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    <title> - Flaschenpost an die Nachgeborenen</title>
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    <pubDate>Sat, 12 May 2012 17:19:08 GMT</pubDate>

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    <title>KAMPF ZWEIER LINIEN - ERINNERUNGSSPLITTER</title>
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            <category>Flaschenpost an die Nachgeborenen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Richard Albrecht )</author>
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            &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;KAMPF ZWEIER LINIEN - ERINNERUNGSSPLITTER[1]&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=http://ricalb.files.wordpress.com/2011/04/cv6.pdf target=&quot;blank&quot; title=&quot;Richard Albrecht&quot;&gt; Richard Albrecht&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost target=&quot;blank&quot; title=&quot;Zwanzigste Flaschenpost&quot;&gt;Zwanzigste Flaschenpost&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;DER SCHLIMMSTE LUMP IN STADT UND LAND …&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
oder noch einmal: LINKS BLINKEN RECHTS ÜBERHOLEN. &lt;br /&gt;
Subjektive Erinnerung an zwei deutsche Professoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem 1971/72 mein Aufsatz über Karl Mannheims Intellektuellensoziologie trotz positiver „Begutachtung“ in der 1959 von W. F. Haug gegründeten linksakademischen Zeitschrift „Das Argument“  (-&gt; http://www.inkrit.org/argument/argument_inhaltsverzeichnis_1959-2009.pdf) nicht wie vereinbart erschien – wurde ein Jahr später im vierten Themenheft zu „Fragen der marxistischen Theorie“ als meine erstgrößere wissenschaftliche Veröffentlichung mein Aufsatz „Die Kritik von Korsch und Pannekoek an Lenins ´Materialismus und Empiriokritizismus´“ publiziert (-&gt; „Das Argument“, 14 [1972] 74: 586-625). Es handelt sich um Teile meiner im WS 1970/71 in Heidelberg geschriebenen, an der Universität Mannheim (WH) im April 1971 eingereichten und von den Prof´es Harald Delius und Ulrich Steinvorth (LS Philosophie I) mit „befriedigend“ bewerteten philosophiegeschichtlichen Diplomarbeit „Probleme der Erkenntnistheorie Lenins“. Der „Argument“-Text wurde zwei Jahre später so oberflächlich wie unwirsch von Professor Anton Leist im ersten Themenheft zu „Streitfragen der materialistischen Dialektik“ kritisiert (-&gt; „Das Argument“ 81/1973: 574 ff.), genauer: der Text wurde, so Herausgeber Haug zwei Jahre später in seinem Editorial zum vierten Themenheft „Streifragen der materialistischen Dialektik“ im ZK-Jargon, einer von der „Argument“-Redaktion gebilligten „Kritik unterzogen“ (-&gt; „Das Argument“ 90/1975: 185 ff.) Dabei konnte Haug an seinen Professorenkollegen Oskar Negt mehrfach anschließen. Dieser hatte mich wegen meiner – zugegeben – linksleninistischen Kritik sowohl an rätekommunistischen Ideologen im „Argument“ (1972) als auch wegen meines folgenden Beitrags zur Kritik der bundesdeutschen Korsch-Renaissance (-&gt; „Sozialistische Politik“, 5 [1973] 22: 49-76) als „neostalinistischer Schmierer“ denunziert  (-&gt; Jahrbuch Arbeiterbewegung 1: Über Karl Korsch. Frankfurt/Main: Fischer-Taschenbuch 6600, 1973). Als unbekümmerter, damals 27 Jahre alter Jungwissenschaftler hatte ich (1973) tatsächlich bemerkt, daß Negts Kritik an den in der Sowjet-Union der 1930er Jahre herrschenden Verhältnissen „sich noch nicht einmal auf die Höhe der Erkenntnisse des konservativen und gewiß jeder marxistischen Tendenz unverdächtigen geistesgeschichtlichen Forschers Ernst Nolte heraufarbeiten konnte“. Dieser hatte die stalinistische Sowjet-Union der 1930er Jahre als „nicht imperialistisch“, aber notwendig „totalitär“ klassifiziert und betont, daß deren  „Telos  nicht  der Krieg zu sein brauchte.“  (-&gt; Der Faschismus in seiner Epoche […]. München: R. Piper, 1963: 470 f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige FU-Dozent „Dr. Wolfgang Fritz Haug Privatdozent für Philosophie“ war´s auch, der am 24. Mai 1973 nach dem Motto: Keine Haare auffer Brust abern Kamm inner Tasche – schlichtdeutsch gesagt: Richard Albrechts Text kenne ich nicht und Zeit zum Lesen hab ich eh nicht, aber bitte – diesen Brief „An die Redaktion Marxistische Blätter“ schrieb: [N.N.] „hat mir die Kopie seines Schreibens vom 14.5. an die Redaktion der Marxistischen Blätter zugeschickt […] Richard Albrecht hat zweifach danebengehauen, in faschismus-theoretischer Hinsicht ebenso wie in bündnispolitischer. Ich belasse es, schon aus Zeitmangel, bei diesen beiden Stichworten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie heißt es immer noch volksmundig … ? Genau: Der schlimmste Lump in Stadt und Land …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen ist mir politisch klar, daß es nicht um diese oder jene Einzelheit, auch nicht nur um politikgeschichtlich bestenfalls halbgebildeten kleine Deutschbürger wie die Herren Professoren Haug &amp;amp; Negt, sondern um diesen grundlegenden historischen Zusammenhang geht: &lt;strong&gt;Wer nicht von der rechtssozialdemokratischen Konterrevolution in Deutschland 1918/19 reden will … möge zum Stalinismus in der Sowjet-Union seit 1928/1929 schweigen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;MAX SCHÄFER (1913-1986)&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
Über einen deutschen Kommunisten. &lt;br /&gt;
Anstatt eines Wikipedia-Eintrags&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Max Schäfer war kurz einmal mein Chef. Als ich 1972/73 bei „die tat“ voluntierte. Max´ Nachfolger schrieb mir später ein Zeugnis. Ein früherer Westemigrant in der Schweiz kümmerte sich operativ um mich: „Richard, Deinetwegen werden wir uns keine Klage einhandeln, schreib´ den letzten Absatz um und denk an die Schlußfrage“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später rezensierte ich dort auch Max´ Bändchen „Wer herrscht in der BRD?“ (1974) und empfahl es „den Menschen, die allen gesellschaftlichen Reichtum erarbeiten und in Zukunft weiter erarbeiten werden“ („die tat“ 39/74). Den Autor sah ich gelegentlich bei öffentlichen Diskussionstreffen in Frankfurt (Main). Öffentliche Ansprache war da nicht mehr seine Sache. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Max konnte zuhören. Ich erinnere ihn als einen etwa sechzigjährigen Mann in Sakko und Rollkragenpullover, mit zwei Gramfalten im Gesicht, so zurückgenommen wie leidend wirkend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später hatte ich mit Max über die Zweimonatszeitschrift „Marxistische Blätter“, deren Redaktion er übernommen hatte, zu tun. Ich erinnere, daß Max 1973 auf einen ausdrücklich auf „Richard Albrecht“ zielenden professoralen Denunziationsbrief eines (späteren) Berliner FU-Professors nicht reagierte. Das fand ich richtig.  Aufgefunden habe ich einen späteren Brief von Max (1975): &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Lieber Richard, anbei sende ich Dir eine Kritik zu Deinem Beitrag in Nr. 1/75 der Marxistischen Blätter. Der Verfasser bietet sich […] an, eine Replik zu Deinem Beitrag zu schreiben. Ich schicke Dir die Kritik an Deinem Artikel nicht nur zu Deiner Kenntnisnahme, sondern auch um Deine Meinung zur Kritik und zu dem Vorschlag, ob wir darüber eine Diskussion beginnen sollen, zu hören […].“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus welchen Gründen immer gab es die MB-„Diskussion“ über „moderne deutsche Sozialgeschichte“ dann doch nicht. Die wenigen Zeilen von Max finde ich auch heute noch klug: einmal, weil er diesmal die Kritik im Gegensatz zur vorgehenden Denunziation als solche erkannte, ernstnahm und damit verdeutlichte, daß es um unsre Sache geht. Und zweitens in der weiterführenden Anregung, den Autor nach dessen Meinung zu fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute weiß ich nach Durchsicht auch unveröffentlichter Dokumente mehr über seine Funktionen, daß und wie Max beim - leider erfolglosen - &lt;strong&gt;Versuch der Wiederzulassung der 1956 formell aufgelösten Kommunistischen Partei Deutschlands (K.P.D.)&lt;/strong&gt; und der dann auxiliar erfolgten Neugründung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) aktiv beteiligt war … auch wenn ich bei zwei späteren Treffen mit beiden damals noch lebenden K.D.P.-Bundestagsabgeordneten (1949-1953) in der Westpfalz (1979) und im Wuppertal (1987) die sich daraus ergebenden Probleme für die Geschichte der (bundes-) deutschen kommunistischen und Arbeiterbewegung und die Rolle, die Max Schäfer dabei spielte, nie angesprochen habe.                                                                 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[1]&lt;br /&gt;
Imanschluß an KurzTexte des Autors: „Zwanzig Jahre später – Porträt eines Ex“: liberal, 42 [2000] 3: 64; „Erinnerungssplitter“ [2001]: &lt;u&gt;http://ricalb.files.wordpress.com/2009/07/erinnerungssplitter.pdf&lt;/u&gt; Mit diesen beiden dokumentisch gesättigten Erinnerungssplittern ist die Anfang Januar 2011 hier begonnene erste Serie dieser FLASCHEN POST abgeschlossen. Eine Auswahl der zwanzig Texte zur reflexivhistorischen Sozialforschung steht bereits (auch zum kostenlosen Herunterladen) im Netz -&gt; &lt;strong&gt;&lt;a href=http://gegen-den-strom.org target=&quot;blank&quot; title=&quot;FLASCHEN POST&quot;&gt;FLASCHEN POST&lt;/a&gt;.&lt;/strong&gt; Die optisch-ästhetisch erweiterte Druckversion aller zwanzig Texte erscheint Anfang Mai im VerlagsKontor Richard Albrecht Wiesenhaus (VerKaaT 2011, 104 p., ISBN 978-3-921384-07-9; einschl. Versand 8 €). Kontakt zum Editor -&gt; &lt;u&gt;eingreifendes.denken@gmx.net&lt;/u&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;&lt;a href=http://ricalb.files.wordpress.com/2011/04/cv6.pdf target=&quot;blank&quot; title=&quot;Dr. Richard Albrecht&quot;&gt;Dr. Richard Albrecht&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; (*1945)  lebt als unabhängiger Sozialforscher und freier Autor in Bad Münstereifel und veröffentlicht seit Oktober 2010 in diesem Blog -&gt; &lt;strong&gt;&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht target=&quot;blank&quot; title=&quot;duckhome-Beiträge&quot;&gt;duckhome-Beiträge&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt;  -&gt; &lt;strong&gt;&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/grundkurs+soziologie target=&quot;blank&quot; title=&quot;Grundkurs Soziologie&quot;&gt;Grundkurs Soziologie&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt;   -&gt; &lt;strong&gt;&lt;a href= http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost target=&quot;blank&quot; title=&quot;flaschenpost&quot;&gt;flaschenpost&lt;/a&gt;.&lt;/strong&gt; Letzterschienene Bücher: &lt;strong&gt;&lt;a href=http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-8322-7333-0 target=&quot;blank&quot; title=&quot;SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert &quot;&gt;SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert &lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; (2008, wiss.); &lt;strong&gt;&lt;a href=http://www.shaker-media.de/de/content/bookshop/index.asp?ID=2&amp;ISBN=978-3-86858-613-8 target=&quot;blank&quot;  title=&quot;HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren&quot;&gt;HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; (2011, lit.). In Vorbereitung ist die Druckfassung der Texte zur reflexivhistorischen Sozialforschung -&gt; &lt;strong&gt;&lt;a href=http://gegen-den-strom.org target=&quot;blank&quot; title=&quot;FLASCHEN POST&quot;&gt;FLASCHEN POST&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; (VerKaaT 2011, 104 p., ISBN 978-3-921384-07-9). Netzarchiv des Autors -&gt; &lt;strong&gt;&lt;a href=http://eingreifendes-denken.net target=&quot;blank&quot; title=&quot;eingreifendes-denken&quot;&gt;eingreifendes-denken&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt;    (c) Autor 2011&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 27 Apr 2011 16:45:00 +0200</pubDate>
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    <category>&quot;das argument&quot;</category>
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</item>
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    <title>SPARTAKISTEN</title>
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            <category>Flaschenpost an die Nachgeborenen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Richard Albrecht )</author>
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            &lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;SPARTAKISTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hochschulsommer neunzehnhundertsiebzig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=http://www.shaker.de/de/content/catalogue/index.asp?lang=de&amp;ID=8&amp;ISBN=978-3-8322-6506-9 target=&quot;blank&quot; title=&quot;Wilma Ruth Albrecht&quot;&gt;Wilma Ruth Albrecht&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Neunzehnte &lt;a href= http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost target=&quot;blank&quot; title=&quot;Flaschenpost&quot;&gt;Flaschenpost&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 I. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon in Frankfurt hatte Wolfhart ständig agitiert, damit Selma Parteimitglied wird. Die Partei wäre die einzige antifaschistische und antikapitalistische Kraft im Land, viele alte Genossen und Genossinnen Widerstandskämpfer und unterm Adenauerregime wieder verfolgt. Die hätten Erfahrung und Urteilskraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Die haben Betriebsgruppen mit richtigen Arbeitern. Keine mit Spontiaktivisten, die wieder an die Uni oder auf´n Selbsterfahrungtrip nach Indien gehen, wenn kein´ Bock auf Revolution. Dazu die DDR-Verbindungen. Und Du kommst wie Ulla und ich aus ´ner Arbeiterfamilie”, erklärte Wolfhart: “Du gehörst zu uns!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Was, Wolfhart, Du und Arbeiterfamilie? Na hör´ ´mal, dein Vater ist doch Kulturamtsleiter”, warf Selma empört ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Was sagt das schon. Eigentlich ist er von Beruf Chemielaborant”, entgegnete Wolfhart. “Nach dem Krieg hat man auf ihn nur zurückgegriffen als verfolgten Antifaschisten und ehemaliges Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei. In Ludwigshafen wollte doch keiner den einflusslosen Posten. Da ist der Alte dann hängen geblieben. Die wichtigen kulturpolitischen Sachen ham´ haben andere entschieden. Und Dezernent wurde´n Akademiker.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überzeugt hatte Wolfhart Selma nicht. Die einfachen Leute der Stadtteilgruppe und die biederen Gaststättenhinterzimmer zogen sie nicht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfharts Appell, gegen den zunehmenden Neonazismus unbedingt etwas zu tun, überzeugte Selma schon eher. Zuerst war es der 1964 gegründeten Nationaldemokratischen Partei Deutschlands gelungen, politische Fuß zu fassen: 1966 zog sie in die Landtage von Hessen und Bayern, 1967 in die von Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Schleswig-Holstein sowie in die Bremer Bürgerschaft ein. Und erhielt 1968 bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg mit 9.8 fast zehn Prozent der Stimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurück in Mannheim, der Quadratestadt, hatte sich Selma entschieden: “Ich will Mitglied der Partei werden”, erklärte sie dem erstaunten Parteivorsitzenden, nachdem dieser ihr die Tür zum Parteibüro geöffnet, nach ihren Wünschen gefragt und zu einem Gespräch im Gruppenraum eingeladen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mannheimer Parteibüro lag im Erdgeschoss eines nach dem Krieg neu erbauten Mietshauses in U 2 / 3 wie auch der Buchladen. Außer dem Büro des örtlichen Parteivorsitzenden beherbergte es eine kleine Druckerei, deren Räume zum Hof lagen, und einen größeren Versammlungsraum, der später den Namen “Annette-Langendorf-Club” erhielt, benannt nach der langjährigen KPD-Stadträtin (1946-1959) und bis 1956 Fraktionsvorsitzenden in Mannheim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Raum saß Selma am Tisch über Eck dem Parteifunktionär gegenüber. Er war Anfang Vierzig, kräftig, trug über seinem hellen Hemd ein beigefarbenes Blouson und blondes, kurz geschnittenes Haar und zeigte ein glatt rasiertes, rundes Gesicht mit wachen blauen Augen, deren Blick - wie es Selma schien - gerade für Sekunden träumerisch abschweiften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
´So in ihrem Alter war´s als ich´s Studium abgebrochen habe. Unakademisches Verhalten lautete der Vorwurf. Nur weil ich einen Artikel in der “Volksstimme” veröffentlicht habe, in dem ich gegen die Kürzung der Stipendien Stellung bezog. Dann der schriftliche Verweis. Kaum ein Jahr FDJ-Sekretär erfolgte schon das Verbot der Organisation. Dann die steckbriefliche Suche nach mir. Und nach 1956 Untersuchungshaft. Genau so unbekümmert, ja naiv war ich gewesen. Habe die Folgen meines politischen Entschlusses nicht bedacht …´&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Erinnerungsblitz unterbrach das Gespräch kaum merkbar. Der Parteisekretär schaute Selma freundlich an und erklärte dann: “So einfach, Fräulein, geht das nicht. Über Parteieintritt und -ausschluss entscheiden bei uns die Grundorganisationen, also zum Beispiel Stadtteil-, Betriebs- oder Hochschulgruppen. Da sie Studentin sind, wäre es besser Sie würden sich an der Hochschule organisieren”, riet er, denn er befürchtete, die alten Genossen der Neckarstadt würden die moderne Frau eher abschrecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selma war enttäuscht. Sie hatte nicht erwartet, dass man sie zurückweist. Vor allem aber fragte sie sich, bei welcher linken Organisation an der Hochschule in Mannheim sie sich überhaupt engagieren konnte. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund hatte am 21. März des Jahres seine Auflösung öffentlich bekannt gegeben, den Sozialdemokratische Hochschulbund gab es in Mannheim schon seit gut einem Jahr nur noch auf dem Papier und eine SPARTAKUS-gruppe - gab es die überhaupt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wusste auch der Parteisekretär. Er las Selmas Gesichtszüge richtig und antwortete auf ihre Frage “Und welche Hochschulgruppe an der Uni, meinen Sie?”: “Wissen Sie was? Schreiben Sie mir einfach Name und Anschrift auf. Wir sehn dann, was sich machen lässt.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Woche später erhielt Selma eine schriftliche Einladung. Auf einem Blatt in DinA-5-Format stand unter der in gesperrten Großbuchstaben geschriebenen Überschrift “SPATAKUS”, dass man sie zum Treffen am Dienstag, am 9. 4. 1970 um 19.00 Uhr bei Jörn in O 6 / 9 einlade. Es sollen Aktionen für das Sommersemester 1970 und längerfristig auch für das Wintersemester 1970/71 geplant werden. ´Jörn? Jörn?´, dachte Selma. ´Etwa der aus der Basisgruppe Germanistik?´&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich war es dieser Jörn, der ihr die Tür öffnete, um sie in seine kleine Wohnung zu führen. Er hatte sich nicht verändert. Immer noch trug er sein lockiges Haar als Kurzhaarschnitt, auf der langen schmalen Nase die Hornbrille mit den dicken Gläsern und einen Hand gestrickten Herrenpullover, der sich eng um die Brust spannte. Jörn begrüßte Selma wie eine altbekannte Freundin und führte sie sogleich in ein Zimmer mit kleinem Balkon. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer diesem Zimmer besaß die Kleinwohnung, wie Selma noch an diesem Abend feststellte, nur noch eine Küche und eine Toilette mit Dusche. Die Küche diente jedoch hauptsächlich als Schlaf- und Arbeitszimmer, denn sie lag zum ruhigen Innenhof, während das andere Zimmer zur lauten Anliegerstraße, die demnächst zur Fußgängerzone ausgebaut werden sollte, zeigte. In der Küche hatte Jörn in abenteuerlicher Weise um und über seiner Schlafstätte eine Bücherwand gebaut, von der man nur hoffen konnte, dass sie nicht in sich zusammenfallen und den oder die Schläfer unter sich begraben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gestaltung des Zimmers, in das Jörn Selma führte, erinnerte entfernt an asiatische Wohnkultur. Um den seiner Beine amputierten altertümlichen Schreibtisch, auf dem ein chinesisches Teeservice und eine Schale mit Keksen standen und über dem ein roter Reispapierlampenschirm baumelte, lagen verschiedene Kissen, auf denen drei junge Männer mehr lungerten als saßen und bei der Begrüßung mit Handschlag sich auch nicht anschickten zu erheben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jörn stellte vor: “Das sind Dietrich und Wern aus Ludwigshafen. Willem kennst vielleicht aus der SozFak wie auch Till, der sich heute Abend entschuldigt hat. Ja, und das ist Selma. Sie sucht Anschluss an eine fortschrittliche Hochschulgruppe. Da es eine solche weder in Ludwigshafen noch in Mannheim gibt, haben wir uns gedacht, dann gründen wir doch einfach eine, damit Du Deine politische Heimat findest.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier jungen Männer grinsten. Selma ärgerte sich. Sie sollten sich nicht über sie lustig machen, meinte sie, sonst werde sie gleich wieder gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor Selma sich von der Tischgruppe abwendete, beschwichtigte Dietrich: “Lass Dich doch von Jörns misslungenem Scherz nicht treffen … aber ernsthaft: Wir sind eine Handvoll junger Parteimitglieder aus Mannheim und Ludwigshafen und beabsichtigen eine SPARKATUS-Gruppe zu gründen, um der Reaktion an Uni und Fachhochschule entgegenzutreten. Wir freuen uns, wenn Du dabei mitmachen willst. Setz´ Dich erst ´mal hin. Wir beschäftigen uns zu Beginn mit der Grundsatzerklärung, dann mit der Satzung und zum Schluss überlegen wir, wie vorzugehen ist, um eine SPARTAKUS-Gruppe zu gründen. Sind alle damit einverstanden?” fragte Dietrich in die Runde, aus der bestätigendes Kopfnicken kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann trug er die Grundsatzerklärung vor, in der eine neue Standortbestimmung der oppositionellen Studentenbewegung vorgenommen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die oppositionelle Studentenbewegung mußte die Erfahrung machen, daß sie es beim Kampf um die Demokratisierung der Hochschule nicht allein mit reaktionären professoralen Autoritäten zu tun hat, sondern sich einem konzentrierten Angriff von Staatsapparat und Monopolkapital gegenüber sieht. Die zunehmende Bedeutung von Wissenschaft und Wissenschaftlern für den modernen Produktionsprozeß macht für die herrschende Klasse die systematische Planung und Organisierung des Hochschulbereichs im Interesse der Profit- und Herrschaftssicherung notwendig. Die Verschmelzung von Wissenschaft und Produktion bedeutet in jedem Falle den Verlust der klassischen Autonomie der Hochschulen und der relativen Freiheitsspielräume der Wissenschaftler. Im Kapitalismus vollzieht sich das jedoch nicht zugunsten einer demokratischen Wissenschaftsplanung, sondern im Sinne der Gleichschaltung der Hochschulen mit der Politik der herrschenden Minderheit. Die Rolle der Wissenschaft, verbunden mit fortschreitender Kapitalkonzentration, bewirkt die Proletarisierung immer größerer Teile der Intelligenz: Die angestellte und beamtete Intelligenz nimmt anteilsmäßig gegenüber der selbständigen ständig zu.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;DEM BÜNDNIS VON WISSENSCHAFT, PROLETARIAT UND TECHNIK WIRD KEINE NOCH SO FINSTERE MACHT WIDERSTEHEN KÖNNEN.&quot; (W. I. Lenin)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der These der Proletarisierung immer größerer Teile der Intelligenz mochte Selma gefühlsmäßig nicht zustimmen, aber sie hatte auch keine überzeugenden Gegenargumente vorzutragen. Deshalb akzeptierte sie stumm die Grundsatzerklärung. Keine Bedenken hatte sie gegenüber der Satzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“2. Der MSB SPARTAKUS ist eine gegenüber Parteien und Vereinigungen selbständige marxistische Studentenorganisation an den Hoch- und Fachhochschulen in der BRD.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ging es um die Frage der Neugründung in Mannheim-Ludwigshafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietrich stellte fest: “Genügend Mitglieder für die Neugründung einer Gruppe haben wir auch ohne Dich Selma zusammen. Auch erhielt ich vom Bundesvorstand die Zustimmung, dass unsere Gruppe sich zunächst aus Mitgliedern verschiedener Hochschulen, zweier Städte und unterschiedlicher Bundesländer zusammensetzen kann. Ach ja, Aufnahmegebühr zwei Mark und monatlicher Mitgliedsbeitrag fünf Mark, davon zwei für den BUVO. Wenn keine Einwände bestehen, können wir auf der nächsten Sitzung die formale Gründung und die Wahlen vornehmen. Jörn, bist Du damit einverstanden, dass wir uns wieder bei Dir treffen?” Jörn nickte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rechtzeitig zum Vorlesungsbeginn des Sommersemester 1970 war der MSB SPARTAKUS in Mannheim gegründet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selma konnte nicht ahnen, was mit dem Beitritt zu einer marxistischen Gruppe auf sie zukommen würde. Sie glaubte, man unterschreibt eine Eintrittserklärung, bezahlt seinen Beitrag und besucht die Gruppenabende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesen Gruppenabenden wurde jetzt festgelegt: SPARTAKUS-Hochschulprogramm und Flugblätter verteilen, Plakate für die Parlamentswahlen malen, jeden Montag Bücherstand im Foyer der Uni und eine eigene Zeitung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeitung sollte nicht abstrakt allgemein sondern konkret und witzig die Hochschul- und Wissenschaftspolitik kritisiert werden. Das bedeutete beispielsweise die Situation in Mannheim und Ludwigshafen im Zusammenhang mit Numerus Clausus und Zulassungsbeschränkungen beleuchten, statt Bildungssteuer und Bildungsanleihe Kürzung der Rüstungskosten propagie- ren und die politische Forderung nach Privatuniversitäten und Sonderstudiengänge mit dem Slogan enthüllen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Das Kapital streckt aus die Pfoten &lt;br /&gt;
