.“&lt;br /&gt;
„Akzeptiert“, sagte Johann, froh über die klare Ansage. „Solche Informationen dürfen ruhig ein paar Spesengelder kosten.“&lt;br /&gt;
„Die meisten von denen sind froh, wenn ihnen jemand zuhört und einen Kaffee ausgibt. Es ist nicht schön, in dem Gewerbe alt zu werden.“ Tom schauderte sichtlich bei dem Gedanken, als alter Mann so leben zu müssen. &lt;br /&gt;
„Stimmt, können wir aber nicht ändern. Fest steht, dass der Tod Schillkes in der Unterwelt keine Wellen schlägt. Selbst sein Nachfolger scheint wohl schon festzustehen. Ein junger Anwalt aus der gleichen Kanzlei, dessen Großvater und Vater mal kriminelle Größen im Ruhrgebiet waren. Die Botschaft lautet Business wie üblich. Selbst die Geschäfte mit den Mädchen gehen weiter. Morgen Abend soll da ein neuer Transport nach Südamerika abfahren. Den Schiffsnamen bekommen wir noch rein.“&lt;br /&gt;
„In Ordnung. Haben wir sonst alle Daten in unserem System?“&lt;br /&gt;
„Ja, Herr Graf, wir setzen ja seit sieben Jahren auch Ihr System ein. Auch die Pläne von der Neidmühle sind da, die aber ziemlich unsicher scheinen. Wir wollen versuchen, einen Mitarbeiter der Bauaufsicht da rein zu bringen, aber das wird schwierig. Alles weitere morgen.“&lt;br /&gt;
„Das Schiff mit den Mädchen verlässt die Elbe nicht. Benno von der Lohe kriegen wir auch, ohne dass die dafür bluten müssen. Nett wäre nur, wenn Sie das mit dem Zoll und der Küstenwache direkt regeln könnten. Die sollen auch die Lorbeeren bekommen, aber die Nachricht so lange wie irgend möglich zurückhalten.“&lt;br /&gt;
„Machen wir, Herr Graf, also bis morgen. Dann haben wir auch den Terminplan von Benno. Sein Rechner ist zwar offen wie ein Scheunentor, aber leider sind die Daten verschlüsselt. Das dauert ein wenig.“&lt;br /&gt;
Nachdem die beiden gegangen waren, wandte sich Johann an Tatijana und Helga: „Wir müssen unter allen Umständen mit irgendeinem Vorwand in die Neidmühle. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der alte Biber seine Schätze alle in diesem Bau hat. Wir kriegen allerdings so schnell keinen Durchsuchungsbefehl. Die Belastung durch die Aussage von Olav Geiger nützt nur bedingt etwas, weil sie Staub aufwirbelt und meinen eigentlichen Plan vielleicht verdeckt.“&lt;br /&gt;
„Du willst also, dass wir beide dem guten Benno um den Bart gehen, uns in seine Höhle schleppen lassen, dann laut um Hilfe schreien und hoffen, dass du schnell genug mit der Kavallerie da bist, um unsere Unschuld zu retten?“, kombinierte Tatijana. Ihr Grinsen war provokant.&lt;br /&gt;
„Na, wenn ich mir die beiden Schränke ansehe und mir vorstelle, was du mit denen im Suspekt getrieben hast, dürfte das mit der Unschuld nicht mehr so weit her sein.“&lt;br /&gt;
„Mein liebster gräflicher Johann, was glaubst du denn, was die Jungs mit ihren großen Dingern mit mir gemacht haben?“, biss sie mit blitzenden Augen zurück.&lt;br /&gt;
„Wahrscheinlich Kampftrinken oder Murmelspielen. Mir ist wichtiger, dass ihr irgendwie an den Benno herankommt.“&lt;br /&gt;
Sie zog eine Schnute, aber Helga sagte: „Machen wir doch mit links. Mal sehen, wen von uns er haben will.“ &lt;br /&gt;
Die beiden Frauen zogen grinsend ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was er sich wohl schon denken mag?“ Helga kicherte auf dem Flur, „Der hat sich dich bildlich zwischen den beiden vorgestellt. Fast klang da sowas wie Eifersucht raus.“&lt;br /&gt;
„Ach, Helgalieb. Wenn es doch nur so wäre. Aber der ereifert sich nur, wenn ein Mandant unsere Rechnungen nicht sofort bezahlt und wonach der süchtig ist, konnte ich bisher noch nicht herausfinden.“&lt;br /&gt;
Mittlerweile waren sie in ihrer Suite angekommen. Helga platzte bald vor Neugierde: „Was ist denn eigentlich mit Cecil und Homer? Das Mäuschen hat ja ganz schön Fahrt aufgenommen und spielt jetzt mit deinem Spielzeug.“&lt;br /&gt;
„Homer ist ein nettes Spielzeug. Aber ich fürchte, nicht mehr meins. Die gute Cecil hat ihn oder wird ihn zumindest haben, wenn sie die Wahrheit rauslässt.“&lt;br /&gt;
„Welche Wahrheit, Tati?“&lt;br /&gt;
„Was macht uns Frauen so sicher, einen Kerl erst einmal fest an der Leine zu haben?“&lt;br /&gt;
Helga machte große Augen. „Du meinst, sie ist schwanger? Oh Gott. Was werden ihre Eltern und ihre Gemeinde sagen. Ein schwarzes Baby in ihrem weißen Bauch. Das ist da doch ein echtes Sakrileg.“&lt;br /&gt;
„Ja. Aber ich glaube, sie hat sich davon freigeschwommen. Jahrzehntelang hat sie ihre Lust immer nur geträumt und sich bestenfalls mit ein paar Milchbubis eingelassen. Gegenüber diesen Erfahrungen war jede Stuhlkante erotischer. Nun hat sie einen Kerl gefunden, der ihr Spaß macht und dem das, was ihr Spaß macht, wohl auch Spaß macht. Das lässt die nicht wieder los. Um keinen Preis der Welt.“&lt;br /&gt;
„Weiß Homer schon Bescheid?“&lt;br /&gt;
„Nein. Sie hat Angst, er könnte nein sagen. Aber wenn sie es nicht versauen will, muss sie es schnell tun. Wenn er es selber herausfindet, ist er enttäuscht und fühlt sich hintergangen. Dann ist sie ihn los. Vielleicht kann ich ihr das die Tage irgendwie klarmachen. Du könntest dann mal Homer ablenken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Huber hatte tatsächlich vorgehabt, auf der Couch zu schlafen, sich dann aber doch überreden lassen, ins Bett zu kommen. Unter der Decke zog er seine Shorts aus, weil er immer nackt schlief. Erst hatte er sich nur schlafend gestellt, um jeder Peinlichkeit zu entgehen, dann war er einfach eingeschlafen. &lt;br /&gt;
Die Störchin dachte lächelnd über ihn nach, als er sich im Schlaf plötzlich herumwälzte und sich in Löffelstellung an ihren Rücken drückte.&lt;br /&gt;
Oha, dachte seine Bettgefährtin, aber Huber schlief wirklich. Seine Hand ruhte nun auf ihrem Bauch knapp über der Scham, der warme Atem strich über ihren Nacken. Das war eine süße Folter. Sie drängte sich noch näher an ihn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/1663-Es-werden-gar-schaurige-und-erschroeckliche-Dinge-passieren.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Worum es geht&quot;&gt;Worum es geht&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2728-40.-Verwesung-greift-um-sich.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Vorheriges Kapitel&quot;&gt;Vorheriges Kapitel&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
           &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2731-42.-Schiff-Ahoi.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Nächstes Kapitel am 12.06.2008&quot;&gt;Nächstes Kapitel am 12.06.2008&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 10 Jun 2008 09:00:00 +0200</pubDate>
    <guid isPermaLink="false">http://duckhome.de/tb/archives/2729-guid.html</guid>
    
</item>
<item>
    <title>40. Verwesung greift um sich</title>
    <link>http://duckhome.de/tb/archives/2728-40.-Verwesung-greift-um-sich.html</link>
            <category>Hoff / Rieger - Kunst, die nicht nur bildet</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Jochen Hoff / Elsa Rieger)</author>
    <content:encoded>

    
        
               &lt;br /&gt;
Der Zynismus ist eine Grobform der Ironie. &lt;br /&gt;
Doch immerhin lebt jede Ironie von der Distanz &lt;br /&gt;
und geht nicht gänzlich im Geschehen auf. &lt;br /&gt;
Die pure Gewissenlosigkeit kennt keine Ironie.&lt;br /&gt;
Ulrich Erckenbrecht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23. April 2006 Ferch 11 Uhr 15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Autobahnpolizisten hatten tagelang den Transporter auf dem Parkplatz bei Ferch stehen sehen. Dem Nummernschild nach war er nicht geklaut, was auch stimmte, da es sich um eine Doublette handelte. Dasselbe Fahrzeug mit derselben Nummer war in Düsseldorf im Einsatz. Der hier in Ferch stammte aus Leipzig und sein Originalnummernschild war längst irgendwo im Schrott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wetter war schön; seit zwei Tagen schien es so etwas wie Frühling oder Sommer zu geben. &lt;br /&gt;
Die Beamten stiegen aus und gingen um das Fahrzeug herum. Der Gestank, der ihnen entgegen wehte, war grauenhaft. Die durch das Rütteln an den Fahrzeugtüren aufgescheuchten Schmeißfliegen brummten wie ein Düsenjäger beim Start. &lt;br /&gt;
Die Beamten sahen sich resigniert an. Sie konnten jetzt nicht einfach so tun, als ob sie nichts bemerkt hätten, vielleicht hatte sie ja jemand gesehen. Der Feierabend war auf jeden Fall erledigt. Sie verständigten die Kripo und die Pathologie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Knapp eine Stunde später war klar, dass es sich bei den Toten um die gesuchten Hells Angels handelte und dass sie seit ihrer Befreiung tot waren. Als die Information Michael Mücke erreichte, war Johann im Anflug auf Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile hatte die französische Küstenwache herausbekommen, worum es bei der Szene im Kanal überhaupt gegangen war. Menschenhandel ist zwar in den internationalen Medien nur selten ein Thema mit Vorrang, aber durchaus ein übliches Geschäft. Dabei werden Frauen und junge Mädchen nicht nur aus dem östlichen Europa nach Mitteleuropa zur Prostitution verkauft, sondern auch Afrikanerinnen und Asiatinnen nach Europa. Neben dem europäischen Markt gibt es einen beachtlich großen in den USA und Kanada, aber auch die islamischen Staaten sind immer noch Großabnehmer. Südamerika will blonde Frauen, andere Gegenden bevorzugen kleine Jungs. &lt;br /&gt;
Es war also für die Küstenwache nicht die Tatsache des Menschenhandels oder der Vergewaltigung an sich, die den Ablauf der Dinge beschleunigte, sondern der Umstand, dass es sich um die Frau eines deutschen Justizbeamten handelte, die entführt worden war, um die Transportrouten von Gefangenentransportern zu erpressen.&lt;br /&gt;
Die Küstenwache wusste über die Gefangenenbefreiung aus Deutschland Bescheid und hatte die Bilder der gesuchten Rocker. Jetzt wurde auf schnellstem Wege die deutsche Botschaft in Paris und Europol informiert. &lt;br /&gt;
