Dessau, den 10. März 1993
Lieber Freund,
da die Sache mit der merkwürdig verkannten Treuhandsgeschichte mir nicht mehr geheuer ist, schweig ich fein still und versuch's lieber mal wieder mit Gärtnerin und Landschaftsgestaltung.
Heute habe ich eine Kulturstiftung namens Förderverein des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches e.V. mitbegründet, die die landschaftlich historische Anlage mit Geldern versorgen soll. Das Dessauer Gartenreich ist aus der 1918 von Joachim Ernst von Anhalt gegründeten und zunächst nach ihm benannten Stiftung* hervorgegangen ...
(*Anmerkung: Diese Stiftung wurde 1994 wiederbelebt. Später nennt sich der Förderverein “Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Anlagen e.V.”)
Organe der Stiftung sind natürlich das Kuratorium und der Vorstand - also ich. Das Kuratorium beschließt vor allem grundsätzliche Angelegenheiten der Stiftung. Dazu zählen die Feststellung des Haushaltsplanes, die Verwendung von öffentlichen Mitteln oder die Ernennung des Vorstandes. Vorstandsvorsitzender im Jahr 1993 wurde selbstverständlich und gebührend meine eigene Person, was sonst?
Gratuliere mir, liebstes Tagebuch, zu diesem großen Erfolg...
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Teamarbeit versus Gemeinschaftshandeln?
Es ist nicht abzustreiten, dass das Wort "Teamarbeit" durchaus als Pendant von "Gemeinschaftshandeln" zu sehen ist.
Was versteht man unter "Teamarbeit" und kann man es vom Wort "Gemeinschaftshandeln" trennen?
Sportgemeinschaften, Religionsgemeinschaften, aber auch Gewerkschaften oder Klassengemeinschaften gehören zur Grundlage gemeinschaftlicher Sozialität. Diese sind klar vom politischen Gemeinschaftshandeln zu trennen. Beim politischen Gemeinschaftshandeln geht es um zu begrenzende Gebiete ohne das absolute Ziel.
Hier stellen wir fest: soziales Gemeinschaftshandeln hat lediglich das Ziel, in einem Team selbiges als solches zu festigen. Offenheit, aufeinander zugehen, anderen Hilfestellung bieten, aber auch das Akzeptieren von Mehrheiten und Toleranz sind die Grundbausteine für ein funktionierendes Team.
Miteinander statt gegeneinander.
"Teamarbeit" und "Gemeinschaftshandeln" sind folglich nicht trennbar. Ihre Subkategorisierungen allerdings sind dies sehr wohl.
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Wir machen uns die Bank, wie sie uns gefällt
Bankenkrise, nein Danke. Gestern morgen erreichte uns ein Leserbrief eines unserer bekannteren und sehr guten Kommentatoren, der nur mal eben eine Überlegung rüberschieben wollte, die er zur Diskussion stellen möchte. Während hier oft die Rede von revolutionärem Umsturz ist, hatte der Leser der erst einmal ungenannt bleiben möchte, die Knalleridee schlechthin. ["Wir machen uns die Bank, wie sie uns gefällt" mehr »]
Mikrokredite und echte Genossenschaftsbanken - auch für Deutschland?
Die FTD überschlägt sich fast vor Begeisterung.
Durch die Nobelpreisverleihung wurde weltweit anerkannt, dass die Vergabe von Mikrokrediten ein Erfolgskonzept ist", sagt Karin Kortmann, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), und meint damit die Verleihung des Friedensnobelpreises an Muhammad Yunus.
Der Wirtschaftswissenschaftler aus Bangladesch ist der Gründer der Grameen Bank, die Kleinstkredite an Arme vergibt. Die Bank finanziert sich selbst, ganz im Sinne des genossenschaftlichen Gedankens.
"Yunus hat gezeigt, dass auch Arme ihre Kredite zurückzahlen", sagt Paul Armbruster, Abteilungsleiter Internationale Beziehungen und Entwicklungsdienstleistungen beim Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV).
Welch überraschende Erkenntnis. Meist kommen jedoch die Armen gar nicht mehr dazu ihre Kredite zurückzuzahlen, weil die Kreditgeber sie bewusst in Fallen locken, bei den das für den Kredit erworbene Produkt, weder annähernd werthaltig ist, oder dessen Wert durch andere Maßnahmen manipuliert werden kann. Wir haben uns damit abgefunden, das nur der Kreditnehmer die Verantwortung trägt.
Auch wenn die Deutsche Bank sich jetzt an Mikrokrediten in Entwicklungsländer beteiligen wird, ist sie hier fleißig dabei, Hypotheken zu schreddern und die Leute um ihr Eigentum zu bringen, oder durch aberwitzige Zinsen und Forderungen, jede Entwicklungsmöglichkeit zu verhindern. Aber auch da hilft uns die FTD weiter:
Genossenschaften fußen auf den Prinzipien der Selbsthilfe und Kooperation. Für Menschen in Entwicklungsländern sind Genossenschaftsbanken daher ein vielversprechender Weg aus der Armut, wie einige Projekte zeigen.
Wieso nur in Entwicklungsländern. Die Masse der Bevölkerung in Deutschland bewegt sich doch mit Riesenschritten in Richtung Prekariat, wenn sie nicht schon längst dort angekommen ist. Da es kaum noch Zugänge zum normalen Wirtschaftsleben gibt, ist es an der Zeit, über eine alternative Wirtschaft nachzudenken. Im bisherigen System ist der einzelne Chancenlos, warum probieren wir es dann nicht mal mit Solidarität.
Natürlich müssen wir bei Null anfangen. Das jetzige Raiffeisensystem ist längst zerstört oder doch zutiefst untauglich, da es den Raiffeisengedanken längst zu Gunsten eines Manchesterkapitalismus beiseite gelegt hat. Aber das ist nicht schlimm. Wir können wieder neu anfangen.
Der genossenschaftliche Gemeinschaftseinkauf und die Verteilung der Ware über eine eigene Ladenkette ist immer noch machbar, genau wie eine lokal gebundene genossenschaftliche Bank. Selbstverständlich könnten auch wieder eigentständig Produkte, wie Fahrräder oder Haushaltsgeräte produziert werden. Die Möglichkeiten sind unendlich.
Tatsächlich würde ein solches System, mit Baugenossenschaften und vielleicht sogar eigener Landwirtschaft eine Menge an Arbeitsplätzen schaffen und sehr schnell zu einer Nebenwirtschaft führen, die immer stärker wird, während die Normalwirtschaft nicht tangiert wird. Sie darf sich und andere weiterhin abzocken.
Wenn wir heute damit beginnen unsere Genossenschaft zu gründen könnten wir vielleicht übermorgen schon an solchen Stellen wirkungsvoll eingreifen. Wenn dieses System die Mehrheit der Deutschen nicht braucht, dann ersetzen wir einfach das System.
Wir können Aldi, Deutsche Bank, Siemens und Lidl sogar auf menschlich, gerecht und fair.
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