nach gutdressierten Fachidioten!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem mussten Absprachen mit Basisgruppen und anderen Hochschulgruppen getroffen und Genehmigungen von der Universitätsverwaltung für Räume und öffentliche Veranstaltungen eingeholt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hatte sich Jörn in den Kopf gesetzt, Ende Juni Professor Sonnemann aus der DDR zu einem Vortrag über Erkenntnistheorie einzuladen, sozusagen als Kontrastprogramm zu Alberts Vorlesung “Wissenschaftslehre II”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinzu kamen außeruniversitäre Aktionen wie die 1. Mai-Veranstaltung, der Leninkongress in Frankfurt am 9. Mai und vor allem die Demonstration gegen die provokative Verleihung eines Konrad-Adenauer-Preises durch die reaktionäre “Deutschland-Stiftung e. V.” an die Nazi-Ideologen Winfried Martini und Prof. Pasqual Jordan am 23. Mai - ausgerechnet im Hambacher Schloss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Preisverleihung faßten Selma, aber auch ihre Mutter als persönliche Beleidigung auf. Denn vor hundertachtunddreißig Jahren versammelten sich am 28. Mai 1832 nahezu dreißigtausend Menschen in Neustadt an der Weinstraße, um zur Ruine des Hambacher Schlosses zu ziehen. Dort wurde in feurigen Reden nicht nur die Beseitigung der Fürstenherrschaft gefordert, sondern auch für republikanische und demokratische Verhältnisse geworben. Einige Waghalsige agitierten sogar für den politischen Umsturz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Wenn ich jünger wär, würd´ ich mich auch an dieser Demonstration beteiligen”, meinte die Fünfundsechzigjährige. “Aber den steilen Anstieg schaff´ ich nicht so schnell wie ihr Jungen” erklärte sie und orakelte einsichtig: “Da steckt bestimmt der schwarze Mollenkopp dahinter. Jetzt provoziert er nicht nur in der Stadt, auch als Ministerpräsident im ganzen Land.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die jungen Leute, die weniger fröhlich als erbost durch Dorf und Wald zum Parkplatz in der Nähe der Schlossruine zogen, ließen sich weder von wütenden Beschimpfungen jener Dunkelmänner im gesetzten Alter, denen sie ihre Plakate entgegenhielten, noch von den vielen Polizisten, die den Demonstrationszug begleiteten, provozieren. Auch ließen sie sich im Dorf nicht in eine enge Seitengasse abdrängen, um den Bussen und Limousinen der Festgäste freie Durchfahrt zu gewähren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen zeigten die Provokationen in Heidelberg im Mai und Juni den erwünschten Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der SDS sich am 21. März aufgelöst hatte, bestanden noch einzelne aktive Gruppen. Eine der aktivsten war der SDS in Heidelberg. Hier befand sich nicht nur das NATO-Kommando, sondern auch der Sitz des Oberkommandos der US-Truppen in Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Provokationen erfolgten in unterschiedlichen Formen: Während verschiedener antiimperialistischen Demonstrationen, die der SDS im Mai und Juni organisierte, kam es am Amerikahaus zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Deren Anlass blieb im Unklaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Juni erhielt der Rektor der Ruperto Carola, Professor Rendtorff, eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Der Heidelberger Universitätsrektor hatte die Einladung des Oberkommandeurs der US-Truppen zu einer Cocktail-Party abgelehnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 19. Juni fand eine Konferenz von Entwicklungspolitiker statt. An ihr nahm nicht nur Weltbankpräsident McNamara teil. Auf der Tagesordnung stand auch das gewaltige Talsperren- und Staudammprojekt Cabora Bassa in der portugiesischen Kolonie Mosambique. Auf der vom SDS organisierten Demonstration gegen diese Tagung kam es erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Dabei gingen auch einige Fenster des Polizeipräsidiums zu Bruch. Anlaß genug für das baden-württembergische Innenministerium, am 24. Juni 1970 das sofortige Verbot des SDS-Heidelberg zu verfügen. Es gab keine Widerspruchsmöglichkeiten. Wohl aber die Festnahme  bekannter SDS-Aktivisten, die ins Mannheimer Landesgefängnis verbracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einen Tag später wurde ein überparteiliches “Komitee 25. Juni gegen das Verbot des SDS” gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jörn hatte Selma vor der Seminarsitzung im Unicafé, den “Katakomben”, aufgespürt und begann, auf sie einzureden: “Der SPARTAKUS muss zur Demo morgen am 30. Juni in Heidelberg aufrufen. Ich hab´ mir folgendes gedacht: Wir verbinden die Kritik an der reaktionären ASTA-Politik der CDU - “Demokraten ´70” mit dem Verbot des SDS. Etwa so: ´Zuckerbrot und Peitsche´.” Dann las Jörn aus seinen Notizen vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Mit Zuckerbrot … Die Christdemokraten haben bewiesen, daß man nur über ein genügendes Maß an Unverschämtheit verfügen muß, um in Mannheim im Studentenparlament die absolute Mehrheit zu erreichen. Die Unverschämtheit nämlich, nach außen einen inhaltsleeren, brav-biederen Anti-Links-Wahlkampf zu machen, im tiefsten Herzensinnern jedoch die CDU-fromme gescheiterte ´Bildungspolitik´ von Kumi Hahns zu tragen …”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er seinen Manuskripttext beendet hatte, meinte er: “Du könntet den Teil ´Peitsche´ formulieren.” - “Aber ich hab´ gleich Seminarsitzung”, entgegnete Selma. “Dann lass´ das Seminar mal sausen und entschuldige Dich”, entgegnete Jörn und bestimmte: “Wir treffen uns jedenfalls heute Abend im Parteibüro, um das Flugblatt zu gestalten und zu drucken, damit´s morgen massenhaft verteilt werden kann.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Seminarsitzung nahm Selma dennoch teil. Ihr Studienschwerpunkt lag in diesem Sommer bei Neuere Geschichte und Politikwissenschaft. Im Hauptseminar “Revolutionäre Übergangsperiode 1918/19“ wollte Selma auch die Novemberrevolution untersuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vorher gab´s kräftig Zoff mit den Germanistikprofessoren der Alten Abteilung. Diese wollten Selma ohne Zwischenprüfung nicht ins Hauptseminar aufnehmen und bestanden auf Bescheinigungen in Mittelhochdeutsch, Gotik oder Althochdeutsch. Dieses Spiel freilich hatten auch die Vor-Ort-Achtundsechziger nicht durchschaut. Und sich stattdessen mit ihrem kurzfristig zum Rektor avancierten Wortführer verbündet, um eine liberale Grundordnung durchzusetzen. Den Preis dafür zahlten die Lehramtskandidaten, die sich mit dem Kanon aus dem letzten Jahrhundert belasten mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Selma traute sich, im völlig verrauchten Raum, im dem das Hauptseminar “Nationale und soziale Fragen in der deutschen Geschichtsschreibung des 19./20. Jahrhunderts” stattfand, dem Professor zu widersprechen, der behauptete, der Historiker Otto Hinze sei ein fortschrittlicher Vertreter seiner Zunft gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ihrem Thesenpapier schrieb Selma zusammenfassend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„SCHLUSSFOLGERUNG 1) Hintze zeigt sich in seiner politischen Publizistik als echter  Nationalist, Militarist und Imperialist. 2) Er trägt mit seiner Einstellung und Publizistik zur Unterhöhlung der Weimarer Republik bei. 3) Er nimmt auf oder entwickelt in seiner Publizistik genau die Elemente, auf die der deutsche Faschismus bei seiner Propaganda zurückgreift. 4) In diesem Sinne gehört Hintze in die Gruppe derer, die dem Faschismus die ideologische Basis schufen. Dies war und ist umso gefährlicher, als es unter dem Deckmantel von Wissenschaftlichkeit geschieht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von ihren sozialdemokratischen Kommilitonen Dietrich und Erik von der “Basisgruppe Geschichte“, die Selma im diesem Sommer mit gründete, erhielt Selma  keinerlei argumentative Unterstützung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende Juni 1970 kursierte an den Hochschulen in Mannheim und Ludwigshafen das Flugblatt, zu dem Selma den Text “…und Peitsche!” verfasst hatte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Trotz mancher Fehler und Undiszipliniertheiten, die man vielleicht dem SDS Heidelberg zur Last legen mag, hart er durch zahlreiche Aktionen, z.B. Rote-Punkt-Aktion gegen Fahrpreiserhöhung, Marksteine für eine progressive Entwicklung unserer Gesellschaft durch die demokratische Selbsttätigkeit der Bevölkerung gesetzt. Das Verbot des SDS Heidelberg zeigt, daß die Herrschenden auf solche Bewegungen von unten nur noch mit Terror antworten. Wer Demokratie Ernst nimmt, wird zu einem Schwachkopf oder gefährlichen Verbrecher erklärt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DAS VERBOT DES SDS HEIDELBERG IST EINE FORTSETZUNG DES TERRORS GEGEN DIE DEMOKRATISCHEN KRÄFTE, DER MIT DEM K.P.D.-VERBOT BEGONNEN HAT!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum: Beteiligt Euch an der Demonstration gegen das SDS-Verbot am Mittwoch, 17:30 Uhr, Uni Mannheim.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Demonstration in Heidelberg nahm Selma nicht teil. Dies zum einen, weil alle Plätze in Dietrichs Auto schon besetzt waren und zum anderen, weil sie sich für die OEG-Bahnfahrt zu müde fühlte. Denn seit Mai arbeitete sie wieder halbtags im Mannheimer Institut für deutsche Sprache. So konnte sich Selma auch nur erzählen lassen und nachlesen, dass sich zehntausend Menschen auf dem Bismarckplatz versammelt hatten und skandierten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“SDS- und KPD-Verbot&lt;br /&gt;
sind der Demokraten Tod!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Zundel, Krause üben fleißig &lt;br /&gt;
für ein neues Dreiunddreißig!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Walter Ebert, Bezirksvorsitzender der Partei, zeigte in seiner Rede Parallelen zum FDJ- und KPD-Verbot auf, ermahnte zum “gemeinsamen demokratisch antifaschistischen Kampf” und erhielt heftigen Beifall, als er bekannt gab, dass achtundzwanzig Betriebsräte Mannheimer Großbetriebe ebenfalls die Aufhebung des SDS-Verbotes forderten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur treibenden Kraft des SPARTAKUS in Mannheim-Ludwigshafen wurde Dietrich. Er plante die Aktionen, koordinierte Personen und Material, verwaltete die Finanzen und erstellte einen umfassenden Seminar- und Studienplan für die Semesterferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Großer Ehrgeiz hatte Dietrich gepackt. Sein kleiner Haufen SPARTAKISTEN in Mannheim-Ludwigshafen sollte theoretisch auf Vordermann gebracht werden. Hieß die Studentenvereinigung nicht “Assoziation marxistischer Studenten (AMS)”? Aber vom Marxismus, meinte er,  hatten seine Genossen nur wenig Kenntnis: Jörn quälte sich ständig mit erkenntnistheoretische Fragen herum und phänomenologisierte mit Hegel, Willm plapperte nach, was Herr Weber in seinem Marxismus-Seminar verdrehte, und Selma sumpfte unbewusst in der “Kritischen Theorie” herum und hatte sich auch dem “kritischen Rationalismus” zugewandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Einschätzung stimmte so nicht. Selma hatte ihrem Referat über “Einfluss und Chancen des Linksradikalismus” in der Zeit der revolutionären Übergangsperiode 1918/19 Max Webers Herrschaftskategorien unterlegt, damit allerdings den lebendigen dialektische Geschichtsverlauf strukturell aufgesplittert. Das aber änderte insgesamt nichts am Erkenntnisgewinn des Seminars. Mehrmals hatte Selma während ihres dreizehnjährigen Schulbesuches deutsche Geschichte durchlaufen, ohne über eine Novemberrevolution je etwas zu erfahren. Spartakus war der Führer eines römischen Sklavenaufstandes, Luxemburg ein europäisches Herzogtum und Linksradikalismus ein völlig neuer Begriff, der, Selma nun erfuhr, verschiedene radikale Ortsgruppen der Unabhängige Sozialdemokratische Partei, die Spartakusgruppe und die Revolutionären Obleute einerseits sowie die Gruppe Internationale Sozialisten bzw. Internationale Kommunisten andererseits umfasste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese linksradikalen Kräfte sogar noch Einfluss und Chancen auf den Verlauf der Revolution hatten, dass sie für ein räterepublikanisches Modell eintraten und dass sie von ihrer „Bruderpartei“ SPD aufs Heftigste bekämpft wurden, waren für Selma neue Einsichten. Diese gewann sie auch durch umfangreiches Literaturstudium, das jedoch nicht Alfred Döblins gewaltige Trilogie “November 1918” einschloss. Exilliteratur war für Germanisten in Mannheim kein Thema. Künstlerische Aneignung von Wirklichkeit war Mannheimer Zeitgeschichtlern unzugänglich. So las und verarbeitete Selma Darstellungen nicht nur von BRD-Historikern, sondern auch der DDR und vor allem Originaltexte von Rosa Luxemburg, Karl Radek, Karl Liebknecht. Und diese Kommunisten wurden sogar ernst genommen genau wie Selmas Referat und Standpunkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insofern fand Selma Dietrichs Studienvorschlag folgerichtig und überzeugend. Dietrich hatte auf der letzten Mitgliederversammlung den Beschluss durchgesetzt, dass in den Semesterferien - von Ende Juli bis Mitte Oktober - ein Schulungsprogramm mit regelmäßigen wöchentlichen Sitzungen, jeweils donnerstags ab 16. 00 Uhr, durchgeführt werden sollte. Die grundlegenden Texte hatte er schon auf der Mitgliederversammlung vorgestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
F. Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft&lt;br /&gt;
K. Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie (Auszüge)&lt;br /&gt;
K. Marx: Das Kapital, Band I&lt;br /&gt;
W. I. Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus&lt;br /&gt;
F. Engels: Anti-Düring, 2. Abschnitt&lt;br /&gt;
(Dazu als Sekundärliteratur Meißner, Schellenberg, Rosdolsky)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beschluss wurde festgelegt: “Zu Beginn einer jeden Sitzung ist ein Genosse zu bestimmen, der ein höchstens viertelstündiges Kurzreferat über das zu behandelnde Thema hält. Dieses Referat soll im Wesentlichen einen Überblick über die hauptsächliche Problematik geben, um so die anschließende Diskussion zu strukturieren.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus waren Sitzungsprotokolle anzufertigen. Kein Professor hätte damals gewagt, solche rigiden Anforderungen zu stellen. Dietrich brauchte sich nicht zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte Juli saß Dietrich am Schreibtisch in der Wittelsbacher Straße in Ludwigshafen, um das Seminar zu strukturieren. Verschiedene blaue Bände der Marx-Engels-Werke und diverse Kommentarliteratur türmten sich um ihn herum: er wollte die einzelnen Sitzungstermine inhaltlich füllen. Es dauerte seine Zeit, bis Titel, Kapitel und Seitenzahlen zusammengestellt waren. Endlich konnte er seine handschriftliche Aufstellung in die kleine Kofferschreibmaschine hacken. In deren Rolle zwängte sich ein Packen blaues Kopier- und durchsichtiges Durchschlagpapier, dessen letzte Seite nur noch verschwommen lesbar Ziffern und Buchstaben wiedergab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Schulungsprogramm war noch nicht alles, was auf die SPARTAKISTEN zukommen sollte. Ein Semesterprogramm musste erarbeitet, die öffentlichen Veranstaltungen mit auswärtigen Referenten (Johannes von Heiseler, Renate Damos und Robert Steigerwald) organisiert, das Hochschulrahmengesetz diskutiert und die eigene Zeitung AUDIMARX sowie Flugblätter erstellt und verteilt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich hatte sich auch die “Basisgruppe Geschichte”, die ebenfalls im SS 1970 gegründet wurde und nun neun Mitglieder zählte, ein Schulungsprogramm verordnet: ab August im Rhythmus von vierzehn Tagen. Dabei sollten verschiedene Forschungsansätze und ihre methodischen Konzeptionen zum deutschen Faschismus untersuchen werden. Im “vorläufigen Arbeitsprogramm” stand:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“es sollen folgende Richtungen betrachtet werden:&lt;br /&gt;
-h i s t o r i s c h e r   t r a d i t i o n a l i s m u s  (in frage kommen die historischen und ideengeschichtlichen Verfahrensweisen, also das Spektrum von meinecke bis nolte)&lt;br /&gt;
-p o s i t i v i s t i s c h e   s o z i a l w i s s e n s c  h a f t l i c h e    a n s ä t z e  ( in etwa von den älteren wie heberle und geiger bis zu parsons und lipset)&lt;br /&gt;
-m a r x i s t i s c h e   a n s ä t z e  (in frage kommen Untersuchungen aus der ddr, wie klein, der Sowjetunion und auch Lukacs)&lt;br /&gt;
-p s y c h o l o g i s c h e   a n s ä t z e  (Forschungen mit einer dominanz psychologischer und psychoanalytischer Instrumente und Prämissen, wie reich und heer)&lt;br /&gt;
-inwieweit bereits integrierende Betrachtungsweisen vorhanden sind, müßte sich mit zunehmender information zeigen. Ihre betrachtung müßte den konstruktiven abschluß der diskussion bilden”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selma verbrachte in diesem Jahr keinen unbeschwerten, fröhlichen Badesommer. Nur manchmal packte sie Badedecke und Bikini ein, um sich an den Neckarwiesen zu sonnen. Baden konnte man in diesem Industriewasser schon lange nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selma erreichten auch in diesem Sommer wieder Kartengrüße. Zuerst von Wolfhart und Ulla aus Durdle Door Camp. Dann von Doris aus Schönheide (DDR):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
“Mein Urlaub im Arbeiter- und Bauernstaat läßt sich gut an: ich habe einen Freund (Diplom-Physiker) aus Leipzig getroffen, mit dem ich demnächst dorthin fahre, um Bücher einzukaufen und andere Studenten zu treffen. Im Grunde wissen wir ja sehr wenig über das hiesige Hochschulwesen. Dann ist auch noch ein Ost-West-Gespräch mit der hiesigen Parteileitung im Programm, von denen ich mir einiges an Diskussion verspreche. Ansonsten schaue ich mich um, was ich an hübschen alten Kinkerlitzchen meiner Oma abluchsen kann, und genieße das schöne Wetter, Heidekraut und Heidelbeeren, Wald, etc., nicht zu vergessen das köstliche grüne Plüschsofa, auf dem ich hier sitze.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schließlich grüßten noch Helga und Freund aus Moskau mit einer Ansichtskarte vom Leningrader Bahnhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilma-Ruth Albrecht (*1947 in Ludwigshafen/Rhein) ist eine deutsche Sozial- und Sprachwissenschaftlerin (Lic; Dr.rer.soc.) mit den Arbeitsschwerpunkten Literatur-, Politik- und Architekturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie lebt in Bad Münstereifel. Buchveröffentlichungen: Bildungsgeschichte/n (Aachen 2006); Harry Heine (Aachen 2007); Nachkriegsgeschichte/n (Aachen 2008). Die Autorin veröffentlichte 2007 das wiesenhausblatt – e-Blätter für Schöne Literatur (-&gt; http://www.wiesenhausblatt.de) und arbeitet seit Herbst 2008 an ihrer Romantrilogie des letzten Jahrhunderts: EINFACH LEBEN. – Aktuell publizierte Wilma Ruth Albrecht literarisch in der Zeitschrift Chaussee 26/2010: Briefe an Jenny [Auswahl] sowie wissenschaftlich in soziologie heute 14/2010: Wer von den Produktionsverhältnissen nicht reden will, sollte vom malerischen Schaffen schweigen … Illustrierte These zur Malerei als Prolegomena einer speziellen Soziologie der Künste und im Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung 1/2011 zur „Sickingen-Debatte“ (Marx - Engels - Lassalle). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(c) Autorin (2011)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Text ist ein Kapitel aus dem dritten Band der noch unveröffentlichten Romantrilogie der Autorin – EINFACH LEBEN.  Im Mai 2011 soll die Edition mit Texten zur reflexivhistorischen Sozialforschung aus diesem Blog -&gt; &lt;strong&gt;&lt;a href= http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost target=&quot;blank&quot; title=&quot;flaschenpost&quot;&gt;flaschenpost&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; als gedruckte &lt;strong&gt;&lt;a href=http://gegen-den-strom.org target=&quot;blank&quot; title=&quot;FLASCHEN POST&quot;&gt;FLASCHEN POST&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; vorliegen (VerKaaT 2011, etwa 104 p., ISBN 978-3-921384-07-9). Die dort erscheinende neuformatierte Druckfassung der dokumentarischen Kurzerzählung SPARTAKISTEN enthält Faksimilés einiger lokalgeschichtlicher Dokumente aus dem Sommer(semester) 1970 [ra]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 18 Apr 2011 00:01:00 +0200</pubDate>
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    <title>LESETIPPS</title>
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            <category>Flaschenpost an die Nachgeborenen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Richard Albrecht )</author>
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            &lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;LESETIPPs&lt;br /&gt;
&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost target=&quot;blank&quot; title=&quot;Achtzehnte Flaschenpost&quot;&gt;Achtzehnte Flaschenpost&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &amp;ldquo;&amp;rdquo;&lt;a class=&quot;serendipity_image_link&quot;  href=&#039;http://www.duckhome.de/tb/uploads/RIC.jpeg&#039; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:1734 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;165&quot; height=&quot;125&quot;  src=&quot;http://www.duckhome.de/tb/uploads/RIC.jpeg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1989/90 hielt alle Politwelt nach dem Zusammenbruch des realexistiert habenden Ismus das „Ende der Geschichte“ für angesagt. Nicht nur die journalistische Meute. Auch „the bulk“ der (nicht nur deutschen und nicht nur Lehrstuhl-) „mainstream“-Soziologen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach formellem Abschluß des Verfahrens durch die Habil-Vorlesung am 1. Februar 1989[1] bearbeitete ich 1989/90  als „senior researcher“  ein Forschungsprojekt an der Mannheimer „Forschungsstelle für Gesellschaftliche Entwicklungen“ („Research Unit for Societal Developments“[2]). Dort ging es auch um Möglichkeiten – und Grenzen – sozialwissenschaftlicher Prognosen[3]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Arbeitszusammenhang entstand eine Reihe von Texten, die 1989/91 teils in (Fach-) Zeitschriften gedruckt, teils vom WDR III (Hörfunk) gesendet wurden[4]. Dort versuchte ich als an Brecht´scher philosophischer Dialektik geschulter (Subjekt-) Marxist[5] theoretisch und empirisch nachzuweisen, daß erstens der Kapitalismus historisch nicht gesiegt hat, sondern zunächst nur übriggeblieben ist; daß sich zweitens die Leitfrage, wie denn eine „gerecht(er)e Gesellschaft“ möglich ist, nach wie vor und dringlicher als zuvor stellt, wozu ich 1991 ein eigenes sozialwissenschaftliches Forschungsparadigma erabeitete und publizierte[6]. Und drittens verband ich dies 1992 mit dem gesellschaftspolitischen, auf gerecht(er)e Einkommensverteilung zielenden, Leitkonzept FAKTOR 25[7], das auch 1996 in die Debatte zum Grundsatzprogramm des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) eingebracht und kürzlich nochmal zusammengefaßt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige der genannten Beiträge/Aufsätze wurden kostenlos ins Netz gestellt (die der Ebert-Stiftung in deren „library.fes.de“ und wie bei denen üblich ohne den Autor zu honorieren oder/und ihn zu fragen und/oder ihn zu informieren) und einige meiner Texte wurden inzwischen (vermutlich „aus Gründen“) auch wieder aus dem Netz entfernt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 -&gt; &lt;u&gt;http://library.fes.de/gmh/main/pdf-files/gmh/1990/1990-08-a-503.pdf&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 -&gt; &lt;u&gt;http://ricalb.files.wordpress.com/2011/04/kapitalismuskritik1.pdf&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 -&gt; &lt;u&gt;http://library.fes.de/gmh/main/pdf-files/gmh/1996/1996-10-a-665.pdf&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 -&gt; &lt;u&gt;http://ricalb.files.wordpress.com/2009/07/politische-soziologie.pdf&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 2008 erschienenen Buch SUCH LINGE ging es auch um grundlegende Kritik an der ganzdeutschen „aufwändigen Verdummungsindustrie mit ihren Verblendungs-, Verkehrungs- und Umwertungsmechanismen zur strategischen Verstärkung der durch den Warenfetisch jeder kapitalistischen Gesellschaft immer schon gegebenen spontanen Mystifikation als ´gesellschaftliche Gefolgschaft´“[8]. Heute, Anfang 2011, im Rentenalter angekommen und dem ganzdeutschen &quot;Elitelumpenpack&quot;[9] immer noch nicht verbunden, versuche ich im Rahmen – auch finanziell begrenzter - Möglichkeiten aus dieser linkswissenschaftlicher Beschreibung und Analyse eine mir wesentliche praktische Konsequenz zu ziehen. Es geht um das scheinbar Einfache, das gerade heute so schwer zu verwirklichen und doch so notwendig ist: Aus eigener Kraft und von jeder Politorganisation wie von aller Staatsknete alternative, kritische und unabhängige Medien als Teil übergreifend-allgemeiner Gegenöffentlichkeit schaffen. Und damit etwas zu versuchen, das eben nicht irgendwelche &quot;sozialliberalen&quot; Anhängsel des &quot;establishments&quot; können können (selbst wenn sie wollten, mal unabhängig davon, daß sie, wie etwa Jako Augsteins &quot;der Freitag&quot;, nicht mal dies wollen ...).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als – zugegeben – einer der wenigen immer noch realexistierenden post-68er oder &quot;Paradiesvögel&quot; und noch immer selbständig wissenschaftlich arbeitender und linkspolitisch publizierender (Sozial-) Wissenschaftler versuche ich zunächst im Netz eine besondere FLASCHENPOST[10] mit doppeltem Bezug sowohl auf „die Nachgeborenen“ [Bertolt Brecht] wie auch aus dem „Innern des Landes“ [Franz Josef Degenhardt] als ersten praktischen Schritt …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[1] Die politische Ideologie des objektiven Gegners und die ideologische Politik des Völkermords im 20. Jahrhundert. Prolegomena zu einer politischen Soziologie des Genozid nach Hannah Arendt; in: Sociologia Internationalis, 27 (1989) I, 57-88; Staatsverbrechen und Völkermord [1989]:&lt;br /&gt;