Es war ein Zufall, dass dort ein Mitarbeiter diese Information zur Weitergabe nach Deutschland behandelte, dem die Angelegenheit mit dem Gefangenentransporter vertraut war. Er machte sich die Mühe, nicht einfach Post weiterzuleiten, sondern direkt den Wiener Kommissar anzurufen. &lt;br /&gt;
Franz Huber erkannte sofort die Brisanz und sicherte die Weiterleitung an Mücke zu. Als er jedoch bat, auch Hamburg direkt zu informieren, winkte der Mitarbeiter von Europol ab. Er konnte sich noch gut an einen Fall erinnern, wo er sich direkt und ohne Aufforderung an die Hamburger Polizei gewandt hatte und als Reaktion mit viel Häme auf seine eigentliche Aufgabe hingewiesen wurde. &lt;br /&gt;
Nachdem aber Huber und Mücke auf unterschiedlichen Kontaktebenen Hamburg informiert hatten, kam eine direkte Verbindung zur französischen Küstenwache zustande.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24. April 2006 York 2 Uhr 25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im alten Land bogen mehrere Polizeiwagen mitten in der Nacht und ohne Einsatzsignal in das Gebiet um das Wohnhaus ein. Da keinerlei Lebenszeichen ausgemacht wurden, ein Durchsuchungsbefehl zugesagt war, brach man die Tür auf und stürmte. Der Geruch aus dem Keller verriet den Beamten genug. Hier gab es kein Leben mehr. &lt;br /&gt;
Noch im Morgengrauen versuchte der, von mehreren Zeitungen hochgescheuchte Innensenator festzustellen, warum so lange nach dem Überfall auf den Gefangenentransporter sich niemand um den verschwundenen Mitarbeiter gekümmert hatte.&lt;br /&gt;
Leute von der Innenrevision erklärten lakonisch, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei, man aber davon ausgegangen war, der Beamte hätte sich mit seiner Familie ins Ausland abgesetzt. Ein Durchsuchungsbefehl sei in Vorbereitung gewesen. &lt;br /&gt;
Der Innensenator versuchte sich mit laufenden Ermittlungen herauszureden und der Treuepflicht gegenüber Landesbediensteten, viel fehlte nicht und er hätte auch noch über den Zusammenhang mit den Sonnenflecken referiert. Er konnte nur hoffen, dass die Medien im Laufe des Tages neue, aufregendere Themen fanden und die Presse am nächsten Tag nicht mit ihm aufmachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24. April 2006 Hamburg 10 Uhr 30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bernd Liedke verfolgte die Nachrichtenlage genauso wie Benno von der Lohe. Beide kamen zu dem gleichen Schluss. Es war an der Zeit, sich endgültig von Roger Harry Schillke zu trennen. &lt;br /&gt;
Hank, der die geheime Wohnung von Schillke und die drei darin verborgenen Knaben bereits seit einiger Zeit versorgte, hatte nicht nur die Sprengladungen an dem Rapsöltank entdeckt. Genau wie er Frauen und Angst riechen konnte, war er auch in der Lage Sprengstoff zu wittern. Er begriff das System sofort und die Tatsache, dass selbst Hank den Jungen nichts Schrecklicheres mehr antun konnte oder wollte, sprach für sich. Schillkes Plan der verbrannten Erde schien gut zu sein. Hank würde zur Sicherheit noch mit etwas mehr Sprengstoff nachhelfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sache wurde verkompliziert, weil Benno von der Lohe seinem langjährigen Mitarbeiter persönlich einige Worte zum Abschied sagen wollte. Wahrscheinlich hatte er einmal zu oft den Paten gesehen. Berndt Liedtke hasste Sentimentalitäten und glaubte auch nicht, dass zum Tode Geweihte unbedingt noch etwas lernen müssen. &lt;br /&gt;
Roger Harry Schillke war sehr erfreut, als ihm mitgeteilt wurde, dass er auf ein Schiff gebracht werden und zunächst ein paar Wochen bei Oreste Crispi in Kairo verbringen sollte, bevor sich die Lage endgültig geklärt hätte. &lt;br /&gt;
Von da aus wollte er sich dann persönlich um seine Verteidigung und die ungerechtfertigen Vorwürfe kümmern. Er bedauerte, dass er erst auf dem Schiff neue Kleidung bekommen könnte. Mittlerweile roch er doch schon ziemlich stark. Es war nur gut, das ihm selbst nicht bewusst war, wie stark er roch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Einbruch der Dunkelheit wurde vom Binnenschiff eine mannsgroße Holzkiste auf einen Transporter verladen. Das Schiff verließ danach sofort seinen Liegeplatz und machte sich auf eine lange Reise über Rhein und Donau bis zum schwarzen Meer. &lt;br /&gt;
Die Kiste wurde in die geheime Wohnung von Schillke in dem alten Speicherhaus am Nikolaifleet gebracht. Dann holte Hank mit dem Transporter Benno von der Lohe mit einem Paket, in dem vier Originale aus seiner Sammlung steckten, von einem Parkplatz ab und brachte ihn auch zu dem Haus. &lt;br /&gt;
Ein in die Stirn gezogener Hut, ein weiter Mantel und ein Schal reichten, um ihn für den Fahrstuhl ausreichend zu maskieren, falls dieser kameraüberwacht sein sollte. Allerdings hatte Schillke komplett auf Kameraüberwachung verzichtet, weil die ja auch Auskunft darüber geben würde, wann er im Gebäude gewesen war.&lt;br /&gt;
Selbst in der Wohnung behielt Benno die Maskerade bei, um möglichst keine Spuren zu hinterlassen. Man wusste nie, was die heute aus dem DNA-Kram alles machen konnten. &lt;br /&gt;
Die Originale, von denen sich Benno nur schweren Herzens und unter den Schreien der Zigeunerinnen getrennt hatte, fanden relativ würdige Plätze an den Wänden von Schillkes Behausung. Wahrscheinlich war das unnötig, da alles verbrennen würde, aber Benno hatte schon viel von Brandermittlern gehört und in amerikanischen Krimis fanden die gern mal einen Glassplitter und rekonstruierten daraus eine Ampulle mit einem Spezialmedikament, das direkt zum Täter führte. Benno ging lieber auf Nummer sicher.&lt;br /&gt;
Roger Harry Schillke wurde aus seiner Kiste ausgepackt und von Hank mit einer Schusswaffe auf einen Stuhl gezwungen. Dann wandte sich Benno an ihn: „Roger, ach, Roger Harry Schillke, warum hast du mich verraten?“&lt;br /&gt;
„Benno, ich habe dich niemals verraten. Ich habe alles getan, was du gesagt hast.“&lt;br /&gt;
„Nein. Dir reichte nicht, was ich dir gab, du wolltest selbst ein großes Stück vom Kuchen. Anstatt zu delegieren, hast du dich selbst eingebracht. Hier ein Geschäft mit den Bildern, da eines und hier ein weiteres.“&lt;br /&gt;
„Aber, Benno! Benno, bitte, das war doch ungefährlich. Es gibt nur tote Zeugen gegen mich. Ich komme da problemlos wieder raus.“&lt;br /&gt;
„Vielleicht schaffst du das wirklich. Aber dein kleines Folterparadies hier musst du aufgeben und die Jungen auch.“&lt;br /&gt;
Schillke stand die Angst in die Augen geschrieben: „Klar, Benno, kein Problem. Ich habe vorgesorgt. Hier ist ein Tank mit Rapsöl, da sind Sprengladungen dran. Ich kann die von überall mit meinem Handy zünden. Ich muss nur Heiner Raps anrufen. Die Knaben können wir einfach erschießen, die verbrennen mit.“&lt;br /&gt;
„Gut, Roger, vielleicht sollte ich es nochmals mit dir probieren. Hank, hol die Jungs.“&lt;br /&gt;
In weniger als zwei Minuten hatte Hank die Buben dazu gebracht, im Halbkreis vor Schillke zu knien. Er nahm wieder hinter dem Stuhl Aufstellung und schoss den Lustknaben über Rogers Schulter hinweg jeweils eine Kugel in den Kopf. Die Waffe war durch den Schalldämpfer kaum zu hören. &lt;br /&gt;
Schillke hatte zwar gezuckt, als die Schüsse fielen, wandte sich dann aber an Benno: „Siehst du, das Problem ist schon gelöst.“&lt;br /&gt;
Im gleichen Moment hielt ihm Hank die Waffe schräg von unten an das rechte Schläfenbein und drückte ab. &lt;br /&gt;
Grinsend sagte er: „Und das zweite Problem ebenfalls.“ Obwohl er Handschuhe getragen hatte, wischte er die Waffe ab, drückte sie in die Hand des toten Schillke und feuerte zwei weitere Schüsse in die toten Jungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hank und Benno verließen den alten Speicher, bestiegen ihren Wagen und als sie um die nächste Ecke bogen, zündete Hank den Sprengstoff per Funk. Die Druckwelle der vier Ladungen schüttelte sie noch ein wenig, aber dann waren sie auch schon im Gewirr der Straßen verschwunden. &lt;br /&gt;
Sie trennten sich auf dem Parkplatz und Benno besuchte einen bekannten Club in der Nähe. Hank fuhr den Transporter zu einem anderen Parkplatz, bestieg sein Motorrad und folgte dem Binnenschiff. Irgendwo auf dem Balkan würde er ein Mädchen für die Kammer fangen und sich mit ihr amüsieren, bis es neue Aufgaben gab oder sie kaputt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bernd Liedtke beobachtete die Explosion mit einem Fernglas von einem weit entfernten Aussichtspunkt. Als die Flammen aus dem Dach schlugen, gab er die Beobachtung auf und fuhr mit dem Auto in die hessische Kleinstadt, in der er offiziell einen Sicherheitsdienst betrieb. &lt;br /&gt;
Seinen Chef Oreste Crispi würde er von unterwegs aus einer Telefonzelle kontaktieren. Es gab zwar keinen Grund zur Vorsicht, aber genauso wenig einen zur Fahrlässigkeit.&lt;br /&gt;
Was weder Roger Harry Schillke, noch Hank und Bernd gewusst hatten war, dass die Idee mit dem Rapsöltank nur auf den ersten Blick aussah wie die Version mit einem Benzinbefüllten Tank. &lt;br /&gt;
Die Explosion zerriss ihn wohl in viele kleine Stücke und Teile des Rapsöls ergossen sich brennend auf das Dach. Es bildete sich aber nicht das erwartete Gas-Luftgemisch, das aus dem ganzen Gebäude eine lodernde Fackel gemacht hätte. Im Gegenteil, das Rapsöl wirkte auf einige Brandnester aus der Explosion eher wie ein Löschmittel.&lt;br /&gt;
Der schlimmste Seiteneffekt bestand jedoch darin, dass aus dem zerstörten Tank das Rapsöl wie aus einem ausgeschütteten Eimer der Schwerkraft folgte und sich durch das Treppenhaus auf die Straße und ins Nicolaifleet ergoss. &lt;br /&gt;
Das, was dann wirklich und recht widerwillig brannte, war ein kleiner unbedeutender Teil. Die anrückende Feuerwehr hatte genügend Zeit, alles vorzubreiten und im Fleet auch mehr als genug Wasser, um ein paar dieser Gebäude löschen zu können. &lt;br /&gt;
