Dieses Stöckchen, hat mir mein Jüngster in einer
unruhigen Nacht zugeworfen, und ich wäre froh, wenn ich es nicht aufgenommen hätte.
Ich bin normalerweise ein Schnellschreiber. Fakten sammeln und los. Diesmal scheiterte ich schon fast an der Recherche. Mit den Suchworten "ermordet Säugling Mutter" fing ich an. Jeder der sich den Tag versauen will, kann es gerne nachmachen. Ich wollte eine Liste erstellen. Zwanzig oder dreißig Fälle, gar kein Problem sie zu finden, nur das Lesen der Fakten wird zum Problem.
Irgendwo in dem Wust stieß ich auf einen Text von Karlheinz Gschwind "
Nur die Teddybären weinen" der mich mit dem amtsdeutschen Begriff für die Ermordung von Kindern vertraut machte. Durch „Vernachlässigung sterben“. Und er erwähnte das in Deutschland laut Statistik jede Woche drei Kinder unter diesem Bürokratiebegriff ermordet werden.
Ich habe ihm das nicht geglaubt und mit diesem Begriffspaar weiter recherchiert. Er hat leider recht. Der
Tagespiegel spricht von mindestens drei Kindern je Woche, schließt dabei aber die Gewaltopfer generell mit ein. Der
Unicef-Bericht aus dem Jahr 2005 nennt zwei Opfer durch Vernachlässigung und Mißhandlung pro Woche.
Dann ist aber auch schon Feierabend mit einer vernünftigen Datenbasis. Anders als in zivilisierten Ländern führen wir in Deutschland nämlich keine Statistiken über die Ermordung von Kindern. Oh ja. Die Jugendämter haben etwas, die Polizei ein wenig und ein Teil ist auch bei den Gerichten. Wenn man sich überlegt, das wir als Unternehmer immer dickere Statistikbögen in die Finger gedrückt bekommen, die wir zum Wohle Deutschlands ausfüllen müssen und wenn man weiß, das wir die Entwicklung der Ziegenzucht in Deutschland seit 1952 bestens verfolgen können, ist das entweder ein Trauerspiel oder Absicht.
Es ist auf jeden Fall sehr praktisch. Wo keine Daten sind, können keine sicheren Schlüsse gezogen werden und die Schuldigen können nicht zur Verantwortung gezogen werden.
Die Ermordung von Kindern durch Vernachlässigung und elterliche Gewalt hat es schon immer gegeben. Es gab sie in der DDR und es gab sie in der alten Bundesrepublik. Aber da wo es keine Zahlen gibt, oder ich zumindest nicht in der Lage bin welche zu finden, bleibt mir nur meine persönliche Erfahrung und der Zugriff auf die Erinnerungen anderer.
Nach dieser Erinnerung hat es in den zehn Jahren vor der Wiedervereinigung in der alten Bundesrepublik, einen bis zwei Fälle mit breiter Medienwirkung und ca. fünf weitere die über den Lokalbereich hinaus bekannt wurden, gegeben. Für die DDR die Verbrechen als Niederlage des Staates begriff, berichten Freunde von ebenfalls zwei bis drei Fällen, in diesem Zeitraum, die aber nur informierte Kreise kannten. Für die DDR wird übrigens kolportiert, das es sich zumeist um grenzdebile Personen handelte.
Selbst wenn wir diesen Erinnerungen noch eine gleichhohe Anzahl an vergessenen Taten zurechnen, fällt sofort auf, das es signifikant weniger Fälle als heute sind. Aber um ganz fair zu sein, können wir die Anzahl nochmals verdoppeln, weil sich die Ermittlungsmethoden verbessert haben. Dann wären wir bei 3 Fällen pro Jahr, was nach meinem Empfinden deutlich zu hoch ist.
Für 2007 sind wir jetzt schon bei vier Fällen, die sich über die gesamte Republik verteilen. Meine Schlussfolgerung daraus ist, das sich die Anzahl verdoppelt hat und weiterhin stark im steigen begriffen ist. Wer bessere Zahlen besitzt, möge sie nennen.
Viel wichtiger ist jedoch eine Erklärung für den Anstieg zu finden. Diese Erklärung kann ich locker den Armutsberichten der verschiedenen Bundesregierungen überlassen. Die Deutschen sind mit aller Macht in die Armut gezwungen worden um ungefähr zehn Prozent der Bevölkerung noch viel reicher zu machen.
Armut bedeutet Angst vor der Zukunft. Angst ist der schlechteste Ratgeber. Das entschuldigt die mordenden Mütter und Väter nicht, aber es stellt ihnen sozusagen Mitschuldige an die Seite.
Der Herr von Pierer, der die chinesischen Spätabtreibungen bestimmt für so lobenswert, wie alles andere in China hält, Norbert Walther und Ackermann. Kannegießer mit seiner verbrecherischen INSM, die Mohns mit ihrer Bertelsmannstiftung und natürlich Springer, die ja mit Florida-Ralf die große Hatz eröffneten. Natürlich auch die Herren Müller, Riester, Clement und Hartz, die um ihre eigenen Ärsche vergolden zu lassen, den Armen noch das wenige, was hatten, neideten. Jener Schröder, der jetzt beim rechten Schweizer Verlag den Grüßaugust gibt und von Gazprom kassiert. Die Herren Brüderle, Gerhardt, Niebel und der unerträgliche Westerwelle, die jeden sozialen Gedanken verteufeln, weil sie sich ja sehr gut versorgt wissen. Der Verräter Müntefering und die rechten Sozialdemokraten die mit ihrem Zungen jetzt schon durch den Analeingang bis zu den Mandeln des Kapitals kommen. Jene CDU/CSU die nur noch abzockt und den Menschen nichts mehr lassen will um ihre Herren vom Kapital zu befriedigen. Aber auch unsere tollen Richter die jede Maßnahme gedeckt haben, weil sie ja selber nicht betroffen sind.
Die alle stehen mit auf dem Balkon und helfen das Baby herunterzuschmeißen. Sie alle ziehen die Decke um den kleinen Körper noch etwas fester und suchen den kältesten Platz in der Toilette damit der Säugling bestimmt stirbt. Sie verleihen dem Messer Kraft, das 15 mal in das Baby stimmt. Durch ihre Gier legt die Mutter das Kind in dem Pappkarton in die Kälte. Sie sind genauso schuldig wie die Mütter und Väter. An jedem einzelnen toten Kind.
Für noch weitere tote Säuglinge sorgen dann allerdings Leute wie der Wuppertaler Oberstaatsanwalt Alfons Grevener der es sich wie der
law Blog mitteilt, auf die Fahne geschrieben hat die Babyklappe zu erledigen und durch kein Gericht aufzuhalten ist. Der Mann wird seine formaljuristischen Gründe haben. Wäre ich sein Dienstherr würde er sofort beurlaubt und auf seine geistige Gesundheit untersucht.
Ich möchte nicht wissen, wie viele Frauen aus Angst vor solch einem Staatsanwalt auf die Klappe verzichten und dann doch lieber töten. Die Hatz ist ja die gleiche.
Das Thema macht mich maßlos traurig und gleichzeitig wütend. Auch auf die Mütter und Väter, aber vor allem auf diejenigen die als treibende Kraft hinter dem Unglück stehen. Ich weiß nicht, was wir außer einer Revolution unternehmen könnten und mit wem man eine solche machen sollte. Ich weiß nur das es unerträglich ist.
Ich bin mir auch sicher, das es weitere Alarmsignale gibt und werde das Stöckchen irgendwann wieder aufheben. Natürlich würde ich mich freuen, wenn es auch andere aufnehmen könnten.