&lt;u&gt;http://web.archive.org/web/20040212015608/www.rechtskultur.de/pages/staatsverbrechen.htm&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Forschungsstelle für Gesellschaftliche Entwicklung (Hg.), Orientierung – Design – Personen – Projekte. Mannheim 1989: 12; dies./ebenda 1990: 41; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Umbruchslagen. Materialien zur Theorie und Methodologie des beschleunigten gesellschaftlichen Wandels. Mannheim: FGE, 1990, 220 p. [unveröffentlichter Forschungsbericht]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Der unbewältigte Wandel. Über Risiken und Chancen der modernen Moderne; in: Kurswechsel, 4/1990: 70 ff.; Das doppelte demokratische Defizit; in: Recht und Politik, 28 (1992) 1: 13 ff.; weitere damalige Aufsatzveröffentlichungen zum Konzept VERSTÖRTE VERGESELLSCHAFTUNG sind (jeweils in Anmerkung 2 verzeichnet): „Weltmacht Habermas“; in: Tönnies-Forum, 18 (2009) 2: 5-25; erweiterte &amp;amp; aktualisierte Netzfassung -&gt; &lt;u&gt;http://www.duckhome.de/tb/archives/9060-HABERMAS-EIN-GANZDEUTSCHERERSATZINTELLEKTUELLER-1.html&lt;/u&gt; [und] &lt;u&gt;http://www.duckhome.de/tb/archives/9061-HABERMAS-EIN-GANZDEUTSCHERERSATZINTELLEKTUELLER-2.html&lt;/u&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Subjektmarxismus; in: soziologie heute, 3 (2011) 15: 20-23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] The Utopian Paradigm. A Futurist Perspective; in: Communications, 16 (1991) 3: 283-317; Netzfassung der theoretischen Einleitung udT. TERTIUM - Ernst Bloch&#039;s foundation of the &#039;UTOPIAN PARADIGM&#039; as a key concept within cultural and social sciences research work: &lt;u&gt;http://www.grin.com/e-book/109171/tertium-ernst-bloch-s-foundation-of-the-utopian-paradigm-as-a-key-concept&lt;/u&gt;; dt.sprachige Zusammenfassung auch in: tarantel, 10/2000: 14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] „Let´s change the System from within: First I take Mainhatten ... and then you take Berlin&quot; - Lageskizze mit methodischer Vorrede und pragmatischem Ausklang (Faktor 25), in: Die Aktion, 12 (1992) 97-100: 1642-1647&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Sozialwissenschaft ist nicht so schön wie Kunst. Macht aber genausoviel Arbeit. Auch ein Vorwort; in: SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert. Aachen: Shaker, 2008, 110 p. [ = Sozialwissenschaften, ISBN 978-3-8322-7333-0, € 12.80 &lt;u&gt;http://www.shaker.de/de/content/catalogue/index.asp?lang=de&amp;ID=8&amp;ISBN=978-3-8322-7333-0&lt;/u&gt; ]: 5-18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] &lt;u&gt;http://ricalb.files.wordpress.com/2010/06/elitelumpenpack.pdf&lt;/u&gt;; auch: &lt;u&gt;http://www.binsenbrenner.de/wordpress/2010/06/03/elitelumpenpack/#more-10250&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[10] &lt;u&gt;http://www.duckhome.de/tb/archives/8731-FLASCHENPOST-AN-DIE-NACHGEBORENEN.html&lt;/u&gt; [Editorial]; &lt;u&gt;http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost&lt;/u&gt; [und] &lt;u&gt;http://www.saarbreaker.com/tag/flaschenpost/&lt;/u&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Technischer Hinweis: Wenn Sie mittels Ihres &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Webbrowser target=&quot;blank&quot; title=&quot;Browser&quot;&gt;Browser&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; diesen Text als &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Portable_Document_Format target=&quot;blank&quot; title=&quot;pdf&quot;&gt;pdf&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; herunterladen, soll(t)en alle &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperlink target=&quot;blank&quot; title=&quot;Links&quot;&gt;Links&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; funktionieren.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Richard Albrecht lebt als unabhängiger Sozialforscher und freier Autor in Bad Münstereifel. &lt;br /&gt;
Er veröffentlicht seit Oktober 2010 in diesem Blog -&gt; &lt;strong&gt;&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht target=&quot;blank&quot; title=&quot;duckhome-Beiträge&quot;&gt;duckhome-Beiträge&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt;  -&gt; &lt;strong&gt;&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/grundkurs+soziologie target=&quot;blank&quot; title=&quot;Grundkurs Soziologie&quot;&gt;Grundkurs Soziologie&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt;  -&gt; &lt;strong&gt;&lt;a href= http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost target=&quot;blank&quot; title=&quot;flaschenpost&quot;&gt;flaschenpost&lt;/a&gt;.&lt;/strong&gt; Letzterschienene Bücher: &lt;strong&gt;&lt;a href=http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-8322-7333-0 target=&quot;blank&quot; title=&quot;SUCH LINGE&quot;&gt;SUCH LINGE&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; (2008, wiss.); &lt;strong&gt;&lt;a href=http://www.shaker-media.de/de/content/bookshop/index.asp?ID=2&amp;ISBN=978-3-86858-613-8 target=&quot;blank&quot;  title=&quot;HELDENTOD&quot;&gt;HELDENTOD&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; (2011, lit.); &lt;strong&gt;&lt;a href=http://gegen-den-strom.org target=&quot;blank&quot; title=&quot;FLASCHEN POST&quot;&gt;FLASCHEN POST&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; (Editor, 2011, publ.). Netzarchiv des Autors: &lt;strong&gt;&lt;a href=http://eingreifendes-denken.net target=&quot;blank&quot; title=&quot;eingreifendes-denken&quot;&gt;eingreifendes-denken&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; (c) Autor 2011&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 13 Apr 2011 00:01:00 +0200</pubDate>
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    <category>flaschenpost</category>
<category>lesetipps von richard albrecht</category>
<category>soziologie heute</category>

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    <title>STAATSPFLICHTEN UND BÜRGERRECHTE</title>
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            <category>Flaschenpost an die Nachgeborenen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Richard Albrecht )</author>
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            &lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;STAATSPFLICHTEN &amp;amp; BÜRGERRECHTE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Doppelgesicht des Löw-Beschlusses des Bundesverfassungsgerichts vom 17. August 2010&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht target=&quot;blank&quot; title=&quot;Richard Albrecht&quot;&gt; Richard Albrecht&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost target=&quot;blank&quot; title=&quot;Siebzehnte Flaschenpost&quot;&gt;Siebzehnte Flaschenpost&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Getretner Quark wird breit – nicht stark.“ (Lic.iur. Goethe: MuR)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Am 28. September 2010 veröffentlichte das Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) eine Presseerklärung  (&lt;u&gt;http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg10-087.html&lt;/u&gt;). Dort ging es um den sechs Wochen vorher gefaßten BVerfG-Beschluß 1 BvR 2585/06 vom 17. August 2010: „Herabsetzende Kritik der Bundeszentrale für Politische Bildung an einem wissenschaftlichen Aufsatz zum Thema Antisemitismus verfassungswidrig.“ In der sachangemessenen Zusammenfassung des Beschlusses heißt es:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Beschwerdeführer [Prof. Dr. iur. Konrad Löw] ist emeritierter Professor der Politikwissenschaft [1975-1999: Universität Bayreuth]. Im Jahr 2004 erschien ein von ihm verfasster Aufsatz mit dem Titel „Deutsche Identität in Verfassung und Geschichte“ in der Zeitschrift  „Deutschland Archiv“, die ein privater Verlag im Auftrag der  Bundeszentrale für Politische Bildung herausgibt. Der Aufsatz befasst sich u. a. mit der Verbreitung des Antisemitismus in der deutschen Bevölkerung während der NS-Zeit. Er vertritt die These, dass die  Mehrheit der Deutschen seinerzeit nicht antisemitisch eingestellt gewesen sei, sondern mit den verfolgten Juden sympathisiert habe, wobei  er unter anderem von einer „deutsch-jüdischen Symbiose unter dem  Hakenkreuz“ spricht. Erst nach Auslieferung der Zeitschrift an mehrere  tausend Abonnenten erlangte die Leitungsebene der Bundeszentrale  Kenntnis vom Inhalt des Aufsatzes und richtete ein Schreiben an die Abonnenten, in dem sie die Veröffentlichung des Aufsatzes, durch den sie  ihre eigene Arbeit „desavouiert“ sehe, „außerordentlich“ bedauert und  versichert, dass dieser „einmalige Vorgang“ sich nicht wiederholen werde; der Rest der betreffenden Auflage der Zeitschrift werde  makuliert. Das Schreiben endet mit einer Entschuldigung gegenüber allen Lesern, „welche sich durch den Beitrag verunglimpft fühlen.“ Der Beschwerdeführer vertritt die Auffassung, dass die Ausführungen in  dem Schreiben der Bundeszentrale für ihn als Mensch und Wissenschaftler  rufschädigend und herabsetzend seien. Seine Klage vor den Verwaltungsgerichten blieb in allen Instanzen erfolglos. Die 1. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts hat die hiergegen erhobene Verfassungsbeschwerde zur Entscheidung angenommen und die angegriffenen Entscheidungen aufgehoben. Das beanstandete Schreiben der Bundeszentrale für Politische Bildung wird ihrer Aufgabe, die Bürger mit Informationen zu versorgen und dabei Ausgewogenheit und rechtsstaatliche Distanz zu wahren, nicht gerecht und verletzt den  Beschwerdeführer in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht. Die angegriffenen Entscheidungen beruhen auf dieser Grundrechtsverletzung.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das inkrimierte Rundschreiben der Bundesbehörde findet sich in der Begründung des BVerfG-Beschlusses (&lt;u&gt;http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rk20100817_1bvr258506.html&lt;/u&gt;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Sehr geehrte Abonnentinnen und Abonnenten des ‚Deutschland Archivs’, die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und der W. Bertelsmann Verlag distanzieren sich aufs Schärfste von dem im soeben erschienenen Heft 2/2004 des ‚Deutschland Archivs’ veröffentlichten Text ‚Deutsche Identität in Verfassung und Geschichte’ von L... Der Verfasser vertritt Ansichten zum Antisemitismus im 20. Jahrhundert in Deutschland, die weder mit dem Selbstverständnis der Bundeszentrale für politische Bildung noch mit dem des W. Bertelsmann Verlages vereinbar sind. Die Bundeszentrale setzt sich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Nationalsozialismus und dem Antisemitismus, einer seiner Grundlagen, auseinander und sieht durch eine derartige Veröffentlichung ihre Arbeit desavouiert. Wir bedauern diesen Vorgang außerordentlich. Weder die Bundeszentrale für politische Bildung, in deren Auftrag der W. Bertelsmann Verlag die Zeitschrift herausgibt, noch der Beirat der Zeitschrift hatten von der geplanten Veröffentlichung Kenntnis. Im nächstmöglichen Heft wird ein Beitrag von Prof. Dr. B…, erscheinen, der Entwicklung und Bedeutung des Antisemitismus in Deutschland untersucht. Der Rest der Auflage von Heft 2/2004 wird makuliert. Dieser in der langen Geschichte beider Häuser und des ‚Deutschland Archivs’ einmalige Vorgang wird sich nicht wiederholen. Wir bitten alle Leserinnen und Leser der Zeitschrift sowie diejenigen, welche sich durch den Beitrag von L… verunglimpft fühlen, um Entschuldigung.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nicht anders zu erwarten kamen auch prompt die öffentlichen Reaktionen zum BVerfG-Beschluß entsprechend des gegebenen politischen Feldes: Das um die Berliner Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) gruppierte rechtskonservative Lager sah sich auch in ihrer damals unternommenen publizistischen Skandalisierungsstrategie (JF 26 [und] 23. April 2004) bestätigt und polemisierte am 28. September 2010 erneut gegen die als grundrechtsverletzend-verfassungswidrig festgestellte „Zensur“ der Bundesbehörde (&lt;u&gt;http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M541bd64d7ec.0.html&lt;/u&gt;) – erinnerte freilich nur knapp an Löws historisch problematische These einer „deutsch-jüdischen Symbiose unter dem Hakenkreuz“. Diese wirkte damals - auch wegen der von Löw beanspruchten „jüdischen“ Zeitzeugen(1) - als besonders provokativ-tabubrechend, wurde als judenfeindlich-antisemitische Vorurteile und Stereotypen befördernd bewertet und später (vom Berliner Zeitgeschichtler Benz) im Auftrag der bpb kritisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überwiegend kritisch auf den Verfassungsgerichtsbeschluß reagierten die meisten überregionalen Tageszeitungen wie FAZ, SZ, taz, FR, Kölner Stadt-Anzeiger. Am facettenreichsten DIE WELT, die schon vor Jahren (14. April 2007) unter der Schlagzeile „Willkürlich zusammengeklaubt - Der Historiker Wolfgang Benz über die These seines Kollegen Konrad Löw, die Deutschen hätten die NS-Judenpolitik abgelehnt“ kritisch vortrug und am 29. September 2010 in ihrer Schlagzeile vom bundesbehördlich zu duldenden „antisemitischem Unfug“ sprach und auf die Beschlußbegründung verwies. In dieser ging es nicht nur um „einen Professor, der Antisemitismus zur NS-Zeit relativiert“ (FR 29. Oktober 2010). Sondern vor allem darum, daß sich die bpb als öffentlich-rechtlich Einrichtung „nicht wie Privatpersonen auf Grundrechte wie etwa die Meinungsfreiheit berufen kann.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Ende September 2010 veröffentlichten Begründung des BVerfG-Beschlusses heißt es unter Verweis auf eigene frühere Entscheidungen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dem unmittelbar an die Grundrechte gebundenen Staat verbietet es das allgemeine Persönlichkeitsrecht […], sich ohne rechtfertigenden Grund herabsetzend über einen Bürger zu äußern, etwa eine von diesem vertretene Meinung abschätzig zu kommentieren […] Entgegen […] der angegriffenen verwaltungsgerichtlichen Entscheidung, die insoweit von einem „freien Kommunikations- und Interaktionszusammenhang“ zwischen Bürger und Staat spricht und staatlichen Stellen ein gewisses Recht zur Teilhabe am „Meinungskampf“ zubilligen will, kann eine solche Rechtfertigung mangels Grundrechtsberechtigung der Bundeszentrale nicht wie in einem Rechtsstreit zwischen Privaten in der Meinungsfreiheit gefunden werden.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird (wenn auch sprachverwirrend vernebelt) nicht nur an frühere BVerfG-Entscheide, die sich auf das widersprüchliche Spannungsfeld von „Bürgerrechten“ und „Staatspflichten“ einließen und durchaus bürgerrechtlich/staatspflichtig argumentierten(2), angeschlossen. Sondern auch erneut eine rechts- und verfassungsgeschichtliche Banalität verallgemeinert: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Staatsorgane sind als solche und a priori nicht grundrechtsberechtigt. Staatsorgane können nicht wie Bürger deren Grundrecht auf Meinungs(äußerungs)freiheit beanspruchen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Problematisch ist damit nicht die moderat angesprochene bürgerrechtliche Option, die es für Staatsorgane nicht geben kann. Problematisch ist vielmehr die inhaltliche Dimension des BVerfG-Beschlusses vom 17. August 2010. Insofern wirkt dieser Beschluß absichtsunabhängig aus bürgerrechtlicher Perspektive wenig ermutigend. Denn daß Bürgerrechte vorrangig zu Staatspflichten stehen ist verfassungsgerichtlich in den letzten vierzig Jahren mehrfach entschieden und hier nur in einem besonders spektakulären „Fall“ medienwirksam bekräftigt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist aber zugleich auch ein Grundproblem aller verfassungsrichterlicher Jurisdiktion angesprochen: die berufsrichterliche Unberechenbarkeit. Politisch-inhaltlich ist der BVerfG-Beschluß (eher rechter als) rechts und begünstigt alle möglichen zeitgeschichtlichen Revisionismen, ihre aktuellen scheinlinken Varianten eingeschlossen(3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugegeben: Das alles macht wenig Mut und noch weniger Hoffnung auf verfassungsgerichtlich zu befördernde historische Wahrheit und Gerechtigkeit durch Gesetz und Recht. Insofern gilt das Prinzip Hoffnung denn auch besonders in diesem gesellschaftlichen Feld: La esperanza es lo último que se pierde … genau: Das letzte, was Du verlierst, ist immer die Hoffnung …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Löw schrieb: „auch [Juden] leisteten einen beachtlichen Beitrag [an den Endlösungsplänen] als Judenräte, als Häscher, als Polizisten, in den Gaskammern […] sicherlich ausnahmslos [aus] Angst um das eigene nackte Leben“: &lt;u&gt;http://www.swg-hamburg.de/Archiv/Beitrage_aus_der_Rubrik&lt;/u&gt;-&lt;u&gt;Gesc/Deutsche_Identitat.pdf&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Richard Albrecht, Bürgerrechte und Staatspflichten in Deutschland. Entscheide des deutschen Bundes(verfassungs)gerichts seit 1969 und ihre Konsequenzen; in: Universitas Online, November 2003: &lt;u&gt;http://www.hirzel.de/universitas/archiv/buergerrechteneu.pdf&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Zuletzt Carroll Quigley, Appeasement. Die britische Mitschuld am 2. Weltkrieg. Hg. Jürgen Elsässer. Berlin 2010, 120 p. [= COMPACT 23] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
      &lt;br /&gt;
[Technischer Hinweis: Wenn Sie mittels Ihres &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Webbrowser target=&quot;blank&quot; title=&quot;Browser&quot;&gt;Browser&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; diesen Text als &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Portable_Document_Format target=&quot;blank&quot; title=&quot;pdf&quot;&gt;pdf&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; herunterladen, soll(t)en alle &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperlink target=&quot;blank&quot; title=&quot;Links&quot;&gt;Links&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; funktionieren.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die für eine im Frühsommer 2011 geplante Buchausgabe (vor)formatierten &lt;strong&gt;&lt;a href=http://ricalb.files.wordpress.com/2011/04/flaschenpost.pdf target=&quot;blank&quot; title=&quot;FLASCHEN POST TEXTE&quot;&gt; FLASCHEN POST TEXTE&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; finden Sie im neuen e-Archiv des Editors  &lt;strong&gt;&lt;a href=http://eingreifendes-denken.net target=&quot;blank&quot; title=&quot;EINGREIFENDES DENKEN&quot;&gt;EINGREIFENES DENKEN&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt;   [-&gt; &lt;u&gt;http://eingreifendes-denken.net&lt;/u&gt;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor lebt als unabhängiger kulturanalytischer Sozialpsychologe, reflexivhistorisch arbeitender Sozialforscher und freier sozialwissenschaftlicher Literat in Bad Münstereifel. Er veröffentlicht seit Oktober 2010 in diesem Blog -&gt; &lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht target=&quot;blank&quot; title=&quot;Richard Albrechts duckhome-Beiträge IV/2010&quot;&gt; Richard Albrechts duckhome-Beiträge&lt;/a&gt;. Letzterschienene Bücher: &lt;a href=http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-8322-7333-0 target=&quot;blank&quot; title=&quot;SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert &quot;&gt;SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert &lt;/a&gt; (2008, wiss.); &lt;a href=http://www.shaker-media.de/de/content/bookshop/index.asp?ID=2&amp;ISBN=978-3-86858-613-8 target=&quot;blank&quot;  title=&quot;HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren&quot;&gt;HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren&lt;/a&gt; (2011, lit.). Aktuelle Netzseite -&gt; &lt;a href=http://eingreifendes-denken.net target=&quot;blank&quot; title=&quot;eingreifendes-denken&quot;&gt;eingreifendes-denken&lt;/a&gt; -&gt; &lt;a href=http://ricalb.files.wordpress.com/2010/12/cv1.pdf target=&quot;blank&quot; title=&quot;bio-bibliographie&quot;&gt;bio-bibliographie&lt;/a&gt; (c) Autor (2011)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 05 Apr 2011 00:01:00 +0200</pubDate>
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    <category>2010</category>
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<category>bürgerrechte</category>
<category>flaschenpost</category>
<category>justizkritik</category>
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    <title>BLOCHTHESEN</title>
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            <category>Flaschenpost an die Nachgeborenen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Richard Albrecht )</author>
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            &lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;ZWÖLF BLOCHTHESEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gastbeitrag &lt;br /&gt;
von&lt;br /&gt;
Gerhard Zwerenz&lt;br /&gt;
Ingrid Zwerenz&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Postscript&lt;br /&gt;
&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht target=&quot;blank&quot; title=&quot;Richard Albrecht&quot;&gt; Richard Albrecht&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost target=&quot;blank&quot; title=&quot;Sechzehnte Flaschenpost&quot;&gt;Sechzehnte Flaschenpost&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &quot;Kürzlich wurde das Feuilleton durch eine Bloch-Biographie durcheinandergewirbelt, die bei Suhrkamp nicht wie angekündigt erscheint. Der Primärskandal aber ist die Zeitkrankheit Entintellektualisierung und Entpolitisierung. Blochs Buchtitel &quot;Das Prinzip Hoffnung&quot; dient in dumpfen Leitartikeln und TV-Nachrichten als inflationäre Münze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen die Bagatellisierung des Philosophen zum bloßen Hoffnungsprediger spricht seine lebenslange revolutionäre Haltung. Im 1. Weltkrieg stritt er für die deutsche Niederlage. Der Oktoberrevolution der Bolschewiki begegnete er anfangs mit Mißtrauen. Die Bedrohung durch das erstarkende Hitler-Deutschland führte ihn an die Seite der Sowjetunion. Im Prager und Pariser Exil zählten er und Karola Bloch zum Widerstand. Aus der amerikanischen Emigration nach Leipzig geholt, blieb er der SU ergeben, erkannte ihre fundamentalen Schwächen und versuchte sich als Erneuerer. Nach seinem Scheitern in der DDR hinterließ er in Tübingen seine Lehre von der notwendigen Transformation des Kapitalismus in eine neue Mischung von Freiheit und Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blochs Erkenntnisse und sein Engagement standen durchweg konträr zum Verhalten der Mehrheit und ihrer Führer. Die Völker hangeln sich lieber von Katastrophe zu Katastrophe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Konfrontation zwischen dem Optimisten Bloch und dem Pessimisten Orwell siegte bisher Orwells Großer Bruder. Es wäre reizvoll und zugleich bedrückend, sich vorzustellen, die Entscheidungen des Philosophen einer Meinungsumfrage zu unterziehen, etwa: War es richtig, Deutschlands Niederlage im 1. Weltkrieg zu wünschen, war es opportun, sich gegen Hitler mit der Sowjetunion zu verbünden usw. - noch heute würde die Mehrheit solche Fragen wohl verneinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer also war Bloch? Laut Georg Lukács bediente Bloch sich der &quot;Muttersprache ... im Geist der alten Philosophie&quot;. Max Weber meinte, Bloch hielte sich &quot;für den Vorläufer eines neuen Messias&quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hitlerdeutschland bürgerte ihn aus. Franz Josef Strauß gratulierte zum 90. Geburtstag. Bundeskanzler Schmidt erinnerte sich nach dem Ableben des Philosophen, er habe schon seit langem mit ihm über Utopie sprechen wollen. Hitlerbiograph Joachim C. Fest ernannte noch den toten Bloch zum lebenden gefährlichen Revolutionär, und Walter Ulbricht beschuldigte ihn glatt der Konterrevolution, während Joseph Ratzinger vor Blochs &quot;atheistischer Frömmigkeit&quot; und &quot;marxistischer Versuchung&quot; warnte. Der so vielfach Belobigte und Beschuldigte wurde 1885 in Ludwigshafen geboren und starb 1977 in Tübingen. In Leipzig würdigte man den Philosophen erst und maßregelte ihn dann. Sehen wir den Fall von einer anderen Seite: Der zwanzigjährige Ernst Bloch war schon revolutionär, als Lenin, Trotzki und Rosa Luxemburg am Exempel Rußlands im Jahre 1905 die Revolution erst zu erlernen begannen. 