Jede Woche werden uns neue Umfragen beschert. Schließlich müssen die Wahrsager ja auch Gewinne erwirtschaften. Was zur Demoskopie im allgemeinen gesagt werden muss, findet man
hier und ist mit großer Verarsche nur unzureichend beschrieben. Wenn aber doch alle Beteiligten wissen, das Demoskopie nur eine andere Form der Wahrsagerei ist, warum wird dann dafür noch Geld ausgegeben?
Die Antwort ist einfach. Jeder möchte die Zukunft kennen, das heißt eigentlich nicht die Zukunft, sondern jeder möchte bestätigt bekommen, was er sich für die Zukunft erhofft. Einige, wie die SPD, wollen auch bestätigt bekommen was sie für ihre Zukunft befürchten. Deshalb wird zur Zeit die CDU gelobt. Bis über den grünen Klee hinaus. Beste CDU die wir je hatten und die tollste Kanzlerin überhaupt.
Spricht man mit Menschen auf der Straße, in Flugzeugen, Werkstätten oder Spitzenmanagern, ist dieses Urteil nirgendwo zu finden. Dort herrscht eine Meinung, über alle Schichten hinweg. Diese Koalition ist absolute Scheiße. Frau Merkel macht nichts, aber verkauft das gut und die SPD will die CDU und die FDP rechts überholen. Aber Wahrheit und Wahrsagerei haben eben nichts miteinander zu tun.
Die absoluten Zahlen derartiger Wahrsagereien sind also Unfug. Fünf Prozent rauf oder runter können immer sein. Während die CDU von Beginn der Koalition an ihre Linie zu hundert Prozent durchbringen konnte, steht die SPD vor einem Trümmerhaufen. Die neoliberalen und wirtschaftsfaschistischen Kräfte aus dem
Seeheimer Kreis wollen eine neue FDP werden, und sich als Dauerjuniorpartner der CDU etablieren.
Die Mitte der SPD möchte an der Macht bleiben und wird allem zustimmen, was das ermöglicht, oder ihnen zumindest nach der Abwahl noch irgendwo einen Druckposten verschafft. Die paar Linken in der SPD müssten eigentlich in die Linke eintreten, trauen sich aber nicht, weil sie die Interessen der Menschen in Deutschland schon zu lange mit Füßen getreten haben.
Egal welche Umfragen auf Bundesebene man sich ansieht, und wie auch immer gewichtet wird, die große Koalition scheint im Moment nicht abwählbar und das schon über einen langen Zeitraum. Keiner mag sie, keiner will sie, aber solange die Linke nicht in der Lage ist, in den alten Bundesländern in Regierungen zu kommen, wird ein Teil ihrer Wähler immer noch aus Sicherheitsgründen die SPD wählen. Nur da, wo sie relativ sicher stark in die Parlamente kommt, wird sie auch gewählt.
Unter diesen Umständen ist die
Entwicklung in Sachsen sehr interessant. Dort verliert die SPD an die CDU und an die Linken. Sie hat in ihrer ehemaligen Hochburg, die dann zum Tal der Ahnungslosen wurde, ja nie wieder richtig Fuß fassen können und auch bis heute keine ernsthaften personellen oder inhaltlichen Alternativen gezeigt.
Die SPD-Anhänger die CDU-Politik haben wollen, können eben auch gleich die CDU wählen und die, die sich echte sozialdemokratische Politik erhoffen, gehen zur Linken. In dieser Zerreißprobe wird sich die SPD dauerhaft auf Höhe der FDP und den Grünen einpendeln. Wenn wir Jamaika sehen, dann wahrscheinlich als erstes in Sachsen.
Die NPD und ihre Zuwächse resultieren aus Verlusten der CDU und der FDP. Auch wenn die die FDP-Bürgermeister und FDP-Politiker in den neuen Bundesländern sich eher nationalliberal geben und damit versuchen einen Teil der NPD-Klientel an sich zu binden, so ist das nur das gleiche Problem, das die SPD mit der Linken hat. Warum sollte jemand die CDU oder die FDP wählen, wenn die seine Linie nur halbherzig vertreten und eine NPD existiert.
Bisher war es zum Glück nur immer so, das die Parteiführung und die Abgeordneten der NPD wirklich aus der Mitte der dieser Partei stammten und eher an Stammtische als in Parlamente passten, ja sogar an den meisten Stammtischen wegen absoluter Niveaulosigkeit verbannt wurden. Noch dazu bekämpfen die sich intern bis aufs Blut.
Schafft es irgendwer eine solche Truppe über eine Legislaturperiode ohne größere Probleme durch den Landtag zu führen, dann werden die Wählerzahlen explodieren. Wir haben also eine Gemengelage in der sowohl NPD als auch CDU an der FDP-Wählerschaft zerren, wie CDU, FDP, Linke und SPD an der grünen Wählerschaft zerren.
Wahrscheinlich ist das sich im Endeffekt die SPD und die FDP in Bereichen unterhalb der fünf Prozent wiederfinden und dort zerbrechen. Nicht innerhalb einer Wahlperiode, aber auf Dauer. Die FDP hat ja schon heute keine Themen mehr, die von anderen nicht glaubwürdiger besetzt werden. Das gleiche gilt für die SPD.
Diese Entwicklung in Sachsen, wird sich auch in anderen Bundesländern fortsetzen und im Endeffekt sichere Mehrheiten für CDU/CSU und Grüne schaffen. Weitere Eingrenzungen der Bürgerrechte und Wahlcomputer werden dafür sorgen, das diese Verhältnisse zementiert werden. Die Grünen werden sich offiziell immer dafür einsetzten, das die Gesetze nicht in der voll geplanten Härte durchkommen, sondern nur zu siebzig oder achtzig Prozent. Aber nach dieser Methode arbeitet ja jetzt auch schon die SPD.
Wir laufen nach meinem Ermessen also auch durch die Wahlen in eine Falle, die uns direkt ohne über Los zu gehen, in die Diktatur führt. Selbst wenn Schäuble, was ich im übrigen erwarte, nicht bis zum Ende der Legislaturperiode gehalten werden kann und durch Bosbach ersetzt wird. Die Politik bleibt die gleiche.