Schon nach zwei Stunden war der Einsatz beendet und die Löschtrupps konnten bis auf eine Feuerwache und die Leute von der Ölbekämpfung abgezogen werden. Damit wurde auch der bereits lange informierten Hamburger Mordkommission der Weg zum Tatort mit den vier Leichen freigegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem dauerte es noch bis zum Nachmittag des nächsten Tages, bis zumindest die Leiche des angekokelten Mannes identifiziert war. Es war Roger Harry Schillke. Es wurde festgestellt, dass ihm das Gebäude über eine Scheinfirma gehörte. Nachdem dieser Zusammenhang hergestellt werden konnte, wurde der Tatort komplett gesperrt, um Fachleute von den Landeskriminalämtern und dem Bundeskriminalamt herbeizuzitieren.&lt;br /&gt;
Es wurden nicht nur technische Experten zu Rate gezogen, es erging auch ein offizielles Hilfeersuchen an Mücke in Berlin, sowie an Huber und den Reichsgrafen in Wien. Daraufhin flogen sie alle nach Hamburg. Für die Störchin war das der erste Auslandseinsatz als Polizistin und sie war ein wenig gespannt auf die Stadt an der Elbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/1663-Es-werden-gar-schaurige-und-erschroeckliche-Dinge-passieren.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Worum es geht&quot;&gt;Worum es geht&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2677-39.-Alles-Roger.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Vorheriges Kapitel&quot;&gt;Vorheriges Kapitel&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
           &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2729-41.-Liebessachen-und-ein-Wohltaeter.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Nächstes Kapitel am 10.06.2008&quot;&gt;Nächstes Kapitel am 10.06.2008&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 05 Jun 2008 09:00:00 +0200</pubDate>
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    <title>39. Alles Roger?</title>
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            <category>Hoff / Rieger - Kunst, die nicht nur bildet</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Jochen Hoff / Elsa Rieger)</author>
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                  &lt;br /&gt;
Von allen Mordtaten sind nur diejenigen &lt;br /&gt;
aufgekommen, von denen man etwas weiß.&lt;br /&gt;
Georg Christoph Lichtenberg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das brandenburgische Innenministerium endlich die Ringfahndung auslöste, zeigte sich, dass militärische Erfahrung nichts bei Polizeieinsätzen bringt. Gefahndet wurde nach den längst toten Motorradrockern, der mickrige Rechtsanwalt gar nicht erwähnt. &lt;br /&gt;
Mücke erfuhr erst am nächsten Morgen, als er in die U-Haft in Moabit kam, dass ihm ein Verdächtiger abhanden gekommen war. Da half jetzt auch kein Toben mehr. Er informierte Johann und fuhr sofort in die Mordkommission, in der er telefonisch schon seine Leute heiß gemacht hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann informierte die anderen Ermittler. Huber fragte wütend, wie doof man denn sein könne, sich einen ganzen Bus Gefangener klauen zu lassen. Als ihn Johann an die Dimensionen des Luchs und seine Besonderheiten erinnerte, wurde er ruhiger. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wien waren alle der Meinung, dass Schillke der Grund für das Desaster sein könnte, oder dass er per Zufall entkommen sei, weil irgendein anderer Gefangener hingerichtet werden sollte. Unter den Toten war jedoch keiner, der auch nur ein halbes Jahr Knast für eine Prügelei wert gewesen wäre.  &lt;br /&gt;
Laut der Akten hatten die beiden abgängigen Hells Angels schon ein paar Jahre wegen Mordes gesessen, kein Hahn krähte nach ihnen. &lt;br /&gt;
Aber warum, zum Teufel, wollte jemand Schillke befreien? Das machte doch nur Sinn, wenn er etwas auszusagen hätte, es also einen Hintermann gäbe.  Wenn dieser den Anwalt nicht mit den anderen hatte umlegen lassen, war er vielleicht entkommen. Diese Fragen zuckten den Ermittlern in Wien durch den Kopf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MM war in Berlin zu den gleichen Schlüssen gekommen und hatte Schillke nicht nur bundesweit zur Fahndung ausgeschrieben, sondern auch die Kollegen in Brandenburg eindringlich in direkten Telefonaten angesprochen und sogar eine Fernsehfahndung durchgesetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19. April 2006 Wien 8 Uhr 17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Homer hatte Johann Cecil Whiteness Vorschlag unterbreitet, sich die Dinge in Saipan anzusehen. Sie hatte ihr Angebot noch dahingehend erweitert, sie mit einer amerikanischen Militärmaschine mitzunehmen. Da alles im Moment stagnierte, nahmen sie an. &lt;br /&gt;
In Schwechat stiegen sie in einen der modernisierten C-5M Galaxie von Lockheed, der innen aber nicht leer, sondern mit zwei Wohnkabinen ausgerüstet war, wie sie ursprünglich für den Rücktransport der amerikanischen Astronauten der Apollo-Missionen gedacht waren, nun aber seit langem für hohe Regierungsbeamte und den CIA genutzt wurden. Im Prinzip waren das komplette kleine Häuser innerhalb des Flugzeugs. Mit allem gewünschten Komfort. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Johann sein Appartement für sich alleine hatte, war Homer zu Gast bei Cecil. Die Maschine würde nirgendwo unterwegs zwischenlanden, sondern in der Luft betankt werden. Johann nahm sich sein Notebook und ein paar Bücher vor und beschloss, viel zu schlafen.&lt;br /&gt;
Homer hätte nichts gegen Schlaf gehabt, aber das Fliegen hatte auf Cecil die Wirkung eines Aphrodisiakums. Die Badewanne im fliegenden Appartement brachte sie auf zusätzliche feuchte Ideen, denen Homer zwar nicht abgeneigt gegenüber stand, aber er fürchtete, dass diese Frau mehr wollte, als er derzeit zu geben bereit war. Zunächst aber genoss er ihre Leidenschaft und sie die seine. &lt;br /&gt;
Vermutlich hatte die Landung auf Saipan Homers Leben gerettet. Er war nicht angenehm ermattet, sondern schlichtweg ausgepumpt. Cecil sah aus wie der lebende Frühling und aus ihrer gewohnt strengen Frisur hatte sich sogar eine Strähne gelockert und erlaubte sich ein freches Spiel mit dem Wind. &lt;br /&gt;
Johann bot Homer den Arm an: „Na, mein Alter. Stille Wasser, die sind tief nicht wahr. Du solltest Austern essen und Kaviar. Obst und Eier und viele Steaks. Du bist eben nicht mehr der Jüngste. Du musst auf dich achten, wenn du im Spiel bleiben willst.“&lt;br /&gt;
Homer grinste gequält. „Im Spiel bleiben. Ich werde gespielt. Ich werde sogar gut gespielt. Aber es ist anstrengend.“ &lt;br /&gt;
Cecil bekam davon nichts mit. Sie war glücklich und fast befriedigt. Aber nun war sie im Dienst. Sie nahm Haltung an, wie das von einem Marine zu erwarten ist. Die von Cecil vorgesehenen Truppen meldeten Einsatzbereitschaft, die Maschine aus Kolumbien war in der Luft. Die Seals hatten das Schiff fest im Blick. Nun galt es zu warten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Landung stürmten die Kolumbianer aus dem Flugzeug und verteilten sich auf mehrere Leihwagen, die von der Schiffsbesatzung angemietet wurde und gut mit Waffen ausgerüstet waren. Schon fuhr eine kleine, schlagkräftige Armee über die Insel. Aber noch immer gab es keinen Grund, Pablo Murillo zu verhaften. &lt;br /&gt;
Die Kolonne der Kolumbianer fuhr direkt auf das Anwesen von Won Hae-Kyung zu. &lt;br /&gt;
Diesmal öffneten die Wachen das Tor des Anwesens nicht, sondern zwei Leute, die aus dem Nichts auftauchten, hoben Granatwerfer und schossen den gesamten Eingangsbereich weg. &lt;br /&gt;
Es gab ein kurzes Feuergefecht und sie konnten sehen, wie Won Hae-Kyung und drei seiner Leute in die Autos der Kolumbianer gezerrt wurden. Aber die Kolonne fuhr nicht zurück zum Schiff, sondern weiter in Richtung Banzai-Cliff. Jener Stelle, an der neben dem Suicid-Cliff die meisten Selbstmorde japanischer Familien stattgefunden hatten, als die Amerikaner Saipan im zweiten Weltkrieg eroberten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann ahnte, was kommen würde. Er und wusste, es gab keine Chance, einzuschreiten. Den vier Gefangenen wurden jeweils zwei Handgranaten umgehängt, die Sicherungstifte gezogen und nach kurzem Warten wurden sie über das Cliff gestoßen. Die Banzai-Rufe und das Gelächter der Kolumbianer gingen in den Explosionen der Handgranaten unter. &lt;br /&gt;
Sofort befahl Cecil den Zugriff. Gegen eine Armeeeinheit hatten die Kolumbianer keine Chance. Binnen Sekunden waren sie überwältigt und gefesselt, nur zwei zogen ihre Waffen durch und starben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Polizei von Saipan wurden die Bilder von der Ermordung der vier Gefangenen gezeigt und der Gouverneur war froh, die Kolumbianer an das Militär und die amerikanische Gerichtsbarkeit übergeben zu können. Bevor er und seine Leute in ein Flugzeug verladen wurden, erklärte Johann dem kleinen Pablito, wie er zum Narren gehalten worden war. Es war ein Vergnügen, den Prozess des Begreifens bei ihm mit anzusehen und die zornigen Schreie seiner Leute zu hören, die ihn und seine Dummheit verfluchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Video von dieser Szene ohne Johann und die Amerikaner bekam Hernandes in Argentinien, der für seine Verbreitung sorgte. Das Ansehen der Kolumbianer war mehr als angekratzt und die Strukturen wurden von den Mitgliedern des Kartells hinterfragt, was einen neuen Kampf untereinander auslöste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
23. April 2006 9 Uhr 00&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roger Harry Schillke war es nach seiner Befreiung nicht gut gegangenergangen. Aus dem Gepäckabteil des Wohnmobils war er in einen schalldichten Raum auf einem Binnenschiff verbracht worden. Er bekam zu essen und zu trinken, wenn auch beides von geringer Menge und minderer Qualität war. &lt;br /&gt;
