Die FTD hat mal wieder einen ihrer Wahrheitstage und fasst in einem sehr lesenswerten Artikel ihre niederschmetternde Meinung über die Versuche der Banken sich neues Kapital zu beschaffen zusammen:
Der ewige Geldhunger der Geldhäuser
Angesichts bereits ach so gefallener Kurse und ach so bereinigter Bilanzen - wer wollte da nicht bei den Kapitalerhöhungen der Banken mitzeichnen? Jeder, der kein Hasardeur ist.
Falls sie denn über ein solches verfügen, fragt man sich, welche Phase der Geldsuche bei den Bankvorständen größeres Schamgefühl hervorgerufen hat: die, in der sie noch an der Börse vorbei in die Wüste fliegen konnten, um bei dortigen Staatsfonds um neues Manna zu betteln, oder die, in der sie im Rahmen von Kapitalerhöhungen mit Bezugsrechtsemission täglich darum bangen müssen, ob der Aktienkurs während der Bezugsrechtsfrist nicht unter den Bezugspreis rutscht?
Die UBS ist dieser Blamage vergangene Woche ebenso wie die Royal Bank of Scotland (RBS) gerade noch entgangen. Bei Bradford & Bingley wollte zu den ursprünglichen Konditionen zunächst niemand freiwillig neuer Miteigentümer werden, während bei der schottischen HBOS der Umstand, dass der Kurs fünf Wochen vor Ende der Frist bereits einmal unterhalb des Bezugspreises notierte, vor allem bei den Emissionsbanken für rote Köpfe gesorgt haben dürfte
Das ist in sofern besonders erschreckend weil viele Banken ja auch Fonds auflegen und damit das Geld ihrer Anleger in die eigenen Aktien schieben könnten, was zwar nicht fair aber üblich wäre. Wenn eine Bank ihre Anleihen nicht mehr plazieren kann ist das ein böses Zeichen, wenn es mehre Banken nicht schaffen ist das ein Alarmschrei wie er nicht mehr viel schlimmer kommen kann.
Wer die bisherigen Spendenaufrufe der Banken überhört hat, muss sich nicht grämen, ihm werden weitere Gelegenheiten geboten. So schätzt Merrill Lynch, dass Europas Banken trotz Kapitalspritzen von bisher 83 Mrd. Euro noch weitere 72 Mrd. Euro aufnehmen müssen, um wirklich satt zu werden. Denn die bisherigen Kapitalerhöhungen und begonnenen Bilanzsäuberungen haben herzlich wenig gebracht - die Banken stehen heute sogar schlechter da als vor sechs Monaten.
Ich persönlich glaube das Merrill Lynch sich noch ein paar mal bezüglich der Summe selbst berichtigen muss. Im Endeffekt dürften den europäischen Banken knapp 280 Milliarden fehlen, die sie sich nach und nach holen müssen. Wir werden zwangsläufig Bankpleiten erleben, die es dann noch schwieriger machen sich das benötigte Kapital zu holen.
Vor allem bleibt aber die Ungewissheit, was die Banken noch für einen Abschreibungsbedarf auf ihre Giftpapierportfolios haben. Wem kann man hier trauen? Den Analysten, Wirtschaftsprüfern, Ratingagenturen, die bisher nichts rechtzeitig kommen sahen, ebenso wie die meisten Bankvorstände? Oder lieber den Worten des Chefs von RBS, der für die nächsten 15 Monate mit mehr negativen als positiven Nachrichten rechnet? Die Kapitalerhöhungen zu zeichnen bleibt unnötiges Risiko.
Man kann niemandem trauen. Wenn ein Schiff absäuft, beginnen die Menschen im Schiffsrumpf aufeinander zu klettern um ein paar Minuten länger zu überleben. Deshalb heißt es Überlebenskampf. Wer heute liest das sich Commerzbank und Dresdner Bank aneinander binden wollen um gemeinsam unterzugehen und wenn möglich die Postbank mitzureißen, der weiß wie verzweifelt die Lage sein muss.
Jeder würde mit jedem kooperieren nur damit die Vorstände noch ein Weilchen länger im Amt und am Futternapf bleiben können. Wenn es der Allianz mit all ihrem Geld nicht gelungen ist die Dresdner Bank in die Nähe der Gewinnchance zu bringen, wer bitte schön soll das dann finanzieren können?
Dabei haben wir das eigentliche Übel noch gar nicht gesehen. Noch immer sind die nicht einlösbaren Kreditkartenschulden in den USA nicht verarbeitet. Es wird einfach weiterhin so getan, als ob diese Kunden zahlungsfähig wären, indem man einfach so tut als wären diese Kunden vorrübergehend knapp bei Kasse. Tatsächlich haben diese Kunden, sogar die Steuerschecks die sie vom Staat erhielten einfach in neuen Konsum gesteckt und warten schicksalsergeben was als nächstes kommt.
Eigentlich könnte man rund 40 Prozent aller amerikanischen Kreditkarten zerschneiden, was weltweite Folgen hätte. Nicht nur das einige Kreditkartenhäuser aufgeben müssten, ein gesamtes Zahlungssystem wäre in Frage gestellt und die Versicherer für derartige Kredite würden diese Welle auch nicht überleben.
Nein es ist noch lange nicht genug. Ben Bernanke weiß keinen Ausweg. Zwischen dem Amboss Finanzkrise und dem Hammer Inflation wird er pulverisiert. Er ist im Grunde genommen schon heute nicht mehr haltbar, aber welcher Nachfolger sollte mit der notwendigen Härte vorgehen. Es gibt keinen. Also wird weiter gezaudert und alle sind dankbar. Es gilt der alte Spruch:
Genieße den Krieg,
denn der Frieden wird schrecklich sein!



