1977 starb er als Revolutionär, da parodierte das revolutionäre Rußland nur noch sich selbst. Bloch, Archetyp und Phänotyp zugleich, wollte ursprünglich eine andere Revolution. Bei Lenins Tod 1924 erfaßte der Philosoph nicht, was es nach sich zog, daß statt Trotzki Stalin an die Macht gelangte. Begriff jedoch, was Hitler bedeutete. Überzeugt, die Zweite Revolution ließe sich nur als Folge des Roten Oktober erreichen, baute er seine Philosophie im US-Exil und von 1949 an in Leipzig aus, per Sklavensprache getarnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1956 revoltierte er offen. Die Weigerung, sich ab 1961 im letzten Exil Tübingen als Renegat zu bekennen, zeugt von Trotz und Hoffnung. Blochs Philosophie und Haltung der permanenten Revolte weist ihn als revolutionären Reformator aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was den Trotz als ständigen Begleiter der Hoffnung angeht, sind einige Fragen zu stellen, etwa: Warum Prof. Ratzinger in Tübingen, von Bloch traumatisiert, um die Römische Kirche fürchtete und im Vatikan zum Großinquisitor aufstieg. Warum Moskau Bloch des marxistischen und Rom ihn des christlichen Revisionismus bezichtigten. Warum das deutsche Feuilleton ihn gern mißverstehend zitiert. Warum Bloch in Sklavensprache Subversion lehrte. Warum Bloch mit Nietzsche tanzte, Ulbricht verspottete und Adenauer verachtete. Warum Bloch Trotzkis Schriften nicht genügend reflektierte, Stalin mit Hegel betrog und von Harich verraten wurde. Warum Bloch das Christentum materialisierte. Warum Bloch Thomas Müntzer mehr liebte als Martin Luther. Warum Bloch Stalin dem Hitler vorzog und damit die Deutschen provozierte. Warum Bloch den Tod als Expedition verstand, wohin er mit einer Fackel zu gehen versprach, Nachricht zu geben von der letzten auszuleuchtenden Utopie. Warum die Blochsche Schule in Leipzig verfolgt und in Tübingen verhindert worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Ende von SU und DDR ist die Linke lahm. Das Globalkapital erstrebt die Weltherrschaft. Unter dem Motto: &quot;Alle Macht der Spekulation&quot; wird die Unfreiheit der Vielen mit der Übermacht der Wenigen begründet. In der FAZ vom 13.7.2002 war zu lesen, daß &quot;Günther Anders so wenig wie Ernst Bloch seit Neunundachtzig&quot; noch eine &quot;Lobby&quot; habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch gerade für die Zeit nach der Niederlage linker Bewegungen erhält Blochs Philosophie als notwendiges Projekt neue Dringlichkeit. Nachdem Marxens Revolutionslehre samt Diktatur am Unwillen und Ungenügen des Proletariats scheiterte, wird der Einzelne zum revolutionären Subjekt oder zum willenlosen Luxus-Sklaven. Bloch setzt auf den individuellen Revolteur und seine globalen Vernetzungsmöglichkeiten. Da wir zwischen Marxens elf Feuerbach-Thesen, die den Sozialismus begründeten und den ominösen 13 Thesen des SPD-Generalsekretärs Olaf Scholz stehen, mit denen er Abschied nimmt vom &quot;demokratischen Sozialismus&quot; und der &quot;sozialen Gerechtigkeit&quot;, schlagen wir zwölf Thesen gegen die absichtsvoll betriebene Verbürgerlichung des sozialistischen Philosophen Ernst Bloch vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;1. Im Jahr 1956 versagte die SED-Führung, indem sie den Versuch Chruschtschows zur modernisierenden Entstalinisierung sabotierte. Daraus resultierte der spätere Zusammenbruch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Die Bonner Republik versagte in der Abrechnung mit dem Dritten Reich, indem sie das Potsdamer Abkommen mit seinen Forderungen nach Entnazifizierung und Entmilitarisierung sabotierte. Daraus resultierte ein fragwürdiger Sieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Die Berliner Republik beging kollektiven Vaterverrat, indem sie das Gelöbnis nach 1945 &quot;Nie wieder Krieg&quot; in eine mobile Kriegsbereitschaft verfälschte, statt sich auf deutsche Grunderfahrungen aus Krieg und Niederlage zu berufen und als Staat ohne Armee Furore zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Im 21. Jahrhundert wird Bloch vom Zukunftsdenker zum Gegenwartsphilosophen. Unter der zerfallenden Oberfläche historisch überholter Klassenstaaten deutet sich Blochs Neu-Land an. Es wird darauf ankommen, sich nicht, wie die Ur-Christen durch Kaiser Konstantin, in die staatliche Kriegspflicht nehmen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Die 11. Feuerbach-These von Marx lautet: &quot;Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt darauf an, sie zu verändern.&quot; Bloch legt nahe, die These subjektbezogen zu komplettieren: &quot;Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sich zu verändern.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Die Ablehnung Blochs durch orthodoxe Marxisten einerseits und orthodoxe Christen andererseits liegt im plural-revolutionären Charakter seiner Philosophie begründet, die permanentes Engagement für humane Erneuerung verlangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Blochs Forderung &quot;Schach statt Mühle&quot; ist, zeitlich ungebunden, als Adresse von unten nach oben zu verstehen: Die Regierenden verfehlen die Interessen der Regierten, solange es Herren und Knechte wie Reiche und Arme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. Das aus kriegerischen Vergangenheiten resultierende herrschende Geschichtsbild wird von Intellektuellen nach den Tagesbedürfnissen der Politiker ausgerichtet, die wiederum der Ökonomie gehorchen. Der karrieristische Opportunismus des Amtsbetriebs in Wissenschaft und Medien bagatellisiert oder unterschlägt die freiheitlich-alternativen Anteile im Geschichtsprozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9. Das Ende des Staatssozialismus leitet über den Versuch, ein globales US-Kapital-Imperium zu bilden, das Ende des Kapital-Systems ein. Die Alternative lautet: Zurück in die dunkle Welt der&lt;br /&gt;
Troglodyten oder Transformation des Feindes in den Menschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10. Die Bezeichnung Blochs als Hoffnungsphilosophen verführt zum Feuilletonismus. Seine entscheidenden Kategorien heißen &quot;Trotz und Hoffnung&quot;. Beides nennt Blochs doppelte Revolte als Haltung genauer beim Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11. Bloch wurde zum Philosophen eines demokratischen Sozialismus, den die SPD aus Opportunismus verabschiedet und die PDS aus Unlust und Schwäche verfehlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12. Die Eingangstriade in Blochs Buch &quot;Spuren&quot; lautet: &quot;Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst.&quot; Diese kulturelle Weltformel entscheidet über die Zukunftsfähigkeit des homo sapiens. Wer Freiheit und soziale Rechte beschneidet, der existiert zwar, hat sich aber nicht als Mensch und verhindert sein Werden.&quot;&lt;/strong&gt; © Autoren (2011)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;u&gt;Postscript&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zwölf Thesen zu Ernst Bloch (1885-1977)[1] des AutorenPaars Gerhard Zwerenz[2] und Ingrid Zwerenz[3] wurden 2003 erstveröffentlicht[4]. Sie müssen grad von mir hier nicht aufwändig kommentiert, kritisiert und schon gar nicht aktualisiert werden: freilich ist aus damaligem „Professor Ratzinger“ Papst Benedictus XVI. geworden … und Max Webers so subjektiv-ephemere wie invektiv-gehässige Meinung, Ernst Bloch säh´ sich als „Vorläufer eines neuen Messias“ im ersten, die Zwölf Thesen begründeten Textteil, hätte ich, wenn´s denn kein publizistikgeschichtliches Dokument wär, als Editor kenntlich [ …] herausgestrichen. Es bleibt „nur“ noch eine doppelte differentia specifica, die Autoren A &amp;amp; ZZ betreffend, anzumerken: (1) haben beide Z-Autoren, im Gegensatz zum einen A-Autor, Ernst Bloch noch persönlich und auch gut gekannt; und (2) haben Gerhard und Ingrid Zwerenz[5] länger schon und auch ein Buch über Ernst Bloch veröffentlicht[6].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[1] http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/BlochErnst/index.html &lt;br /&gt;
http://www.kirchenlexikon.de/b/Bloch.shtml &lt;br /&gt;
http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Bloch &lt;br /&gt;
[2] http://www.hdg.de/lemo/html/biografien/ZwerenzGerhard/index.html &lt;br /&gt;
http://www.poetenladen.de/zwerenz-person.html &lt;br /&gt;
http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Zwerenz&lt;br /&gt;
[3]  http://www.poetenladen.de/zwerenz-ingrid-person.html&lt;br /&gt;
http://www.perlentaucher.de/autoren/16852/Ingrid_Zwerenz.html&lt;br /&gt;
[4] http://www.sopos.org/aufsaetze/3f6b695b432f9/1.phtml; dazu als einzige Zuschrift&lt;br /&gt;
http://www.sopos.org/aufsaetze/3f6b695b432f9/1.phtmlhttp://www.sopos.org/forum.php3reply=0&amp;Nummer=887&amp;WhichFile=aufsaetze/3f6b695b432f9/1.phtml#1&lt;br /&gt;
[5] Gerhard Zwerenz, Aristotelische und Brechtsche Dramatik [1956]; wieder in: Politische Schriften. Frankfurt/Main: Zweitausendeins, 1975: 5-87;  zuletzt Gerhard Zwerenz; Ingrid Zwerenz, Sklavensprache und Revolte. Der Bloch-Kreis und seine Feinde in Ost und West. Hamburg: Schwartzkopff Buchwerke, 2004, 544 p.; dazu auch: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2005-2-173.pdf&lt;br /&gt;
[6] Richard Albrecht. The Utopian Paradigm: Communications, 16 (1991) 3: 283-318; Tertium - Ernst Bloch´s Foundation of ´The Utopian Paradigm´ As a Key Concept Within Cultural and Social Sciences Research Work: http://www.grin.com/e-book/109171/tertium-ernst-bloch-s-foundation-of-the-utopian-paradigm-as-a-key-concept; „Zerstörte Sprache - Zerstörte Kultur“ - Ernst Blochs Exil-Vortrag vor siebzig Jahren: Bloch-Jahrbuch 13 (2009) 223-240; „Zerstörte Sprache“ – Zum 125. von Ernst Bloch: soziologie heute, 3 (2010) 11: 24-26; Netzfassung: http://www.forced-labour.de/archives/1413;  gekürzte Druckfassung:  Deutsche Sprachwelt, Sommer 2010, 40/2010: 9. -  Der  Autor  könnte  &lt;br /&gt;
n a c h  letztjährig erfolgter Durchsicht der amtlichen „Entschädigungsakte“ über Ernst Blochs „Schwierigkeiten im Westen“ publizieren                                                 © Autor (2011)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Technischer Hinweis: Wenn Sie mittels Ihres &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Webbrowser target=&quot;blank&quot; title=&quot;Browser&quot;&gt;Browser&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; diesen Text als &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Portable_Document_Format target=&quot;blank&quot; title=&quot;pdf&quot;&gt;pdf&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; herunterladen, soll(t)en alle &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperlink target=&quot;blank&quot; title=&quot;Links&quot;&gt;Links&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; funktionieren.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 30 Mar 2011 00:01:00 +0200</pubDate>
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    <title>DIE PILLE UND MEHR</title>
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            <category>Flaschenpost an die Nachgeborenen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Richard Albrecht )</author>
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            &lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;DIE PILLE UND MEHR&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei KurzTexte&lt;br /&gt;
von  Ines Fritz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FÜNFZEHNTE FLASCHENPOST AN DIE NACHGEBORENEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Die folgenden drei Kurztexte von Ines Fritz aus/in Madgeburg/Elbe, einer im Selbstverständnis streitbaren linken Autorin anarchafeministischer Richtung, erinnern in dichter Beschreibung in doppelter Weise an öffentlich Verdrängtes sowohl aus den späten DDR-Jahren und ihre Folgen als auch an Segmente der versteckten Gesellschaft im Sinne des norwegischen Soziologen Vilhelm Aubert („The Hidden Society“  [1965]). Den „Nachgeborenen“ werden in Form kurzer Texte scheinbar-alltägliche Banalitäten mitgeteilt über Sexualität im Schülermilieu der weiland DDR, über Frauen und die „Frauenfrage“ und über den Geschlechterzusammenhang in der Nutzungsweise öffentlicher Toilettenanlagen. Ines Fritz´ Textmignetten erinnern nicht nur ans bekannte Dictum Siegfried Kracauers („Der Ort, den eine Epoche im Geschichtsprozeß einnimmt, ist aus der Analyse ihrer unscheinbaren Oberflächenäußerungen schlagender zu bestimmen als aus den Urteilen der Epoche über sich selbst“ [1927]). Sondern könnten weiterführend auch besondere mikrohistorische Forschungen anregen: Immer dann, wenn es keine anderen wesentlichen Quellen gibt (so schon der italienische Soziologe Vilfredo Pareto, Tarattato di sociologia generale I, ²1923 -&gt; &lt;u&gt;http://www.duckhome.de/tb/archives/8598-EIN-MARX-DER-BOURGEOISIE.html&lt;/u&gt;), können auch &quot;fiktionalliterarische Werke, Märchen und ähnliche Schriften&quot; von zunächst geringe(re)m Quellenwert wichtig(er) werden und &quot;von großem Wert&quot; sein, &quot;um uns mit den Gefühlen vertraut zu machen; und manchmal ist ein indirektes Zeugnis in dieser Form wichtiger als ein direktes Zeugnis [...] und vermittelt uns eine bessere synthetische Vorstellung als direkte, vielfältige und verwirrende Zeitzeugnisse.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit widerspreche ich als unabhängiger plebejischer Link(sintellektuell)er selbstbewußt der von Professor Georg Fülberth (junge Welt: 24. November 2010) vertretenen doppelt falschen Ja-Nein-Vorstellung von „Erinnerung“ mit klarem Jein und Jaber: „&lt;u&gt;Ein Korn ist ein Korn ist ein Korn, Körner sind Körner und keine Haufen&lt;/u&gt;“ (Richard Albrecht, in: Aufklärung und Kritik, 14 [2007] 2: 295-296 -&gt; &lt;u&gt;http://ricalb.files.wordpress.com/2009/07/korntext.pdf&lt;/u&gt;) - Es gibt sowohl Drittes als auch Viertes: Erinnerungen und Vorstellungen vergangener Zeiten und ihrer alltäglichen Lebensweisen als künstlerische Bilder und als wissenschaftliche Begriffe. Eines dieser vergangenen Bilder scheint als Bild einer Vergangenheit beispielsweise in Ines Fritz´ erstem Kurztext DIE PILLE spurenhaft auf und verweist zugleich auch darauf, daß - vielleicht schon im nun begonnenen nächsten Jahrzehnt - Literatur in Ganzdeutschland nicht wie gegenwärtig eine delectarisch so spannungslose wie prodessisch so dumpfe &quot;&lt;u&gt;gediegene&lt;/u&gt; &lt;u&gt;Mittelstandsparty&lt;/u&gt;&quot; (Ursula März: Die Zeit, 7. Oktober 2010) bleiben muß … auch wenn, zugegeben und weder als richtungsweisend noch als ermutigend zu bewerten, die Steigerung von literarischem Müll 2009 sogar für nobelpreiswürdig erklärt wurde. Freilich gilt auch hier: Das letzte, was Du verlierst, ist immer die Hoffnung: &lt;u&gt;La esperanza es lo último que se pierde&lt;/u&gt; ... und daß Du, wenn Du den letzten Weg gehst, nie sagen sollst: &lt;u&gt;No digas nunca que esta senda es la final&lt;/u&gt; …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Autorin der folgenden literarpublizistischen Mignetten, Ines Fritz (*1969), lebt in Madgeburg/Elbe und engagiert sich sowohl in der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union Madgeburg (FAA -&gt; &lt;u&gt;http://faumagdeburg.blogsport.de/&lt;/u&gt;) als auch im dortigen Libertären Zentrum (LIZ -&gt; &lt;u&gt;http://squatmagdeburg.blogsport.de/&lt;/u&gt;). Die Autorin betreibt seit 2008 ihre Netzseite Isis-Welt (-&gt; &lt;u&gt;http://isis-welt.blog.de/&lt;/u&gt;) und schreibt für die Berliner Zeitschrift „Das Blättchen“ (-&gt; &lt;u&gt;http://das-blaettchen.de/&lt;/u&gt;). [Dort wurden auch zwei der (hier von der Autorin geringfügig bearbeiteten) Texte erstveröffentlicht;] e-Post -&gt; &lt;u&gt;inesfritz@alternativ.net&lt;/u&gt; [ra]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;DIE PILLE UND ANDERE ENTHEMMER&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor ich enthymisiert wurde, nahm ich schon die Pille. Meine Mutti erklärte mir, dass die auch gegen Pickel hilft und gegen Regelschmerzen. Außerdem kostet sie nichts. Vati kennt sich mit Frauenfragen nicht aus. Dass es nichts kostet, fand er gut. Während unserer Mutter-Tochter-Gespräche, zeigte sie mir „Einlagen“, die aussahen wie „Surfbretter“ und wo die Yvett Intim Waschlotion steht. Vati war da bestimmt im Garten oder Abwaschen. Aber Mutti hatte Ahnung, und ihre Frauenärztin war dann auch meine. Eine kräftige Frau mit zupackenden Händen. Ihre Praxis hatte sie in einer Parterre-Wohnung im Nachbarblock. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt sei die Pille gut, schadet nicht und nütze nur, so hieß es. Mein Freund sagte das auch. Er war schon in der 10., sah im Halbdunkeln aus wie Pierre Cosso in „Cinderella ´80“ und hatte eine blau und gelb lackierte ETZ 125, sehr schick, sehr auffällig und sie röhrte dazu. Manchmal fuhren wir einfach in den Sonnenuntergang, aber häufiger verbrannte ich mir beim Absteigen am verchromten Auspuff den nackten Unterschenkel. Stolz führte ich dann meine Brandwunden in den Hofpausen vor und erklärte ausführlich deren Herkunft. Während des Unterrichts lernten wir auch wie man Kinder macht und – sehr wichtig – zu verhüten. Wir lernten auch, wie man sich selbstverwirklicht, nach sozialistischen Werten. Die Darstellungen zur Anatomie der Geschlechtsorgane eines normgerechten DDR-Bürgers waren simpel, die Texte eingängig und das Wissen überschaubar, wie alles in der DDR. Man sagte im öffentlichen Sprachgebrauch Scheide und Penis und im Privaten Muschi und Pullermann und kannte alles in Natura und aus nächster Nähe, eben vom FKK, aus der Umkleide, der Funzel und aus dem Magazin. Scham war selten, Nacktheit und Zoten alltäglich, wir waren eben aufgeklärt. Aber von der Liebe wusste ich nichts, auch nicht um deren Fehlschläge. Vor dem Probieren in der Liebe hatte aber auch ich keine Angst. Der Pille und dem Kinderbuch Verlag Berlin haben wir Schlüsselkinder die sexuelle Freiheit zu verdanken. Auch wusste ich, dass man es immer jemandem sagen kann, wenn einem etwas Schlimmes passiert, den Eltern, dem ABV, dem Pionierleiter oder dem FDJ-Sekretär. Aber eigentlich dachte ich, die wüssten sowieso alles und würden es schon irgendwie verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wirklich schlimme Sachen gab es bei uns auch nicht. Weder zuhause noch in der Schule. Einmal munkelte man, eine aus der 10ten wäre schwanger, aber sie war es dann irgendwie doch nicht. Später erfuhr ich, dass es Abtreibungen auch umsonst gab. Darüber redete aber niemand gern. Meine Eltern nie. Beide arbeiteten in Schichten. Meine Mutter im staatlichen Wochenheim, mein Vater im Schwermaschinenbau, dem Thälmannwerk. Die Hausarbeit teilten sich beide, Vater das Grobe, Mutter die Feinheiten. Vater lebte und arbeitete mit einem weißen Unterhemd, Mutti im pastellfarbenen Baumwollkittel, manchmal auch aus geblümten Dederon. Tanzabende und Theater gab es für sie selten, ich war ein verwöhntes Kind. Aber zwischen Vatis Aufbruch in die Spätschicht und Muttis Ende der Frühschicht, lagen fast genau zwei Stunden Langeweile. In denen stöberte ich am liebsten in Schränken. Auch im Schlafzimmerschrank, ganz oben und ganz hinten. Kein Weihnachtsgeschenk war vor mir sicher. Und kein Buch öde genug, um nicht durchblättert zu werden. Trotzdem glaubte ich jedem „Geheimtip“ unter Pickelgesichtigen und schmierte mir auch mal Perlodont auf die Stirn und fönte die weiße Schicht bröckelig. Erfolglos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich glaube, meine Eltern wussten von meinen Hobbys, also mindestens von einem, dem Lesen der Bücher aus der elterlichen Minibibliothek. Irgendwann – und ich glaube, es war kein Zufall - fand ich ein buntes, schmales Buch: Denkst du schon Liebe? Ich stöberte prompt und nun war die Liebe kein Geheimnis mehr, dachte ich. Mit der Pille war ich auf der sicheren Seite und mit Mondos konnte er umgehen, hoffte ich. Wahrscheinlich würde es bluten und mir ein bisschen wehtun, aber später wird es dann auch für mich richtig schön, hoffte auch mein Freund. Ich begriff noch nicht, dass es dabei auch irgendwie um mich gehen wird. Wir machten es dann im Schlafsack beim Lagerfeuer am Baggersee. Und nun müsse ich auch bei ihm bleiben, weil er mich entjungfert hatte. Ich fand das damals sehr romantisch. Den ersten Mann vergisst keine Frau, aber ich wusste da leider noch nicht, dass ich nun auch eine war. Von sozialer Bedingtheit sexueller Beglückung wusste mein Freund leider nichts. Und mir war die „die vollzogene Gleichberechtigung von Mann und Frau in unserer sozialistischen Gesellschaft“ immer noch ein Rätsel: An der Werkbank: ja - aber im Bett? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich schlief mit ihm, da war ich noch ein Thälmannpionier. Aber eben dank DDR-Aufklärungslektüre nicht, weil er so wollte, sondern um ihm meine Liebe zu beweisen. Und es konnte ja auch nichts passieren. Pickel waren die schrecklichsten Angstgegner meiner Pubertät und Zahnpasta der Sieger. Geliebt zu werden war auch in der Polytechnischen Oberschule Herman Danz das Wichtigste für Mädchen und Sex eben die Lösung. Gegen alle sonstigen Risiken gab es ja die Pille. Verhindern konnten meine sexuellen Experimente weder die FDJ noch meine Eltern, aber niemand musste sich mehr Sorgen machen, von denen ich noch nicht wusste, dass es sie überhaupt gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;DIE FRAUENQUOTE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte mal ´n Freund. Sehr schöner Mann. Groß, schlank, dunkel, sportlich, graumeliertes, kurzes Haar, wunderbare Brummstimme, Stoppelbart, alles in allem ´ne Wucht mit Tüte. Er hat Politik studiert. Und Soziologie. Und Germanistik. Irgendetwas davon brachte er auch bis zu ´nem Abschluß. Als ich ihn kennen lernte war er Doktorand. Als er Colloquium sagte, bekam ich einen Ohrmuschelorgasmus. Er war auch sonst sehr klug, und auch links, wenn auch so westlinks, also Marxist light. Politisch nicht ganz mein Ding, aber geht eben noch. Gerade so. Sein IQ liegt bei 146, ließ er mich wissen, mehrfach, und auch jeden anderen. Er pflegte Widerspruch mit Phrasen wie „Apriori“ und „Ich habe das studiert“ abzubügeln, das war cool und klappte auch fast immer. Ich glaubte ihm sowieso jedes Wort sofort. Wir mochten ähnliche Musik (wenigstens das gleiche Genre), wir mochten scharfes Essen (und manchmal aßen wir gemeinsam), wir mochten beide gute Bücher (ich las sie, er meckerte darüber) und wir liebten beide ihn. Er war toll, sehr speziell, was Besonderes. Ich hätte ihm alles verziehen, selbst den Marxismus, nur eines nicht: Dummheit. Dumme Männer sind sexuell zu unattraktiv. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es kam wie es kommen musste, mit 40 beginnt der Ernst des Lebens: Raus aus dem Kapuzenpulli, rein ins Berufsleben. Er musste sich bewerben, maximal halbtags, aber ausgerechnet im öffentlichen Dienst. Die Chancen standen nicht schlecht, sein zukünftiger Chef war zugleich sein bester Freund. Trotzdem brauchte er drei Tage Bedenkzeit, endlich seine Bewerbung abzusenden. Natürlich per Email.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch am gleichen Tag rief er mich an und erzählte mir seine Ängste. Davon, dass er den Job bestimmt nicht bekäme, er überqualifiziert sei (das sagte eigentlich ich) und dass er immer Pech habe. Dass zumindest ihm diese Angst kommt, wußte ich vorher, er ist ein Schwarzseher. Dass er mich darum anrufen würde, ahnte ich nicht. Ich versuchte, zu beschwichtigen und riet ihm, erstmal abzuwarten, bis er die Ablehnung in der Hand hielte, um dann eben Recht zu behalten. Und vielleicht wird es ja auch ´ne Zusage. Es sollte ein Witz sein. Er lachte nicht. Aber er erzählte mir, warum man ihn nicht nehmen wird, denn er ist ein Mann und im Öffentlichen Dienst - vorsorglich hielt ich den Hörer vom Ohr - gäbe es eine Frauenquote. Beim Wort Frauenquote hob er seine Stimme und ich wurde still. Frauenquote klang bei ihm schon im Ruhezustand etwas zu spitz. Über meine Bemerkung, dass er mir das hätte vorher sagen müssen, das mit dem Mannsein, lachte wieder nur ich. Über seinen latenten Machismo war ich bereits informiert. Er aber bemühte sich, mir zu erklären, dass das eben so üblich sei, Männer abzulehnen, weil sie Männer sind. Ich bemühte mich anzudeuten, dass es daran liegen könne, dass es zu viele Bewerber auf zu wenige Stellen gibt und darum sicher auch Frauen Ablehnungen bekommen, die dann aber kein Suspensorium enger schnallen und auf Weiber schimpfen … und ich wurde übertönt: „DISKRIMINIERUNG“ schnarrte er ins Telefon. „ÜBERVOLLER ARBEITSMARKT“ plärrte ich zurück. Dann legten wir auf und ich unsere Beziehung ad acta. Den Job hat er dann bekommen, meine Achtung vor ihm ging für immer verloren. Wir trennten uns recht bald. Er hatte jetzt viel zu tun und ich wenig Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings hatte es auch was Gutes: Er hat gelernt, vor zehn Uhr morgens aufzustehen und ich, wie man effektiv flirtet. Die Frage nach der Frauenquote gehört jetzt zu meinem Standardflirtrepertoire. Dabei bin ich nicht mal dafür. Ich finde eine Elternquote wichtiger. Aber ich möchte mich mit keinem Mann kontinuierlich streiten müssen, der gegen Frauenquoten ist, weil er zu blöd ist, sie zu begreifen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn er noch so hübsch ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;DER CHRISTOPHER-STREET-DAY&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neulich war ich beim CSD in Magdeburg. Die Schwulen und Leben engagieren sich für eine Erweiterung des Artikels 3 des Grundgesetzes um der Diskriminierung wegen der sexuellen Identität ein Ende zu setzen. Das ist ´ne gute Sache und es geht uns alle an. Inhaltlich steh ich voll dahinter. Meine sexuelle Identität ist nämlich die einer Männer mordenden (oder verachtenden, je nach Gusto) Alleinerziehenden, die vom Sex immer noch schwanger werden kann, aber davon langsam die Schnauze voll hat. Und dann wundere ich mich immer über die Schlange vor dem Damenklo. Von Unisextoiletten wollten die da auch nun nichts wissen. Und von Scham beim unzüchtigen Techtelmechteln auch nicht. Komisch fand ich darum, wie sexy Schwule und Lesben feiern. Aber die können ja auch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansonsten traf ich nur nette Menschen, erlebte eine schöne Feier und fand es wichtig, dabei zu sein. Ich geh ja auch gern mal aus. Getroffen habe ich auch ein paar Leute, die wohl nicht getroffen werden wollten. Manche habe ich gegrüßt, andere mich nicht. Selbstredend musste dann auch die After-Show-Party im Gummibärchen sein. Zu viert zogen wir los, bunt gemischt – von allem was: haarmäßig, altersmäßig, personifizierte Milieuverirrungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Bar traf ich auf einen adretten, jungen Mann: weißes Hemd. Lederarmband am Handgelenk, schicke Brille mit rotem Gestell. Er hieß Rönäh. Wahrscheinlich war er schwul und ich darum sehr mutig: „Ist das hier immer so voll?“ Eigentlich sei es leer, meinte er. Ich saß im ersten Fettnapf und schob es auf den Alkohol. Aber er wusste schon: es war ja CSD, Feiern erlaubt. Feiern – war sowieso mein Stichwort. Da konnte ich dann wieder mitreden und hatte auch Eindrücke zu schildern, vom wenig subtilen Sex, der da so überall mitschwingt und dass ich das ein bisschen viel finde. So als Ossi ist man eben anders, da findet Sex weniger öffentlich statt. Man zeigt ihn nicht, sondern hat ihn. Mir ist darum ganz gleich, wer sich da knutscht, wenn ich ´ne Zunge sehe, fühle ich mich wie ein Voyeur. Für ihn sei das ganz normal, so unter Schwulen, und im Osten werde das versteckt. Im Köln gehört das schwule Leben dazu wie eben der Karneval. (Gut, mein Kopf war aus der Schlinge, ich mag ja auch keinen Karneval, dann bin ich also nicht homophob sondern nur ein Spießer.) Aber hier im Osten, holte er aus, gibt es ja auch so viele Nazis und die wirkten dann doch schon bedrohlich und die Schwulen-Szene sei klein, die Treffpunkte begrenzt. Nicht schön, das alles. Dafür hatte ich bedauerndes Verständnis. Geht uns Linken nicht anders: Wir suchen eben auch ein libertäres Zentrum. Nur ohne Dark-room. Aber wer weiß das schon. Dann unterhielten wir uns über Beziehungen, da konnte ich wieder beherzt mitreden. Dachte ich. Mein neuer schwuler Freund konnte aber nicht verstehen, warum ich mir nicht nehme, was ich will, so wie er denkt, dass ich es müsste, um so zufrieden wie er zu sein. Nachts, auf dem Rastplatz. Das ich das Schwangerwerden verhindern kann, ist mir nicht neu und ein oft gehörter Rat, aber dass ich das Verhüten nicht will, ohne dennoch dauernd Kinder zu kriegen, verstand er nicht. Wie auch? Ich- als Frau - mag dieses Wissen um Fruchtbarkeit und Verantwortung und will das nicht weghormonen, so wie ich auch keine Drogen nehme, obwohl mir manchmal das Herz wehtut. Ich bin gern eine erwachsene Frau und dazu gehört, dass ich überlege mit wem und wann und wie ich schlafe. Über das Warum streite ich mich nicht, sondern höchstens um das Wie. Er wusste nur viel über das Wo und wohin man gehen muß, für so ´n Quickie. Er könne – anders als ich - zwischen Sex und Liebe trennen und ich fand es schade, denn das heißt auch zwischen Sex und Verantwortung zu unterscheiden. Aber das ist mehr so´ne Frauensache und Männern kaum vermittelbar. Leider. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wenn ich mal ´nen wasserfesten Stift mit habe, weiß ich, was ich die Klotür in der nächsten Schwulenbar schreibe: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wegmanipulation der vollmenschlichen Eigenschaft “mütterliche Fruchtbarkeit” greift die Frau in ihrer Seelenebene an und verletzt sie schwer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