Außenkontakt wurde ihm verweigert. Seine einzige Anweisung lautete, die Füße still zu halten, bis sich die Suche nach ihm im Sande verlaufen hatte. Was spielten da ein oder zwei Wochen für eine Rolle. Es werde doch schließlich für ihn gesorgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Ärmelkanal hielt sich ein angetrunkener Steuermann eines Trampfrachters nicht an die ihm zugewiesene Route. Die Lotsen an der Raderüberwachung, die täglich mehr als fünfhundert Schiffe abwickeln mussten, fackelten nicht lange. Schon zu oft hatten sie Katastrophen auf dieser Strecke erlebt. &lt;br /&gt;
Diesmal war es die französische Küstenwache, die den Frachter enterte, während ein britisches Boot die Sicherung übernahm. Die Mitglieder der Küstenwache fanden einen vollständig betrunkenen Kapitän, der sich mit einem kleinen Jungen in seiner Kajüte vergnügte, der Steuermann lallte nur noch und die restliche Besatzung trieb eine nackte, schreiende Frau vor sich her, während ein anderer auf einem jungen Mädchen lag, das mehr tot als lebendig war. Die Küstenwache beschlagnahmte das Schiff und nahm alle Besatzungsmitglieder fest. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/1663-Es-werden-gar-schaurige-und-erschroeckliche-Dinge-passieren.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Worum es geht&quot;&gt;Worum es geht&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2674-38.-Nun-wird-es-wirklich-eng.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Vorheriges Kapitel&quot;&gt;Vorheriges Kapitel&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
           &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2728-40.-Verwesung-greift-um-sich.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Nächstes Kapitel am 5.06.2008&quot;&gt;Nächstes Kapitel am 5.06.2008&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 03 Jun 2008 09:00:00 +0200</pubDate>
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    <title>38. Nun wird es wirklich eng</title>
    <link>http://duckhome.de/tb/archives/2674-38.-Nun-wird-es-wirklich-eng.html</link>
            <category>Hoff / Rieger - Kunst, die nicht nur bildet</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Jochen Hoff / Elsa Rieger)</author>
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                 &lt;br /&gt;
Selbst das große Naturgesetz, dem alle &lt;br /&gt;
unterliegen, ist nicht so hart und grausam, &lt;br /&gt;
wie es Menschen zuweilen werden.&lt;br /&gt;
Wilhelm Vogel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. April 2006 Hamburg 21 Uhr 00&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bernd Liedtke hatte gerade mit seinem Chef telefoniert. Von Oreste Crispi hatte er den Befehl bekommen, Benno von der Lohe beizustehen. Allerdings war damals nicht davon die Rede gewesen, jemanden zu erledigen, den die Bullen bereits am Wickel hatten. Aber Oreste war selten so eindeutig gewesen: „Erledige die Sache. Bisher hat dieser Schillke immer den Hauptanteil der Schmutzarbeit für den guten Benno gemacht. Wenn wir den ausschalten, können wir einen unserer Leute einschleusen und auf Dauer den Laden übernehmen. Du musst wie ein Manager denken, der spätere weiße Ritter sorgt erst einmal dafür, dass die feindliche Übernahme überhaupt anfängt. War das nicht sogar von deinem Clausewitz?“&lt;br /&gt;
Bernd Liedtke war zwar Militär, aber nicht theoretisch, sondern nur sehr praktisch. Deshalb antworte er mit einem ausweichenden: „Kann sein. Aber das wird Geld kosten. Ich muss auf die Schnelle Leute anheuern und vielleicht danach in Afrika parken.“&lt;br /&gt;
„Mich interessieren nur die Ergebnisse“, war Crispis Antwort.&lt;br /&gt;
Bernd Liedtke, Fremdenlegionär und Söldner, brauchte nicht lange zu telefonieren, um eine schlagkräftige Truppe zusammenzuholen. Von der dänischen Grenze kamen die Waffen und die Munition, aus Brüssel die Kommunikationstechnik mit dem Störsender und aus Prag der Sprengstoff.&lt;br /&gt;
Die richtige Stelle kannte er schon von vielen Fahrten auf der Autobahn zwischen Berlin und Hamburg oder Rostock. Er schickte ein paar Leute vor, sich darum zu kümmern, dass ihm zum richtigen Zeitpunkt alles Benötigte an Maschinen, Absperrungen und vor allem LKWs zur Verfügung stand. Nun fehlte nur noch der Zeitpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9. April 2006 Hamburg 16 Uhr 10&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roger Harry Schillke saß das erste Mal wirklich in der Klemme. Sein Anwalt, ein Kollege aus seiner Kanzlei, vermutete, dass der Berliner Bulle etwas Persönliches gegen ihn haben musste und fragte ihm ein Loch in den Bauch. Aber bis auf die Tatsache, dass vor Jahren ein paar Zeugen in Berlin umgelegt werden mussten, um einen wichtigen Mandanten frei zu bekommen, gab es da nichts. &lt;br /&gt;
Er zermarterte sich das Hirn. Ob der Bulle vielleicht was mit seiner Frau hatte und die ihn damit zur Scheidung zwingen wollte? Er würde Berlin über sich ergehen lassen müssen. Schließlich hatten die keine wirklichen Beweise. Zumindest hoffte er das. &lt;br /&gt;
Auf jeden Fall wusste er jetzt, wie sich seine vielen Mandanten im Knast gefühlt haben mussten. Hilflos. Beim Hofgang war er dem Gespött seiner Mithäftlinge ausgesetzt. Seine Zelle teilte er mit einem Primitivling, der sich den ganzen Tag selbst befriedigte oder stundenlang, ohne zu ziehen, glücklich auf dem Klo saß. &lt;br /&gt;
Allerdings würde er nicht zu fett werden, da ihm der Kerl immer das Essen wegnahm. Er war heilfroh, dass es wenigstens keinen Annäherungsversuch seitens dieses Wesens gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10. April 2006 Wien 3 Uhr 05&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Knapp nach drei Uhr morgens erreichte Johann der Anruf aus  Buenos Aires. Nicht die beste Zeit für ihn. Er brummte ins Telefon.&lt;br /&gt;
Sein Freund Hernandes tönte ausgeschlafen: „Johann, mein gräflichster Graf, ich habe dir gerade einen Autopsiebericht geschickt. Wir haben in Los Glaciares am Fuß des Uppsala-Gletschers eine Leiche gefunden.“&lt;br /&gt;
„Schön, dann war Ötzi also auch in Argentinien.“&lt;br /&gt;
„Johann, du Spinner, keinen alten, sondern einen frischen, einen, der mit dir zu tun hat.“&lt;br /&gt;
„Gut, beerdige ihn und schick mir die Rechnung.“&lt;br /&gt;
„Was ist mit dir? Wie spät ist es da drüben? – Achje, halb vier, ich hab die fünf Stunden wieder vergessen.“&lt;br /&gt;
„Was willst du eigentlich?“, ächzte Johann.&lt;br /&gt;
„Ich möchte dir mitteilen, dass Baron Ferdinand von Schulenburg-Schwarzenstein tot ist. Das ist der, dessen Schwester und Geliebten die Kolumbianer um Pablo Murillo als lebende Fackeln durch den Ort gejagt haben. Zur Strafe, weil er ihm falsche Bilder verkauft hatte.“&lt;br /&gt;
„Und wer hat ihn wie umgebracht? Im Gletscher eingefroren?“&lt;br /&gt;
„Nein. Der hat sich selbst umgebracht. Selbstmord aus Angst vor dem Tod durch Folter. Verständlich, wenn der Tod Pablo Murillo heißt. Er hatte die Berichte über seinen Geliebten und seine Schwester in den Zeitungen gelesen. Dann hat er ein komplettes schriftliches Geständnis abgelegt, mit allen Namen und Orten  und sich erschossen. Dummerweise konnte er das auch nicht richtig. Er hat mindestens noch einen Tag überlebt.“&lt;br /&gt;
„Hernandes, deshalb rufst du mich nicht mitten in der Nacht an. Was willst du?“&lt;br /&gt;
„Ich mag es nicht, wenn diese Koksgangster Leute in meinem Land zu Fackeln machen, vor allem nicht, wenn sie unschuldig sind. Den Baron hätten sie meinetwegen haben können, aber nicht die beiden anderen. Überleg doch mal, ob dir nicht was einfällt.“&lt;br /&gt;
Es herrschten ein paar Minuten Schweigen. &lt;br /&gt;
Johann stand nun auf, ging ins Bad und spritzte kaltes Wasser ins Gesicht, dann antwortete er: „Wie gut kannst du es mit euren Printmedien und welche Presseagentur ist bei euch wichtig?“&lt;br /&gt;
„Mapuexpress und Reuters, wieso? Ich kann mit denen sowohl hier als auch in Kolumbien sehr gut.“&lt;br /&gt;
„Dann verbreite doch mal folgende Geschichte: ‚Auf Saipan sitzt der Koreaner Won Hae-Kyung und lacht über den dummen Kolumbianer Pablo Murillo, der vielleicht ein Drogenkartell führen kann, aber so doof ist, ihm Fälschungen für sechsundvierzig Millionen Euro abzukaufen. Anstatt sich an die wirklich Verantwortlichen zu wenden, habe er nur Frauen und kleine schwule Jungs gequält. Zu mehr reicht es eben bei den Kolumbianern nicht.&#039; Wenn das in den Zeitungen steht, dürfte der kleine Pablito explodieren und nach Rache schreien.“&lt;br /&gt;
„Ja und dann?“&lt;br /&gt;
„Hernandes, denk einfach mit. Er wird wie ein angestochener Stier losrasen, um Won zu erledigen. Schickt er nur seine Leute, lassen die sich auf Saipan schnell wegfangen. Kommt er selber, darf er Won haben. Danach kriegen die Amerikaner und ihre Drogenagency ihn. Ist das zu elegant für dich?“&lt;br /&gt;
„Du siehst mich auf Knien, großer Graf. Kann ich die Daten sofort haben? Das Ding lasse ich heute Nacht noch los.“&lt;br /&gt;
„Wenn du nicht dauernd mit mir telefonieren würdest, hättest du sie schon, aber ich tippe so schlecht mit dem Hörer am Ohr. – Okay, ist raus und viel Spaß damit, ich werde mal lieber die amerikanischen Brüder informieren.“&lt;br /&gt;
Als Homers Telefon klingelte, grunzte er nur erschöpft. Es klingelte weiter. Dann reichte es Tatijana. Sie biss ihm in den Bauch. Sofort war er wach und griff zum Hörer.&lt;br /&gt;
Sie fühlte sich animiert, das Gespräch ein wenig zu stören und fuhr mit ihrer Zunge über seinen Bauch, bis sich da etwas regte. &lt;br /&gt;
Homer versuchte gleichzeitig zugleich vernünftig mit Johann zu telefonieren. „Nein, Johann, ich höre dir zu, ich bin nicht am Bbumsen. Ja, das ist eine geile Idee. Ich telefoniere sofort.“&lt;br /&gt;
Die Russin hatte das mit der geilen Idee anders verstanden und ihr Kopf bewegte sich auf und ab. Homer sprach mit seinem Vorgesetzten und mit der Dame vom CIA, die durchaus eigene Interessen an dem Agenten hatte und nicht begeistert war, als er ihr sagte, dass er wegen der privaten Dinge später anrufen würde. Als er auflegte, war er am Ende seiner Beherrschung, aber am Anfang eines netten Erwachens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10. April 2004 Jork 3 Uhr 40&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war zwanzig vor vier, als vier maskierte Leute auf das Grundstück im alten Land eindrangen. Der Hund schlug nur einmal an, dann war es totenstill. Es dauerte weniger als 30 dreißig Sekunden, um das Schloss zu öffnen. Die Männer huschten nach oben. Zwei in die beiden Kinderzimmer und die beiden anderen zu den Eltern. &lt;br /&gt;
