Mit unseren Bahnchefs hatten wir noch nie Glück, in diesem Nachkriegsdeutschland. Aber nun haben wir Hartmut Mehdorn und der reißt sie alle wieder heraus. Sein Konzept ist einfach, sein Feindbild klar. Mehdorn will den Flugverkehr auf die Schiene holen.
Flughäfen liegen meist außerhalb der Städte, Bahnhöfe mittendrin. In der An- und Abreisezeit von und zu den Flughäfen sieht Mehdorn die Chance der Bahn. Schnelle Verbindungen zwischen den Metropolen sind sein einziges Ziel. Ihn interessiert nicht die Bahn in der Fläche, er will keinen Güterverkehr, er will sich vor ihm verneigende Hochgeschwindigkeitszüge. Berlin Hamburg ist sein Paradeobjekt. BestZeit mit BestBahn für lockere 640 Millionen zugegebene Euro. Wieviel wirklich aus dem Zugfenster geworfen wurde, werden wir wohl nie erfahren.
Berlin Zoologischer Garten bis Hamburg Hauptbahnhof in 93 Minuten. Grandiose Leistung. Damit ist der sich verneigende ICE glatte 45 Minuten schneller als das Vorzeigeobjekt der Nazis, der fliegende Hamburger in den dreißiger Jahren. Welch ein Sieg. Mit bis zu 230 Stundenkilometern rast der Zug durch Naturschutzgebiete, an Dörfern und Städten vorbei und durch alle Bahnhöfe auf seinem Weg. So ein Zug muss fahren, nicht halten. Sein Bruder der IC braucht 22 Minuten länger aber der Dummkopf hält auch noch in Spandau, Wittenberge und Ludwigslust.
Natürlich wurden mal wieder die Preise für alle Strecken erhöht. Irgendwer muss Mehdorns Träume doch bezahlen. Die 10 Euro die, die neue Schnellverbindung mehr kostet, würde nämlich 64 Millionen Fahrgäste brauchen um sich selbst zu tragen. Die 1,7 Millionen Hamburger und die 3,4 Millionen Berliner müssen da schon 6 mal hin und her fahren und dürfen weder Kinderermäßigung noch Seniorenpreis und schon gar keine Bahncard oder sonstige Nachlässe in Anspruch nehmen. Es ist zwar nicht klar, was die Berliner in Hamburg oder die Hamburger in Berlin machen sollen, aber das spielt eh keine Rolle, da die Bahn diesen Verkehr nicht bewältigen könnte und auch nur 400.000 neue Fahrgäste erwartet. Die müssten dann entweder 1600 Euro pro Fahrt bezahlen oder wir warten einfach die nächsten 29 Jahre ab, die es dauern würde um die Kosten über die Fahrscheine wieder hereinzubekommen. Natürlich ohne Zinsen.
Ein Schelm wer Arges dabei denkt. Der Siemens Chef Pierer ist auf jeden Fall sehr glücklich über Mehdorns Aktivitäten. Kann er doch einen Erstauftrag über 420 Millionen Euro verbuchen und darf auf weitere hoffen. Dabei spielt es doch gar keine Rolle, das die dieselbetriebenen Vorgänger dieses ICE nie funktioniert haben. Erst wurde die Neigetechnik abgeschaltet und dann die Baureihe eingemottet. Mehdorn bekommt sein Spielzeug und Pierer kann Aufträge vorzeigen. Beide wissen schon heute, dass der gesamte Kram nicht funktionieren wird und auf ewig defizitär bleibt. Aber das ist den beiden völlig egal. Siemens kann heute weder Straßenbahnen, noch Handys oder Züge bauen, aber Pierer wird Aufsichtsratschef. Mehdorn fährt bald ganz alleine in seiner Bahn, aber auch er hat sein Gehalt und seine Pension sicher.
Das der erste reguläre ICE statt der geplanten 93 Minuten überhaupt nicht ankam und die Fahrgäste ihr Ziel mit einem Eurocity erst nach 240 Minuten erreichten, dürfte eher die Regel als die Ausnahme werden.