© Autorin (2011)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
                                            &lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 21 Mar 2011 23:20:00 +0100</pubDate>
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    <title>ZWISCHENWELTEN UND ÜBERGANGSZEITEN</title>
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            <category>Flaschenpost an die Nachgeborenen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Richard Albrecht )</author>
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            &lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;ZWISCHENWELTEN UND ÜBERGANGSZEITEN&lt;br /&gt;
Eric Hobsbawms letztes Buch&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost target=&quot;blank&quot; title=&quot;Vierzehnte Flaschenpost&quot;&gt;Vierzehnte Flaschenpost&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht target=&quot;blank&quot; title=&quot;Richard Albrecht&quot;&gt; Richard Albrecht&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Primitive Rebels. Studies in archaic forms of social movement in the 19th and 20th centuries erschien zuerst 1959 und sodann, von Barry Hyams eingedeutscht, 1962 in der Luchterhandreihe als Soziologischer Text 14: Sozialrebellen. Diese Studien zu archaischen Sozialbewegungen und vor allem Hobsbawms Darstellung des vorsozialistisch-linksstehenden Sozialbanditen[1] als Typus waren für mich, wie vorher die soziologischen Bestseller von David Riesman The Lonely Crowd (1950, dt. 1956) und von Vance Packard The Hidden Persuaders (1957, dt. 1958) und nachher die Bücher von Eric Hoffer, The True Believer. Thoughts on the Nature of Mass Movements (1951, dt. 1965 udT. Der Fanatiker. Eine Pathologie des Parteigängers; erweiterte Neuausgabe 1999) und von Daniel J. Boorstin, The Image. A Guide to Pseudo-events in America (1961, dt. 1964 udT. Das Image oder Was wurde aus dem amerikanischen Traum?), die kritisch-anregenden Texte, wegen derer ich nicht, wie zunächst geplant, in Kiel (Meeres-) Biologie und Kunst(-pädagogik) aufs Lehramt, sondern Soziologie/Politikwissenschaft und Anglistik/Amerikanistik aufs Ungewisse zu studieren begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1917 in Alexandria geborene, in Wien und Berlin aufgewachsene und 1933 nach London emigrierte britisch-jüdische Sozialwissenschaftler Eric John Ernest Hobsbawm ist mir nicht persönlich (wohl aber literarpublizistisch) bekannt. Hobsbawm wurde vor allem durch die Publikation seiner Buchtrilogie zum achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert[2] ´ne großakademische Nase. Und gilt seit Mitte der 1990er Jahre mit seiner im Zeitalter der Extreme[3] begründeten These zum zwanzigsten als kurzem Jahrhundert 1917 bis 1989 als zeitgeschichtlicher Meisterdeuter. Im Gegensatz etwa zu (s)einem auch historisch-soziologisch arbeitenden, freilich schulenbildenden Genossen, Kollegen und fellow-country-man Thompson[4] untersuchte Hobsbawm weniger spezielle Arbeiterklassenentwicklungen/politiken, sondern übergreifende und allgemeine Epochenprobleme (konter)revolutionärer Prozesse. Dabei ging Hobsbawm als im Oxbridge der roten dreißiger Jahre der britischen &quot;red period&quot; [gelegentlich auch ironisch &quot;wet period&quot; genannt;-)] marxistisch geschulter Sozialwissenschaftler auch im Besonderen methodisch von der „multidimensionality of human beings in society“[5] aus und versuchte damit, aus der Falle soziologischer Eindimensionalität[6] sei´s marxistischer, sei´s antimarxistischer Prägung herauszukommen. Hobsbawms 2002 erschienene Autobiographie[7] schließlich soll die „weltoffene, urbane Existenz“ des Autors repräsentieren und diesen „fraglos im letzten halben Jahrhundert [als] die Inkarnation eines Weltbürgers“ (Hans-Ulrich Wehler) ausweisen[8]. Auch hier mag sich der Autor durch seinen Rezensenten geschmeichelt fühlen und´s damit mit dem Rezensenten, Wehler-BI, so genau nicht nehmen …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hobsbawms neuer Sammelband ist eine Textterrine. Sie enthält einundzwanzig deutsche Kurztexte und ist damit auf auch publizistisch „einfache Formen“ (André Jolles) wie Diskussionsbeitrag, Forschungsskizze, Miszelle, Gedenkrede und Interview kapriziert. Die Buchtexte entstanden seit 1965. Ihre Schwerpunkte liegen zeitlich in den letzten fünfzehn Jahren und sachlich in politikgeschichtlichen Feldern. Die Texte sind jeweils bequellt und in Form eines Anhangs ergänzt durch eine achtseitige Bibliographie von hundert deutsch(sprachig)en bzw. deutsch übersetzten Texten Hobsbawms 1944-2009. Der Band enthält sowohl ein zweiseitiges Herausgebervorwort als auch ein dreiseitiges Personenregister. Ergänzend zu diesem Druckwerk lassen sich bei YouTube etwa ein Dutzend aktuelle Vorträge von und Interviews mit Hobsbawm anklicken und (kostenlos) herunterladen.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie dort akustisch-visuell so zeigt sich auch hier buch-textlich, daß dieser auch vom „stern“ anerkannte wichtige „Gegenwartshistoriker“ - „fraglos einer der zurzeit bedeutendsten Figuren der internationalen Geschichtswissenschaft“ (Hans-Ulrich Wehler) - nicht wie im Hamburger Wochenmagazin am 6. Mai 2009 reklamiert ein apokalyptisch-blutrünstiger Geselle[10], sondern vielmehr ein nüchtern beschreibender und gediegen analysierender (und wie Hobsbawm selbst betont: linksengagierter) Zeitgenosse ist. Dies veranschaulichen bei aller autobiographischer Narratik zwei seiner Wortmeldungen als Buchtexte: seine Kurzansprache zur Geschichtswissenschaft (Wien 2008) und sein in diesem Sammelband erstveröffentlichtes Interview zur Dritten Krise (London 2009).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Beitrag zur Geschichtswissenschaft hebt Hobsbawm als berechtigterweise stolzer Greis (und nach Selbsteinschätzung „wohl der international bekannteste britische Historiker“) weniger auf seine vierbändigen „groß angelegten Synthesen des 19. und 20. Jahrhunderts“ ab als vielmehr auf den Ausgangspunkt seiner history from below und das beeindruckende Kapitel zum Sozialbanditen als/aus Sozialrebellen. Insofern wäre es auch keine bloße Eitelkeit im Sinne von &quot;Selbstgefälligkeit, Gefallsucht, Nichtigkeit&quot;[11] als vanity fair gewesen, wenn Hobsbawms Primitive Rebels - wie kürzlich Irving Horowitz´ Transaction-Edition seiner Studien zur Idee von Krieg und Frieden im neuzeitlichen philosophischen Denken[12] - nach fünfzig Jahren in einer erweiterten Neuausgabe 2009 veröffentlicht worden wären. Aber wie auch immer: Die Rückbesinnung des Autors auf Primitive Rebels empfinde ich als ähnlich redlich wie seine Variation der letzten Feuerbachthese[13]: „Geschichte [ist] nicht nur zum Verstehen der Welt da, sondern auch zum Verändern und Verbessern der Welt“ und seinen offenen Schlußakkord: daß „nur die Zukunft entscheiden“ kann, ob er als Historiker zugleich auch ein „bedeutender Schriftsteller“ war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestört hat mich dreierlei: die doppelt benützte antisoziologische Kategorie „Glück“ zur Erklärung seiner Historikerkarriere; die Verkennung bedeutender Versuche anderer Sozialwissenschaftler, die Jahrzehnte vor ihm „Verbindungen zwischen der Geschichte und den Gesellschaftswissenschaften“ suchten[14]; und der Kotau vorm nach wie vor nachhaltig überschätzten (oben doppelt zitierten) Haupt der „Bielefelder Deutschen Gesellschaftsgeschichte“[15]. Dieses wurde vor fünfunddreißig Jahren kritisiert.[16] Zuletzt polemisierte es im Radiointerview gegen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht anläßlich des 90. Jahrestag von deren Ermordung am 15. Jänner 1919 und unterstrich seine (auch als politische Mordapologie rezipierbare) These: &quot;Wer den Bürgerkrieg entfesselt, lebt immer im Angesicht des Todes&quot; achtzehn Mal durch die Leerformel „sozusagen“[17].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite Text geht auf den geschichtlichen und aktuellen Kapitalismus als Wirtschaftsform, seine „grundlegenden Krisen“ und seine durch die gegenwärtige, inzwischen teilweise aufgebrochene, Ideologie des economic market fundamentalismus mit ihren quasireligiösen Verklärungen ein. Was die meisten „Volkswirtschaftler“ als „Theologen mit mathematischen Algorithmen“ als das „Neue seit den 70er Jahren“ verkannten – Internationalisierung und Multinationalisierung der Produktion – und was nur wenige Weltökonomen, etwa in Deutschland der ehemalige SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt, als problematischen „Raubtierkapitalismus“ kritisierten, läßt sich mit vorgehenden Krisen nicht vergleichen. Hobsbawm erinnert an die „ökonomische Weltkrise“ von 1929, daß es „letztlich der Krieg war, der sie beendete“ und daß das wirksame Krisenlösungsprogramm „die Vorbereitung des Krieges“ mit einem zehn Jahre später folgenden Weltkrieg war. (Hier hätte der Marxist Hobsbawm auch theoriegeschichtlich mit Blick auf den Globalkollaps des gesamten Banken-, Kredit- und Finanzsystems auf die Bedeutsamkeit von W. I. Lenins Imperialismustheorie und die daran anschließende These vom staatsmonopolistischen Kapitalismus – vulgo „Stamokack“ – verweisen können.) Das neue Moment der den Autor beängstigenden gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise „ist ein verhältnismäßiger Rückzug der großen alten Zentren durch die Auswanderung der Produktion und auch der hochintellektuellen, hochgradigen Dienstleistungen in andere Länder.“ Es ist nicht der „ungeheure Rückzug aller Linken in Europa“, der Hobsbawm bedrückt. Sondern der  Antritt neuer rechtsextremistischer Kräfte, die im Gegensatz zu herkömmlichen Konservativen „keine Angst vor Tabubrüchen haben“ und insofern von der „totalen Unsicherheit der Weltordnung“ profitieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[Ich] bin auf kurze Sicht nicht besonders optimistisch. Im Lauf der nächsten 20, 30 Jahre wird sich ein neues Weltsystem herausbilden, so daß, wenn es nicht in der Zwischenzeit zu Katastrophen kommt […], der Kapitalismus auf welche Weise auch immer seine 30, 40 Jahre weiter funktionieren kann, bis er wieder seine internen Widersprüche entwickelt. Aber was die Antriebskräfte der sozialen Interessen der Bevölkerung, der Völker sein werden, das ist bei weitem nicht so klar.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hobsbawm erzählt lebendig und flüssig. Was herauskommt ist meilenweit entfernt von allen ganzdeutschen Bierschenken, die im gegenwärtigen Mediendeutschland Talkshow genannt werden. Dem Alleswissentrend widerspricht auch Hobsbawms grundlegender Hinweis auf die Unmöglichkeit, Zeitpunkte von Krisen(prozessen), ihren Anfängen und Enden, vorherzusagen: „Was sich nie voraussagen läßt, ist der Moment, in dem etwas geschieht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und auch noch der „alte“ Hobwsbawm, nun 93jährig, ist als Historiker, Soziologe und Marxist wirklich der alte geblieben: Gesellschaft existiert für ihn nach wie vor real und muß weder neu rekonstruktiv erfunden noch dekonstruktiv in partikeligen Diskursen dekonstruiert werden. Hobwsbawms Vorstellung von Gesellschaft als System reflexiv handelnder und zu gemeinschaftlichem planvollen Handeln grundsätzlich fähiger Menschen beruht auf dem historisch-materialistischen Grundsatz von Marx &amp;amp; Engels: &quot;Nicht das Bewußtsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewußtsein“[18]. Sie ist damit zum einen aller eindimensional-reduktionistischen und zum anderen jeder individualistisch-obskurantistischen Sicht auf ein so unbegriffenes wie unbegreifliches Sozialgebilde, aus der und in dem schon soziale Schichten als „Erfindung“ von Soziologen gelten („There is no such thing as society, only men and women and their families“ [Margaret Thatcher: „Gesellschaft ist ein Unding. Es gibt nur Männer, Frauen und deren Familien“]), um eine wissenschaftshistorische Epoche voraus. Denn sie stellt Gesellschaft als allgemeinen und übergreifenden Handlungszusammenhang in seiner Gesamtheit vor: Gesellschaft bildet sich nicht in Form einer Addition von Subjekten ohne Raum- und Zeitbindung, ohne Tradition, ohne Kultur, ohne Erfahrens- und Gefühlswelten. Gesellschaft ist auch keine bloße Aufhäufung angesammelter „vereinzelter einzelner“ als Individuen. Gesellschaft ist vielmehr ein grundlegender gemeinschaftlicher Handlungszusammenhang, der die „Summe der Beziehungen, Verhältnisse aus[drückt], worin diese Individuen zueinander stehn.“[19]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der letzten Interviewpassage geht Hobsbawm auf innert der vielen Veränderungen namentlich des „late modern age“ (Anthony Giddens) gleichwohl realexistierende Konstanten ein und nennt beispielhaft erstens biologische, zweitens geographische sowie drittens die Musik, die Kunst und die Schönheit: „Und viertens noch etwas: Soweit ich weiß, gibt es keine Gesellschaft ohne den Begriff der Ungerechtigkeit. Und daher soll es auch keine geben, in der man sich nicht gegen sie auflehnt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist die Perspektive des vor zwanzig Jahren entwickelten kultur- und sozialwissenschaftlichen Utopischen Paradigma[20], in dessen deutsch(sprachig)er Gesamtzusammenfassung der von Hobsbawm angesprochene Zusammenhang verallgemeinert wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Geht man […] davon aus, daß derzeit in allen westlichen Gegenwartsgesellschaften beschleunigte Wandlungs- und Umbruchprozesse stattfinden, dann erscheint die aktuelle soziale Welt grundsätzlich veränderbar und zukunftsoffen. Damit ist auch eine neue wissenschaftliche Perspektive für die Zukunft und in der Zukunft möglich und nötig. Es geht um die Konturen eines neuen, wenn auch derzeit empirisch noch nicht voll ausgebildeten Zivilisationsmodells als Grundlage einer zunehmend globaler werdenden neuen Welt.  Das künftige &#039;westliche&#039; Zivilisationsmodell könnte […] Auffassung auf vier Grundpfeilern beruhen: auf Subjektivität, Reflexivität, Responsivität und Interpretavität. Dies sind wesentliche Elemente, die schon heute in den gegenwärtig erfahrbaren Umbruchs- und Wandlungsprozessen (wenn auch empirisch noch nicht voll entfaltet) angelegt sind und die in den nächsten Jahrzehnten bedeutsamer werden. Jedes neue Zivilisationsmodell meint aber zugleich auch eine andere soziale Ordnung, die mit dem empirisch immer bedeutsamer werdenden &#039;emotionalen Überschuß&#039; (mental surplus), den es in jeder Gesellschaft gibt, strukturell zusammenhängt. Damit dürfte sich zukünftig - und zunehmend - auch wieder ein altes menschliches Grundproblem neu stellen: Wie eine gerechte(re) Sozialordnung möglich ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bleibt noch zweierlei nachzutragen: erstens mit Blick auf Hobsbawns vorletzte menschliche Konstante Musik chronistisch, daß der Autor noch als Zweiundneunzigjähriger kürzlich an seine damals pseudonym veröffentlichten Jazzmusikkritiken und seinen “freizügigen nächtlichen Lebensstil“ im London der 1950er Jahre publizistisch erinnerte[21]. Und daß auch diese Splitter von Hobsbawms Memoirs von einem der Buchherausgeber, Dr. Friedrich-Martin Balzer, ins Deutsche übertragen und, ergänzt um Hinweise auf in deutschsprachigen Exilzeitschriften erschienene frühe literarpublizistische Texte des jungen Hobsbawm (1944-1946), unter anderem über Theaterstücke von Johann Nestroy, Sean O´Casey und George Bernhard Shaw, veröffentlicht wurden[22]. Und zweitens, daß noch Ende 2009 Eric Hobsbawms in England 2007 erschienener Sammelband[23] als deutsch(sprachig)es Taschenbuch, mit in manchen Passagen „behutsam aktualisierten Texten“, veröffentlicht wurde[24].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Englische Taschenbuchausgabe 1965. Hobsbawms Buch Bandits erschien 1969, dt. 1972 udT. Die Banditen; Neuausgabe 2007&lt;br /&gt;
2 Hobsbawm, The Age of Revolution. Europe 1789-1848 (1962), dt. 1962; ²1978; Industry and Empire (1968), dt. 1969, zwei Bände; The Age of Capital. 1848–1875 (1975), dt. 1980; The Age of Empire (1987), dt. 1989&lt;br /&gt;
3 Hobsbawm, Age of Extremes. The short twentieth century, 1914-1991 (1994), dt. 1995 udT. Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts; Taschenbuchausgabe 1998&lt;br /&gt;
4 E. J. Thompson, The Making of the English Working Class (1963)&lt;br /&gt;
5 Hobsbawm, Working-class Internationalism; in: Contributions to the History of Labour &amp;amp; Society, vol. I, 1988: 3-16&lt;br /&gt;
6 Anstatt weiterer etwa: „Das Streben nach Einkommen [ist] die unvermeidlich letzte Triebfeder allen wirtschaftlichen Handelns“; Max Weber, Wirtschaft &amp;amp; Gesellschaft [1920]; Studienausgabe 1964: 153&lt;br /&gt;
7 Hobsbawm, Interesting Times. A twentieth-Century life (2002); dt. 2003 udT. Gefährliche Zeiten; Taschenbuchausgabe 2006&lt;br /&gt;
8 Buchrezension: Sendung DLR Berlin 21. Juli 2003: http://www.dradio.de/dlr/sendungen/buchtipp/223110/&lt;br /&gt;
9 http://www.google.de/search?hl=de&amp;q=youtube+hobsbawm&amp;tbs=vid:1&amp;t=p&amp;source=vgc&amp;num=10&lt;br /&gt;
10 http://www.stern.de/wirtschaft/geld/historiker-eric-hobsbawm-es-wird-blut-fliessen-viel-blut-662937.html „Es wird Blut fliessen, viel Blut“&lt;br /&gt;
11 Wolfgang Pfeifer et.al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1989; ³1995: 273)&lt;br /&gt;
12 Irving Louis Horowitz, The Idea of War &amp;amp; Peace in Contemporary Philosophy (1957; greatly expanded edition ³2007)&lt;br /&gt;
13 „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt drauf an, sie zu verändern.“ Karl Marx [ad Feuerbach]; Marx-Engels-Werke Bd. 3 (MEW 3): 7&lt;br /&gt;
14 Von politisch „rechts“ bis „links“, etwa: Robert(o) Michels (1876-1936): Sozialismus und Fascismus als politische Strömungen in Italien. Historische Studien (1925); Materialien zu einer Soziologie des Fremden; Jahrbuch für Soziologie 1925: 296–371; Die Psychologie der antikapitalistischen Massenbewegungen; Grundriß der Sozialökonomik, IX/1, 1926: 241–359; Eine syndikalistisch gerichtete Unterströmung im deutschen Sozialismus (1903–1907); Festschrift für Carl Grünberg zum 70. Geburtstag (1932): 343–364; Zur Soziologie der Bohème und ihrer Zusammenhänge mit dem geistigen Proletariat; Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 1932: 801–816; Historisch-Kritische Untersuchungen zum politischen Verhalten der Intellektuellen; Schmollers Jahrbuch 1933: 807-836; Umschichtungen in den herrschenden Klassen nach dem Kriege (1934). – Alfred Meusel (1896-1960): Die Abtrünnigen; Kölner Vierteljahreshefte für Sozialwissenschaften, 3 (1923) 2/3: 152-169; Karl Marx; Gründer der Soziologie. Eine Vortragsreihe. Hg. Fritz Karl Mann. Jena: Gustav Fischer 1932: 96-108 [= Sozialwissenschaftliche Bausteine IV]; Thomas Müntzer und seine Zeit [...] Berlin: Aufbau-Verlag, 1952, 336 p. – Leo Kofler (1907-1995): Die Wissenschaft von der Gesellschaft. Umriß einer Methodenlehre der dialektischen Soziologie (1944; ²1971); Zur Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft (1948; ²1966); Die Gesellschaftsauffassung des Historischen Materialismus; Handbuch der Soziologie 1956: 512-529; Geschichte und Dialektik (1955, ³1973; Neuausgabe 2002); Marxistische Staatstheorie (1970)&lt;br /&gt;
15 So zuletzt Thomas Lindenberger (Bulletin of the German Historical Institute Washington/D.C., Spring 2010: 27-31)&lt;br /&gt;
16 Richard Albrecht, Anmerkungen zur Konzeption der ´modernen deutschen Sozialgeschichte´; Marxistische Blätter 1/1975: 62-67&lt;br /&gt;
17 http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/904356/ „Hans-Ulrich Wehler zum Mord an Luxemburg und Liebknecht“&lt;br /&gt;
18 Marx-Engels-Werke (MEW) 3: 37&lt;br /&gt;
19 Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie [Rohentwurf 1857/58], Berlin 1974: 176&lt;br /&gt;
20 Richard Albrecht, The Utopian Paradigm – A Futurist Perspective, in: Communications (1991): 283-318; gekürzt udT. TERTIUM […]: http://www.grin.com/e-book/109171/tertium-ernst-bloch-s-foundation-of-the-utopian-paradigm-as-a-key-concept&lt;br /&gt;
21 Hobsbawm, Diary; London Review of Books (LRB): 27 May 2010: 42; http://www.lrb.co.uk/v32/n10/eric-hobsbawm/diary&lt;br /&gt;
22 Hobwsbam, Meine Jahre als Jazzkritiker; junge Welt, 12. Juli 2010; Friedrich-Martin Balzer, Mit Charme und Engagement. Eric Hobsbawms frühe publizistische Arbeiten zur Literatur (1944–1946); ebenda, 24. November 2010&lt;br /&gt;
23 Hobsbawm, Globalization, Democracy and Terrorism (2007)&lt;br /&gt;
24 Eric J. Hobsbawm, Globalisierung, Demokratie und Terrorismus. A.d.Englischen von Andreas Wirthenson. München: dtv, 2009, 176 p. [dtv premium]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Eric Hobsbawm, &lt;u&gt;Zwischenwelten und Übergangszeiten. Interventionen und Wortmeldungen&lt;/u&gt;. Hg. Friedrich-Martin Balzer; Georg Fülberth. Köln: Papyrossa, 2009; ²2010, 240 p., ISBN 978-3-89438-405-0&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Technischer Hinweis: Wenn Sie mittels Ihres &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Webbrowser target=&quot;blank&quot; title=&quot;Browser&quot;&gt;Browser&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; diesen Text als &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Portable_Document_Format target=&quot;blank&quot; title=&quot;pdf&quot;&gt;pdf&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; herunterladen, soll(t)en alle &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperlink target=&quot;blank&quot; title=&quot;Links&quot;&gt;Links&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; funktionieren.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor lebt als unabhängiger kulturanalytischer Sozialpsychologe, reflexivhistorisch arbeitender Sozialforscher und freier sozialwissenschaftlicher Literat in Bad Münstereifel. Er veröffentlicht seit Oktober 2010 in diesem Blog -&gt; &lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht target=&quot;blank&quot; title=&quot;Richard Albrechts duckhome-Beiträge IV/2010&quot;&gt; Richard Albrechts duckhome-Beiträge&lt;/a&gt;. Letzterschienene Bücher: &lt;a href=http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-8322-7333-0 target=&quot;blank&quot; title=&quot;SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert &quot;&gt;SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert &lt;/a&gt; (2008, wiss.); &lt;a href=http://www.shaker-media.de/de/content/bookshop/index.asp?ID=2&amp;ISBN=978-3-86858-613-8 target=&quot;blank&quot;  title=&quot;HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren&quot;&gt;HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren&lt;/a&gt; (2011, lit.). Aktuelle Netzseite -&gt; &lt;a href=http://eingreifendes-denken.net target=&quot;blank&quot; title=&quot;eingreifendes-denken&quot;&gt;eingreifendes-denken&lt;/a&gt; -&gt; &lt;a href=http://ricalb.files.wordpress.com/2010/12/cv1.pdf target=&quot;blank&quot; title=&quot;bio-bibliographie&quot;&gt;bio-bibliographie&lt;/a&gt;. - Die Druckfassung dieser - der vierzehnten - FLASCHENPOST steht im e-Archiv &lt;a href=http://ricalb.files.wordpress.com/2011/03/flaschenpost3.pdf target=&quot;blank&quot; title=&quot;EINGREIFENDES DENKEN&quot;&gt;EINGREIFENDES DENKEN&lt;/a&gt;: 64-68. Die ersten dreizehn FLASCHENPOST-Texte stehn folglich dort: 1-63.  (c)  Autor 2011 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