Einer schlug der Dreizehnjährige mit voller Wucht ins Gesicht. Sie schrie wie die Hölle, wodurch und alle anderen erwaren wachten. Das Ehepaar wurde mit Lederfesseln gefesselt, die Kinder ins Elternschlafzimmer geschleift. &lt;br /&gt;
Der Vater versuchte den Tapferen zu geben: „Hey, was soll das, lasst sofort meine Familie zufrieden. Ich bin Justizbeamter.“&lt;br /&gt;
Bernd Liedke kannte Hank nun schon seit Jahren und auch dessen Stimme. Wer irgendwann mal einen absoluten Psychopathen vertonen wollte, lag mit Hank richtig. Das bei primitivem Wortschatz sogar in vier Sprachen.&lt;- das ist z.b. eine der stellen, die verleger moniert. &lt;br /&gt;
Hank flüsterte breit und gemein: „Chef, lass ihn mich gleich umbringen, der spielt sowieso nicht mit, und dann kann seine Familie sein Blut trinken. Bitte Chef. Lass mich doch.“&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten zog er die Tochter auf seinen Schoß.&lt;br /&gt;
Der Vater war nun in heller Panik: „Was auch immer ihr wollt, wir haben nicht viel Geld, aber ihr könnt alles haben, auch das Auto.“&lt;br /&gt;
Hank antwortete ihm: „Justizbeamter, wir nehmen uns alles, was wir wollen.“ &lt;br /&gt;
Bernd Liedke schritt nun lieber ein. Bei Hank wusste man nie, was passieren würde. Er fragte: „Was hast du uns sonst noch zu bieten?“&lt;br /&gt;
„Ich mache doch nur ...“ Er stockte und dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: „Ihr wollt die Transportdaten.“&lt;br /&gt;
Der Mann bebte wie Espenlaub, während Liedke nickte.&lt;br /&gt;
„Richtig. Wir wollen alles, was in der nächsten Zeit aus Santa Fu rausgeht oder reinkommt. Jeden Namen, jeden Transport, jede Route. Wir überprüfen sie alle und du wirst nicht wissen, welche uns interessiert. Deine Frau und die Kinder nehmen wir mit. Wenn sie leben sollen, liegt es nur an dir. Mein Mitarbeiter hat recht. Notfalls fahren wir einfach hinter dem Bus hinterher.“&lt;br /&gt;
„Aber wie soll ich das denn machen, da gehen und kommen jeden Tag bis zu hundert, manchmal sogar mehr und es sind zwölf bis achtzehn Busse mit ebenso vielen Routen.“&lt;br /&gt;
„Du informierst die Gefängnisse doch auch per Internet und Fax. Hier hast du eine Email-Adresse, schick einfach immer eine Kopie als Weiterleitung dort hin und lösch es aus dem Ausgang. Wenn du erwischt wirst, bezahlt es deine Familie.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauso lautlos wie sie gekommen waren, verschwanden sie auch wieder. Selbst den toten Hund nahmen sie mit. und natürlich die Frau und die Kinder. &lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen klebte Hank an dem Justizangestellten. Aber der fuhr ordentlich, vielleicht ein wenig aufgeregt, zum Dienst. Kaum war er eingetroffen, trudelten die ersten Mails ein. &lt;br /&gt;
Die Familie des Justizbeamten befand sich in einer schalldichten Kabine auf einem Binnenschiff, unterhalb der Wasserlinie. Das Schiff fuhr von Hamburg nach Berlin. Die Ladung war Kies, als Fracht nutzlos, als Tarnung aber hilfreichsehr gut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon am Abend des ersten Tages waren die Routenpläne alle klar. Drei Busse waren grob kontrolliert worden. Es gab keine Auffälligkeiten. In der Nacht durfte der Justizbeamte mit seiner Frau telefonieren. Der Anruf wurde unterwegs zweimal umgeleitet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10. April 2006 Cali 23 Uhr 50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kolumbien brannte die Luft. Pablo Murillo tobte wie ein Wahnsinniger und ließ sich nicht beruhigen. Seine Leute versprachen ihm, das Schwein umzubringen, aber das reichte ihm nicht. Er wollte diesen Won persönlich töten. Aber wie sollte man den von Saipan nach Kolumbien schaffen? Das schien aussichtslos.  &lt;br /&gt;
Also charterten die Kolumbianer ein Schiff, das mit höchster Geschwindigkeit und vielen Waffen und Leuten an Bord von den Philippinen nach Saipan aufbrach. Nach etwa zehn Tagen wollte Pablo mit weiteren Leuten in einem Charterflugzeug folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cecil Whiteness  informierte Homer telefonisch: „Es ist alles zum Zuschlagen bereit. Willst du mit Johann dabei sein? Ich könnte dann auch nach Saipan kommen und wir hätten wieder einmal ein paar Nächte für uns. Der Zugriff soll gleich nach der Landung des Flugzeugs erfolgen.“&lt;br /&gt;
„Womit willst du denn die Verhaftung begründen, liebe Cecil? Ein paar Kolumbianer machen auf Saipan Urlaub.“&lt;br /&gt;
„Aber es sind Drogenhändler. In den USA ist dieser Pablo Murillo zur Fahndung ausgeschrieben. Dann die Waffen auf dem Schiff. Terrorismus. Das ist doch einfach.“&lt;br /&gt;
„Wer glaubt schon an einen kolumbianischen Drogenhändler als Terroristen. Die würden uns noch Entwicklungshilfe anbieten, damit sie ihren Umsatz an Drogen erhöhen könnten. Nein. Cecil, so geht das nicht. Ich weiß, ihr geht meist nicht mit euren Ergebnissen vor Gericht, aber ich muss das immer. Wir haben auf dem Territorium der nördlichen Marianen nicht die USA, sondern nur etwas Assoziiertes. Damit brauchen wir dort einen Mord, einen möglichst grausamen Mord, damit die den Täter nicht selber aburteilen und verwahren wollen.“&lt;br /&gt;
„Du willst diesen Won Dingsbums wirklich über die Klinge springen lassen?“&lt;br /&gt;
„Natürlich, Cecil, das würdest du doch mit Bin Laden auch machen und glaub mir, der Herr Won ist eindeutig schuldiger.“&lt;br /&gt;
„Gut, lieber Homer, wenn du meinst. Treffen wir uns nun in Saipan oder lieber irgendwo in Europa?“&lt;br /&gt;
„Cecil, am liebsten sofort, aber ich bin nicht Herr meines Timings. Ich vertrete hier bei dem Reichsgrafen nur die Interessen der USA und versuche unsere Aktiva, wie deinen Oreste Crispi, aus dem Gewusel rauszuhalten. Stell dir vor, der würde das gleiche, was er mit Won macht, jetzt mit dem machen. Da muss ich am Ball bleiben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12. April 2006 Hamburg 23 Uhr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gefangenentransport würde am 15. April stattfinden. Das war absolut sicher. Demnach wurde der Justizbeamte nicht mehr benötigt. Man ließ seine Frau bei ihm anrufen, dass er sich krank melden sollte und nach Hause fahren sollte.&lt;br /&gt;
Vorstand und Kollegen nahmen ihm sofort ab, dass er eine Grippe mit Fieber hatte. „Er sah die letzten Tage ja schon elend aus“, sagten sie. &lt;br /&gt;
Als er heimkam, erwartete ihn Hank auf der Kellertreppe, die von der Garage zur Wohnung führte. Hank hatte keine Zeit für ein Spiel, denn das Binnenschiff war bereits wieder auf dem Rückweg nach Hamburg. Rasch erschoss er den Justizbeamten, überprüfte seinen Tod und verließ das Haus, um zum Schiff zu kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen Neuruppin-Süd und Kremmen sind es auf der Autobahn genau zweiundzwanzig Kilometer, die durch das Luch, ein Moor und Sumpfgebiet führen. Zwischen Fehrbellin Hakenberg und Luhme fand am 18. Juni 1675 die Schlacht bei Fehrbellin statt, in der die Schweden rund 4.000 Mann an die brandenburgischen Kanonen und den Sumpf verloren. &lt;br /&gt;
Eine Stunde, bevor der Gefangentransporter die Stelle passieren sollte, fuhren die LKWs mit der Baustellenabsicherung auf die Autobahn und begannen mit dem Aufbau der Sicherungsanlage. Von drei Spuren wurde die Autobahn auf eine reduziert. &lt;br /&gt;
Als der Gefangenentransporter am Autobahnkreuz Wittstock-Dosse vorbeikam, reihte sich hinter ihm ein Kipplaster, der schwer mit Ton beladen war. Ein weiterer fuhr in die Baustelle und ein dritter wartete, bis der Bus kurz vor Neuruppin Süd war, um dann den Bus langsam auf sich auflaufen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur gleichen Zeit wurden sechzehn Funkmasten im gesamten Gebiet mit einem einzigen Impuls gesprengt. Im ganzen Bereich funktionierte kein Handy mehr. In der Baustelle zog der Kipper auf den Standstreifen, blinkte und bremste. Bevor der Gefangenentransporter beschleunigen und vorbeifahren konnte, zog der andere Kipper aus der Baustelle vor ihn und bremste abrupt. Der Bus prallte auf den Laster, der Fahrer und sein Begleiter waren schwer verletzt. Der nachfolgende Verkehr wurde durch den Laster hinter dem Gefangenentransporter abgeschirmt und gestoppt. &lt;br /&gt;
Der gesamte Verkehr stand. Im gleichen Moment sprangen mehrere schwer bewaffnete und maskierte Männer aus dem Graben neben der Autobahn, stürzten sich auf den Transporter und sprengten die Tür. Bevor sich die Justizbeamten zur Wehr setzen konnten, wurden sie getötet. &lt;br /&gt;
Dasselbe Schicksal ereilte die meisten Gefangenen. Nur zwei Hells Angels und Roger Harry Schillke wurden aus dem Bus befreit. Die Biker wussten vor Freude gar nicht, wie ihnen geschah. Sie hatten mit keiner Befreiung gerechnet. &lt;br /&gt;
Allerdings war ihre Euphorie von kurzer Dauer, Sekunden, nachdem sich der Transporter in Bewegung gesetzt hatte, wurden sie erschossen. Sie sollten nur als Decnkmantel dienen. Der Transporter wurde bei Ferch auf einem Parkplatz abgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roger Harry Schillke hätte eigentlich glücklich sein können. Die Tortur mit dem Gefangenentransporter, der Aufenthalt in der Zelle, all das war vorbei. Bei Ferch hatte man ihn aber in den Stauraum eines Wohnmobiles geparkt, in dem er nun über die Autobahn geschaukelt wurde. Im Dunkeln und im Mief. Er hatte keine Chance sich zu beschweren. &lt;br /&gt;
Auf der Autobahn herrschte ein heilloses Durcheinander. Erst ein Polizeihubschrauber fand den Grund des Staus heraus und führte von Kremmen Einsatzkräfte heran. &lt;br /&gt;
