Eure Sorgen möchte ich haben, ist das was mir einfällt wenn ich den
Huberdoktor und
Dominik Eichbaum über Sinn und Unsinn von Web 2.0 fabulieren höre.
Eine Brise Sozialismus weht durch den neuen Kapitalismus!
Dieser Satz beinhaltet die Grundangst, die hinter all den schönen Theorien über Geschäftsmodelle im Web 2.0 steckt. Sie taucht anders formuliert ständig wieder auf.
Wovon die Produzenten der Inhalte eigentlich leben sollen, gilt als persönliches Problem, das folglich selten diskutiert wird. Die meisten sind Amateure, und die wenigen Professionellen erzielen ihr Einkommen bei den alten Medien wie Presse, Film, Fernsehen und Radio.”
Vielleicht wird den Menschen ja irgendwann mal klar, dass das Web 2.0 in punkto Verteilungsgerechtigkeit nur die Verteilung von nicht vergüteter Mitarbeit kennt und der Erzielung von Einkommen auf breiter Basis (bzw. “westlichem” Niveau) den Boden entzieht.
Das zielt genau in die gleiche Richtung, formuliert nur freundlicher. Es geht immer nur um die Suche des Topfes voll Gold am Ende des Regenbogens. Bekanntlich hat den allerdings noch niemand gefunden. Entweder war der Regenbogen weg, oder man erreichte sein Ende nicht.
Wenn alle Inhalte gratis verfügbar sind, Medien nicht mehr für die Massen, sondern von den Massen gemacht werden, wo bleibt dann eigentlich die Wertschöpfung?
Ist die verklausulierte Form der Frage, was denn der arme Medienschaffende und Experte machen soll, wenn sein Medienschaffen und Expertentum von den Massen nicht mehr benötigt wird. Es ist die Angst um den eigenen Hintern, die tiefgründiges Gefasel lostritt.
Auf technischem Gebiet ist die Frage der Wertschöpfung ganz einfach gelöst. Ich bekomme im Netz die Information das es eine Entwicklung gibt, die mich interessiert. Nehmen wir die Verwertung von Dampf mit niedrigen Temperaturen der Mittels Wärmetauscher und unterschiedlichen Flüssigkeiten tauglich für Dampfturbinen gemacht werden kann. Diese Information versetzt mich in die Lage, weitere Informationen zu beschaffen und die in meinem oder fremden Unternehmen anfallende Restwäre sinnvoll und wirtschaftlich zu nutzen.
Ich werde mit Sicherheit das Rad nicht neu erfinden sondern die Autoren aus dem Netz und die Firmen mit denen sie verbunden sind, in meine Vorhaben einbinden bzw. beauftragen. Die Wertschöpfung besteht in deren Aufträgen und meiner verbesserten Energiebilanz. Das ist übrigens kein theoretischer Fall. Über all da, wo es um marktreife Produkte oder Verfahren am Ende des Labormodells handelt, funktioniert die Wertschöpfung. Auch bei Open Source Software, wie Mozilla eindeutig zeigt.
Es funktioniert auch bei Musik. Sowohl bei prominenten als auch weniger prominenten Darbietern. Es funktioniert in beschränktem Umfang bei der Vermarktung von Literatur an Verlage, aber es funktioniert mangels einer sinnvollen Technologie nicht bei Literatur für den Endverbraucher. Aber das wird sich mit neuen Technologien schnell ändern. Das E-Paper könnte der Durchbruch sein.
Es gibt aber Bereiche in denen eine echte Wertschöpfung nie funktionieren wird, weil das Produkt weder den Verbreitungsgrad, noch den Anspruch auf Vermarktung hat. Dazu gehören Blogs, die wie von mir schon mehrfach ausgeführt, eher persönliche Tagebücher sind. Selbst Robert Basic, der dankenswerter seine Vermarktungsergebnisse offenlegt, holt im April mal gerade 800 Euro aus seinem Blog. Bei 155.000 Besuchern bringt ihm das ganze 5,5 Cent pro tausend Besucher.
