Werbung zielt auf Eroberung ab. Das weiß man spätestens seit den letzten Tagen von
Troja. Doch ab und zu kommt es vor, dass einer dieses klebrige Gespinst aus Lügen, Manipulation, Halbwahrheiten und falschen Versprechungen durchbricht und eine leicht bekömmliche Dosis Wahrheit verbreitet.
Sascha Hanke, seit Beginn dieses Jahres Geschäftsführer der Kreation von
Jung von Matt, ist einer davon. In einem
Interview mit dem Popkultur-Magazin »Umagazine« (Design EXTRA) bezeichnet er den Werber als »…so eine Art Hure«.
Mich wundert, daß es keinen Aufschrei der Entrüstung von Seiten des
Bundesverbandes sexueller Dienstleistungen e. V. gibt, oder zumindest eine Differenzierung derartiger Vergleiche. Ein Werber gehört weder zur Gattung »Hure«, noch darf er sich als solche bezeichnen. Denn Werbung befriedigt keine Bedürfnisse. Sie erzeugt welche. Darum ist sie letztlich in ihrer Funktion als verlängerter Arm der Unternehmen (Freier) wohl eher eine Art Zuhälter. Dagegen sind wir die Huren (Konsumenten).
Sollte ein Zuhälter irgendwelche Gewissensbisse bekommen, wenn er seine Huren den Freiern zum Fraß vorwirft, damit deren Begierden (Profit) gestillt werden? Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Nein. Auch dann nicht, wenn die Angestellten manchmal alles schlucken müssen. Hauptsache, der Kunde bezahlt und ist's zufrieden. Sonst kommt man nicht nach vorne oder muss in eine andere Liga wechseln. Woher also dieser plötzliche Anflug moralischer Bedenken? Buhlt da jemand um Absolution für seinesgleichen?
Ich denke nicht. Die
Geilheit nach Geiz hat man doch mit Erfolg aus den oberen Sphären der Gesellschaft heruntergeholt und sie nachhaltig in die Köpfe der Mittel- und Unterschicht gerammt, Verzeihung, gereimt. Ebenso die wiederaufbereitete
Anti-Pessimismus-Kampagne zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wer so professionell lügt, braucht weder eine Art von
Zensurbrille noch eine Union-Jack-Tarnkleidung. Abgesehen davon finde ich dieses Outfit, wenn man es auf die Fakten runterbricht, viel passender für einen Zuhälter, als für eine Hure. Doch das ist Geschmacksache.
Werbung erzeugt ab und zu auch bei mir ein komisches Gefühl. Besonders, wenn es um Fragen der Moral und der Menschenliebe geht. Kriegswaffen müssen nicht unbedingt direkt sein, wenn man bedenkt, dass
einzelne Komponenten durchaus ein Ganzes ergeben. Die Kriegführenden Parteien starten sogleich das volle Programm mit Streubomben und Phosphorgranaten. Das hinten nicht nur ein Euro pro investiertem Euro wieder herauskommt, sondern gleich ein Vielfaches an zivilen Opfern, ist auch klar. Doch da besteht immerhin die Möglichkeit, sein Gewissen zu beruhigen, indem man grüne Techniken bewirbt. Aber vielleicht ist eher
das damit gemeint?
Ja, solange der
»Spartrend« in den deutschen Haushalten anhält, müssen sich die Werber neue Strategien ausdenken. Allein mit einem hölzernem
Hottehü-Pferdchen werden sie die Herzen der Menschen nicht mehr erobern können. Und schon gar nicht das Geld, weil das bereits anderweitig einkassiert wurde.
Was will man machen?