Inzwischen war es überall zu Auffahrunfällen gekommen. Die Autobahn wurde weiträumig gesperrt, die Fahrzeuge so weit wie möglich umgeleitet. &lt;br /&gt;
Erst vier Stunden später war überhaupt wirklich klar, dass es einen Überfall gegeben hatte. Bernds Söldner waren bis auf Hank längst mit Flugzeugen von Magdeburg, Hannover und Leipzig in wohlverdiente Urlaube verschwunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hank hatte mit dem Motorrad das Binnenschiff erreicht und lebte nun seine Triebe aus. Allerdings beschädigte er die Ware körperlich nicht allzu sehr. Denn die sollte in Hamburg auf einen Trampfrachter umgeladen werden, um in Südamerika für Lustgewinn zu sorgen. Nach zwei Nächten und einem Tag mit Hank kam Liedkes Familie alles andere wie das Paradies vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/1663-Es-werden-gar-schaurige-und-erschroeckliche-Dinge-passieren.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Worum es geht&quot;&gt;Worum es geht&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2452-37.-Knastreflexionen.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Vorheriges Kapitel&quot;&gt;Vorheriges Kapitel&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
           &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2677-39.-Alles-Roger.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Nächstes Kapitel am 3.06.2008&quot;&gt;Nächstes Kapitel am 3.06.2008&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 29 May 2008 09:00:00 +0200</pubDate>
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    <title>37. Knastreflexionen</title>
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            <category>Hoff / Rieger - Kunst, die nicht nur bildet</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Jochen Hoff / Elsa Rieger)</author>
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                  &lt;br /&gt;
Perspektive ist, dass du gesiebte Luft atmen wirst, &lt;br /&gt;
wenn du dich zu lange in dicker Luft aufhältst.&lt;br /&gt;
Fritz-J. Schaarschuh&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. April 2006 Flughafen Schwechat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Flughafen erwartete das ganze Team die Damen. Johann hatte das obligatorische Essen in seine Suite verlegt, weil Helga dort im Liegen futtern konnte. Drago wirkte auf sie derart euphorisch, dass sie einen Moment dachte, er hätte irgendetwas Illegales eingenommen. Er bemutterte seine Liebste, rückte ihre Kissen zurecht, schimpfte, warum sie sich derartigen Gefahren aussetzen würde, jetzt, wo endlich ... er verstummte.&lt;br /&gt;
„Was endlich?“, fragte Helga.&lt;br /&gt;
Drago machte ein feierliches Gesicht, blieb aber still.&lt;br /&gt;
„Was ist los? Hast du den Yehudi Menuhin Preis bekommen?“&lt;br /&gt;
Nun stand er vom Bett auf, griff in die Brusttasche des Sakkos und entfaltete ein Papier. Seine Stimme zitterte vor Freude, als er sagte: „Ich habe die Green Card. Nach sechs Jahren in Österreich habe ich ein Recht darauf, hier für immer zu leben. Heute unterschrieben!“ &lt;br /&gt;
Helga riss den Zettel aus seiner Hand. „Das ist die Österreichische Staatsbürgerschaft!“, rief sie, rappelte sich  hoch und fiel ihm um den Hals. „Ich bin ja so glücklich, mein Schatz!“, rief sie unter Tränen. Die ständige Angst, dass er doch wieder das Land verlassen müsste, hatte ein Ende. Drago erwiderte die Umarmung, und klopfte ihr, wie es seine Art war, auf den Hintern. Helga brüllte auf. Aber das ging unter im Applaus der Ermittler. &lt;br /&gt;
Behutsam wurde sie wieder aufs Bett gelagert und dann gab es ein Mulatschak, wie Huber das wilde Fest bezeichnete. Nach russischer Sitte warf Tatijana die Gläser hinter sich, nachdem sie ausgetrunken hatte. Drago zeigte, was in ihm steckte, stieg auf den Tisch und geigte auf. „Teufelsgeiger!“, riefen die Tanzenden. Helga schaute glücklich zu.&lt;br /&gt;
Johann lieh Drago seine Luxuskarre, um Helga bäuchlings transportieren zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Hause angekommen, bettete Drago sie zärtlich. „Ich werde mein Musiklokal aufmachen können, mein Engel. Was sagst du dazu?“&lt;br /&gt;
„Wundertoll!“&lt;br /&gt;
„Wundervoll meinst du.“&lt;br /&gt;
Aber sie antwortete nicht mehr, Morpheus hatte sie in die Arme genommen. Drago deckte sie zu.   &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. April 2006 Wien 6 Uhr 05&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Franz Huber musste nicht aus dem Fenster sehen und brauchte keinen Kalender, um zu wissen, dass dies ein Scheißtag war. Er hatte noch nicht einmal die Augen geöffnet und war doch schon seit Stunden wach. &lt;br /&gt;
Es würde sinnlos sein, sein Mütchen zu kühlen, indem er Sachen herumpfefferte, er hätte sie ja selber wieder aufheben müssen. Verdammt. Er wollte kein Verräter sein. Schon gar nicht an einem großkotzigen Idioten. Ihm blieb leider keine Wahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte die Sache mit dem Reichsgrafen und der lädierten Helga noch einmal diskutiert. Bullen und Exbullen haben da ihren eigenen Ehrenkodex. Es gab keine Lösung.&lt;br /&gt;
Ließ man Tschikowski einfach kündigen, wäre das ein Signal an alle bestechlichen und unkorrekten Kollegen. Dann könnte man die Polizeiarbeit ebenso gut auch gleich ganz einstellen. &lt;br /&gt;
Huber verfluchte den Tag und dieses verdammte Arschloch von Tschikowski. &lt;br /&gt;
Er würde jetzt duschen und sich ein Taxi nehmen. Als er im Bad war, klingelte es an der Tür. Ihm war egal, dass er nackt war. Er öffnete. Es war die Störchin. Mit vier großen Kaffeebechern.&lt;br /&gt;
„Ich hab dir doch gesagt, dass ich heute morgen alleine ins Büro komme.“ Wütend ging er ins Badezimmer zurück. Sie balancierte das Papptablett mit den Kaffeebechern und folgte ihm. &lt;br /&gt;
Während Huber sich die Zahnbürste in den Mund stopfte, sah er im Spiegel, wie sie ihn angrinste und deklamierte: „Morgen, liebe Störchin. Schön, dass du da bist. Danke für den Kaffee. – Kein Problem, ich weiß, dass du dich wegen Tschikowski beschissen fühlst. Deshalb bin ich hier.“ &lt;br /&gt;
„Danke.“&lt;br /&gt;
„Gerne, Hubsi“, sie warf einen Blick auf seine untere Körperhälfte, „Du hast übrigens einen Schönen. Er wippt so ulkig, wenn du wütend bist.“&lt;br /&gt;
Huber musste die Zahnbürste aus dem Mund nehmen, um sie nicht zu verschlucken und prustete los. Man konnte dieser verrückten Störchin einfach nicht böse sein: „Hast ja recht. Ich könnte mir heute vor Wut selbst ein Monogramm in den Hintern beißen. Ich und die Schlafmützen von der Inneren. Mit denen möchte ich normalerweise net einmal auf dem gleichen Planeten leben.“ Er drängte sich an ihr vorbei, riss den Schlafzimmerkasten auf und begann sich anzuziehen.&lt;br /&gt;
Die Störchin folgte ihm und sagte: „Reg dich nicht auf. Ich bin bei dir. Nicht du lieferst ihn ans Messer, sondern der Scheißkerl von Tschikowski hat dich und alle anderen Kollegen verraten. Das er doof ist, zählt dabei nicht. Das berücksichtigen wir nämlich sonst auch nicht. Dafür haben wir Gerichte.“&lt;br /&gt;
„Ich weiß. Aber trotzdem ...“&lt;br /&gt;
„ ... solltest du zum blauen Hemd keine grünsilberne Krawatte anziehen. Nachher halten die von der Inneren dich noch für einen verkappten Islamisten.“ Sie grinste liebevoll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie den Wagen auf den Hof des Innenministeriums fuhr, war Huber wild entschlossen, die Sache schnell hinter sich zu bringen. &lt;br /&gt;
Tschikowski war froh, dass er endlich aus dem Toten Gebirge weg durfte. Er wollte wieder in seine Wohnung, nach dem Geld sehen und das Handy vernichten. Vielleicht war er da doch etwas unvorsichtig gewesen. Selbst als seine Beschützer und er auf den Hof des Innenministeriums fuhren, war er noch überzeugt, das er ohne Schramme davon kommen würde.&lt;br /&gt;
Als er in einem Raum geführt wurde, in dem vier Leute saßen, die eindeutig von der Inneren waren, und herzlich von Wrucktzki, dem Engel der Bestechlichen, begrüßt wurde, schlugen seine inneren Glocken Alarm. Wrutztki war der Gewerkschaftsvertreter, stand Polizisten auf ihrem letzten Dienstweg bei der Inneren und vor den Staatsanwalten bei und da wusste Tschikowski Bescheid. &lt;br /&gt;
Dieser Arsch von Huber saß auf der Anklageseite mit seiner Störchin, der er bestimmt dauernd den Schwanz reinsteckte, und ihn hatten sie in der Mache! Sollten sie sich lieber um Huber kümmern. Tschikowski hatte ganze Listen von Verfehlungen an die zuständigen Stellen geschickt. &lt;br /&gt;
„Was wollt ihr von mir? Verflucht noch einmal, ich bin ein anständiger Polizist, hab mir den Arsch aufgerissen!“, schrie er.&lt;br /&gt;
Wrucktzki klopfte ihm auf die Schulter. „Ganz ruhig bleiben, wir werden das schon machen.“ &lt;br /&gt;
Alles Blicke richteten sich auf ihn, er hörte sich: „Selber korrupt, Huber!“, sagen und begriff in dem Moment, dass er keine Chance hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Franz Huber begann mit dem Video aus Liezen und blätterte in zwei endlos langen Stunden alles auf, was er an Beweisen hatte. Den Abschluss bildeten die Vernehmungen des Rechtsanwaltes und Bruscinis.&lt;br /&gt;
Tschikowski, der während dem Vortrag versucht hatte, sich innerlich Verteidigungslinien aufzubauen und jedes Mal zusehen musste, wie der nächste Satz seines Chefs die Linien mühelos niederwalzte, war am Ende der Ausführungen ein Wrack. Mit anklagender Stimme fing er an, von nicht gewolltem und anders geplantem und eigenem Ermittlungsziel zu faseln. &lt;br /&gt;
Wrucktzki bremste ihn. „Lass das, Tschikowski, es hat keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