                                                                                                                      &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 15 Mar 2011 15:30:00 +0100</pubDate>
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    <category>20. jahrhundert</category>
<category>21. jahrhundert</category>
<category>buchvorstellung</category>
<category>eric hobsbawm</category>
<category>eurokommunistischer intellektueller</category>
<category>flaschenpost</category>
<category>historiker</category>
<category>imperialismustheorie</category>
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    <title>GUTT-BYE BUY-GUTT</title>
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            <category>Flaschenpost an die Nachgeborenen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Richard Albrecht )</author>
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            &lt;strong&gt;GUTT BYE BUY GUTT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder das vorläufige Ende freiherrlicher Dienstflüge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Subjektsoziologisches zur verdorbenen Wissenschaft, zur ganzdeutschen Forschungsgemeinschaft und zur Lage an der Kopfarbeitsfront zu Beginn eines neuen Jahrzehnts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost target=&quot;blank&quot; title=&quot;Dreizehnte Flaschenpost aus dem Innern des Landes&quot;&gt;Dreizehnte Flaschenpost aus dem Innern des Landes&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht target=&quot;blank&quot; title=&quot;Richard Albrecht&quot;&gt; Richard Albrecht&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 „The problem in the human and social sciences is to make invisible things visible.“ (Marie Jahoda)[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor diskutiert einen Aspekt zum Fall Guttenberg als besondere Schwindelstruktur des ganzdeutschen Wissenschaftsbetriebs in seiner realexistierenden institutionell-systemischen Form bei Promotion und Publikation und verweist auf den mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als Leitinstitution im Forschungssystem zusammenhängenden realexistierenden Prozess von Exklusion &amp;amp; Ausschluss, Ausgrenzung &amp;amp; Ächtung. Die DFG verwehrt seit Mitte 2010 produktiven Wissenschaftlern den Zugang zu öffentlichen Fördermitteln durch eine neue formale Verfahrensregelung zur Antragsberechtigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorbemerkungen und zugegeben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Diese, die dreizehnte, Flaschenpost ist nicht nur aktuell. Sondern auch dringlich. Und noch dringlicher geworden durch den in diesem „Fall“ so doppelsinnigen wie richtungsweisenden Fall des Herrn Frhr. zu K.-T. Guttenberg [ripuarisch, vulgo Kölsch: Juttenzwersch] ganzdeutscher Bundesminister [BuMist] 2009/2011 mit so larmoyantem wie kann-nicht-verstahn-Abtritt Anfang März 2011. Dieser Abgang veranschaulicht das Ausmaß der Politfigur Guttenberg als neudeutsch „Fake“ genanntes personales Gesamtfalsifikat oder rundum und von oben bis unten gefälschte veröffentlichte Kunstfigur. Diese sollte das nach dem rüpelnden Abgang eines verflossenen Staatenlenkers und letzten der SPD angehörenden ganzdeutschen Medien- oder Talmikanzler (1998-2005) realexistierende Repräsentationsvakuum[2] postfaschistisch-medial füllen: den Vielen da unten sollte wenn schon nicht panem oder Brot, dann doch wenigstens circenses oder Spiele gegeben werden. Ginge es nur um Guttenberg und damit um die buntscheckige Dubiosität eines weiteren dum-dum-dum-Juristen der ganzdeutschen Talmi-Elite unserer Zeit – dann wären die folgenden Mühen um gesellschaftliche Strukturelementen und Institutionalisierungsprozesse so unnötig (obsolet) wie überflüssig (hyperliquide). Guttenbergs Fall Anfang März 2011 erinnert politikhistorisch freilich auch an einen jahrzehntelang „verdrängten“ Grundtatbestand: Auch nach der deutsch-deutschen Staats(zwangs)vereinigung gibt es Grenzen der Manipulationen des fälschlich „Zeitung“ genannten, sechs Mal in der Woche erscheinenden Papierorgans BILD. Nach allem was ich weiß geht es im Fall Guttenberg um eine von gesellschaftlichen Schwindelstrukturen[3] zahlreicher Dimensionen, Felder und Formate produzierte und diese reproduzierende öffentliche Schwindelfigur[4]. Mit deren (mich hier nicht weiter interessierenden) Karrierepfaden, Facetten und Einzelheiten sich wer auch immer befassen mag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Geplant war, nach der letzten Sommerpause etwa um den 15. oder 20. September 2010 in einem von Intellektuellen gelesenen und dort verbreiteten Linksblog eine Campagne zu versuchen in Form eines Offenen Briefes an den DFG-Präsidenten mit der Leitfrage: Sorgen Sie bitte dafür, daß auch der (Sozial-) Wissenschaftler Richard Albrecht bei Ihnen Anträge zur Forschungsförderung stellen darf. Als es Anfang September 2010 konkret wurde – und „die Wahrheit“ soll bekanntlich immer konkret und banal zugleich sein  – war´s das denn gewesen: bestenfalls Heißluft, schlimmstenfalls weniger als wenig. (Den Namen des als kämpferisch geltenden, hier aus Gründen nicht genannten fh-Profs dürfte ich in diesem Leben nicht vergessen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Wenn auch Sie wie der Herr DFG-Präsident und andere die gegenwärtig-ganzdeutsche Forschungsförderung leitende Herren &amp;amp; Damen als „die wohlbestallten Spitzenvertreter der Forschung“ und verantwortliche Produzenten des „Armutszeugnis´“ für die deutschen Forschungsorganisationen“ (Die Zeit) meinen, ich sollte dort im SoWi-Bereich zur Verstärkung und Weiterführung wirksamer Verkehrungsprozesse MTSGR [money-makes-this-science-go-round] und/oder DEAD [Diffamieren – Einschüchtern – Ausgrenzen – Denunzieren] nachhaltig und dauerhaft rausgehalten werden – tun Sie sich und mir bitte den Gefallen und lesen hier nicht weiter. Für Typen wie Sie, die - und nicht nur wegen des Teints - besser Pilze sammeln gehn im Wald hab ich bisher nicht geschrieben, schreib ich auch jetzt nicht und hab´s auch (über-) morgen nicht vor. Damit das mal klar ist …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Rücktritt des BuMist meinte Ulrich Schnabel in Die Zeit am 3. März 2011: &quot;Es gab schon viele Politikerrücktritte. Es gab auch viele aus gravierenderen Gründen. Dennoch ist der Sturz von Karl-Theodor zu Guttenberg über seine Doktorarbeit beispiellos. Denn noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik ist ein Minister über wütende Wissenschaftlerproteste gestürzt [...] Der Fall zu Guttenberg [markiert] auch für das Wissenschaftssystem eine Zäsur: Zum einen demonstriert er das gestiegene Selbstbewusstsein von Forschern, die sich für mehr als nur für die Vorgänge im eigenen Labor oder Seminar interessieren; zum anderen zeigt er, dass die viel beschworene »Bildungsrepublik Deutschland« nicht zum moralischen Nulltarif zu haben ist, sondern dass deren Standards ernst genommen werden müssen. Schließlich hat die Affäre auch blitzlichtartig erhellt, wie es um die gern hochgehaltenen »Selbstreinigungskräfte« der Wissenschaft wirklich bestellt ist: Sie sind keinesfalls selbstverständlich, sondern hängen letztlich immer wieder vom Engagement Einzelner ab [...] Die viel beschworenen Selbstreinigungskräfte, auch das eine Erkenntnis, entfalteten sich stattdessen im Internet. Eine bunte Truppe von Nachwuchswissenschaftlern nahm im Netz mit dem GuttenPlag Wiki die umstrittene Dissertation auseinander und förderte so das ganze Ausmaß der Schummelei zutage. Auch wenn sich vermutlich nicht alle dort erhobenen Vorwürfe im weiteren Verlauf der Untersuchung (welche die Uni Bayreuth fortsetzt) erhärten lassen, ist offensichtlich, dass zu Guttenberg massiv gegen die wissenschaftlichen Standards verstoßen hat. Der beispiellose Proteststurm der vergangenen Tage war ebenfalls ein Netzphänomen. »Aussitzen« hätte das Rezept in früheren Zeiten wohl gelautet, die Zeitungen hätten sich nach ein paar Tagen wieder anderen Themen zugewandt, die Sache wäre nach und nach in Vergessenheit geraten. Doch im Internet wuchs die akademische Empörung im Schneeballsystem und gewann binnen Stunden an Wucht. Denn spätestens nach der Erklärung Angela Merkels eine Woche zuvor, sie habe zu Guttenberg nicht »als wissenschaftlichen Assistenten« angestellt, stand die Geschäftsgrundlage der Wissenschaft zur Disposition: nicht nur die Frage, was geistiges Eigentum in Deutschland eigentlich wert ist, sondern auch die grundlegendere, welchen Stellenwert man hierzulande dem wissenschaftlichen Streben nach Wahrheit und Redlichkeit zumisst. Schockiert nahmen viele Bildungsbürger zur Kenntnis: Weite Teile von Politik und Öffentlichkeit schienen die Tragweite des Guttenbergschen Wissenschaftsbetruges nicht zu erfassen. Dass es dabei nicht nur um den sauberen Umgang mit Quellen ging, sondern letztlich um die entscheidende Frage der Glaubwürdigkeit (sowohl in der Wissenschaft wie in der Politik), schien viele nicht zu kümmern. Es drängte sich der Verdacht auf, dass die Wissenschaft dem Rest der Gesellschaft nicht mehr klarmachen kann, nach welchen Regeln sie eigentlich funktioniert. Und weshalb diese Regeln wichtig sind. Doch die Spitzenorganisationen reagierten mit windelweichen Erklärungen, in denen weder die Stadt Bayreuth noch der Name »Guttenberg« auftauchten [...] Mit dem Rücktritt des Verteidigungsministers ist der Fall für die Wissenschaft nicht erledigt. Losgetreten wurden die Proteste vom Nachwuchs, der um die Entwertung des Doktortitels bangt. Um sie zu befrieden, müssen jetzt überall dieselben strengen Maßstäbe angelegt werden. Und die Wissenschaft muss sich fragen, wie der Eindruck entstehen konnte, in der akademischen Welt werde doch überall mehr oder weniger geschummelt.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Die Welt meinte Michael Stürmer nach dem Rücktritt des BuMist am 3. März 2011: „Wie man die Hände in Unschuld wäscht, ist dieser Tage in Bayreuth zu beobachten [...]  Der Doktorvater, ein geachteter, mittlerweile emeritierter Jurist, hat sich geäußert, als habe er das Corpus delicti erst jetzt zur Kenntnis genommen: Die &quot;mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel&quot;. Das führt zu der Frage, was eigentlich Aufgabe des Doktorvaters ist. Das Wort vom Doktorvater ist keine Metapher. Man muss schauen, ob das dem Doktoranden gestellte Thema zu dessen Fähigkeiten und Möglichkeiten passt - und zu den Vornoten. Guttenbergs Thema war gewaltig und, wenn er noch anderes zu tun hatte, von vornherein eine Überforderung. Um den Stand der Arbeit abzugleichen, gibt es das Oberseminar, wo die Kommilitonen und der Professor nicht die Aufgabe haben, zu staunen, sondern Fragen zu stellen. Da hört man, ob es hohl klingt. Wenn eine Arbeit sich über Jahre und Jahre dahinschleppt, dann wird es Zeit zu einem kritischen, auch selbstkritischen Wort zwischen Vater und Sohn. Wenn das alles nichts Anstößiges zutage bringt, dann gab es auch schon vor dem Internet den prüfenden Blick auf logische und stilistische Brüche. Wenn dann noch immer nicht die Warnlampen blinken, folgen Hauptgutachten und Zweitgutachten. Die sind nicht zum Loben da, sondern zum Prüfen, Bewerten und, notfalls, zum Verwerfen. Zu alledem kommt die vierwöchige Auslegungsfrist, in der jedes Mitglied der Fakultät sich informieren kann. Krönung des Verfahrens ist die Übernahme in eine geachtete Reihe eines geachteten Verlages [...].&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gemeinsamkeit beider journalistischer post-festum- oder Nachdeutungen: Sie rückverweisen, wenn auch in unterschiedlicher Dichte, so aspekthaft wie folgenlos aufs ganzdeutsche Wissenschaftssystem, das G´s Falsifikat hervorbrachte: Guttenbergs mit der Bestnote „summa cum laude“ bewertete juristische Dissertation von 2007, die 2009 als Band 176 in der Schriftenreihe zum Internationalen Recht eines renommierten Berliner Wissenschaftsverlags veröffentlicht wurde[5].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Michael Stürmer, von 1973 bis 2003 Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg, blendet wie alle von mir zitierten Kommentatoren alle politisch-inhaltlichen Fragen zum verfassungsrechtlich-politischen Vergleich USA – EU Guttenbergs aus. Auch Stürmer zuspitzt auf Formalia und sieht in der „Übernahme in eine geachtete Reihe eines geachteten Verlages“ nicht nur den angemessenen Abschluß eines Promotionsverfahrens, sondern „die Krönung des Verfahrens“. So gesehen erfuhr Guttenbergs Promotionsverfahren diese „Könung“: seine mit „summe cum laude“ bewertete Diss.iur. erschien in einer „geachteten Reihe“, den „Schriften zum Internationalen Recht“, und in einem „geachteten Verlag“, dem Berliner Wissenschaftsverlag Walter de Gruyter. Dieser reklamiert (netz-) öffentlich: „Der Wissenschaftsverlag Walter de Gruyter ist seit Jahrzehnten ein Synonym für anspruchsvolle wissenschaftliche Fachliteratur“ (die entsprechende Simple-English-Formel lautet: „The scientific publishing house of Walter de Gruyter has for decades been synonymous with superior scientific literature”)[6].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Placierung der von der Juristischen Fakultät der Universität Bayreuth nicht mit „summa cum fraude&quot;, sondern mit “summa cum laude&quot; bewerteten juristischen Dissertation als Band 176 in genannter Schriftenreihe (2009) im genannten „Wissenschaftsverlag“ zeigt in antagonistischer Weise das genaue Gegenteil des von Stürmer proklamierten Prozesses: das Buch wurde unhinterfragt, vermutlich unlektoriert und mutmaßlich infolge Druckkostenzahlung in der „geachteten“ SIR-Verlagsreihe publiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Publikation des Berliner Verlags Walter de Gruyter bestätigt eine weitere, letztjährig empirisch nachgewiesene, Publikationspraxis dieses Berliner „Wissenschaftsverlags“ mit nachhaltiger Schädigung wissenschaftlicher Autoren als Urheber, deren Leistungsschutzrecht seit Jahren in strafrechtsrelevanter Form mißachtet wird – in (m)einem, dem bisher einzigen öffentlich dokumentierten, „Fall“, ging und geht es um finanzielle Schädigung/en in bislang nicht ermittelbaren Ausmaß, genauer[7]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Quod erad demonstrandum. Dokumentarisches: Ohne jeden Anpruch auf Vollständigkeit dokumentiere ich, was ich bei meinen Netzrecherchen am 25. Oktober 2010 fand, genauer: Acht meiner Aufsätze der Jahre 1983 bis 1995 wurden auf der speziell zum Verkauf wissenschaftlicher Zeitschriftentexte eingerichteten Netzseite des Berliner de Gruyter Verlags angeboten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Text aus Communications 1983 (-&gt; communications) - 2 Text aus Communications  1986 (-&gt; communications) - 3 Text aus Fabula (-&gt; fabula) - 4 Text aus Communications (-&gt; communications) - 5 Text aus IASG 1989 (-&gt; IASL) - 6 Text aus Communication 1990 (-&gt; communications) - 7 Text aus Communication 1991 (-&gt; communications) - 8 Text aus Communication 1995 (-&gt; communications)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders ausgedrückt: Dieser eine – angeblich oder wirklich – renommierte und  international tätige Berliner Wissenschaftsverlag hat in den 1980er und 1990er Jahren mindestens  a c h t  von mir damals in seinen Zeitschriften, darunter sechs meiner Aufsätze in der von Alphons Silbermann edierten Zeitschrift  Communications. The European Journal of Communications, illegal (Starkdeutsche nennen das kriminell) ins weltweite Netz gestellt, um damit, etwa zur begrenzten einmaligen Nutzung pro Aufsatz (Stand Ende 2009), 40 US-Dollar pro Aufsatz zu verdienen … ohne daß der Autor und seit Jahren alleinige ©-Rechteinhaber darüber informiert wurde und/oder dazu befragt oder/und auch weder einen Pfennig noch einen Cent oder/und schon gar keinen US-Dollar vom Verlag oder von wem auch immer erhalten hat.“[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bonn ansässige Deutsche Forschungsgemeinschaft  (DFG) ist ein eingetragener (privatrechtlich organisierter) gemeinnütziger Verein und gilt als „die zentrale Selbstverwaltungsorganisation der deutschen Wissenschaft&quot;[9] mit den Aufgaben: „Die Deutsche Forschungsgemeinschaft dient der Wissenschaft in allen ihren Zweigen durch die finanzielle Unterstützung von Forschungsaufgaben und durch die Förderung der Zusammenarbeit unter den Forscherinnen und Forschern&quot;[10], genauer:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mit einem jährlichen Etat von inzwischen mehr als zwei Milliarden Euro finanziert und koordiniert die DFG in ihren zahlreichen Programmen über 20 000 Forschungsvorhaben einzelner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie von Forschungsverbünden an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Dabei liegt der Schwerpunkt in allen Wissenschaftsbereichen in der Grundlagenforschung.“[11] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der (auch oben angesprochenen) wissenschaftlichen Problematik des neuen wissenschaftlichen „open access“-Publizierens, zu der sich die DFG-Spitze bereits 2007 bekannte und zu dem sie „alle von ihr geförderten Wissenschaftler“ auffordert/e[12] gibt es ein (hier nicht weiter zu diskutierendes) Grunddilemma der DFG-Forschungsförderung. Dieses ist auch dem deutschsprachigen Netzlexikon wikipedia nicht verborgen geblieben. Es wurde im dortigen Lemma vorsichtig so ausgedrückt[13]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Begutachtungspraxis von Förderanträgen genügt […] nicht rechtsstaatlichen Anforderungen, da Entscheidungen nicht begründet werden und keine Widerspruchsmöglichkeiten bestehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Doppelcharakter von Wissenschaft hat Carl Djerassi im Postscript zum Satireroman Cantors Dilemma (1989) bündig beschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Science is both disinterested pursuit of truth and a community, with its own customs, its own social contract&quot;[14]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt: Wissenschaft ist immer beides zugleich, sowohl Erkenntnisform als auch Handlungssystem. Auf der Ebene der [scientific] community, hier der DFG-Wissenschaftlergemeinde, wurde die Problematik im Zusammenhang mit Guttenbergs Fall deutlich im am 25. Februar 2011 öffentlich bekräftigten Erkenntnisanspruch der DFG: „Wissenschaft beruht auf Wahrhaftigkeit, Redlichkeit und Vertrauen&quot;[15]. Dies kann unter Vermeidung aller Eindimensionalität und unter Einvernahme der Möglichkeitskategorie[16] bedeuten: Die DFG wirkt als realexistierende non-equal-chance-institution infolge ihrer Chancenungleichheiten wegen fehlender Zugangsoffenheit/en, Prozeßtransparenz und Ausgangskontrolle/n empirisch nicht nur aspekthaft als ganzdeutsche Leitinstitution zur Forschungsverhinderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Siegfried Kracauers These: „Der Ort, den eine Epoche im Geschichtsprozeß einnimmt, ist aus der Analyse ihrer unscheinbaren Oberflächenäußerungen schlagender zu bestimmen als aus den Urteilen der Epoche über sich selbst“[17] auch nur im Ansatz zutrifft – dann sind in einer bürokratischen Großorganisation wie der Bonner DFG als „unscheinbare Oberflächenäußerungen“ bestimmte Regeln, Regularien und Richtlinien zur „Forschungsförderung“ von besonderem Interesse: etwa die ab Juli 2010 geltenden „Neuregelungen für Publikationsverzeichnisse in Anträgen, Antragsskizzen und Abschlussberichten“ von DFG-Wissenschaftlern[18] mit  Hinweis auf die nun nur noch „optionalen Lektüre“ von Forschungsanträgen beigefügten „Arbeiten“ des/der Antragsteller, die  auch nur noch „fünf Arbeiten in Publikationsorganen“ in ihrem „wissenschaftlichen Lebenslauf“ „aufführen“ dürfen[18]; oder  – und hier insbesondere – die formelle Neuregelung der „Antragsberechtigung“ bei „Forschungsstipendien“ promovierter Wissenschaftler im 19-seitigen DFG-Vordruck 1.04 – 10/09, in der es zur „Integration“ ins „deutsche Wissenschaftssystem“ heißt[19]: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Für ein Forschungsstipendium sind Sie als Wissenschaftlerin und Wissenschaftler grundsätzlich antragsberechtigt, wenn Sie in das deutsche Wissenschaftssystem integriert sind. In der Regel gelten Sie als integriert, wenn Sie unmittelbar vor der Antragstellung mindestens drei Jahre während der Promotions-und/oder Postdoc-Phase ununterbrochen wissenschaftlich in Deutschland gearbeitet haben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt: ich selbst bin als „summa cum laude&quot; [sine fraude]-Dr.phil., weil bisher nicht „mindestens drei Jahre [lang] während der Postdoc-Phase ununterbrochen in Deutschland“ als (Sozial-) Wissenschaftler beschäftigt, per definitionem  n i c h t  antragsberechtigt. Das von mir in Form „gratiser Privatarbeit“ (Marx) vorbereitete höchstanspruchsvolle Forschungsprojekt über Zwei Jahrhunderte deutsche Geistes- und Sozialwissenschaftsgeschichte, in welchem „über die doppelte Vermittlung“ durch Arbeiten des Soziologen Ferdinand Tönnies (1855-1936) „nahezu zwei Jahrhunderte deutsche Geistes- und Sozialwissenschaftsgeschichte subjektsoziologisch von Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) bis René König (1906-1992) strukturierend eingeholt“ werden könnte, bleibt als „intellektuell bedeutsames ´weites Feld´“ ein DFG-„forschungsförderungsbezogenes Anathema“[20]: Ohne Moos nix los.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Prozeß wird von und seit Max Weber soziologisch „Schließung der betreffenden (sozialen und ökonomischen) Chancen gegen Außenstehende“[21] genannt. Der individuelle Ausschluß ist auch bei der DFG ein formalisierter und institutionalisierter sozialer Prozeß. Würde er als institutionelle Regelung folgerichtig angewandt oder konsequent exekutiert, bedeutete dies für Nachgeborene und damit Generationen von Forschern beiderlei Geschlechts entweder auch projektiv deren (wie empirisch meinen) Ausschluß; oder aber, angesichts zunehmenden „Drucks auf den Magen“ (Hermann Heller) eher wahrscheinlich: diese „Nachgeborenen“ werden, wenn und insofern die dauerhafte und stetige Beschäftigung in anerkannten ganzdeutschen Wissenschaftseinrichtungen  n i c h t  mehr typisch und Regel, sondern atypisch und Ausnahme wird,  um überhaupt ihre „Antragsberechtigung“ darstellen zu können und möglicherweise eventuell DFG-gefördert werden zu können, systematisch ihre Biographien fälschen und personal lügen. Entsprechend des Doppelcharakters des Ausschlußprozesses verbleibt der DFG damit nicht mal mehr eine formaldemokratische Hülle als equal-chance-institution. Vielmehr ist - wie im Fall Guttenberg - das Verhältnis von Ausnahme und Regel verkehrt[22], die Ausnahme Regel und „Normalität“ zugleich geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die infolge so illusionärer wie falscher Voraussetzungen notwendig produzierte Verkehrung entspricht sowohl (nicht nur, aber nachhaltig) der von der DFG vertretenen Selbsttäuschung und Lebenslüge als auch dem Prozeß, den Franz Kafka während des Ersten Weltkriegs bemerkte und lakonistisch so beschrieb: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht“[23]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als unabhängiger Autor, Bürgerrechtler und Privatgelehrter bewege ich mich seit meiner Nichtberufung auf einen HUB-„Lehrstuhl“ seit zwei Jahrzehnten nicht (mehr) in diesen soziopathischen Milieus, die „Wissenschaft“ repräsentieren. Und muß daher als intellektuell selbstbewußter (Sozial-) Wissenschaftler keinen Bückling machen vor submediokren Sesselbürokraten und/oder DFG-Fuzzis, deren moral quotient oder meßbare Moralität sich irgendwo zwischen Zimmer- und Körpertemperatur bewegt und die Du typischerweise schon dadurch, daß Du sie auf der Straße nach der Uhrzeit fragst, in Verlegenheit bringen kannst … &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da so geschätzte Autoren wie Walter Schenker (Professor Gifter, 1979), W.E.R. (Reiters Westliche Wissenschaft (1980) und Dietrich Schwanitz (Der Zirkel, 1998) sich faktional dieser verdorbenen „Wissenschaft“ (nach)lesbar annahmen[24] – muß dieses so gesellschaftlich korrupte wie sozial korrumpierende Sujet von mir nicht erneut literarautorisch bearbeitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In hochentwickelt-arbeitsteiligen Gesellschaften mit indirekten Herrschaftssystemen kommt Wissenschaft im allgemeinen so hervorragende Bedeutung zu, daß zeitweilig öffentlich sogar von wissenschaftlich-technischer Revolution und von Wissensgesellschaft geredet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zitierte DFG-Förderrichtlinie bedeutet fürs ganzdeutsche Wissenschaftssystem und seinen Forschungsbereich nicht nur weiteren (relativen) Autonomieverlust im MTSGR-Sinn von money-makes-this-science-go-round. Sondern wirkt als Meilenstein im/beim Inkorporierungs- oder Vereinnahmungsprozeß von Wissenschaft und Forschung, forschener Wissenschaftler und wissenschaftlicher Forscher ins hier schon fortgeschrittenere Politsystem als hypermarodes oder überfälliges Syndrom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist als sollte – und wollte – zuvörderst DFG-geförderte „Forschung“ (wenngleich dauerhaft nicht nur diese) jetzt den „Hintertreppenwitz der Geschichte“ beschleunigt ex negativo befördern – nämlich ,,daß in diesem Land, in dessen östlichem Teil ein Sozialismus ohne menschliches Gesicht geschichtlich abtrat, nun ein Kapitalismus ohne menschliches Gesicht es so weit brächte, daß auch ihm über kurz oder lang nichts anderes mehr übrigbliebe als der geschichtliche Abtritt, weil er, seiner ungebändigten Eigenlogik folgend, seine kulturellen Grundlagen zunehmend selbst zerstört“[25], oder genauer: was (wie zitiert in Die Zeit) nicht unzutreffend als „die wohlbestallten Spitzenvertreter der Forschung“ ausgemacht wurde, erweist sich mit Blick auf die Erfordernis von offener, produktiver und kreativer Wissenschaft in einer entwicklungsfähigen und offenen Bürgergesellschaft [civil society; sociedad civil; société civile] zunehmend als bürokratischer Sozialsplitter und Politaggregat der in den letztbeiden Jahrzehnten herausgebildeten und gefestigten ganzdeutschen Lumpenelite[26], die die Tastatur des Mephistopheles-Effekts und seiner doppelt paradoxen Handlungswirksamkeit in den letztbeiden Dezennien zu bedienen gelernt hat und weiß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles, was entsteht, ist wert, daß es zugrundegeht; / Drum besser wär&#039;s, daß nichts entstünde. / So ist denn alles, was ihr Sünde, / Zerstörung, kurz, das Böse nennt, / Mein eigentliches Element.