Die Mehrheit der Blogs rangiert aber weit unter diesen Besuchernzahlen. Ich liege ungefähr bei 9.600 Besuchern was mir die Wahnsinnssumme von 55 Cent einbringen würde. Aber selbst wenn sich die Besucherzahlen, verdoppeln, würde ich mir die Arbeit nicht machen mich um Werbung zu kümmern, weil es den Aufwand einfach nicht wert ist. Auf gar keinen Fall ist es den Ärger wert, den mir die meisten Anzeigen bereiten. Bei entsprechenden Erträgen wie bei Robert, sehe ich das vollständig anders, aber die, werden die meisten Blogs nie erreichen.
Diese Blogs verschenken also gar nichts und verlieren auch nichts, in dem sie ihren Content anderen kostenlos zur Verfügung stellen. Sie haben die Möglichkeit ihre Meinung zu verbreiten. Früher haben sie das im Gespräch, am Telefon und mit Rundbriefen gemacht. Heute eben per Blog. Diese Blogautoren kennen häufig einen Teil ihrer Leser auch noch persönlich. Ich werde oft direkt auf den einen oder anderen Artikel angesprochen.
Aber es gibt eine andere Wirkung, die indirekt zu einer Wertschöpfung führt. Inhalte und Meinungen aus meinem Blog, werden von Lesern in deren eigene Blogsphäre transportiert und dort weiter verarbeitet. So kann es passieren, das ich per Zufall in einem Block in Bayern oder Westfriesland, den einen oder anderen Gedanken von mir wiederfinde, obwohl der Autor dort, mich nicht gelesen hat, sondern sich auf andere bezieht. Teilweise haben diese Netze fünf und mehr Stufen, bis sie wieder bei mir landen.
Diese Reichweite ist zwar nicht werthaltig im Sinne von Einnahmen, aber sehr wertvoll um Mehrheiten und Aufmerksamkeit für meine Themen zu schaffen. Das gleiche gilt für wissenschaftliche, technische und kulturelle Blogs. Sie reichen oft weiter als man an den eigenen Zahlen messen kann. Anders als Werbung und Medieninhalte, müssen diese Inhalte die virtuelle Welt verlassen und sich in der Realität bewähren. Die Wertschöpfung von Web 2.0 findet also häufig außerhalb des Webs statt.
All diese Wertschöpfungen lassen sich von Werbern und Medienunternehmen nicht für ihre Zwecke einspannen und da, wo sie Märkte hätten, machen sie keine Angebote. Wer einmal ein aktuelles Pressefoto für einen Blog in meiner Größe kaufen wollte, stößt ins Nichts. Flickr, pixelio und andere liefern in dem Bereich nichts. Wer einmal versucht einen bezahlbaren Newsticker einer oder mehrer guter Pressagenturen zu finden, kann nur verzweifeln.
Gute und sichere Märkte mit hoher Wertschöpfung wird es bei den ersten virtuellen Plattenlabels geben, die ganz auf den physikalischen Datenträger verzichten. Das gilt auch für Hörbücher. Eine ganz andere Form hat Franktireur für sein Buch
Livesaver gewählt, zu dem er bemerkt:
Mit diesem Roman nahm ich 1997 an einem Wettbewerb des Bastei-Lübbe-Verlags teil, in dem es um “Großstadtthriller” ging. Das Manuskript schaffte es zwar in die engere Wahl, und das war’s dann auch. Nun habe ich ihn digitalisiert und stelle ihn kapitelweise hier im weblog zum kostenlosen Download bereit.
Auch er verschenkt damit nichts. Es gibt eben noch keinen Markt für E-Books, den weniger bekannte Autoren nutzen könnten um sich ein Publikum zu erarbeiten und wenigstens etwas Geld einzunehmen. So bekommt er zwar auch keine direkte Wertschöpfung, aber auf Dauer eine Leserschaft die auch nach Nachschub fragen wird.
Wer allerdings im Web 2.0 mit den Methoden der Vergangenheit Wertschöpfung betreiben will, der muss versagen. Man kann mit dem Vorschlaghammer keine goldenen Fingerringe ziselieren.