Aus dem Publikumsbereich stand ein junger Staatsanwalt auf und sah ihn fast mitleidig an, als er ihn verhaftete. Ein Vertreter des Polizeichefs suspendierte ihn vom Dienst und dann wurde er in die Justizanstalt im achten Bezirk überführt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Huber wehrte das Lob mit gemischten Gefühlen ab, obwohl ihn die Fülle an Beweisen selbst noch einmal davon überzeugt hatte, dass er das Richtige tat. Im Aufzug fasste die Störchin ihn an den Ohren, küsste ihn und sagte: „Hubsi, ich bin stolz auf dich. Ich weiß, wie schwer dir das gefallen ist. Hoffentlich habe ich die Kraft, irgendwann genauso zu handeln, wenn es nötig ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. April 2006 Haifa 8 Uhr 00&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursprünglich war die Polizei von Haifa dem üblichen Schema überall auf der Welt im Umgang mit der Presse gefolgt. Sie sprach von laufenden Ermittlungen und lehnte jeden Kommentar sowohl zu der Geschichte mit der Im- und Exportfirma von Chaim Averbuch als auch zum Vorfall im Hotel ab. &lt;br /&gt;
Nachdem sich der Reichsgraf mit ein paar Freunden in Israel unterhalten hatte, bekam die Polizei von Haifa plötzlich andere Anweisungen. Gleichzeitig gab Frau Averbuch auf Johanns Bitte Reportern von Haaretz und der Jerusalem Post gegen Entgelt ein Interview, was einer gewissen Komik nicht entbehrte, da die beiden Zeitungen äußerst konträre Standpunkte vertraten.&lt;br /&gt;
Frau Averbuch nannte die Namen Roger Harry Schillke, Won Hae-Kyung und als Mörder ihrer Mitarbeiter den Namen Movses Haiasanata. Als sie dann noch gefragt wurde, wer auf ihren Mann geschossen habe, antwortete sie, dass sie das nicht wisse, er allerdings mit Schillke verabredet gewesen war. &lt;br /&gt;
Als Chaim Averbuch an diesem Vormittag starb, brach seine Frau zusammen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich einer Pressekonferenz in Haifa, die der Sprecher der Polizei anberaumte, bei der zufällig gut informierte deutsche Journalisten und sogar ein Fernsehteam anwesend waren, wurde von erdrückenden Beweisen gegen die genannten Täter gesprochen und dass gegen Herrn Schillke internationaler Haftbefehl erlassen worden sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittags wurde der Hamburger Justizsenator kalt erwischt, als ein Journalist ihn auf die Vorwürfe aus Israel ansprach und er sich voll hinter Roger Harry Schillke stellte. Weil es so schön war, passierte dem Innensenator das gleiche. Der erste Bürgermeister war zwar gewarnt, aber auch er hatte Schillke vor kurzem noch die Hand geschüttelt und kannte ihn seit Jahren. Mutig stürzte sich der Bürgermeister ins Messer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. April 2006 Berlin 11 Uhr 30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag um Tag verfluchte der Führer der Wehrsportgruppe „Reichsfürst“ Olav Geiger den Entschluss, sich den Neo-Nazis angeschlossen zu haben. Was war er nur für ein Trottel gewesen! Nun saß er in Moabit als U-Häftling auf Station 4 ein, jeder Hofspaziergang war ein Spießrutenlauf zwischen Kanaken und Negern. Nachdem ihm das Wachpersonal auch keinen Schutz anbot – ein Gesocks aus Bosniern, Serben und Türken – befand Olav sich in ständiger Angst. Ein zitterndes Nervenbündel, das nicht einmal nachts zur Ruhe kam, hatten sie ihn doch mit zwei Monstern in eine Zelle gepackt, die seinen knackigen Hintern liebten. So schlich der ehemalige „Teutsche Soldat“ als Schatten seiner Selbst durch die Gegend. Nicht auffallen, beschwor er sich ständig. &lt;br /&gt;
Dumm war nur, dass ihm das eines Tages misslang. Sein stärkster Charakterzug war Jähzorn und entnervt, wie er war nach einer weiteren Nacht als Gespiele seiner Herren, rastete er beim  Essenfassen auf dem Zellengang aus. Jemand stieß ihn von hinten, als er sein Tablett vom Transportwagen  in seine Zelletragen wollte, der ganze Mist segelte zu Boden. Als ihn der bosnische Wachbeamte unter dem Gejohle der Mithäftlinge aufforderte, den Dreck vom Boden zu essen, drehte er durch und brüllte all seinen Fremdenhass heraus.&lt;br /&gt;
Nachdem er sich inmitten einer Ausländerkolonie befand, die fast ausnahmslos wegen schwerer Körperverletzung auf ihren Prozess warteten und nichts zu verlieren hatten, kam ihn das teuer zu stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gefängniskrankenhaus flickte man ihn halbwegs zusammen, wobei die tiefe Wunde, die sich über seine ganze linke Gesichtshälfte zog, wohl nicht schön verheilen würde, da sie ihm mit einem Blechstück zugefügt wurde, dass sein Fleisch in Fetzen gerissen hatte.        &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michael Mücke hatte die Nachricht erhalten, dass Olav Geiger im Knast aufgemischt worden war. Das gab ihm eine glänzende Gelegenheit, der Intelligenzbestie etwas in den Mund zu legen.&lt;br /&gt;
Also machte er eine ordnungsgemäße erneute Vernehmung von Geiger, bei der dieser Fotos von Schillke als einen der Auftraggeber identifizierte. Natürlich hätte Geiger um Schutz zu bekommen, auch den Papst des Massenmordes bezichtigt, aber das zu bewerten war Sache des Gerichtes.&lt;br /&gt;
Die Aussage reichte auf jeden Fall aus, um einen Haftbefehl gegen Schillke zu erwirken. Die Hamburger Polizei war schon bei den ersten Gesprächen mit ihren Politikern zum Thema Schillke erfreut gewesen. Ebenso von der nordischen Eigenart, dass bestimmte Ermittlungen gegen die sogenannte Hamburger Gesellschaft ungern gesehen werden, egal wer politisch am Ruder ist.&lt;br /&gt;
Den Haftbefehl aus Berlin betrachteten die Hamburger Polizisten als eine Art später Genugtuung und vollzogen ihn umgehend. MM konnte sich gar nicht vor Anrufen und Akten retten die ihm zugängig gemacht wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. April 2006 Hamburg 17 Uhr 30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Benno von der Lohe schätzte Schillkes Chancen realistisch ein. Er gab den Leuten von Oreste Crispi den Befehl, den Anwalt auszulöschen und sein sogenanntes Geheimquartier nach entsprechender Vorbereitung zu vernichten. &lt;br /&gt;
Dann ging er in sein privates Museum, nicht ohne vorher eine frische Zigeunerin aus einer seiner schalldichten Zellen zu holen. Er machte sich schon seit einiger Zeit nicht mehr den Aufwand, sie ähnlich wie seine Simone anzuziehen, Es war das Pfeifen der Peitsche, das der Auslöser seiner Lust geworden war. &lt;br /&gt;
Heute pfiff die Peitsche besonders heftig. Musste er sich doch von mindestens drei seiner Bilder trennen, besser noch vier. Nachdem er ihr alles an Menschlichkeit und Würde genommen hatte, nahm er ihr auch das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/1663-Es-werden-gar-schaurige-und-erschroeckliche-Dinge-passieren.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Worum es geht&quot;&gt;Worum es geht&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2451-36.-Jede-Menge-Unterschriften.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Vorheriges Kapitel&quot;&gt;Vorheriges Kapitel&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
           &lt;br /&gt;
&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/archives/2674-38.-Nun-wird-es-wirklich-eng.html&quot;&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Nächstes Kapitel am 29.05.2008&quot;&gt;Nächstes Kapitel am 29.05.2008&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 27 May 2008 09:00:00 +0200</pubDate>
    <guid isPermaLink="false">http://duckhome.de/tb/archives/2452-guid.html</guid>
    
</item>
<item>
    <title>36. Jede Menge Unterschriften </title>
    <link>http://duckhome.de/tb/archives/2451-36.-Jede-Menge-Unterschriften.html</link>
            <category>Hoff / Rieger - Kunst, die nicht nur bildet</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Jochen Hoff / Elsa Rieger)</author>
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                           &lt;br /&gt;
Ein Mann in der Falle ist kein guter Anblick.&lt;br /&gt;
Aus Togo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. April 2006 Rio de Janeiro 3 Uhr 45 Ortszeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salvatore Bruscini hatte Rio genossen. Zumindest in den ersten sechzig Stunden. Die Mädchen waren schön und gegen das entsprechende Entgelt willig. Sein Hotel lag direkt am Strand. &lt;br /&gt;
Natürlich würde er sich falsche Papiere besorgen und vielleicht etwas zurückgezogener leben müssen. Aber es gab ja noch andere Hafenstädte, die weniger Aufsehen erregten. Und er hätte vorsichtiger sein müssen. &lt;br /&gt;
Dieser hübschen Kleinen, die vor ihm auf dem Asphalt tänzelte, konnte er einfach nicht widerstehen.&lt;br /&gt;
Er wusste, dass er mit seinen europäischen Augen ihr Alter nicht schätzen konnte, aber sie war so herrlich jung und schien dazu verdorben. Er gierte nach ihrem haarlosen Stück Fleisch, das sie ihm schamlos zeigte.&lt;br /&gt;
Wie ein Idiot war Bruscini ihr in das Gewirr der Gassen gefolgt. Bei jedem ihrer Schritte wippte das Röckchen und zeigte den süßen nackten Po, den er genießen wollte. &lt;br /&gt;
Hinter der nächsten Ecke wartete sie auf ihn. Es ging schnell und als er aufwachte, war sein Bargeld und seine Uhr fort. Alles andere hatte man ihm gelassen. &lt;br /&gt;
Er tobte. Allerdings verstand dort niemand sein Italienisch. So kam die Polizei und nahm ihn fest. Hätte er doch nur etwas Bargeld gehabt oder wäre der Sprache mächtig gewesen.  Aber so war nichts zu machen. &lt;br /&gt;
Erst hatten sie ihn in dieses und dann in jenes Gefängnis gebracht. So recht schienen sie nicht zu wissen, was sie mit ihm anfangen sollten. Er brauchte jemanden, mit dem er sich verständigen konnte. Leider konnte er schlecht nach dem Konsul fragen.&lt;br /&gt;
Jetzt wurde er wieder in einem dieser kleinen schmutzigen Verlieswagen herumgefahren. Gut, dass er selbst so klein war. Ein durchschnittlicher Mitteleuropäer wäre vor Hitze und Platzangst gestorben.&lt;br /&gt;
Der Wagen hielt, er wurde herausgezerrt und in ein großes Gebäude gebracht, von dem er nur die endlosen Flure sehen konnte. Dann ein Büro. Ein Mann. Endlich ein Verhör.&lt;br /&gt;
Doch der Mann fragte: „Salvatore Bruscini? Italienischer Staatsbürger?“&lt;br /&gt;
„Endlich jemand, der meine Sprache spricht. Jetzt können wir die Probleme aus der Welt schaffen ...“&lt;br /&gt;