“ [GoetheFaust I: 1334-1344] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bedarf schließlich keinerlei prophetischer Gabe, um erstens vorauszusagen, daß Patrik Bahners sarkastisches Diktum: „Vom sachlichen Gehalt des Gesagten lebt in der wissenschaftlichen Republik nur der Privatgelehrte“[27] nächstens von der Praxis ganzdeutscher und mit öffentlichen Mitteln geförderter Forschung einge- und überholt werden wird; daß zweitens dieser Bereich bald(er als bald) eine Festung postfaschistisch-grandioser Submediokrität [grandiose mediocrity; submediocridad grandiosa; grandiose submédiocrité] in der „Wissenschaft“ werden wird; daß drittens wissenschaftliche Forschung, die diesen Namen verdient und die kreative Außenseiter wie produktive Begabungen[28] nicht nur nicht ausschließt, sondern bewußt einbezieht, noch weitergehender als bisher schon in „private“ Einrichtungen verlagert wird; und daß viertens speziell in allen niedrigapparativ-„unterkapitalisierten“ Wissenschafts- und Forschungsbereichen, insbesondere in geistes-, sprach- und sozialwissenschaftlichen Feldern, die Bedeutung aller in Form von „gratiser Privatarbeit“[29] [gratuitous private work; labor gratis privado; travail gratuit en privé] erbrachten Forschungsleistungen zunehmen wird – weshalb die oberflächlich-neudeutsch «Vernetzung» genannte Selbstorganisation dieser Forscher beiderlei Geschlechts zunehmend und auch als subjektive Produktivkraftent-   wicklung wichtiger wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie auch immer: Ohne moralische Verantwortung und ohne ethisch begründete Forschungspraxis gehören Wissenschaftler – so schon Bertolt Brecht im Leben des Galilei (1938/1955) – zum &quot;Geschlecht erfinderischer Zwerge, die für alles gemietet werden können.&quot;[30] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[1] The Social Psychology of the Invisible: New Ideas in Psychology, 4 (1986) 1: 107-188  [“Das Problem aller Human- und Sozialwissenschaften ist es, Unsichtbares sichtbar zu machen”]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zum doppelten demokratischen Defizit (DDD): Richard Albrecht, Umbruchslagen. Materialien zur Theorie und Methodologie des beschleunigten gesellschaftlichen Wandels. Mannheim: Forschungsstelle für Gesellschaftliche Entwicklung [FGE] / Research Unit for Societal Development  [RSD] 1990, 220 p. [Forschungsbericht]; ders., Das doppelte demokratische Defizit; in: Recht und Politik, 28 (1992) 1: 13 ff.; zusammenfassend ders.,  http://ricalb.files.wordpress.com/2009/07/politische-soziologie.pdf [diesen Netlink wie alle weiteren hat der Autor zuletzt am 07.03.2011 überprüft]; zuletzt ders., Tertiäre Ausbeutung; Zukunftsperspektive(n): historisch materialistische Realanalysen des 21. Jahrhunderts; in: Kultursoziologie, 16 (2007) II: 133 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] So grundlegend wie aktuell: Richard Albrecht, Sozialwissenschaft ist nicht so schön wie Kunst. Macht aber genausoviel Arbeit. Auch ein Vorwort; in: ders., Such Linge. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert. Aachen: Shaker (= Sozialwissenschaft), 2008: 5-18; http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-8322-7333-09)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Anstatt weiterer als &lt;br /&gt;
1. Materialien: 1.1 das 2009 erstpublizierte zweiteilige Netzdossier http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/230-das-guttenberg-dossier-teil-1.html;  http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/632-das-guttenberg-dossier-teil-2.html;  1.2. das Siegerposephoto mit SS-Siegrunen auf dem Pullover http://www.modepilot.de/2009/09/08/umfrage-zum-minister-im-acdc-shirt/;  1.93. das Reklamevideo der Uni BAYreuth [dort ~ 47´´ - 59´´]:  http://www.perlentaucher.de/feuilletons/2011-03-02.html; http://www.youtube.com/watch?v=03PIPRlxuR0&amp;feature=related &lt;br /&gt;
2. Kommentare [030311]: 2.1. http://www.zeit.de/2011/10/Aufstand-der-Wissenschaft?page=all&amp;print=true [Ulrich Schnabel] 2.2. http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article12685554/Die-Schuld-der-Vaeter.html?print=true [Michael Stürmer]  2.3. http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16251&amp;css=print [Dietmar Spengler]   &lt;br /&gt;
3. Zusammenfassend http://de.wikipedia.org/wiki/Plagiatsaff%C3%A4re_Guttenberg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg,  Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU. Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot, 2009, 475 p. (= Schriften zum Internationalen Recht 176 [=  Hochschulschrift  Universität Bayreuth, Diss., 2006],  ISBN  978-3-428-52534-8; EAN  9783428525348, 80 €uro)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] http://www.google.de/search?as_q=de+gruyter&amp;hl=de&amp;num=100&amp;btnG=Google-Suche&amp;as_epq=&amp;as_oq=&amp;as_eq=&amp;lr=&amp;cr=&amp;as_ft=i&amp;as_filetype=&amp;as_qdr=all&amp;as_occt=any&amp;as_dt=i&amp;as_sitesearch=&amp;as_rights=&amp;safe=images&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] http://ricalb.files.wordpress.com/2010/02/closed-access1.pdf&lt;br /&gt;
http://www.forced-labour.de/wp-content/uploads/2010/02/richard-albrecht-closed-access.pdf&lt;br /&gt;
http://duckhome.de/tb/archives/8561-ANSPRUCHSVOLLE-WISSENSCHAFTLICHE-FACHLITERATUR.html &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Und weiter: „Das halbe Dutzend wissenschaftlicher und Fachzeitschriften, denen mein Text  zum Druck vorlag, reagierte wie etwa die forschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft - gar nicht. Andere hatten wie eine gewerkschaftliche Verbandszeitschrift schlicht – und vermutlich „aus Gründen“ – Angst, meinen dokumentarischen Kurztext drucken zu lassen. Auch meine Interessensorganisation, die VG WORT (der ich seit Jahrzehnten als Mitglied der GRUPPE III WISSENSCHAFT) angehöre, winkte formal ab. Und der von mir angesprochene Hochschullehrer, den ich Anfang 2010 vertraulich bat, mich gegen den Verlag und dessen doppelte  Ausbeutungspraxis rechtlich zu vertreten, verstand ohne jede weitere Nachfrage  die Bedeutsamkeit dieses „unerhörten Vorgangs“ (Bertolt Brecht) einschließlich der gesellschaftlich nachhaltigen (und nicht nur finanziellen Konsequenzen) für  den Sozialtyp des - hier von mir verkörperten - „plebejischen Intellektuellen“  (Gerhard Zwerenz) als Autor und „unmittelbarer Produzent“ (Karl Marx) – ließ freilich postwendend wissen, er könnte, weil auch als Richter [in NRW] ehrenamtlich  tätig, das Mandat nicht annehmen …“ (Richard Albrecht, „ANSPRUCHSVOLLE WISSENSCHAFTLICHE FACHLITERATUR“: Auch Expropriation [Enteignung] und Exploitation [Ausbeutung] im Netz sind immer konkret. Und das Gegenteil von Open Access genannter Freier Wissenschaft: http://duckhome.de/tb/archives/8561-ANSPRUCHSVOLLE-WISSENSCHAFTLICHE-FACHLITERATUR.html)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] http://www.dfg.de/dfg_profil/index.jsp&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] http://www.dfg.de/dfg_profil/aufgaben/index.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] forschung. Das Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 4/2010: 36 [Impressum]; &lt;br /&gt;
http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_magazin/wissenschaft_oeffentlichkeit/forschung_magazin/forschung_2010_04.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] forschung, 2/2007: 26; zum open-acces-Publizieren auch:&lt;br /&gt;
http://www.dfg.de/download/formulare/12_20/12_20.pdf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Forschungsgemeinschaft mit Verweisen auf die Augsburger juristische Dissertation von Stefanie Salaw-Hanslmaier, Die Rechtsnatur der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Auswirkungen auf den Rechtsschutz des Antragstellers. Hamburg: Dr. Kovac, 2003 ( =Studien zur Rechtswissenschaft 129) und das 2006 von Dr. Daniel Lübbert erarbeitete Gutachten WD 8 179/06 der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2006/Die_Deutsche_Forschungsgemeinschaft__DFG.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Carl Djerassi, Cantors Dilemma. A Novel [1989]. Harmondsworth ²1991: 229; deutsch etwa: „Wissenschaft bedeutet sowohl selbstloses Streben nach Wahrheit als auch eine Gemeinschaft mit ihren eigenen Sitten und Gebräuchen, Vorstellungen und Gesetzen.“ – Mein allgemeines Wissenschaftsverständnis folgt Werner Hofmann, Wissenschaft und Ideologie; in: ders., Universität, Ideologie, Gesellschaft. Beiträge zur Wissenschaftssoziologie. Frankfurt/Main ²1968: 49-66, mein spezielles Sozialwissenschaftsverständnis Theodor Geiger, Über Soziometrik und ihre Grenzen; in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 1 [1948/49]: 292-302&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] http://www.dfg.de/dfg_profil/reden_stellungnahmen/2011/110225_stellungnahme_plagiate_fehlverhalten/index.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] http://www.duckhome.de/tb/archives/8773-MOEGLICHKEITSSINN.html&lt;br /&gt;
http://ricalb.files.wordpress.com/2009/08/eindimensionalitaet.pdf&lt;br /&gt;
http://www.saarbreaker.com/2009/09/kritik-des-eindimensionalen-denkens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Siegfried Kracauer, Das Ornament der Masse; in: Frankfurter Zeitung: 9. [und] 10.6.1927; hier zitiert nach ders., Das Ornament der Masse. Essays. Nachwort Karsten Witte. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1977 [= st 371]: 502&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Dokumentation [als Beilage in]: forschung 1/2010: I-IV&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] http://www.dfg.de/download/programme/forschungsstipendien/antragstellung/1_04/1_04.pdf&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
[20] Richard Albrecht, Ferdinand Tönnies (1855-1936). Zum 75. Todestag eines soziologischen Klassikers; in: soziologie heute, 3 (2011) 16: 30-33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[21] Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft [1922), hier zitiert nach der 2001-Ausgabe: Frankfurt/Main 2005: 260/261 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[22] Richard Albrecht, Leidverhütung und Leidensschutz: Sigmund Freuds „Unbehagen  i n  der Kultur“; in: Kultursoziologie, 6 (1997) I: 56-72; ders., Freuds Skeptizismus - Leidverhütung, in: Schweizer Monatshefte, 77 (1997) 7/8: 45-48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[23] Franz Kafka, Der Prozeß [1915]. Neuntes Kapitel: Im Dom [Dialog K. – Geistlicher]; hier zitiert nach: Romane&lt;br /&gt;
und Erzählungen. Frankfurt/M. 2004: 362; auch http://de.wikisource.org/wiki/Der_Process/9._Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[24] Walter Schenker, Professor Gifter. Roman. Reinbek: Rowohlt, 1979, 219 p.; Walter E. Richartz, Reiters Westliche Wissenschaft. Roman. Zürich: Diogenes,  1980: 215 p.; Dietrich Schwanitz, Der Zirkel. Eine romantische Komödie. Roman. Frankfurt/Main: Eichborn, 1998, 447 p.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[25] Richard Albrecht, Von den Selbstheilungskräften zu den Selbstabschaffungstendenzen des Marktes. Zur Kritik des real-existierenden Kapitalismus; in: Gewerkschaftliche Monatshefte, 42 (1991) 8: 508-515; http://www.forced-labour.de/archives/1267 [erweiterte Netzfassung]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[26] Richard Albrecht, Über Phantom-Elite/n und mehr aus dem Neuen Deutschland: Elemente einer alternativen sozialpsychologischen Zeitdiagnose. München: GRIN, 2007, 29 p.; http://www.grin.com/e-book/25371/ueber-phantom-elite-n-und-mehr-aus-dem-neuen-deutschland-elemente-einer &lt;br /&gt;
ders., Elitelumpenpack: http://ricalb.files.wordpress.com/2010/06/elitelumpenpack.pdf&lt;br /&gt;
http://www.binsenbrenner.de/wordpress/2010/06/03/elitelumpenpack/#more-10250&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[27] Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) 07.11.2007: 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[28] Richard Albrecht, Begabtenforschung und Begabtenförderung als gesellschaftliche Aufgabe; in: liberal, 44 (2002) 4: 22-26; http://medienbibliothek.fnst.de/uploads/medienbibliothek/Albrecht.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[29] Karl Marx, Abschweifung (über produktive Arbeit) [1862/63]; in: Marx-Engels-Werke, Band 26.1 [= MEW 26.1], Berlin: Dietz, 1965: 363-388&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[30] Bertolt Brecht, Gesammelte Werke 3; Stücke 3. Frankfurt/Main: werkausgabe edition suhrkamp 3, ²1968: 1341 [Vierzehntes Bild]             &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Technischer Hinweis: Wenn Sie mittels Ihres &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Webbrowser target=&quot;blank&quot; title=&quot;Browser&quot;&gt;Browser&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; diesen Text als &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Portable_Document_Format target=&quot;blank&quot; title=&quot;pdf&quot;&gt;pdf&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; herunterladen, soll(t)en alle &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperlink target=&quot;blank&quot; title=&quot;Links&quot;&gt;Links&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; funktionieren.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor lebt als unabhängiger kulturanalytischer Sozialpsychologe, reflexivhistorisch arbeitender Sozialforscher und freier sozialwissenschaftlicher Literat in Bad Münstereifel. Er veröffentlicht seit Oktober 2010 in diesem Blog -&gt; &lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht target=&quot;blank&quot; title=&quot;Richard Albrechts duckhome-Beiträge IV/2010&quot;&gt; Richard Albrechts duckhome-Beiträge&lt;/a&gt;. Letzterschienene Bücher: &lt;a href=http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-8322-7333-0 target=&quot;blank&quot; title=&quot;SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert &quot;&gt;SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert &lt;/a&gt; (2008, wiss.); &lt;a href=http://www.shaker-media.de/de/content/bookshop/index.asp?ID=2&amp;ISBN=978-3-86858-613-8 target=&quot;blank&quot;  title=&quot;HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren&quot;&gt;HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren&lt;/a&gt; (2011, lit.). Aktuelle Netzseite -&gt; &lt;a href=http://eingreifendes-denken.net target=&quot;blank&quot; title=&quot;eingreifendes-denken&quot;&gt;eingreifendes-denken&lt;/a&gt; -&gt; &lt;a href=http://ricalb.files.wordpress.com/2010/12/cv1.pdf target=&quot;blank&quot; title=&quot;bio-bibliographie&quot;&gt;bio-bibliographie&lt;/a&gt;. - Die Druckfassung dieser - der dreizehnten - FLASCHENPOST steht im e-Archiv &lt;a href=http://ricalb.files.wordpress.com/2011/03/flaschenpost2.pdf target=&quot;blank&quot; title=&quot;EINGREIFENDES DENKEN&quot;&gt;EINGREIFENDES DENKEN&lt;/a&gt;: 54-61. Die ersten zwölf FLASCHENPOST-Texte stehn folglich dort: 1-53.  (c)  Autor 2011 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
                                                                                                  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 08 Mar 2011 22:03:40 +0100</pubDate>
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    <category>abstinken!</category>
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    <title>HAT SATT</title>
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            <category>Flaschenpost an die Nachgeborenen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Richard Albrecht )</author>
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            &lt;strong&gt;HOMO ACADEMICUS TEUTONICUS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
STAATSKNETE – AFTERWISSENSCHAFT – TRIO JUSTIZIALE – TÄUSCHUNGSÖKONOMIE&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Kleine Tetralogie aus dem ganzdeutschen Akademismus des Neuen Jahrhunderts&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwölfte Flaschenpost&lt;br /&gt;
von &lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht target=&quot;blank&quot; title=&quot;Richard Albrecht&quot;&gt; Richard Albrecht&lt;/a&gt; „Der Ort, den eine Epoche im Geschichtsprozeß einnimmt, ist aus der Analyse ihrer unscheinbaren Oberflächenäußerungen schlagender zu bestimmen als aus den Urteilen der Epoche über sich selbst.“ (Dr. Siegfried Kracauer [1927])[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;StaatsKnete&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn er´s für nötig hielt, sprach auch der bürgerliche Intellektuelle, antifaschistische Emigrant und bedeutende deutschsprachige Soziologe der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, René König[2], öffentlich über Geld und - wie in seinen letztgedruckten Studien zur Soziologie in Deutschland - darüber, daß er seinen „Lebensunterhalt“ nicht „als ´Privatier´ bestreiten konnte.“[3] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) veröffentlichte in ihrer rechtskonservativen Kritik an der auch hier kurz vorgestellten Außenamts-Studie &lt;strong&gt;&lt;a href=http://duckhome.de/tb/archives/8568-AA-TIEFBRAUN.html target=&quot;blank&quot; title=&quot;AA-TIEFBRAUN &quot;&gt;AA-TIEFBRAUN&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; - „Die Historiker und das Amt“ (FAZ 24. 12. 2010) - ein informatives Datum: den Hinweis nämlich, daß diese theorielose Materialsammlung summa summarum &lt;strong&gt;1.5 Mio. €&lt;/strong&gt; (in Worten: Anderthalbmillionen Teuro) gekostet haben soll. Diese Staatsknete würde für &lt;u&gt;fünf&lt;/u&gt; - großzügig bemessene - Habilitationsstipendien ausgereicht haben. Mithilfe eines dieser hätte &lt;u&gt;ein&lt;/u&gt; Zeitgeschichtlicher, der diesen Namen verdient, innert von drei oder auch vier Jahren allein und ohne jede fremde Hilfe eine inhaltlich so materialreiche wie theoriegeleitete und auch formal gestraffte und damit leserliche Studie erarbeiten und schreiben können …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berliner Tageszeitung „junge Welt“ (jW) veröffentlichte Ende 2010 die Artikelserie eines Anglisten, der 27 Jahre lang „Professor für Literaturwissenschaft und Ästhetik an der Universität Bremen“ war und ausweislich der erstbeiden und der letzten Folge/n (jW 26., 27. [und] 30. 12. 2010) nicht einmal &lt;strong&gt;ein Shakespeare-Sonett&lt;/strong&gt; [= 14 Zeilen] übersetzen konnte, stattdessen drei „Nachdichtungen“ feilbot. Überschlägig in heutigen Preisen nebst Staatspension bei berufsspezifischer Lebenserwartung berechnet: dieser Professor ist in der Tat mit um &lt;strong&gt;2.5 Mio. €&lt;/strong&gt; (in Worten: Zweieinhalbmillionen Teuro) ein staatsgedienerter (wie ich dieses Sozialsyndrom, einem Hinweis Dieter Claessens´ auf beamtische „Anrechtsmillionäre“[4]) folgend, nenne) &lt;strong&gt;Versorgungsmillionär,&lt;/strong&gt; genauer: in diesem „Fall“ sogar ein &lt;strong&gt;Versorgungsmultimillionär.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es mag (nicht nur) Hermann Hesse damals anders erschienen sein und anderen heute noch so erscheinen – freilich war und ist auch Sozialwissenschaft kein interesselos-romanhaftes „Glasperlenspiel“ (1943). Umso erfrischender, wenn ich - und heute immer noch zustimmend - das nachlese, was der österreichische Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend in seiner &quot;Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie&quot; (1976) zur akademischen Staatsknete bemerkte[5]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es geht nicht an, daß Cliquen von intellektuellen Parasiten ihre miserablen Projekte auf Kosten der Steuerzahler ausarbeiten und der jüngeren Generation als ´fundamentale Erkenntnisse´ einbläuen. Es geht nicht an, daß diese Cliquen ganze Universitätsinstitute in Besitz nehmen und bestimmen, wer in ihren Kreis aufgenommen wird und in den Genuß von Steuergeldern kommt. Was würde ein geplagter Steuerzahler wohl sagen, wenn erführe, daß sein Geld zur Anfertigung von Hüten verwendet wird, die keinem Menschen passen, zur Erziehung der jüngeren Generation im Tragen solcher Hüte sowie zur Ausarbeitung einer Ideologie, in der ´Tragbarkeit´ durch ´innere ästhetische Qualität´ ersetzt wird?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derselbe polemisierte (1984) so enragiert wie zutreffend gegen diese intellektuell verzwergten &quot;akademischen  Rotznasen&quot;[6]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich gerate schon seit langem in Wut, wenn ich sehe, [daß] Tausende von akademischen Rotznasen mit Wohlgefallen ihre großen Gehälter einkassieren, ohne Dankbarkeit, ohne ein Gefühl der Verpflichtung jenen Menschen gegenüber, die ihr Vertrauen in sie setzten, ohne einen Sinn für Perspektive.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[1] Zitiert nach Siegfried Kracauer, Das Ornament der Masse. Essays. Nachwort Karsten Witte. Frankfurt/Main 1977: 50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Richard Albrecht, „Einmal Emigrant - immer Emigrant“ - René König; in: soziologie heute, 3 (2010) 10: 30-33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] René König, Soziologie in Deutschland. Begründer / Verfechter / Verächter. München 1987: 391/392&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Dieter Claessens, Heraustreten aus der Masse als Kulturarbeit. Zur Theorie einer Handlungsklasse – „quer zu Bourdieu“; in: Klassenlage, Lebensstil und kulturelle Praxis […]. Pierre Bourdieus Klassentheorie. Hg. Klaus Eder. Frankfurt/Main 1989: 303-340; in Anmerkung 3: 305 erinnerte Claessens zutreffend an eine der sozialökonomischen „Trivialitäten“, daß nämlich „schon die Beamten des gehobenen Dienstes ´Anrechtsmillionäre´ sind, da ein Selbständiger oder ´Freischaffender´ zu ähnlicher Absicherung über ein Millionen-Kapital verfügen müßte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Paul Feyerabend, Wider den Methodenzwang. Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie. Frankfurt/Main 1976: 17, Anmerkung 6. Dieses 1976 erschienene Feyerabend-Buch wurde auch nach 25 Jahren, 2001, positiv vorgestellt: Andreas Metzner: http://egora.uni-muenster.de/ifs/personen/bindata/Metzner_Feyerabend.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Paul Feyerabend, Wissenschaft als Kunst. Frankfurt/Main 1984: 12&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;AfterWissenschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Ruhrgebiet wurde immer schon in den letzten beiden Jahrhunderten einiges zugemutet. Zuletzt der Status als €-Kulturhauptstadt 2010. Das soll freilich wie 2010 schon morgen gestern gewesen sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzte Zumutung erfuhr die Region, die ich – und auch nicht erst seit (vor)gestern – &lt;strong&gt;Revier&lt;/strong&gt; nenne[1], im zum Jahresende 2010 ausgelieferten Heft &lt;strong&gt;forschung&lt;/strong&gt; durch einen Chef mit Doktortitel, genauer: den Chef vom Dienst der Vierteljahreszeitschrift der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG, Bonn)[2], der Zeitschrift der DFG als im Selbstverständnis „zentrale Selbstverwaltungsorganisation der deutschen Wissenschaft“[3].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Mitte der 1930er Jahren tümelnd zum „Ruhrvolk“ (Wilhelm Brepohl) verklärt wurde[4] soll, so der DFG-Autor, erstmals  vor dreißig Jahren an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) Aufmerksamkeit erheischt haben. Seitdem untersuchten „zahlreiche Sprachstudien“ &lt;strong&gt;Ruhrdeutsch&lt;/strong&gt; als „sprachliche Feldforschung[en]“ zur „Umgangssprache der schätzungsweise 5,4 Millionen Menschen im einstmals größten industriellen Ballungsraums Europa“ als „Regiolekt“ und als „ausdrucksstarke regionale Umgangssprache auf niederdeutscher Grundlage, die die vitalen Funktionen eines Dialekts übernimmt“ (Heinz H. Menge) und, „als niederdeutsches Unterfutter im Ruhrdeutsch-Gewand“, „durchweg als Nähesprache gebraucht“ wird (Arend Mihm).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles weitere ist &lt;strong&gt;Mythos&lt;/strong&gt; wie das Revier-Selbstbild „rauh, aber herzlich“ und das Revier-Fremdbild der durch polnisch-katholische Arbeitseinwanderer schmelzgetiegelten  „Malocher“-Sprache. Soweit der Stand der DFG-geförderten Sprachforschung: Im Westen, rechts, kaum Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Chef vom Dienst der DFG-forschung freilich als regiosprachliche „Kostprobe“  aus der „Gelsenkirchener Fußgängerzone“ und als Beispiel für den angeblich „im Medium der Sprache […] zum Tölpel verzwergten ´Ruhri´“ vorstellt, geht weiter und liegt tiefer als der von ihm feilgebotene Dialog: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„´Hömma, wo geht et denn hier nach ALDI?´ – Der Angesprochene: ´Zu ALDI!´ - Verdutzte Antwort: ´Wat, is denn schon halb sieben?´“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kannte ich als (auch von mir seit gut fünfzehn Jahren ab und an erzähltem) (Doppel-) Witz. Dieser kursierte in Westdeutschland einige Jahre nach der am 3. Oktober 1990 formal vollzogenen deutsch-deutschen Staatsvereinigung, deren kulturelle Problematik als/und wechselseitige Fremdheit von &quot;Ossie&quot; und &quot;Wessie&quot; zeitgleich auch im Spiegel des politischen Witzes erkannt wurde[5], etwa Mitte der 1990er Jahre. Das Narrativ läßt sich so kurzfassen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Fährt ´n Sachse durchs Revier, kurbelt die Fensterscheibe runter und fragt´n südländisch aussehenden Fußgänger: „Wo geht´s ´n hier nach ALDI?“ – Antwort: „Das heißt zu ALDI.“ – „Was“, schreit der Sachse empört, „ALDI´s schon zu?“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und, daran anschließend und bewußt die damals besonders in Ostdeutschland umlaufenden Anti-Türken-Witze[6] konterkarierend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was ist der Unterschied zwischen einem Sachsen und einem Türken? Der Türke hat Arbeit und kann Deutsch.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[1] Erkundungen. Texte aus (dem) Revier. Hg. Richard Albrecht. Duisburg: REVIER, 1983, 149 p. - Das Buch ist seit etwa zwanzig Jahren vergriffen; drei Restexemplare sind zZt. im netzantiquarischen Angebot: &lt;br /&gt;
