Broder, setzen Sie sich, Sie reden Unfug, möchte man mit dem berühmten Professor aus der Feuerzangenbowle sagen, wenn man seinen Essay
"Die Kunst des Terrors - der Terror als Kunst" im Spiegel liest. Ob ein israelischer Diplomat in Schweden auf mehr als zweifelhafte Kunst mit Scheinwerfern wirft oder die Schweden härter mit Falschparkern als mit ihren Neonazis umgehen. Henryk M. Broder kriegt die Kurve zu den Deutschen. Von Joschka Fischers "Mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch!" an den Bundestagspräsidenten über den Erfurter Amokläufer schafft er eine Verbindung zu dem Vorfall in Stockholm. Da wir uns diesmal ausnahmsweise nichts zu Schulden kommen haben lassen (Glück gehabt?), schafft er einen Vergleich zu Buback, Herrhausen und Schleyer und stellt seine Vorstellung von deutscher Reaktion als Tatsache dar.
Nein, Broder, Sie irren sich. Wir würden keine Zuschüsse streichen, wir würden nur wieder etwas trauriger werden. So wie wir traurig über Ihre Hatz sind, die vor allem diejenigen trifft, die nicht mal eben zur Tagesordnung übergehen, wenn 21 Israelis sterben, die aber auch nicht gelangweilt wegschauen, wenn im Rahmen der Sippenhaft israelische Waffen die Wohnungen der Familien von Selbstmordattentätern zerstören.
Nicht der Terror gerinnt zur Kunst, sondern Henryk M. Broder versucht deutsche Schuld neu zu generieren, vielleicht um ein Innehalten und Nachdenken zu verhindern oder als Rache dafür, dass er für kein Dschungelcamp ausgewählt wurde. Oder ist es vielmehr seine Wut darüber, dass auch ihm nichts Vernünftiges zur Lösung der Probleme einfällt. Aber damit steht er ja leider nicht alleine. Nur - das Werfen mit Scheinwerfern oder scheinheiligen Artikeln bringt uns beides nicht weiter.