„Sind Sie der italienische Staatsbürger Salvatore Bruscini?“&lt;br /&gt;
„Ja.“&lt;br /&gt;
„Gut. Ich übergebe Ihnen hiermit einen amtlichen Ausweisungsbeschluss, der ins Italienische übersetzt wurde, mit seinem brasilianischen Original, das Sie unterschreiben.“ &lt;br /&gt;
„Wir können über alles reden“, stammelte Bruscini verstört.&lt;br /&gt;
„Ich kann Sie gerne für vier Wochen in ein Gefängnis bringen lassen und Sie danach erneut bitten, den Empfang zu quittieren.“&lt;br /&gt;
Er unterschrieb.&lt;br /&gt;
„Danke, Herr Bruscini. Ihnen wird auf Lebenszeit untersagt, erneut in Brasilien einzureisen. Da es keinen Direktflug nach Italien gibt, werden sie über Zürich nach Mailand geflogen. Sollte das Flugzeug über brasilianischem Luftraum Ihretwegen zurückkehren müssen, werden Sie mehrere Jahre Gefängnis bekommen. Ist Ihnen das klar?“&lt;br /&gt;
Bruscini nickte stumm.&lt;br /&gt;
Die Polizisten ergriffen ihn erneut und brachten ihn in einen Warteraum, wo sie bis zum Check-In des Fliegers warteten und ihm die Handschellen erst abnahmen, als er an Bord ging.&lt;br /&gt;
Seine Mitpassagiere sahen ihn entsetzt an, aber das war ihm egal. Wahrscheinlich hatte dieser Kegelclub auf Abwegen noch nie einen Mann in Handschellen gesehen. Typisch Schweizer. &lt;br /&gt;
Das Flugzeug war kaum zur Hälfte besetzt. Einer dieser Geschäftsflieger, die immer mehr in Mode kamen. Also zurück nach Zürich. Das hätte schlimmer kommen können. Direkt nach Mailand zum Beispiel. Die Stewardess, die beim Vorbeigehen jedes Mal die Nase rümpfte, bot ihm nur alkoholfreie Getränke an. Alles andere hätte Geld erfordert, das er nicht hatte. Seine Kreditkarte wollte sie nicht nehmen.&lt;br /&gt;
Also schlief er ein Weilchen und träumte davon, wohin er nach Zürich fliehen würde. Als die Maschine im Landeanflug war, blickte er nicht hinaus. Flughäfen sehen überall auf der Welt gleich trostlos aus.&lt;br /&gt;
Wie vermutet, musste er zur Reinigung des Flugzeugs die Maschine verlassen. Die Wartezeit sollte eine Stunde betragen. Schließlich wollten die Schweizer auch Waren in ihrem Duty-Free Bereich verkaufen. &lt;br /&gt;
Das passte ihm gut. Er stürmte vor den anderen aus dem Flugzeug, über die Gangway auf den Vorplatz. Dort stutzte er. Vienna International Airport stand dort. Aus dem Flughafenbus stiegen ein paar Polizisten, und einige Frauen. &lt;br /&gt;
Bevor er reagieren konnte, hatten ihn zwei Pinkerton Männer von hinten an den Armen gefasst und ihm Handschellen angelegt. &lt;br /&gt;
Am schlimmsten war, dass dieses billige russische Flittchen in ihrem schlimmsten Nuttenoutfit vor ihn trat: „Salvatore, mein Freund. Du hast deinen Ausflug in die Sonne schnell beendet. Dafür, dass du sie nie mehr sehen wirst, hättest du dir mehr Zeit lassen sollen. Naja, geduldig warst du ja nie.“ Sie warf ihm eine fröhliche Kusshand zu.&lt;br /&gt;
Wie betäubt ließ er sich ohne Gegenwehr in einen Gefangenentransporter verfrachten. &lt;br /&gt;
In derselben Nacht sorgte die Störchin dafür, dass sich der Rechtsanwalt und seinehemaligen Mandanten als Gefangene sehen konnte. Das lockerte Bruscini und dem Rechtsanwalt rasch die Zunge. Die Störchin hatte sogar Mühe, überhaupt noch Fragen zu formulieren, so schnell schoss er die Antworten heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. April 2006 Saipan 3 Uhr 15 (Ortszeit)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen standen drei Polizeiwagen vor ihrem Hotel. Das war bei den zweiundsiebzigtausend Menschen, die auf Saipan leben, schon eine beträchtliche Streitmacht. &lt;br /&gt;
Ähnlich schienen das auch die Bewacher des Anwesens von Won Hae-Kyung zu sehen und rissen die Tore weit auf, als die Fahrzeuge mit Sirenen und Blaulicht anrückten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Herr Won sichtlich geschockt war, reagierte er doch sehr professionell. Den ersten vorgeschobenen Grund der illegalen Beschäftigung konnte er entkräften. Die Geschichte mit den Kopien gestohlener Bilder hatte er sichtlich nicht erwartet. Aber so leicht war er nicht unterzukriegen und so sagte er von oben herab: „Nehmen wir einmal an, die Beweise, die Sie da auf ihren Computern haben, sind nicht gefälscht. Dann ist das eine Straftat außerhalb des U.S. Commonwealth Territory und außerhalb der USA. Ich sehe also nicht, was Sie damit zu tun haben, meine Herren. Oder liegt ein Auslieferungsersuchen vor?“&lt;br /&gt;
Auch Johann nahm eine entspannte Pose ein, er konnte es sich leisten, denn er war gut zwei Köpfe größer als Won. „Ihr Versicherungsagent ist Mr. Brigham in London. Brigham, Tyndel und Robertson. Ist das richtig? Sind dies Ihre Abschlüsse?“ Er reichte ihm eine Computerliste, aus der Schadenssummen, Prämien und alle sonstigen Daten von vierhundertsechzehn Verträgen hervorgingen.&lt;br /&gt;
„Es mag sein, das noch einige fehlen. Aber die dürfte ich im Laufe der Woche nachgereicht bekommen. Sie wissen ja, wie das mit den Bearbeitungsabläufen ist.“ Er lächelte höflich und machte eine Andeutung einer Verbeugung.&lt;br /&gt;
Won setzte sich erstmal in seinen Schreibtisch. Blätterte ein wenig ratlos in der Liste. Was, bitte schön, hatte das kleine Geschäft mit dem jüdischen Schlitzohr mit seinen Versicherungen zu tun? Der Große sah nicht so aus, als ob er weitere Erklärungen für notwendig hielt. &lt;br /&gt;
Won hüstelte. „Ja. Das sind meine Verträge. Ob sie vollständig sind, kann ich so nicht sagen. Das müsste ich auch erst prüfen lassen, aber was hat das mit den Bildern zu tun?“&lt;br /&gt;
„Ich dachte, das wäre ihnen klar, Herr Won. Kunst ist versichert. Wenn sie gestohlen werden, müssen die Versicherungen zahlen. Das erhöht ihre und meine Prämien.“&lt;br /&gt;
Johann setzte sich auf die Schreibtischkante.&lt;br /&gt;
Won zog ein Stück Papier unter seinem Hintern heraus und schob es in die Lade. „Die Werke sind doch schon lange gestohlen, die Schäden längst ausgeglichen. Was soll das jetzt noch?“, fragte er pikiert.&lt;br /&gt;
„Das sehen Sie falsch. Mein Haus vertritt einige der größten Rückversicherer dieser Welt. Wenn wir 1724 für ein verloren gegangenes spanisches Goldschiff eine Versicherung ausbezahlt haben und das Schiff heute gefunden wird, gehört der Inhalt uns. Mit den Bildern ist es ebenso. Wir wollen sie wiederhaben.“&lt;br /&gt;
Won schien es zu reichen, er sprang von seinem Ledersessel auf, rannte um den Tisch herum und baute sich vor Johann auf. Nachdem er nun Aug in Aug mit ihm war, sagte er streng: „Aber bitte schön nicht von mir! Ich bin Geschäftsmann, ich habe Dienstleistungen und Transport verkauft. Mehr nicht. Da müssen Sie sich an andere wenden.“&lt;br /&gt;
Johann stand auf und blickte auf den kleinen, aufgeregten Won herunter: „Würden wir gerne, Herr Won. Würden wir wirklich gerne. Aber die anderen haben wir nicht, Herr Won. Sie haben wir.“ Er hob die Augenbrauen zur Betonung der letzten Worte.&lt;br /&gt;
Nun sprang Won einige Mal in die Luft wie ein Gummiball. Er fuchtelte vor Johanns Nase herum. „Wieso haben Sie mich? Sie haben ein paar blöde Aussagen, auf die Sie nie einen Auslieferungsbefehl bekommen. Ich kann gehen, wohin ich will und tun, was ich mag. Daran können Sie mich nicht hindern.“&lt;br /&gt;
Begütigend lächelnd, wie ein Lehrer, der seinem kleinen Schüler die Welt erklären will, sagte Johann: „Nicht ganz, verehrter Herr Won, nicht ganz. Es ist ziemlich einfach. Wenn Sie uns weder unsere Bilder geben noch Ihren Auftraggeber verraten wollen, wollen wir Sie nicht mehr versichern. Aber Sie haben ja eine Liste der Verträge, die sie neu abschließen müssten. Das hilft bestimmt bei der Organisation.“&lt;br /&gt;
Wons normale braungelbe Gesichtfarbe wechselte in ein Grün. „Ja und? Ich versichere mich eben woanders. Damit machen Sie mir Arbeit, aber keine Angst!“&lt;br /&gt;
„Mir würde es Angst machen. Jede Gesellschaft, die Sie versichert, will sich rückversichern. Die Rückversicherer sind von den Bilderdiebstählen alle betroffen. Ich glaube, Sie sollten die Reparatur Ihres Flugzeuges stornieren. Es wird ohne Versicherungsschutz nie mehr abheben.“ Johann pflückte einen unsichtbaren Fussel von Wons Schulter.&lt;br /&gt;
Der Koreaner wich schnaubend einen Schritt zurück und stolperte um ein Haar über den Besucherstuhl vor seinem Tisch. Sein Stimme kippte ins Schrille: „Sie drohen mir im Beisein von so vielen Polizisten? Das ist Erpressung! Nehmen Sie den Mann sofort fest!“&lt;br /&gt;
Homer grinste breit. „Herr Won, das werden wir sicher nicht tun. Das ist Geschäft. Meinen Sie im Ernst, die Versicherung macht sich unnötig Arbeit? Wenn Sie uns Ihren Auftraggeber nennen und vernünftige Beweise und Aussagen liefern, ist die Sache für die Versicherungen erledigt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Herr Won nach einigen Minuten seine Sprache wieder gefunden hatte, machte er seine Aussagen. Papiere wurden ausgedruckt, Videos aufgezeichnet. Neben den technischen Details des Ablaufes, die sicher den Zoll und die Polizei einiger Länder interessieren würden, gab es klare Belastungen gegen Roger Harry Schillke und Chaim Averbuch, den Patron.&lt;br /&gt;
Herr Won konnte allerdings nicht sagen, wer von den beiden der Chef war. Er glaubte, dass beide Handlanger seien, hatte sich aber nie ernsthaft Gedanken darüber gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/1663-Es-werden-gar-schaurige-und-erschroeckliche-Dinge-passieren.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Worum es geht&quot;&gt;Worum es geht&lt;/a&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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           &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.duckhome.de/tb/archives/2452-37.-Knastreflexionen.html&quot; target=&quot;blank&quot; title=&quot;Nächstes Kapitel am 27.05.2008&quot;&gt;Nächstes Kapitel am 27.05.2008&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Thu, 22 May 2008 09:00:00 +0200</pubDate>
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