&lt;u&gt;http://www.zvab.com/basicSearch.do;jsessionid=c44c4ce0ab2da7bc19665fdfdce0?anyWords=&amp;author=richard+albrecht&amp;title=erkundungen&amp;check_sn=on&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rembert Unterstell, „Hömma! Hasse dat schon gewusst!“ Ruhrdeutsch […]; in: forschung [Bonn], 4/2010: 10-13; hiernach alle Zitate im Text&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] &lt;u&gt;http://www.dfg.de/dfg_profil/index.jsp&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Später Wilhelm Brepohl, Industrievolk im Wandel von der agraren zur industriellen Daseinsform dargestellt am Ruhrgebiet. Tübingen: Mohr (Siebeck), 1957, IX/400 p. - Kritisch  mit weiteren Literaturhinweisen: &lt;u&gt;http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/beitrag/essays/dibu0100.htm&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Richard Albrecht, Von der Kühlschrank-Theorie zum Clockwork-Orange-Syndrom: Über kulturelle Grenzen  der deutsch-deutschen Annäherung. Erstsendung WDR Hörfunk, WDR 3:  3. 10. 1991; Erstdruck in: Kommune, 9 (1991) 12: 39-42; letzter Nachdruck udT. Vom Kühlschrank zur Wagenburg. Über kulturelle Grenzen einer deutsch-deutschen Annäherung, in: Deutschland Archiv, 38 (2005) 5: 34-41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Trio Justiziale&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Unter der Überschrift „will i ever be free?“ erschien im neuen Bunt-„Magazin für Freiheit und Sozialismus“, der „prager frühling“-Erstnummer, ein vom leitenden Magazinredakteur, Berliner RA Jörg Schindler (*1972: „macht in seiner Freizeit immer mal wieder den Ermittlungsausschuss auf Antifa-Demos“) geführtes Interview mit Frau Dr.iur. &lt;strong&gt;Rosemarie Will&lt;/strong&gt; (*1949): „Professorin für Öffentliches Recht, Staatslehre und Rechtstheorie im Fachbereich Rechtswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Verfassungsrichterin des Landes Brandenburg, [Mitglied der] Grundwertekommission der SPD“, „Bundesvorsitzende der Humanistischen Union“ als einer der „großen Bürgerrechtsorganisationen in Deutschland“ (pf 01/2008: 20-22) und, pf-unerwähnt, Mitherausgeberin der Monatszeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“. In pf 1.08 heißt es im noch mal optischfarblich gesondert hervorgehoben Will-Zitat: „Die Folge des 11. September 2001 war, dass der Sozialstaat als Errungenschaft des 20. Jahrhunderts demontiert und darüber hinaus auch klassische Staatsfunktionen privatisiert und ökonomisiert  wurden.“ Was empirisch zutrifft und hier in den drei Sprachhülsen: Sozialstaatsdemontage, Privatisierung, Ökonomisierung plakatiert wird, hat freilich in historischer, wissenschaftlicher, politischer, kultureller, ideologischer und praktischer Hinsicht mit dem 11.09.2001 („911“) nichts, gar nichts, gunnix zu tun: 911 und Sozialabbau, von Frau Will als Demontage des „Sozialstaats“ vorgestellt, sind zwei paar Politschuhe: Jasosoans die oalten Foarensleit - bis 1989 SED, heuer SPD und immer HMV-Staatsdiener/innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bleibt nachzutragen, daß die HU-Bundesvorsitzende als HU-Lehrstuhlinhaberin im HU-FB rewi gerahmt wird von so aparten wie SPD-nahen Voll/Lehrstuhljuristen wie Dr´es iur. &lt;strong&gt;Hans-Peter Schwintowski&lt;/strong&gt; (*1947) und &lt;strong&gt;Bernhard Schlink&lt;/strong&gt; (*1944): Klauer Sch. 2007 als Plagiator eines juristischen Lehrbuchs [-&gt; FAZ 231007: 43 - „Beruf und Chance“: „Plagiate in der Wissenschaft / Die niedrige Kunst des Abschreibens“]; der andere prominente HU-rewi-Jurist und Autor wurde erst diesertage als alter Honorarabzocker bekannt, nachdem unwiderlegbar öffentlich dokumentiert werden konnte [-&gt; &lt;u&gt;http://www.buchmarkt.de/content/31124-die-privatisierung-des-aufbau-verlages-alle-hintergruende.htm?hilite=schlink&lt;/u&gt;  -&gt; &lt;u&gt;http://www.buchmarkt.de/content/31124-die-privatisierung-des-aufbau-verlages-alle-hintergruende.htm?hilite=schlink-&lt;/u&gt;  sowie die „buchmarkt“-Linkübersicht  -&gt; &lt;u&gt;http://www.buchmarkt.de/content/31128-der-aufbau-krimi.htm&lt;/u&gt; ], daß Gutachter Sch. im Erscheinungsjahr seines „Weltbeststeller“-Romans „Der Vorleser“ (1995) als HU-Lehrstuhlinhaber u n d damaliger NRW-Verfassungsrichter für (s)ein THA Gefälligkeitsgutachten am 060395 30.000 DM plus MWSt in Rechnung stellte (Sch. vertrat auch 2005 als Verfahrensbevollmächtigter vorm Bundesverfassungsgericht die Bundesregierung Schröder gegen drei Bundestagsabgeordnete).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achja: Wenn ich an humanistisch engagierte Intellektuelle wie den Kölner Lehrstuhlsoziologen Dr. &lt;strong&gt;René König&lt;/strong&gt; (1906-1992) und den Berufsautor &lt;strong&gt;Gerhard Zwerenz&lt;/strong&gt; (*1925) als (mir früher gut bekannte) Mitglieder der 1962 gegründeten HU, in deren Vierteljahreszeitschrift „vorgänge“ ich jahrelang als Autor veröffentlichte, denke, dann kann ich nur raten, zwei HU-Haufen in ihrem gegenwärtigen Zustand &amp;amp; mit ihrem gegenwärtigen Führungspersonal nachhaltig zu meiden: den des &lt;strong&gt;FB rewi an der HU Berlin&lt;/strong&gt; einerseits &amp;amp; den der &lt;strong&gt;HU als ngo&lt;/strong&gt; andererseits; und ein Polit-„Magazin für Freiheit und Sozialismus“, das so´n Zitat plakativ herausstellt, sollte auch rasch(er als rasch), genauer: raschestens, den Gang allen Irdischen gehn, vulgo: &lt;strong&gt;„Abstinken“&lt;/strong&gt; (Heinrich Mann) ...&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle/Fundstelle: &lt;u&gt;moz.art1. UnabhängigesHalbWochenMagazin [UHWM] für post-68´er-Netzmeinungen über Justiz - Kultur - Gesellschaft - Wissenschaft - ZeitGeisterei&lt;/u&gt;, 1. Jg. 2007/08: 28-29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Täuschungsökonomie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ernster, was der gegenwärtige &lt;strong&gt;VWL-Oberweise,&lt;/strong&gt; o. Prof. (TH Darmstadt) Bert Rürup meinte als er diese &lt;strong&gt;postmoderne Politfäkalie&lt;/strong&gt; FAZ-öffentlich vortrug (040407): Das „&lt;u&gt;kleinste Übel&lt;/u&gt;“ wäre für ihn als Doppel- bzw. Mehrfachverdiener   u n d   Multiversorgungsmillionär ein „&lt;u&gt;gesetzlicher Mindestlohn&lt;/u&gt;“ in „Höhe“ von 4.50 €/h ... es scheint grad so, als hätte hier jemand eine altmaoistische Losung („Dem Volke dienen“) ins Gegenteil verkehrt: Rürup ging vom SPD-Hartz-Modell, das er „ein System zur Sicherung eines Mindesteinkommens“ nannte, aus, kam dann über ein fiktives Alg2-Stundennetto“einkommen“ von 3.75 €/h auf nicht minder &lt;u&gt;fiktive 4,50 €/h brutto&lt;/u&gt; (verwechselte damit nicht wie sein PG, SPD-Bundesvizekanzler &lt;strong&gt;„Nettomünte“,&lt;/strong&gt; brutto und netto), was meint: so einfach kann man im gegenwärtigen Deutschland als VWL´ler nach dem &lt;strong&gt;anything-goes-Motto&lt;/strong&gt; in der &lt;strong&gt;Politpostmoderne&lt;/strong&gt; ankommen, indem Mann schlicht aus der Not fehlender Erwerbsarbeitsplätze die Tugend des sozio-parasitär bestimmten Mindesteinkommens macht.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle/Fundstelle: &lt;u&gt;rechtskultur.de&lt;/u&gt;. &lt;u&gt;Unabhängiges online-Magazin für Menschen &amp;amp; Bürgerrechte&lt;/u&gt;, 5. Jg. 2007/08: 40; siehe auch: &lt;u&gt;http://www.duckhome.de/tb/archives/8475-MINDESTLOHN.html&lt;/u&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Technischer Hinweis: Wenn Sie mittels Ihres &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Webbrowser target=&quot;blank&quot; title=&quot;Browser&quot;&gt;Browser&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; diesen Text als &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Portable_Document_Format target=&quot;blank&quot; title=&quot;pdf&quot;&gt;pdf&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; herunterladen, soll(t)en alle &lt;strong&gt;&lt;a href=http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperlink target=&quot;blank&quot; title=&quot;Links&quot;&gt;Links&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt; funktionieren.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor lebt als unabhängiger kulturanalytischer Sozialpsychologe, reflexivhistorisch arbeitender Sozialforscher und freier sozialwissenschaftlicher Literat in Bad Münstereifel. Er veröffentlicht seit Oktober 2010 in diesem Blog -&gt; &lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht target=&quot;blank&quot; title=&quot;Richard Albrechts duckhome-Beiträge IV/2010&quot;&gt; Richard Albrechts duckhome-Beiträge&lt;/a&gt;. Letzterschienene Bücher: &lt;a href=http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-8322-7333-0 target=&quot;blank&quot; title=&quot;SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert &quot;&gt;SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert &lt;/a&gt; (2008, wiss.); &lt;a href=http://www.shaker-media.de/de/content/bookshop/index.asp?ID=2&amp;ISBN=978-3-86858-613-8 target=&quot;blank&quot;  title=&quot;HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren&quot;&gt;HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren&lt;/a&gt; (2011, lit.). Aktuelle Netzseite -&gt; &lt;a href=http://eingreifendes-denken.net target=&quot;blank&quot; title=&quot;eingreifendes-denken&quot;&gt;eingreifendes-denken&lt;/a&gt; -&gt; &lt;a href=http://ricalb.files.wordpress.com/2010/12/cv1.pdf target=&quot;blank&quot; title=&quot;bio-bibliographie&quot;&gt;bio-bibliographie&lt;/a&gt;. - Die Druckfassung dieser - der zwölften - FLASCHENPOST steht im e-Archiv &lt;a href=http://ricalb.files.wordpress.com/2011/02/flaschenpost9.pdf target=&quot;blank&quot; title=&quot;EINGREIFENDES DENKEN&quot;&gt;EINGREIFENDES DENKEN&lt;/a&gt;: 50-53. Die ersten elf FLASCHENPOST-Texte stehn folglich ebenda. 1-49.  (c)  Autor 2011&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
        </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 03 Mar 2011 00:01:00 +0100</pubDate>
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    <category>21. jahrhundert</category>
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    <title>PARADIESVÖGEL</title>
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            <category>Flaschenpost an die Nachgeborenen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Richard Albrecht )</author>
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            &lt;strong&gt;PARADIESVÖGEL&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Eine Buchvorstellung [1]&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
von &lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht target=&quot;blank&quot; title=&quot;Richard Albrecht&quot;&gt; Richard Albrecht&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elfte Flaschenpost Paradiesvögel lautet der Ein-Wort-Titel eines wichtigen und bisher kaum beachteten Erinnerungsberichts[2] einer bei uns so gut  wie unbekannten Autorin: Cläre Jung, geboren 1892, gestorben, neundundachtzigjährig, 1981 in Ost-Berlin, ist auch recht eigentlich keine Schriftstellerin. Denn sie veröffentlichte während ihres langen Lebens überhaupt nur ein Buch: Aus der Tiefe rufe ich, ihr 1946 im Aufbau-Verlag erschienener, damals in einer Auflage von 10.000 Exemplaren verbreiteter Roman, will ans Leiden jüdischer Menschen im Dritten Reich erinnern und dürfte heute nicht einmal mehr literarhistorischen Spezialisten gegenwärtig sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paradiesvögel. Erinnerungen, jetzt in einer kleinen, gut ausgestatteten und mit einem Bildteil angereicherten Auflage im Hamburger Nautilus-Verlag erschienen, sollte zunächst unter dem Titel Die Kameradin Anfang der sechziger Jahre im ost-berliner Aufbau-Verlag herauskommen und den Untertitel: Rechenschaftsbericht oder Chronik eines Lebens tragen. Und diese Erinnerungen einer Frau aus gutem Haus, die im Berlin der ersten Vorkriegszeit, 1911, mehr durch Zufall in den literarischen Kreis um die von Franz Pfemfert geleitete expressionistische Zeitschrift Die Aktion gerät und hier ihren Lebensgefährten und späteren Ehemann Franz Jung kennen lernt, führen uns Heutige in Form einer Lebenschronik und eines Rechenschaftsberichts zurück in eine Zeit, die unwiderruflich vorbei ist. Und in der doch viele der kulturellen Antriebe, von denen auch unsere Zeit noch zehrt, als künstlerische Moderne geschaffen wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cläre Jungs sieben Jahre nach ihrem Tod veröffentlichte Erinnerungen sind Rechenschaftsbericht und Lebenschronik einer Frau im Schatten eines Mannes: Franz Jung. Und wird Cläre Jung in Franz Jungs - zuerst 1961 im Luchterhand-Verlag erschienener Autobiografie unter dem einen damaligen Weltbestseller, John Braines Room at the Top, deutsch Der Weg nach oben, bewußt ironisierenden Titel Der Weg nach unten nur beiläufig erwähnt - in Cläre Jungs Lebensbericht steht Franz Jung im Mittelpunkt, so, als widmete die Berichtende noch einmal ihr Leben dem Mann und Lebensgefährten. Cläre - Die Kameradin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Tendenz entspricht auch der publizistische Zusammenhang, aus dem heraus nun endlich Die Kameradin ihre Erinnerungen veröffentlicht bekam. Cläre Jungs Rechenschaftsbericht erschien, wie als Beigabe, in der Nemo Press des Nautilus-Verlags, in dem auch eine zwölfbändige Werkausgabe Franz Jungs herauskam - eben jenes Mannes, dem Cläre Jung ihr halbes Leben lang als Schattenfrau zur Seite stand: Franz Jung also - geboren 1888 in der  Stadt Neiße, gestorben Anfang 1963, vierundsiebzigjährig, in Stuttgart, expressionistischer Literat im ausgehenden Kaiserreich und in der aufgehenden Republik der zwanziger Jahre, experimenteller Dadaist, Sozialist, Pazifist, Kommunist, Anarchosyndikalist - aber ebenso: verfolgter Staatsfeind, politischer Gefangener, aktiver Mann des Widerstands gegen die Nationalsozialisten, Flucht aus Deutschland, Emigration, schließlich Rückkehr des nun Siebzigjährigen nach Deutschland ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der DDR-Literaturwissenschaftler Franz Mierau, der, gemeinsam mit Cläre Jung und noch zu deren Lebzeiten, 1980, im Reclam-Verlag unter dem Titel Der tolle Nikolaus einen Band Franz Jung herausgab - was Herausgeber Mierau im ersten Band der Werkausgabe auf mehr als fünfzig Seiten als Chronik zu Leben und Schriften des Franz Jung sehr im Detail umfassend aufgelistet hat - dieses Leben in Widersprüchen und voller Widersprüche, dieses gelebte Leben mit Ecken und Kanten, Brüchen und Sprüngen, hat der Verlag kurz so skizziert: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Franz Jung - Uhrmachersohn, expressionistischer Dichter aus den Kreisen um den ´Sturm´ und die ´Aktion´, anarchistischer Dadaist, Sozialist im Spartakusbund, Mitbegründer der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands, maßgebend in der Arbeiterbewegung in Deutschland und der Sowjetunion, Dramaturg bei Erwin Piscator in Berlin, Wirtschaftsanalytiker in Berlin und London&quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und, genauer:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;1888 in Neiße geboren, 1907 bis 1912 mehrfach unterbrochenes Studium von Nationalökonomie und Jura in Leipzig, Jena, Breslau und München. 1914 zunächst Kriegsfreiwilliger, dann Deserteur. 1918 Besetzer des Wolff&#039;schen Telegraphenbüros in Berlin, 1919 Mitglied der KPD, 1920 der KAPD, Schiffsentführung nach Rußland, 1921 Teilnehmer am Mitteldeutschen Aufstand, mehrere Inhaftierungen, Arbeit bei der Internationalen Arbeiter-Hilfe in Sowjetrußland, 1924 bis 1936 als Handeisjournalist und Geschäftsmann in Berlin, 1936 Verhaftung durch die GESTAPO, Flucht nach Prag, Wien, Genf und Budapest, dort 1944 Verhaftung und Verurteilung zum Tode, Flucht, 1945 Konzentrationslager in Bozen, 1945 bis 1948 in Italien, dann bis 1960 als Wirtschaftskorrespondent in den USA, Rückkehr nach Europa 1960, stirbt am 21. Januar 1963 in Stuttgart.&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die frühen zwanziger Jahre, als noch so etwas wie eine proletarische Revolution praktisch möglich und strategisch nötig schien - das war die große Zeit des Franz Jung: wenn ich richtig recherchiert habe - dann erschienen in schneller Folge gerade in jenen Jahren der noch nicht politisch stabilisierten ersten deutschen Republik, 1918 bis 1924, allein acht Erzählungen, Novellen und Romane als Bücher, schrieb Franz Jung drei Theaterstücke und ein halbes Dutzend Pamphlete und politische Propagandabroschüren für das neue Rußland, dazu zahlreiche Artikel in Zeitungen und Zeitschriften und gab selbst die Zeitschriften Der Rote Aufbau. Monatszeitschrift der proletarischen Wirtschaftshilfe für Sowjetrußland 1922/23 und später die antifaschistische Zeitschrift Der Gegner 1931/32 mit heraus - ein Blatt, das intellektuellen Querdenkern gegen die Nazis von links bis rechts eine Plattform geben sollte und nach wenigen Ausgaben Pleite ging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bevor sich Franz Jung dann 1961 mit seinen autobiographischen Aufzeichnungen aus einer großen Zeit, seinem Lebensbericht Der Weg nach unten, als Schriftsteller nach dreißig Jahren erzwungenem Schweigen und dem Vergessen zurückmeldete - erschien 1931, als Roman der Wirtschaftskrise in Deutschland zu Beginn der dreißiger Jahre, sein gesellschaftskritischer Roman: Hausierer - ein wie ich denke noch heute lesbarer Roman über die persönlichkeitszerstörende Wirkung von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, der uns - nach einem Wort des italienischen Nationalökonomen und Soziologen Vilfredo de Pareto - eine angemessenere Vorstellung der großen Krise im bürgerlichen Deutschland vermitteln kann als so viele der direkten Zeitzeugnisse und so manche der inzwischen vorliegenden geschichtswissenschlichen Darstellungen über Weimars Ende. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Leben und Werk dieses ihres Franz Jung und ein Berliner Milieu politisierender Künstler, das Franz Jung hervorbrachte, trug und ihn doch später nicht mehr ertragen konnte, bezieht sich Cläre Jung auf fast allen Seiten ihres Berichts aus einem bewegten Leben. Sich selbst fast bis zur Unkenntlichkeit als Person und Frau an seiner Seite zurücknehmend in diesem vor fünfunddreißig Jahren geschriebenen Zeitzeugnis, spricht die Autorin vor allem durch andere, die sie kennenlernte und die sie jeweils ein Stück Wegs begleiteten: etwa von ihren Begegnungen. mit dem deutschschweizer Lyriker und Philosophen Adrien Turel, der Cläre Jung in seinen Memoiren Bilanz eines erfolglosen Lebens wie Franz Jung im Weg nach unten nur am Rande erwähnt -; etwa von Franz Pfemfert, dem Herausgeber der literarisch-politisch-pazifistischen Zeitschrift Die Aktion, von den Schriftstellern Georg Heym, Oskar Maria Graf und Erich Mühsam, dem Theatermann Erwin Piscator, den Malern Georg Grosz und Georg Schrimpf oder den Psychoanalytikern Ernst Fuhrmann und Otto Groß: Außenseiter sie alle und die vielen anderen oft als Kaffeehausliteraten und Bohème denunzierten eigensinnigen Menschen, oft persönlich exzentrisch und schwierig, aber doch Typen, die aktiv das, was künstlerische Moderne genannt wird, kulturell fundierten und selbst zu leben versuchten: Paradiesvögel eben, an die Cläre Jung, die sie alle kannte und die von ihnen als Gefährtin geschätzt wurde, erinnert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn sich die Autorin selbst so sehr zurücknimmt und sich vor allem in ihren Männern darstellt - dieses Buch ist ein wichtiger Erinnerungsband, der den Bogen spannt vom Expressionismus vor 1914 bis zur Besetzung Berlins durch die Rote Armee 1945, die Cläre Jung als Befreiung empfand. Cläre Jungs Aufzeichnungen führen in die Welt der Wirrnisse der deutschen Novemberrevolution der Jahre 1918/19, die Versuche, auch in Deutschland eine Revolution nach dem Vorbild der Bolschewiki in Rußland auf den Weg zu bringen und zu propagieren, versetzen uns in die Krisenjahre der ersten deutschen Republik und den Kampf gegen den zur Staatsmacht drängenden Nationalsozialismus der Hitler und Goebbels - und verschweigen nicht den mit Rückzug und innerer Einkehr verbundenen alltäglichen Kampf ums Überleben nach 1933 - eine Lebensphase zunächst noch von Cläre und Franz Jung, später der allein im Innern des Landes bleibenden Cläre, in der ein zunächst von den neuen Machthabern unbehelligter Feuilleton-Dienst erscheinen kann und die gesamte Energie der Berichtenden braucht. Deutlich wird der Kampf ums blanke Überleben im Dritten Reich und ein Leben im Schatten der eignen produktiven Möglichkeiten - ein Leben, das keinen organisierten Widerstandskampf gegen die totalitären Machthaber gestattete, aber doch erlaubte, jüdischen Freundinnen mit den eigenen Personalpapieren zur Flucht angesichts drohender Deportation und Vernichtung zu verhelfen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Vielleicht ist es gerade diese einfache alltägliche Mitmenschlichkeit, die so schlicht und ohne die Ich-bin-Ich-Pose nicht weniger Prominentenmemoiren unserer Tage daherkommt, die in Cläre Jungs Erinnerungsbuch Paradiesvögel anrührt. Auch insofern sind diese Memoiren so ganz andere Erinnerungen an eine Zeit, die uns Heutigen fern und unwiederbringlich zugleich ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn und weil das so ist - bedürfen gerade wir Heutigen, immer schon vom Vergessen und Verdrängen Bedrohten, bedürfen alle kulturell Interessierten dieser - und weiterer - Rechenschaftsberichte und Lebenschroniken wie der nun endlich als Buch greifbaren Erinnerungen Cläre Jungs an ihre - Paradiesvögel ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[1] Text nach dem für den WDR (&quot;Meinungen über Bücher&quot;: WDR 3 Hörfunk) geschrieben Typoscript. Erstsendung am 28. Januar 1990. Von eventuellen Wiederholungen weiß der Autor nichts. Der Text ist die duckhome-Version aus dem e-Archiv des Autors -&gt; EINGREIFENDES DENKEN -&gt; &lt;u&gt;http://ricalb.files.wordpress.com/2011/02/flaschenpost9.pdf&lt;/u&gt; [Elfte Flaschenpost an die Nachgeborenen] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Cläre Jung, Paradiesvögel. Erinnerungen. Mit Nachworten von Fritz Mierau und Helga Karrenbrock. Hamburg: Verlag Nautilus [und] Nemo Press, 1988, 231 Seiten. Der aktuelle Nautilus-Verlagskatalog verzeichnete Ende Januar 2011 eine Ausgabe dieses Buchs mit 256 Seiten. - Cläre M. Jungs 1946 ersterschienener Roman: Aus der Tiefe rufe ich. Texte aus sieben Jahrzehnten soll 2004 als Band 4 in der Reihe: &lt;u&gt;Spurensuche. Vergessene Autorinnen wiederentdeckt&lt;/u&gt;  (im Berliner Trafo-Verlag Dr. Wolfgang Weist) erschienen sein. - Cläre Jung starb vor dreißig Jahren (1981). Der Nachlaß von Cläre M. Jung soll sich als Teilnachlaß im Franz-Jung-Archiv des Märkischen Museums (Berlin) befinden und 165 Bücher, diverse Mappen und Kästen mit Porträtzeichnungen, Urkunden, Notizbüchern, Glückwunschschreiben und Werkmanuskripten enthalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor lebt als unabhängiger kulturanalytischer Sozialpsychologe, reflexivhistorisch arbeitender Sozialforscher und freier sozialwissenschaftlicher Literat in Bad Münstereifel. Er veröffentlicht seit Oktober 2010 in diesem Blog -&gt; &lt;a href=http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht target=&quot;blank&quot; title=&quot;Richard Albrechts duckhome-Beiträge IV/2010&quot;&gt; Richard Albrechts duckhome-Beiträge&lt;/a&gt;. Letzterschienene Bücher: &lt;a href=http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-8322-7333-0 target=&quot;blank&quot; title=&quot;SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert &quot;&gt;SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert &lt;/a&gt; (2008, wiss.); &lt;a href=http://www.shaker-media.de/de/content/bookshop/index.asp?ID=2&amp;ISBN=978-3-86858-613-8 target=&quot;blank&quot;  title=&quot;HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren&quot;&gt;HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren&lt;/a&gt; (2011, lit.). Aktuelle Netzseite -&gt; &lt;a href=http://eingreifendes-denken.net target=&quot;blank&quot; title=&quot;eingreifendes-denken&quot;&gt;eingreifendes-denken&lt;/a&gt; -&gt; &lt;a href=http://ricalb.files.wordpress.com/2010/12/cv1.pdf target=&quot;blank&quot; title=&quot;bio-bibliographie&quot;&gt;bio-bibliographie&lt;/a&gt;. - Die Druckfassung dieser - der elften - FLASCHENPOST steht im e-Archiv &lt;a href=http://ricalb.files.wordpress.com/2011/02/flaschenpost9.pdf target=&quot;blank&quot; title=&quot;EINGREIFENDES DENKEN&quot;&gt;EINGREIFENDES DENKEN&lt;/a&gt; (pp. 47-49). Die ersten zehn FLASCHENPOST-Texte stehn ebenda. pp. 1-46. (c)  Autor 2011&lt;br /&gt;
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    <pubDate>Sat, 26 Feb 2011 00:01:00 +0100</pubDate>
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